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MS. Germ. Fol 841

9302
Vorträge

über phyſiſche Geographie des
Freiherrn
Alexander von Humbold

gehalten im großen Hörſaale des
Univerſitäts-Gebäudes zu Berlin
im Winterſemeſter 1827/28
vom 3ten Novbr. 1827. bis 26 April 1828

Aus
ſchriftlichen Notizen nach jedem Vortrage
zuſam̃engeſtellt
vom
Rechnungsrath Gotthilf Friedrich Patzig .

Berlin 1827. u. 1828.

Erſtes Heft: Vorträge v. 3ten Novbr. 27
bis 8 Maerz. 28.
Nachſchrift

der Vorträge des Freÿherrn A. von Humbold über phyſiſche Geographie
, gehalten zu Berlin im Winter-Semeſter 1827/28.

1. Vorlesung, 3. November 1827

Prolegomena.

Hochzuehrende HErrn.
Die Wiſſenſchaft
über die ich mich mit Jhnen zu

unterhalten vorgenom̃en habe wird ſich mit

dem Geſchaffenen, mit den Naturgegenſtänden
beſchäftigen.

Jm Eingange der letzten Vorleſung verſuchte ich die

Wiſſenſchaft zu characteriſiren. Sie iſt die Betrachtung

des Geſchaffenen, der körperlichen Dinge als eines Naturganzen

Varenius u. Neuton haben dies verſucht. Haben

wir die Züge des Naturbildes richtig aufgefaßt, ſo

dürfte dies beſſer ſein als viele Definitionen.

Jch will nicht bloß über die telluriſchen
Erſcheinungen u. deren Verhältniſſe ſprechen
, ſondern auch einen Abriß der Aſtronomie
geben. Es ſoll dabei unſere Erde, als
ein Theil im Weltraume, näher betrachtet
u. der Gedanke verfolgt werden, alles im
Raume ſichtbare als ein Naturganzes anzuſehen
u. erſt ſpäterhin wird dañ dieſe
Wiſſenſchaft ſelbſt in engere Grenzen eingeſchloſſen
werden. Dies deshalb, weil
alle phyſikaliſchen Erſcheinungen auf der
Erde zweifach bedingt ſind, u. dieſelben
theils von den eigenthümlichen Kräften derſelben,
theils von der Einwirkung anderer Him̃elskörper
abhängen.

Doch vor Allem muß der, den lange
Abweſenheit vom heimiſchen Boden entfernt
hielt, der ſich viel mit einem Volke
befreundete, welches durch den Siñ für Natur u.
Entdeckungen im Gebiete derſelben ſich auszeichnet
, der nicht gewöhnt iſt an öffentliche
Vorträge, große Nachſicht ſich erbitten; beſonders
da in dieſem Hauſe derſelbe Gegenſtand
unlängſt von einem Gelehrten, dem würdigen
Link behandelt worden iſt, u. dies mit
einer Umſicht u. einer Beredſamkeit, daß
deſſen Vortrag ſelbſt auf den, der mit
den Grundſätzen nicht übereinſtim̃end ſich
erklären kañ, deñoch den bleibenſten Eindruck
machte. Noch mehr Nachſicht erbitte ich mir,
weñ ich bedenke, daß mir die Sprache nicht
folgſam genug ſein wird, daß ich bei
der Schwierigkeit der Sache ſelbſt befürchten
muß undeutlich zu werden, u. andernfalls
bei der Behandlung des vielſeitgen
mañigfaltigen Stoffes nur encÿklopädiſche
Abriſſe liefern dürfte, welches
beides ich doch ſo gern zu umgehen u. zu
vermeiden wünſche. Erlauben Sie mir
das große Bild der Natur im Ganzen
in einzelnen großen Zügen zu entwerfen
.

Erſter Gegenſtand der
Prolegomenen: Entwerfung
eines Natur-Gemäldes.
Neueſte Aſtronomiſche Entdeckungen

.

Nachdem Herſchel u. Frauenhofer mit ihren Fernröhren
u. optiſchen Hilfsmitteln die großen
Entdeckungen machten, wiſſen wir, daß
in den fernſten Räumen noch Welten
vorhanden ſind die noch im Lichtprozeſſe
begriffen
.

So wie die Geſchichte der Völker mit mythiſchen
Geſtalten anfängt, ſo wollen auch wir das Bild der
Natur betrachten u. zuerſt mit den nebelartigen Körpern
anfangen u. wie bei der Geſchichte ein Geſamtüberblick
des Ganzen vorhergeht, ſo werden wir es auch hier
in dieſer Art darſtellen. Die Materie iſt im
Univerſum zerſtreut, theils geballt, theils
dunſtförmig verbreitet. Die Weltkörper ſind
nicht unordentlich zerſtreut, ſondern Schichtenweiſe
im Raume enthalten.

Es ſind über 3000 ſolcher
Nebelflecke ſchon gezählt die im unendlichen
Raume inſelförmig zerſtreut liegen
wie die Archipele im Ozean. Man hat
Bewegungen entdeckt die dieſen Nebel zertheilen
u. wiederum ihn in einanderſch.
Wie bekañt iſt die Geſchwindigkeit des Lichts
bei den Monden des Jupiters entdeckt
u. genau berechnet worden; wir wiſſen

daß das Licht von der Soñe in 8 Minuten

13 Sec. bis auf unſere Erde fällt, u.
aus dieſen ſichern Daten iſt die Rechnung
ſicher, daß mehr als 24000 J. der Erde,
gehörten, um daß das Licht auf unſere Erde
von dieſen fernen Lichtnebeln gelangen
koñte.

Dauer der Erſcheinung des Lichts auf
unſrer Erde.

Wir erhalten dadurch einen Blick
in die fernſten Zeiten, der aller Geſchichte
entbehrt, wir erhalten dadurch eine
poſitive Keñtniß von der Länge der
Zeit u. von der Dauer der Welt. Ob
unſer Planetenſyſtem in wirkl. Verbindung
mit dieſen unendlichen Räumen ſteht, von
den Cometen will ich hier nicht reden die
uns viel näher angehen; ob wir in
Com̃unication u. Wechſelwirkung ſtehen
ſoll ſpäter unterſucht werden. Von
dieſem unendlichem Archipel der im Lichtprozeſſe
befindlichen Welten gehe ich zurück
zu den Lichtſtufen der Milchſtraße.

Von den Doppelſternen.

Hier ſind 700 Doppelſterne entdeckt
worden. Wunderbar iſt es, daß ſich
hier die farbigen oder Farben ſpielenden
Sterne um die ungefärbten
drehen
.

Die Bewegung derſelbe geht von Oſten nach
Weſten

Der große Aſtronom Bessel
hat hier merkwürdige Entdeckungen gemacht
. Eine ſolche Translationsbewegung
haben die Doppelſterne im Schwan, u.
ſehr deutlich iſt dies beobachtet worden.
Von Planeten kañ hiebei keine Rede
ſein; ſie ſind gleichfalls im Lichtprozeſſe
begriffeneWelten. Jndem ich der Farbe erwähnte:
ſo dachte ich an die Sterne die man erſcheinen
und wieder verſchwinden ſah, u. die kurz
vor ihrem Verlöſchen ein farbiges
Licht añehmen, wie ein Licht beim Verlöſchen
anfängt Farben zu ſpielen.
Ein einziges Beiſpiel in dieſer Art haben
wir in unſerm Planetenſyſtem bei
einem Satelliten des Jupiters. Jn
der Sternſchicht in welcher auch unſer
Planetenſyſtem liegt u. die linſenförmig
geſtaltet iſt giebt es mehrere
dergleichen Doppelſterne.

Sternenſchichten

Weñ es
keine Schwächung der Lichtſtrahlen gäbe
ſo würden nirgends Räume am Him̃el
erſcheinen, ſondern der ganze Horizont
würde im gleichmäßigen Lichtglanze ſich
befinden.

Schwächung der Lichtſtrahlen

Das iſt aber nicht der Fall. Der
ungeheure Raume iſt mit lichtſchwächender
Materie angefüllt, neñen Sie es im̃erhin
Aether oder wie ſie es wollen,
dieſe feine lichtſchwächende Materie erfüllt
das Ganze. Da, wo dieſer Teppich, weñ
ich mich ſo ausdrücken darf, dichter oder
düñer gewebt iſt, da wird es am
Him̃el dunkler oder lichter. Es geht
soweit daß Herſchel u. Frauenhofer mit
ihren Jnſtrumenten nicht mehr durchdringen; u.
im Süden des Erdballs, wie ich es ſelbſt beobachtet
ganz dunkelſchwarze Flecken am
Him̃el ſichtbar werden. An andere
Orten iſt dieſe Materie ſo duñ, daß
ſie erlaubt in andere höher gelegene
Sternenſchichten zu blicken u. hier zeigen
ſich deñ im Spectrum Verſchiedenheiten,

allenthalben, wo der Lichtprozeß noch

unvollkom̃en iſt. Wie geſagt iſt
unſere Sternſchicht linſenförmig; ſie iſt
dabei abgeplattet.

Sternſchicht linſenförmig
geſtaltet u. Standpunkt unſeres Syſtems.

Mitten in derſelben
ſtehend ſcheint uns dieſelbe durch Projection
ſo dicht mit Sternen beſäet daher die
anſcheinend große Unregelmäßigkeit in
der Stellung derſelben. Unſer Planetenſyſtem
hat in unſerer Sternſchicht
ſeinen Standpunkt am Sternbilde des
Adlersu
. bewegt ſich gegen das
Sternbild des Herkules; es iſt ſelbſt
in einer fortſchreitenden Bewegung.

wo die Milchſtraße ſich theilt. 11 Hpt
Planeten u. 18 Nebenplaneten bewegen ſich
um den Centralkörper, die Soñe.

Jn unſerm Syſtem keñen wir Haupt- u.
Neben-Planeten u. Cometen. Hier
erblicken wir einen großen Unterſchied zwiſchen
den entferntern u. nähern Planeten
von der Soñe.

Zwei beſondere Planeten-Syſteme

Dies giebt zwei beſondre
Sÿſteme. Die Scheide machen die kleinern
Körper die ſich zwiſchen Mars u. Jupiter
bewegen, die ein ganz eignes Syſtem
bilden, von denen die Veſta als die
größte ungefähr die Oberfläche von Deutſchland
hat. Sie haben eine translative Bewegung
von Weſten nach Oſten, ſind ihrer
Stellung nach ähnlich den Cometen; obgleich
doch keine Aehnlichkeit anderweit zwiſchen
ihnen u. den Cometen iſt, wie überhaupt
kein Uebergang zwiſchen Planeten u. Cometen
gefunden wird u. keine poſitive
Aehnlichkeit.

Erſtes Syſtem
characteriſt. Merkmale

Jn dieſem doppelten Syſtem
der Planeten gehören zuſam̃en: Merkur,
Venus, Erde, Mars. Sie haben das
gemeinſame der beſondern Dichtigkeit,
wie Platina, Magnetſtein u. dgl.; ſie

bewegen ſich viel geſchwinder um die Soñe, ſind mondarmer

|: bloß die Erde hat einen Trabanten :|,
an den Polen abgeplattet. Anders
verhält es ſich mit den Planeten auf der
Bahn jenſeits der kleinen Planeten.
Zweites Syſtem

Sie zeichnen ſich durch Mangel an Dichtigkeit
aus, die ungefähr nur wie Tañenholz oder
Naphta beſchaffen iſt; ſie rotiren in 9–10
Stunden; ſind abgeplatteter, haben
eine größere Zahl von Monden, einer
ſogar einen Ring, der nur betrachtet
werden kañ als Satelliten die in Knoten
zuſam̃enhängend noch ſind.

Die Cometen

Außer
dieſen Planeten gehören noch zu unſrem
Soñenſyſtem die Cometen, deren man
ſchon 400 keñt. Zählt man hingegen
auch die, die durch Berechnung der Peryhelien
näher uns gekom̃en, ſo gehören
viele 100000 zu unſerm Syſtem. Die
ſehr glänzende Entdeckung des Aſtronomen
Enke hat bewieſen, daß ein Comet in
J. wieder zurückkehrt; er iſt ſeitdem
ſchon 5 mal beobachtet u. er entfernt
ſich nicht weiter wie etwa der Merkur
.

Hauptmañ Biela in Böhmen hat den
zweiten Cometen entdeckt der in ſechs Jahren
wiederkehrt. Sie machen u. veranlaſſen
keine Stöhrung in den ewigen Weltuhr, wie
beim Cometen beobachtet wurde der durch die
Monde des Jupiter ging ohne Röhrung zu
veranlaſſen

Von den größern Cometen ſind nur
zwei bekañt, deren Bahn rückgängig
wird, obgleich auch ſie im ungeheuren
Raume retardirt werden; die übrigen
halten ihre Bahn im unermeslichen Raume
ohne nach beobachtete WiederkehrSo
wie die Geognoſie durch die Auffindung
u. nähere Beachtung der thieriſchen Verſteinerungen
aufgeklärt wurde:
Um ſich eine Vorſtellung von Raume zu

machen, iſt es weniger nothwendig ihn abſolut
zu beſtim̃en, als ſeine relation Größe zu
betrachten. Es iſt beſſer zu wiſſen, daß die
Schneekoppe ½ mal ſo groß als die Pynäen
u. der Brocken 1/6 mal ſo groß als der Chimborasso
ſind, als die Höhe beider Gebirge zu keñen.
Nehmen wir das ganze Soñenſyſtem incl. aller
Cometen gleich 1 Linie an, ſo iſt die größte
Axe unſerer Sternſchicht 260 Fuß. Die Entfernung
der Soñe bis zum Nebelfleck 4⅓ geogr.
Meilen u. die Entfern. des Uranus 1/100 dieſe
Linie. Weñ Herſchel durch ſeine optiſchen
Verſuche Sicherheit od. Wahrſcheinlichkeit zu geben
im Stande iſt, ſo hat er gefunden, daß ſich das
Teleskopiſche Sehen zum natürl. Sehen verhält
wie 4⅓ geogr. Meil. zu 3 Zoll. Jm ganzen
habe ich dieſe Vergleiche nicht, ſie ſind relativ
u. beziehen ſich auf unſere Kurzſichtigkeit. Wollen
wir noch ein Maaß añehmen, ſo finden wir ungefähr
, daß ſich die Größe der Soñe zu den Nebelflecken

verhalten wie ein Jnfuſionsthierchen zum Wallfiſche.

Dieſe Ungewißheit iſt im̃er in gewiße Grenzen
eingeſchloſſen; indem es Maxima u. Minima
giebt die ſich beſtim̃en laſſen. Von der Entfernung
des Syrius deſſen Paralaxe gleich 1 Secunde
iſt, iſt es beſtim̃t, daß er 10000 × weiter als Uranus
entfernt ſein muß. Bei dem Monde der 51000

geographiſche Ml. von uns entfernt iſt, kañ den

höchſtens 15 Ml. betragen = 1/3350 des g Abſtandes
ſo wie weñ man bei der Größe des Brockens
um 1 Fuß irren würde Aerolithen
ſind ſehr wahrſcheinlich Gebirgsarten anderer
Welten.

ſo hat
der phyſiſche Theil der Aſtronomie durch
die Entdeckungen im Gebiet der Optik gewoñen;
u. die Cometen ſind beſonders näher
beobachtet werden. Jn beſtändiger
Bewegung kañ man dieſe eine periodiſch
oſcilirende neñen. Dieſe kañ
gehem̃t, geſtöhrt werden auf viele Weiſe;
deñ welch ein geringer Stoß von außen
dürfte dazu gehören ſie in Bewegung
zu ſetzen, da die Düñigkeit derſelben
Alles überſteigt was wir ſelbſt von
Gas-Arten auf der Erde keñen. Dieſe
Düñigkeit iſt 5000 mal geringer als die
Dichtigkeit der Erde. Kom̃en wir jetzt
zu den telluriſchen Verhältniſſen, ſo werden
wir die Form, Größe u. Dichtigkeit des
Planeten betrachten

Telluriſche Verhältniſſe

Die Form deſſelben
iſt theils durch Meſſung beſtim̃t, theils geſchloſſen
aus der Bewegung des Mondes
.

Die Geſtalt iſt ellyptiſch ſchhäroidiſch. Dies
fand ſchon Ariſtoteles in ſeinem Buch de caelo:
aus dem Erdſchatt. im Monde.

Nach der
gewöhnlichen Mondtheorie hatte man 1/315
des Erddurchmeſſers für die Abplattung
angenom̃en
; wir wiſſen jetzt daß die

Abplattung

größer iſt u. 1/289 deſſelben beträgt.

es iſt falſche Theorie daß die Südliche Halbkugel
mehr abgeplattet iſt
Dabei iſt bei der Oberfläche die größte

Unregelmäßigkeit, namentlich in Hinſicht der
Jnſeln. Die Dichtigkeit iſt conform mit
der Dichtigkeit der Planeten zwiſch. den

kleinen Planeten u. der Soñe. Durch neuen

Entdeckungen kañ man ſagen, daß die Erde

gewogen worden

u. man hat gefunden daß
ihre Dichtigkeit bis 5 mal größer iſt als

Waſſer

.

Gewicht u. Dichtigkeit der
Erde.

Kewendish hat dieſe Unterſuchungen angeſtellt

Baſalt iſt nur dichter als Waſſer

Dieſe Dichtigkeit iſt
auch nothwendig wegen der Stabilität
der Flüßigkeit auf der Erdoberfläche.
Man kañ ſicher añehmen daß in der Tiefe
alles flüßig iſt.

Jn der Tiefe Alles flüßig

Dieſe Theorie iſt die
Añahme der Dichtigkeit nicht entgegen, deñ
ſo wie bei den Cometen die gasförmige
Hütte der einzelnen Schichten den Kern
zuſam̃endrängen: ſo kañ das Jnnere
der Erde wohl flüßig u. zugleich ſehr
gedrückt ſein bei aller Tenuität.

Wärme der Erde

Je weiter man in die Erde dringt
je wärmer wird es. Wie ſich dieſe

Erwärmung mit der magnetiſch elektriſchen

Kraft entwickelt, kañ hier uns angedeutet
werden. Bloß durch die

magnetiſche Spañung der einzelnen Schichten kañ
eine große Erwärmung beſtehen u. die

magnetiſch-elektriſche Kraft in Bewegung
geſetzt werden
.

Morrichini entdeckte daß unmagnetiſches

Eiſen durch Soñenſtrahlen magnetiſch

werde.

Hievon ſind unabhängig
die Verſuche die angeſtellt ſind, daß auch
die Soñenſtrahlen die magnetiſche Spañung
der Erde verändern köñen. Wäre
unſer Erdkörper nur eine Subſtanz, ſo gäbe
es wenig Stoff für Unterſuchungen.

Subſtanz des Erdkörpers

Aber
alle Materie iſt durch Aſſociation gebildet
u. alle Gebirgsarten ſind Aſſociationen von
Subſtanzen die mañigfaltig ſind. Die oxidirte
Erdrinde hat ſich vielfach verändert
in ſich ſelbſt, ehe noch climatiſche Einflüsſe
ſtatt fanden. Dies eigentliche Feld
der Geognoſie ſoll Gegenſtand der Unterhaltung
in künftiger Stunde werden, wenn
wir auch die Thiere, Pflanzen
u. die verſch. Menſchenracen |: wobei, ob ſie nach
ihrer körperl. Beſchaffenheit oder nach
ihrer Jntelligenz abgetheilt werden müſſen,
zu unterſuchen iſt :|, näher zu betrachten
haben.

2. Vorlesung, 7. November 1827

|: Nach kurzer Wiederholung des in der frühern
Stunde vorgetragenen, mit Zuſätzen welches in den Anmerkungen
enthalt ſind, würde das Neue in folgende
Art fortgeſetzt :|

Gebirgskunde

Die Gebirgskunde beſchäftigt ſich nur mit der
äußern Rinde der Erdoberfläche. Die
größte Tiefe in welche man auf einer Ebene
gedrungen, beträgt etwa 150 Toiſen, oder
900 Fuß.

Größte Tiefe

Es iſt dies unbedeutende gegen den
Halbmeßer der Erde; jedoch läßt ſich durch
Analogie auf den Kern der Erde ſchließen.
Verſuche beweiſen es unwiederleglich, daß die
Wärme zu nim̃t, u. nicht nur bei den Bergwerken
iſt dies beobachtet, ſondern auch bei
den höher u. niedriger ſprudelnden Quellen.
Letztere ſind im̃er wärmer u. es kañ hiebei
keine Täuſchung ſtatt finden. Beſonders iſt dies
beobachtet worden in den Bergwerken von
Kornwallis.

Jnwendige Hitze

Jn einer Tiefe von 1900 Toiſen
iſt die iñere Wärme ſchon ſehr ſtark u.
in weniger Meilen muß alles geſchmolzen
ſich befinden. Dies ergeben auch die
Vulkaniſchen Erſcheinungen, u. Leopold
v. Buch, der größte Geognoſt unſeres
Zeitalters berichtet dies. Dieſe iñere
Glut iſt ſo ſtark, daß ganze Berge
auf die Oberfläche getrieben werden
gleichſam aufkochen, wie ſich in Amerika
große Gebirge erhoben haben.

Glut hat Gebirge
empor getrieben.

Zwiſchen
der iñere Wärme u. der äußern
Atmoſphäre iſt ein ſteter Zuſam̃enhang.

Eine merkwürdige Unterſuchung iſt es im̃er
geweſen, woher die tropiſchen Gewächſen
kom̃en, die noch im hohen Norden
gefunden werden.

Woher kom̃en tropiſche Gewächſe
in den hohen Norden.

Die einfachſte Erklärung
beruft auf dem Grundſalze, daß es nicht
nöthig iſt eines Centralkörpers, um Wärme
zu geben, ſondern es in der eigene Natur
des Körpers ſelbſt liegt, der Wärme ſtoßt
zu entwickeln. Es köñen Spalten
in der
Erdrinde gedacht werden, aus denen die
iñere Wärme dergeſtalt ſtröhmt, daß
ſich Tropengewächſe erzeugen.

Sollten die Vulkane im Norden, Ueberbleibſel
dieſer großen Höhen noch ſein?

Hat ſich
die äußere Rinde endlich ganz oxidirt,
ſo kañ eine Erſtarrung eintreten, die
der iñern Wärme den Ausgang hem̃t.
u. Alles frühere vertilgt. Selbſt nach
Verſchluß dieſer Oeffnungen der Erde
kañ noch ein Zeitraum von 1000
Jahren ſtatt finden, bevor ſich die
freie Wärme verliert u. dieerkältete
Temperatur die Oberhand behält.
Die Gebirge verändern ſich auf mañigfache
Weiſe; man findet ihr Geſtein körnicht,
das Gewebe dicht, u. ſo homogen auch
die Maſſe erſcheint, ſo haben ſich doch
in ihren Criſtalle geſchieden.

Verſchiedene Geſtalt der
Gebirge

Man
findet Baſalt u. Uebergänge zu
Porphyr, Trachit u. Granit. Wir
köñen 4 körnigte Gebirgsarten mit
mehr oder minderer Härte zählen.
Zuerſt
Gebirgsarten

1., Die aufgelockerte Schicht mit verhärtetem
Thon u. dgl. in welcher Ueberreſte
nochlebender oder rieſenartig geſtalteter
ausgeſtorbener Thiergattungen ſich befinden.
Es iſt aufgeſchwem̃ter Boden.

2. Dichter Kalkſtein mit fragmentariſchem
Geſtein mit zahlloſen Verſteinerungen.

3. Ferner kom̃t Thonſchiefer, alter Kalk
u. ſchwarzer Kalkſtein u. endlich

4. Granit, Gneus, Glim̃erſchiefer, Trachit
, Sienit, Porphÿr, Baſalt. Dies
letztere Geſtein hat man Urgebirge
genañt; in dem man vorausſetzt daß
das untern Gebirge älter ſein muß, beſonders
da es unbeſetzt von Verſteinerungen
wäre. Gleich darauf ſind die
Flözgebirge gelagert, worauf deñ
die Tertiargebirge mit ihren Süßwaſſer
, Produkten erſcheinen. Jn
dieſen Gebirgsarten liegt die Vorwelt
des organiſchen Lebens zerſtreut.
Jn den älteſten Gebirgen finden ſich die
erſten Spuren des vegetabiliſchen Lebens,
dañ kom̃en die See-Produkte. Zwiſchen
den älteſten Tertiar u. Flötzgebirgen
findet man ungeheure Wälder
gelagert, Monocotelidonen genañt.
Jn den Steinkohlenſchichten ſind ſie enthalten
ſelbſt noch in einer Höhe von 15000 Fuß.
Dicotelidonen |: Eichen, Buchen :| ſind aber
hier vollkom̃en ausgeſchloſſen von der
Verſteinerung.

3. Vorlesung, 10. November 1827

Geognoſie, Meteorologie u. Phyſiologie
der Pflanzen haben mich den größten Theil
meines Lebens beſchäftigt u. ſo hoffe ich
in dieſen Gegenſtänden mich ſo deutlich
zu mache, daß auch die mit mindern

Vorkeñtniſſen

meinen Vorträgen folgen köñen:

Umhüllung der Erde.

Unſere Erde wird von einer tropfbar-
u. von einer elaſtiſch flüßigen Hülle umgeben
. Die äußere Rinde beſteht aus
heterogenen Steinſchichten. Dieſe Heterogenität
iſt zweifach, eineſtheils mechaniſch,
oder dinamiſch, anderntheils chemiſch. Die
Subſtanz ſelbſt iſt einfach, wie Kalkthonſchiefer
od. zuſam̃engeſetzt. Ein konſtantes
Zuſam̃enſein einer Steinſchicht bildet
eine Gebirgsart u. Gruppen derſelben
heißen Formationen. Dieſe ſind
auf dem ganzen Erdball gleich oder
wiederkehrend, wie dieß zuerſt der
unſterbliche Werner dargethan hat.

Die Formationen bilden eine Reihe von
Gliedern, die neben oder unter einander

liegen. Sie bilden alternirend in
Schichten gleichſam eine periodiſche Reihe.
Dies Zuſam̃enſein zu keñen iſt ſehr wichtig
für den Geognoſten. Mañ kañ ſie in
drei Klaſſen theilen 1., plattenförmig
kalkerdig voll Verſteinerungen 2.,
in Brutſtücken, fragmentariſch-Grauwacke
.

Klaſſen der Gebirgs-
Formationen

3., körnicht, was mehrere
Gebirgsarten zuſam̃engeſetzt Granit,
Trachit in Bildungen vulkaniſcher Eruptionen
mit glockenförmigen Kuppen.
Porphyr |: ſchwarz :| | rother Quarz-
Porphyr Serpentin, Baſalt u. Dolomit
, mit Moluſken-Verſteinerungen,
die jedoch nicht allenthalben gefunden
werden. Jm̃er höher hinauf findet
man die ſteigende Organiſation verſteinert
.

Zwei Schichten der untergegangenen
Pflanzenwelt.

So ſind zwei Schichten einer untergegangenen
Pflanzenwelt angetroffen.
Eine Schicht zwiſchen Flözgebirge u. Uebergangsgebirge
, verſteinerte Palmen
u. Farrenkräuter Monocotelidonen
u. die andere Schicht zwiſchen Tertiar
u. Flözgebirge aus Waldbäumen beſtehend
Dikotelidonen. Dieſe Schichten bilden allenthalben
gleichſam die geognoſtiſchen
Horizonte, nicht horizontal, ſondern in Anſehung
deſſen was man beſtim̃t findet u. welche
Schichten zu erwarten ſind, wie dies beim Bergbau
beſonders wichtig iſt.

geognoſtiſche Horizonte

Sie bilden
gleichſam den Chronometer der Zeit
dieſe Steinkohlen u. Ligniten Lange
hat man geglaubt, das untere Gebirge
müßte älter ſein als das Flözgebirge, wie
ein Fundament gleichſam, man hat ziemlich
unchemiſch von Granitmaſſen, Gneusmaſſen
geſprochen.

Bildung u. Entſtehung
der Gebirge.

Dies iſt jetzt beſſer unterſucht.
Nicht Auflagerung ſondern Anlagerung
hat allenthalben ſtatt gefunden. Die Flözgebirge
haben ſich nicht zwiebelartig um
Granit gelegt, ſondern die Schichten ziehen
in ganzen Strecken fort. Die Erde
hat eine ſtarke iñerliche Wärme; in der
Luftatmoſphäre müßte ihre Rinde bald
in Säurung übergehen u. ſich oxidiren,
wie dies Verſuche im kleinen darthun.
Granit kañ ſich zuerſt oxidirt haben;
daß er in den größten Höhen gefunden iſt zu
beweiſen, daß er dahin gehoben, welches
zu ſeinen Zeit aus ein andre geſetzt werden
ſoll.
Granit in die Höhe

gehoben
Mineralogiſche Karten zeigen dies

ganz deutlich: Granit, Gneus, Glim̃erſchichten
ſind hoch erhoben. Wo neue Gebirgsarten
auf dem Granit auflagern, da ſind
deſſen Spalten u. Klüfte gefüllt. Nach
Analogie iſt beſſer anzunehmen, daß
von iñen heraus dieſe Spalten gefüllt
wurden. Wo Granit auf dichtem Kalkſtein
auflagert hat er einen Halbſchatten
der in körnichten Granit verwandelt
iſt. Dies hat das Feuer hervorgebracht,
ſo wie durch dieſes Kalk in Marmor
verwandelt werden kañ. Wo Lava
durch Kreide geht giebt es in dieſer
einen Halbſchatten von einigen Zollen
verwandelt in körnichten Kalkſtein,
gleich dem carariſchen Marmor. Das
Heben der Gebirgsſchichten iſt beſonders
deutlich in den Gebirgen des ſüdl. Tls zu ſehen,
welches man den claſſiſche Boden der Geognoſie
neñen kañ. Weñ wir Conchilien
auf der Andeskette 13–14000 Fuß
hoch finden: ſo müſſen wir nicht glauben
, daß Meeresgewäſſer bis zu dieſer
Höhe ſich erhoben, ſondern es iſt durch
iñerlich in der Erde waltende Kräfte
geſchehen, wie dieſe Phänomene noch
ſtatt finden; wie dies bei den Lipariſchen
Jnſeln in neuere Zeit der Fall geweſen
, wo ſich Jnſeln mit allen Meerespflanzen
hoch über das Meer erhoben. Dies
findet man in den Bergwerken beſtätigt,
daß die Baſaltkuppen mit Zapfen
gleichſam in der Tiefe hangen u.
Pilzartig von unten durch Spalten hervorgehoben
ſind. Jn ſolche Gangförmigen
Spalten in großen Reihen, Gebirgsknoten
ſelbſt bildend, liegen die Gebirge.
Elaſtiſche Kräfte wirkten hier mit u.
füllten alle Klüfte, ſie wirkten bei den
Erzeugung der Metalle. Die größte
Revolution in den geognoſtiſchen Jdeen
iſt aus dieſer Stadt ſelbſt ausgegangen
von dem erfahrenſten Geognoſten Leopold
von Buch, daß ſämtliche Bergketten
aus Spalten der Erdrinde ſich von iñen
herausgehoben.

Neueſte geognoſtiſche
Jdeen

Betrachtung über die
flüßigen Erſcheinungen

Gehen wir von dem Starren zum
flüßigen über: ſo finden wir daß
dieſes a., tropfbar Meer Ozean
b. od. elaſtiſch flüßig Luft ſie kañ.

Beſchaffenheit der Luft

Letzters iſt aus Sauerſtoff u. Stickſtoff
beſtehend. Eine Bewegung befindet ſich
ſtets eben wie unten, u. der Luft-Ozean
ſchlägt ſeine Wellen nach oben hin. Die
ſtündlichen Variationen kündigt hier das
Barometer an.

Regelmäßigkeit der
Luftveränderung.

Unter den Tropen iſt
dieſe Luftveränderung beinahe ſo regelmäßig
, daß das Barometer die Stelle der
Uhr vertreten kañ. Es ſteigt u.
fällt. Um 9 u. Uhr am Tage am
Niedrigſten u. um 11 Uhr Mittags u. 11 Uhr
Abends am Höchſten. Dieſe Ebbe u. Fluth
der Luft wird durch nichts unterbrach.
Jm Norden iſt eben ſo gut dieſe Mittelzahl
zu erkeñen u. ſie iſt da; nur
etwas ſchwieriger zu finden. Die Quantität
der herabfallenden Feuchtigkeit iſt nun
ſehr nach der Temperatur verſchieden
u. während in den Tropen 355 Zoll
Waſſer herabfällt, beträgt dies im
Norden kaum 13–14 Zoll. Das Klima
iſt abhängig nicht bloß von dem Fall
der Soñenſtrahlen, ſondern wird
modificirt durch den Continent u. das
Meer.

klimatiſche Veränderungen

Europas weſtlicher Continent
iſt wärmer als der öſtliche, u. ſo
allenthalben. Das herrliche Clima in Europa
verdankt daſſelbe ſeiner Lage;

indem auch ſüdlich kein Ozean ſich

befindet u. auch im hohen Norden eine
eisfreies Land iſt.

4. Vorlesung, 14. November 1827

Jn der letzter Stunde erwähnten wir die
flüßigen Theile des Erdballs, des Ozeans
u. des Luftmeeres. Jch will hier noch hinzuſetzen
, daß die Temperatur in beiden
ſehr verſchieden iſt. Wäre die Erde gleich gedeckt
ſo würde eine andere Vertheilung des
Wärmeſtoffes ſtatt finden; aber mäßig weñ
Ruhe im Luftball wäre. Da die Temperatur
von dem Einfallswinkel der Soñenſtrahlen
abhängig iſt, ſo bemerken wir hier
den geringen Unterſchied der Wärme in
den ſehr verſchiedenen Breitengraden. Dadurch
erkältet ſich der weſtliche Ozean um
ſo weniger u. die in Europa häufig vorhanden
Weſtwinde bringen die milde Temperatur
. Jm Meere ſelbſt bemerken wir
drei Temperaturen.

Verſchiedene Temperaturen
des Meeres.

Jn der Tiefe iſt das
Meer unter dem Aequator u. am Nordpol
in gleicher Temperatur; auf Untiefen
iſt ſie anders |: wie man das Mittel keñt,
durch die geänderte Temperatur des Gewäſſers
auf Untiefen zu ſchließen :| i.
anders in den Strömungen. Gleich wie
die Windſtröme die Luft durch ſtreichen,
ſo ziehen die Golfſtröme durch die Ozeane
der größe Strom der in den Mexikaniſchen
Meerbuſen
ſtößt, ſich an den Antilles wendet,
u. gradenlaufs an Schottlands Küſten
ſtößt, bringt tropiſche Gewächſe an Schottlands
u. Jrlands Küſten.

Meerſtröme bringen
Tropiſche Gewächſe

So kañ ich den

Herrn Philologen auf ein factum aufmerkſam

machen, welches Cornelius Nepas anführt,
nach welchem Jnder, gelbliche Menſchen zu
einem Celtiſchen Könige gekom̃en ſein ſollen
ſchon 1000 Jahr von der Entdeckung Amerikas
. Es ſind vielleicht Eskimos geweſen,
wie das Beiſpiel im 17te Jahrhundert es
beweiſet, wo einige auf ihren Schiffen von
Leder lebendig an Schottlands Küſten getrieben
wurden, u. deren Schiff noch in einer
dortigen Kirche gezeigt wird.

Eskimos wurden verſchlagen
.

Nachdem wir jetzt das Starre, Geognoſie
das flüßige, Hydrologiſie in engen Umrisſen
betrachtet, gehen wir zu der Bildung
des Organiſchen über.

Betrachtung des
Organiſchen

Es iſt bekañt, daß
Waſſer den Soñenſtrahlen ausgeſetzt eine
grünliche Materie erzeugt, Prieſtleÿiſche Materie genañt, die in düñen Fäden hangen
u. daß dieſes bald von Oscilators u. Jnfuſorien
wim̃elt, wie ſich damit Bory
de St. Vincent beſchäftigt. Man war irnig
bisher der Meinung, daß zur Entwickelung
organiſcher Stoffe Licht nöthig wäre
wodurch die mÿthiſche Sage von Prometheus,
der Feuer des Him̃els zur Belebung ſeiner Geſtalten
brauchte, geehrt wurde. Dies iſt aber
mehr poetiſch als wahr.

Organiſche Stoffe
gedeihen ohne Licht

Organiſche Stoffe
finden ſich bis tief in die Erde verbreitet,
wo kein Licht hindringt u. tiefer als jedes
Bergwerk. Höhlen die ich beſuchte haben
ihre unterirdiſchen Vegetabilien, ja
ſogar in großer Tiefe des atlantiſchen
Meeres, wo gewiß kein Lichtſtrahl hindringt,
entdeckte ich grüne Fucus-Arten.

Pflanzen

Von
den Eingeweidewürmern, die in ſteter
Nacht leben ſind ſchon 1000 Species bekañt
.

Thiere.

Es ſonderbar, wie dies, in einem
claſſiſche Werke, Rudolphi ermittelt,
daß ſich dieſe Art Würmer in einen Thiergattung
auf dem Erdboden zerſtreut zb. in
Gazellen u. Kengerous gleich findet.
Jch kañ mich hier auf die Unterſuchung
nicht einlaſſen ob die erſte Organiſation
Pflanzen oder Thiere geweſen. Nehmen wir
den ſogenañten rothen Schnee des Pols
der aus kleinen Körnern, gallertartigen
Tremellen beſteht u. auf dem Schnee ſelbſt
vegetirt u. ſich ſelbſt bei uns u. in
Frankreich fortgepflanzt hat u. den
Unterſchied zwiſchen dieſen u. den Klaen, die
in heißen Quellen bei 68° Reaumur
wuchern.
rothe Schnee
Pflanzen in heiſſen Quellen
Die Prÿſtleiſche Materie mag
man betrachten wie man will, ſie iſt
der erſte Keim der Vegetation die in

einfachen Bändern u. Fäden wächſt u.

welcher Contraſt zwiſchen ihn u. den Palmen
von 200 Fuß u. der Vegetation am
Rio Columbo, die Zapfenbäume von
300 Fuß Höhe, wie die Thürme Deutſchlands
treibt.

Kraftvolle Vegetation

Merkwürdige Entdeckung
in der Geographie der
Pflanzen.

Jn der Geographie der
Pflanzen muß ich Sie auf ein Faktum aufmerkſam
machen, daß man ziemlich ſicher
in einem Lande die Zahl der zu einer
Gattung gehörigen Specien durch Rechnung
finden kañ. Die Einheit in den Productionen
der Natur iſt hier ſonderbar. Obgleich
ein Land unter gleicher Breite andere
Pflanzen hat als das andere: ſo werden
in jedem die fehlenden Species an
andern Orten erſetzt die Pflanzenwelt
limitirt ſich gleichſam die
Vertheilung kañ hiebei die tropiſche
u. nordiſche genañt werden. Euphorbien
nehmen ab nach Norden hin und
die herica Arten nehmen ab nach dem
Aequator. So giebt es einen großen Unterſchied

zwiſchen den Pflanzen-Arten in denselben
Breitengraden, u. Nordamerika

unter gleicher Temperatur hat verſchiedene
Pflanzen und ganz anders geſtaltete Gewächſe
wie Europa; ſo ſind Zb. die Labiaten
ſelten in Nordamerika zu finden.

Zweites Heft.

Man hat
bis jetzt 60000 verſchiedene Pflanzen-Species
gezählt, u. das größte Herbarium in England
, von Lambert, hat 30000 Phanerogamen
.

Zahl der Pflanzen-
Species

Unter den Tropen findet man
wenig geſellig lebende Pflanzen, wogegen
im Norden die Frage leicht zu beantworten
iſt, aus welcher Baumart beſteht im Walde
dies iſt in Amerika nicht der Fall, ſondern
auf jeder Meile ſind verſchiedene Pflanzen
u. Bäume.

Unter den Tropen
wenig geſellig lebende
Pflanzen.

Völlig baumloſe Strecke, wo ſich
Nomaden befinden tragen zur Kultur
der Menſchheit bei, wie dies die Geſchichten
lehrt, wie im Gegentheil Dickicht u. Wildniß, welcher ſtark
wuchern, dies verhindern. Verſchiedenſte
Formen erſcheinen dabei ſonderbar gemiſcht
u. zu iſt; je größer die
Armuth der Vegetation, um ſo größer
die Mañigfaltigkeit der Gattungen, wie
Zb. die Gebirgsgipfel viel mehr Gattungen
haben u. umgekehrt. Die frühern
Verſuche geographiſch die organiſirten
Körper zu behandeln iſt zuerſt bei den
Thieren geſchehen, ſpäter bei den Pflanzen.
Die Locomotivität der Thiere hängt auch
von ihrer Schnelligkeit ab. Kopfloſe Molusken
die mit Seidenfäden anhängen an den
Felſen haben eine geringe Bewegung, u. die
Seeigel bewegen ſich vollkom̃en durch membranöſe
Füße, ja die Stacheln ſelbſt ſind artikulirt
, u. welcher Unterſchied iſt in der

Beweglichkeit beider. So iſt an der ganzen öſtlichen Küſte Afrikas eine große Mañigfaltigkeit

der Fiſche gleich vertheilt an der
ganzen Küſte anzutreffen, da ſie hier eine gleiche Temperatur
finden, auf der Höhe oder in der Tiefe
der Gewäſſer.

Zahlen der Species
in der Thier-Welt.

Man hat bis jetzt gezählt 45000 Jnſekten
5400 Vögel 3000 Fiſche u. 700 Säugthiere. Gewöhnlich ſind die Säugthiere
1/5 von der Zahl der Vögel. Dies
Verhältniß hat nicht im̃er ſo beſtanden
große Maſſe von Säugthieren ſind velo
gegangen, die in den älteſten Zeiten der
Näſſe u. Feuchtigkeit lebten, beſonders
die Dickhäutigen Thiere |: Pachidermen :|
Schwein, Elephantenartige etc. der größte
Krokodill den ich geſehen hält 22–24
Fuß, u. in Knochen-Ueberreſte finden ſich
Krokodille von 60 Fuß Länge u. in der
Höhe eines Ochſen.

Säugethiere ſind untergegangen

Beiſpiele

Cuvier u. Blumenbach haben
die Kunſt entdeckt durch vergleichende Anatomie
aus wenigen Knochen des ausgeſtorben Thieres,
deſſen Geſtalt u. Größe zu beſtim̃en.

Kunſt der vergleichenden
Anatomie

Besonders
iſt der Jchtioſaurus merkwürdig
der in rieſenhafte Größe, einen Schwanenhals
u. einen Krokodillskopf hatte.

Jchtioſaurus

Die Geographie der Thiere hat ſelbſt das
größte Jntereſſe für die Geographie
ſelbſt. Der Zuſam̃enhang der Länder
wird ſichtbar u. was mit dem Continent
früher verbunden u. was nicht.

Geographie der Thiere
lehrt uns, welche Continente
früher zuſam̃enhängend
waren.

So
finden ſich auf den Antillen nur kaninchen-
u. mäuſeartige Thiere einheimiſch, während
die Sunda-Jnſeln mit den größten

Landthieren

, ja mit Rhinoceros-Art mit
2 Höckern, beſetzt ſind u. mit Tapiren.
Hier iſt zu finden welche Streck ſich
aus dem Meeresgrunde gehoben u.
welche Jnſeln Fortſetzung den großen
Gebirgsgruppen ſind.

Schönſte Ziel, ſein

eignes Geſchlecht zu
erkeñen.

Doch das ſchönſte Ziel der Naturwisſenſchaft
geht endlich dahin, ſich ſelbſt u. ſein
Geſchlecht zu erkeñen, u. woher die
Menſchenraces entſtanden. Man hatte
im̃er eine unbeſtim̃te Eintheilung bisher.

bisher unbeſtim̃te
Eintheilung

Man wählte dazu die Knochen, das Dermoidalſyſtem
, die Haare etc. Auch Cuvier
beſtim̃t hier 3 Racen, weiße, ſchwarze
gelbe, der Blumenbach noch die Malayſche
u. Amerikaniſche hinzufügt.
gewöhnlich drei Raçen.
Dieſe Eintheilung
iſt ſehr ſchwach.

Obige Eintheilung
der Menſchen in drei
Racen, ſehr dürftig.

Wir finden Negervölker
die nur einen der gewöhnlichen
Charactere beſitzen. Meines Bruders

Unterſuchungen über die Anlage zur

Sprache habe bewieſen, daß bei dem

verſchiedenartigſten Bau des Körpers,

die Sprache ſehr ähnlich ſein kañ, u. umgekehrt
, wie in Amerika, wo es ſo ganz
verſch. Sprachen giebt u. dieſelben Sprachſyſteme
ſich in Congo u. Basken etc. wieder
finden. Wie die Zoologen gezwungen
wurden, die großen Abtheilungen zu
verlaſſen u. lieber die Maſſen von Familien
folgen zu laſſen, ſo wollen wir
dies auch zu ſeiner Zeit thun.

Zu ſeiner Zeit ſoll
dies näher auseinander
geſetzt werden.

Meiners
der ſich mit dieſem Gegenſtande beſchäftigt
iſt in den Namen ſo unbeſtim̃t, wie in den
Raçen ſelbſt geblieben u. hat ſeine Fehler
ſelbſt in dem poſthumiſchen Werke aufgedeckt
u. dieſe zum Theil erkañt,
weñ er redete von häßlichen u. ſchönen
Menſchen, Altaiſche u. Caucaſiſche Raçe

Semiten u. Japhiten etc.

Erwähnung der falſchen
Anſichten von Meiners
hierüber.

So hätten wir
eine Ueberblick hiemit gegeben über
die 5 großen Klaſſen 1., das Aſtronomiſche 2., das

Geognoſtiſche 3. die flüſſigen Hüllen 4. das organiſcheoder Geographie der Pflanzen und Thiere 5. die

Menſchen.

Ueberſicht der Prolegomenen.
5. Vorlesung, 17. November 1827

Weñ ich in den Prolegomenen mir drei
Gegenſtände vorſetzte: ſo hab ich den erſten
Gegenſtand: Entwerfung eines Naturgemäldes
vollendet.

Erſter Gegenſtand der Prolegomenen
: Entwerfung des Naturgemäldes
vollendet.

Es bleibt noch übrig zweitens
die Betrachtung der Wiſſenſchaft der Natur ſelbſt
u. drittens der Geſchichte derſelben zu
erwähnen.

Zweiter Gegenſtand der
Prolegomenen: Betrachtung
der Wiſſenſchaft ſelbſt.

Was die Naturwiſſenſchaft ſelbſt anbetrifft,
ſo iſt es ein Vorurtheil, weñ man glaubt,

daß es ſchwierig ſei, in kurzer Zeit

ſie vorzutragen. Je einfacher die
Natur angeſchaut, je mehr ſie auf engere
Grenzen zuſam̃engedrängt wird, deſto
leichter iſt dies. So lange war die Meteorologie,
die magnetiſche Kraft u. dgl. nicht im
Allgemeinen beobachtete, ſondern dieſe Erſcheinungen
vereinzelt da ſtanden, war
es allerdings ſchwieriger. Es giebt aber
nur ein Naturſyſtem nach beſtim̃ten Geſetzen
.

Was iſt eigentlich die
Natur

Die Natur iſt nur Einheit in der
Vielheit, Mañigfaltigkeit in Form u.
Miſchung. Der rohe Wilde fühlet u. ahnet
die höhern Naturkräfte, bis wir auf
höherer Stufe wieder durch die Betrachtung
der Dinge auf die einfachen Naturkräfte
zurückkom̃en. Wir begreifen
die Naturwiſſenſchaft, durch Naturbeſchreibung
u. Naturgeſchichte, oder: Betrachtung
der Kräfte u. der Wirkſamkeit der
Dinge.

Unterſchied zwiſchen Naturbeſchreibung u. Natur-
Geſchichte

Es iſt das letztere Wort zur
Bezeichnung der Wiſſenſchaft ſehr unglücklich
gewählt. Gewiß iſt es hergenom̃en von
der hiſtoria naturalis der Alten, u.

dies wieder von dem Worte ἱϛορέω, erzählen. Naturkeñtniß

kañ sich entweder mit dem
beſondern oder allgemeinen beſchäftigen,
mit dem Objecte oder den verſchiedenen
Graduationen der Abſtraction ſelbſt.

Beſchäftigung der
Naturkeñtniß

So betrachten wir Zb. den Rieſenbaum
in Goa der 40 Durchmeſſer hält u. in
deſſen Höhlung ein ganzer Ort ſeine

Verſam̃lungen

hält, oder den Drachenbaum, der
ſo lange er ſeit Columbus entdeckt noch
fort blühet u. Früchte trägt u. dañ den
Umfang der Pflanzenwelt in der Wiſſenſchaft
der Botanik, welche wir die logiſche
Anordnung der Formen enthält.

Was enthält die Botanik
?

Letzteres
Abſtraction.

Was hinwieder die Chemie?

Jn der Chemie bemühen
wir uns die Thatſachen zu ordnen.

Höhere Abſtraction
lehrt Alles als ein
Natur-Ganzes betrachten
.

Die höhere oder zweite Abſtraction lehrt
uns beides als ein Naturganzes zu betrachten
, womit wir uns in dieſen
Stunden ſelbſt beſchäftigen. Der gelehrte
Holländer Varenius .1650. hat dies zuerſt
in einem Werke verſucht betitelt:
geographia generalis u. ſpecialis.
Dieſe große Jdee würde lange nicht beachtet
u. es iſt ein Triumpf der neuern
Zeit das Zuſam̃enwirken der Naturkräfte
zu beachten.

Beachtung des Zuſam̃enwirkens
der Naturkräfte
.

Dies hat zu Erſcheinungen
geführt, die Äußerſt werkwürdig
ſind.

Reſultate die
ſelbige gewähret.

Von dem Mondumlauf iſt Zb. auf
die Abplattung der Erde ſicher geſchloſſen;

auf die Unwandelbarkeit des Tages

ſeit Hÿparchs Zeiten; daß ſeit den
Zeiten Hÿparchs d.i. ſeit 2000 Jahren
die Temperatur des Erdkörpers nicht
um ½ Grad Reaumur ſich weder vermehrt
noch vermindert habe. Aus einem
Stück Doppelſpat od. kohlenſauern Kalk
iſt ermittelt, ob die Cometen ein ſelbſtſtändiges
Licht beſitzen. So ſind die fremdartigſten
, entfernteſten Dinge in nähern
Zuſam̃enhang gebracht.

Schwere, dieſer Wiſſenſchaft
einen guten
Namen zu geben.

Es iſt aber ſchwierig dieſer Wiſſenſchaft
einen guten Namen zu geben. Jn der
Regel iſt der Name im̃er früher als
das Wiſſen, daher die Sonderbarkeiten hiebei. Jn
England heißen Zb. die Phyſiker, Aerzte u.
die Aerzte: Naturphyloſophen.

Phÿſiologie

iſt unſere Wiſſenſchaft nicht, man
verſteht jetzt darunter ganz etwas anderes. Eben
ſo ſehr muß man einen Unterſchied machen zwiſchen
Geographie u. Geognoſie. Kañt hat den
paſſendern Namen: Weltbeſchreibung gegeben
.

Weltbeſchreibung

Jn jeder ſpeciellen Geographie
wird ein Theil des telluriſchen vorangeſchickt
, wie dies vorzüglich in der

herrlichen

Geographie von Ritter geſchehen, der
zuerſt den Nachweis geführt, welchen Einfluß
die Oberfläche der Erde auf die Schickſale
u. Bildung der Völker gehabt. Weltbeſchreibung
iſt eine empiriſche Wiſſenſchaft
der Materialien im rationalen Zuſam̃enhange
, u. ſie bereitet zur Naturphiloſophie
vor.

Was iſt Weltbeſchreibung

Mein bisheriges
Streben war dahin gerichtet Thatſachen
zu beobachten u. ich bin weit entfernt
den Denker tadeln zu wollen.

Eignes bisheriges
beſtreben

Denken
ſoll aber das Reſultat der Erfahrungskeñtniſſe
ſein, u. mit dieſen muß die
rechte Naturphiloſophie niemals im Streite
ſein.

Werth der Erfahrungs-Keñtniſſe

Ohne Erſteres, artet letzte in
le Speculation oder falſche Grundſätze
aus u. am gefährlichſten iſt dañ eine
falſche Thatſache zu beſtreiten, ſo wie Zb.
die Klimatologie, die Medecin, voll von
falſchen Thatſachen iſt. Der Empiriker u.
der Philoſoph ſollten ſich nicht ſcheel anſehen.

Verhältniß des Empirikers
u. Philoſophen

Das Zeitalter zeichnet ſich merkwürdig genug
durch dieſe zwei beſondern Tendenzen
aus.

Zwei beſondern Tendenzen
des jetzigen Zeitalters

Eine Anhäufung nur von ſinnlichen
Wahrnehmungen ohne Folgerungen; u. dañ
mit Verachtung ſich bei den Thatſachen
verweilen u. nur der neuere Jdee folgen,
u. Luftſchlöſſer bauen. So giebt es
Chemiker die es ſein wollen mit unbenezten
Händen a priori, ohne Thatſachen,
welches nur zum dogmatiſchen Schematismus
führt.

dogmatiſcher Schematiſmus
.

Begriffe ohne Beobachtung
ſeit am gefährlichſten, weil die Wiſſenſchaft
vernachläßigt wird u. das Studium,
wodurch die wichtigſte Entdeckung für die
Wohlfahrt des Staats verlohren gehen.

Mathematiſche Hypotheſen
müſſen nicht verbaut
werden.

Unrecht iſt es hiebei mathem. Hypotheſen
zu verbauen. Jrrthümer ſchleichen ſich ſofort
ein. Wir wiſſen daß es aber ſo wenig einen
Wärmeſtoff u. Lichtſtoff, als einen
Schallſtoff giebt. Dieſe mathem. Hypotheſen ſind
nothwendig u. nicht bloß unſchädlich.

Dritter Gegenſtand
der Prolegomenen
Geſchichte der Wiſſenſchaft.

Wir kom̃en zum 3ten Theile der Prolegomenen
, nämlich zur Geſchichte der Wiſſenſchaft
nicht an ſich betrachtet, ſondern wie die
Völker die Natur anſchauten. Man hat
Auge an Contraſten gehangen; allein mit
den Phantaſie kom̃t man hier nicht durch;
ſondern durch den Verſtand gelangt man zur
Keñtniß.

Umfang derſelben

Die Geſchichte muß man dem
dumpfen Gefühl des Wilden bis zur höhere
Erkeñtniß der Naturkräfte durch das
Studium der Natur alles umfaſſen.

Völker im Naturzuſtande.

Die Volker im Naturzuſtande hängen wie
die Pflanzen an ihrem Boden; alle ihre
Handlungen ſind abhängig vom Laufe der
Geſtirne etc. Alles iſt ihnen bedeutſam, nicht
nur da wo der Boden in Ueppigkeit ſchmelzt,
ſondern auch da wo er arm iſt u. nur irgend
organiſche Stoffe ſich zeigen, wie dieß
der neuere Reiſende Herr Ehrenberg, über
den Character der Wüſte näher entwickelt.

Kein Urvolk mit
beſonderer Naturkeñtniß

Man muß nicht glauben daß einem Urvolke
dieſe Keñtniß angehörte, ſondern Alles.
Wir fabeln von Egypter, Celtiſchen Druiden
Bewohner von Jral, Jndien, als Jnhaber
tiefer Naturgeheimniſſe. Die erſte
Erkentniß der Natur iſt bei allen
Völkern gleich.

Dieſe köñen gleichzeitig
bei allen Völkern
entſtehen.

Es frägt ſich hiebei
ob wir überhaupt ſogenañte wilde
Völker keñen. Die ich ſelbſt am Orinoko
zwei Jahr beobachtete zeigten
ſich mir als Trüm̃er einer untergegangenen
Cultur.

Es giebt keine
wahren Wilden.

Kein Reiſender hat einen
wahren Wilden geſehen, ſondern nur
Reſte gebildeter Völker. Hingegen eine
göttlich geoffenbarte Naturweiſheit
kenne ich weder durch Geſchichten
noch durch eigne Beobachtung.
Keñe göttlich geoffenbarte

Naturweisheit
.
Es iſt dies

eine beſondere Neigung des Zeitalters
wieder zum Wunderbaren:

Neigung des Zeit-
Alters

Man ſehnt
ſich nach der Vollkom̃enheit der frühern
Welt. Weñ gleich einzelne Völker
in der Wildniß ſonderbare Name den
Sternenbildern geben, u. dieſe nicht da
entſtanden ſind wo ſie jetzt eingeengt leben:
so hat doch dieſe natürl. Aſtronomie
nichts wunderbares das einzig geregelte
in dieſer Wildniß iſt der Lauf
der Sterne, der einen frühen Eindruck
macht, ſo wie der Wilde inſtinctartig
ſeine Heilmittel ſelbſt findet.

Natürl. Aſtronomie
nichts wunderbares

Die Keñtniß
des Jahres durch nicht von einer Nation
auf die andere kom̃en; jede kañ dies
ſelbſt finden. Eine ſolche offenbarte Urphyſik
ohne Hiſtorie gehört rein in
die Schäre des Glaubens, die uns hier
ganz fremd bleiben muß.

offenbarte Urphyſik
gehört in die Schäre
des Glaubens.

Die wilden
Völker hatten allenthalben die größte
Ueberlegenheit an Naturweisheit. Die
Jnder hegen die große Verehrung vor
dem Himalaja Gebirge. Die Hellenen
kamen vom Norden, von Thrazien her.
Auffallend iſt es daß allenthalb mÿthiſche
Perſonen erſcheinen etc. den Wilden iſt
eigenthümlich das Gefühl der Einheit der
Natur, wogegen ihnen abgeht die nähere
Keñtniß des Einzelnes.

6. Vorlesung, 21. November 1827

Jch habe es verſucht mich zu einer höhern
Anſicht der Natur zu erheben, zu ihrer Einheit
.

Höhere Anſicht der
Natur

So wie die Weltgeſchichte ein Aggregat
von Keñtniſſen iſt, ſo die Geſchichte
der Naturwiſſenſchaften. Seit 1786 wurden
die erſten Verſuche von Kant angeſtellt
, die metaphyſiſchen Anfangsgründe
der Naturwiſſenſchaften zuſam̃enzuſtellen.

metaphyſiſche Anfangsgründe
der Naturwiſſenſch.
durch Kant

Dies muß ſtets auf chemiſches u. mathematiſches
Wiſſen gegründet ſein; weil
durch letzteres allein u. durch deſſen Jdeen
die wichtige Lehre der Atomiſtik erhellt
werden kañ; ſo wie alles Quantitative
demſelben unterworfen iſt.
So werden wir heute näher über die
Geſchichte der Wiſſenſchaft ſprechen, nicht
über die allmählig gemachten phyſikalischen Entdeckungen
:

Umfang der Geſchichte
dieſer Wiſſenſchaften

ſondern die Begriffe dabei
entwickeln, wie die Völker nach u. nach

den Schatz von Naturkeñtniſſen sich geſam̃elt u.
endlich von dumpfer Ahnung zur klaren Anſicht der Einheit in der Natur gekom̃en

ſind. Bin ich ſo glücklich dies
mir vorgeſteckte Ziel zu erreichen; ſo
dürfte ich vielleicht einigen Reiz der
Neuheit dem Ganzen geben. Vorzüglich
will ich dabei heraus heben, was
mit untern Keñtniſſen näher zuſam̃en
hängt. Jch habe ſchon früher erwähnt,
daß die Hellenen große Natur Einheit dem
Volke der Hyperboräer, der Aethioper
zuſchrieben u. von ihrem glücklichen Zuſtande
eingenom̃en waren.

Hellenen
ſchreiben andern Völkern
große Natur-
Weisheit zu

Dies beruhte auch mehr
auf der moraliſchen Achtung u. lag in
den Wünſchen einer idealen Geſtaltung
der bürgerl. Verhältniſſe, die man jenen
Völkern zuſchrieb.

Urſache.

Die höhere Einſicht
in die Natur iſt gewiß bei vielen
Völkern gleichzeitig entſtanden u. es
iſt ſchwer zu beſtim̃en was früher oder ſpäter
da war; so ſchwer es iſt zu beſtim̃en
, welcher helle Stern näher oder
entfernter von uns iſt. Man kañ
fünf große Epochen añehmen, oder große

Erſcheinungen, die Einfluß auf die Weltereigniſſe

u. auf die Anſichten der Natur
bei den Völkern gehabt haben.

Epochen dieſer
Geſchiche

1., die Epoche der Joniſchen Naturphiloſophie
u. die Schule der Pÿthagoräer

2. Alexanders Zug nach Jndien

3. Einfall der Araber u. ihre Cultur chemiſcher
Keñtniſſe

4. Entdeckung von Amerika

5. die phyſikaliſchen Entdeckungen der
neuern Zeit, u. 6. Kooks große Weltreiſe in phyſikaliſche

Hinſicht. Wie man von manchem Werk ſagen
kañ, es iſt nicht Alles wichtig was es enthält, ſondern
was es veranlaßt, ſo auch von der Reiſe Kooks.

Die Epoche der Joniſchen Naturphiloſophen
zeichnet ſich durch die Einheit der Naturanſchauung
aus.

Erſte Epoche
der Joniſchen Natur-
Philoſophie.

Weñ die erſte Schule des
Thales mehr auf ſiñliche Anſchauungen
ſich bezog, ſo war die Schule des Pythagoras
mehr doriſch-jtaliſch u. zeichnete ſich durch
ernſte großartige Anſichten aus.

Unterſchied zwiſchen
Thales u. Pythagoras

Thales
leitete Alles aus dem Urfeuchten ab,
andern von der Luft, Anaximander
verband beide Stoffe. Es waren die
Jdeen des Verdickens u. Verdüñens,
was wir jetzt attraction u. repulſion
neñen
.

Eine Tendenz der Analyſe a priori

Unſer Planet wurde noch nicht
als ein abgeſchloſſenes, als ein Ganzes
betrachtet, ſondern Alles ſichtbar unter
einem Gegenſtande nur ins Auge gefaßt
.

Es iſt dies eine Abläugung der heterogenitaet
der Körper u. eine Añahme verſchiedener
Kraftäußerungen einer u.
derſelben Materie.

Empedockles unterſuchte die nicht einfachen
Stoffe u. endet von tropfbaren,

luftartigen feurigen Elementen, mit welchen

letztern er ſich vorzüglich beſchäftigt
u. mit den vulkaniſchen Erſcheinungen
der Pythagor.

Pythagoräiſcher
Bund

Bund iſt großartig in ſeiner
Erſcheinung. Auch Frauen waren Theilnehmer
von an demſelben. Erſt in ſeinem Untergange
finden die Mitglieder deſſelben
an ihre Keñtniſſe mitzutheilen. Da
alles hier ſymboliſch geheimnißvoll erſcheint
, ſo kañ man in ihn die Philoſophie
des Maßes u. der Harmonie ſuchen.

Philoſophie
des Maßes u. der
Harmonie Mathem.
Symbolik

Es iſt gleichſam eine Mathematiſche
Symbolik, wo im Hintergrunde alle
Natur Erſcheinungen von Maß u. Ziel abhängig
sind. Erſt in ſpätern chriſtl. Zeiten
hat dies Alles eine mehr mythiſche Form
erhalten.

Philolaus

Philolaues iſt der, der
am meiſte von Pythagoras erzählt u.
aus welchem ſelbſt Copernicus ſchöpfte.
Nach ihm iſt die Soñe ein großer Spiegel
der das Feuer des Weltheerdes reflectirt
. Die Erde hat keine Rotation.

Platon

Anklänge finden ſich hievon bei Platon
in ſeinem Timäus u. Chritias. Deſſen
empiriſche Beobachtung unſer heutiger
Geognoſie iſt merkwürdig. Er kañte
das unterirdiſche Waſſer u. das unterirdiſche
Feuer u. ſein Land, Griechenland
war ganz dazu geeignet ſich hierüber
wichtige Jdeen zu bilden. Jm Jñern der
Erde iſt nach ihm das πύριφλεγετον
u. die Vulkane ſind die Schornſteine
oder Com̃unication mit der äußern
Luft. Vom Phaſis bis zu Herkules
Säulen bildet das Mittelmeer die
Niederung etc. etc. Der Horizont der Griechiſche
Philoſophen würde

Zweite Epoche
Alexanders Zug nach
Jndien

2. Durch Alexanders Zug nach Jndien
ſehr erweitert. Die Muße von Cyrene,
Nubien etc. war ihnen unbekañt, u.
Alexander gleich nicht die Troen-Gegend
ſo würde ihm doch Tropiſche Pflanzenformen
u. Thiere bekañt, weil nach den
Continenten die mit den Tropengegenden zuſammenhangen
ſich dieſe weit nach Norden
hinauf verbreiten, wie Zb. noch jetzt
Colibris in Nordamerika ſich aufhalten.

Ktehias

Ktehias, Arzt bei dem Könige von Perſien
ſchrieb zuerſt über dieſe Länder, der
freilich das Privilegium der Reiſenden
öfter gebraucht hat, die Unwahrheit zu
erzählen. Es iſt möglich daß deſſen Lectüre
zuerſt Einfluß auf den Jüngling Alexander
hatte. Nur mit dem Eindruck den die

ſpäter Entdeckung Amerikas auf die gebildete

Welt machte kañ man dieſen Zug nach
Jndien vergleichen.

Entdeckungen die
hier die Griechen
machten

Man erzählte ſich
von Bäumen, ſo hoch daß kein Pfeil die
Spitze erreichen kañ. Beſondere Thierformen
lernte man keñen. Elephanten kamen
zuerſt nach Europa. Regelmäßige
Winde, das Steigen u. Fallen der
Flüſſe, Einfluß des Klimas auf die
Geſtaltung der Menſchen, beobachte man
hier. Jn letzter Hinſicht ſtellte man
feſt, daß feuchte Hitze gelbe Menſchen
trockene Hitze ſchwarze Menſchen hervor
bringe.

Añahme
wegen der Farbe
der Menſchen

Obwohl Alexanders Zug
die Erzeugniſſe des Erdbodens mehr keñenlernte
, ſo ging es doch nicht in die Gegenden
Jndiens wo ſchon größere Cultur
herrſchte.

Alexander
nicht im eigentlichen
cultivirten Jndien

Er fand keine Spur von
Algebra u. dergl. indiſcher Weisheit.

Seleucus Nicator
ging weiter vor.

Dies fand erſt Seleucus Nicator auf,
der ſpäter bis zum Gange vordrang,
u. ſelbſt 500 Elephanten mitbrachte. Nur
Keñtniß der Naturprodukte zeichnet Alexanders
Zug aus. Nur eine Nachricht erzählt
daß von der Prieſter-Caſte der Chaldäer

Nachrichten von den Him̃elserſcheinungen

gegeben u. dieſe 1900 Eclipſen
beobachtet u. dieſe Beobachtungen dem
Ariſtoteles zugeſchickt hätten.

Ariſtoteles

Des
letztern Gelehrſamkeit war größtentheils
die Frucht dieſer Expedition. Er ſelbſt
hat auf ſeinem Landſitz eine Sam̃lung von

Naturproducten, gleich unſern Naturalienkabinetten

u. ihm wurde von Alexander
Alles zugeſendet.

deſſen Sam̃lungen

Er ſuchte nicht wie
wir die Einheit des Ganges auf, ſondern
er beſchrieb das Mañigfaltige.

deſſen Verdienſt.

Der Geiſt des Sam̃elns pflanzte ſich
fort in Egypten unter den Ptolomäern,
doch ſagt man, daß die Naturforſcher
dort gut bezahlt u. daher etwas nachläßig
in dem Sam̃eln wurden.

Erfahrungen unter
den Ptolomäern

Hier blüheten
die Wiſſenſchaften ſo, daß ſelbſt die Ausfuhr
des Papÿrus verbot werden mußte, was
jetzt ſonderbar genug gar nicht mehr in

Egypten zu finden iſt, wohl aber auf Sicilien

ſich verwildert hat. Von hier aus
ging die Tendenz des Sam̃elns nach

Rom. Wir beſitzen von den Römern

darüber zwei Werke.

Strabo

Strabo unter
Auguſt ſchrieb eine phyſiſche Erdbeſchreibung
u. machte aufmerkſam wie man aus der
Geſtalt der Pflanzen u. Thiere das
Clima errathen köñte u. ſich ohngefähr
die Breite beſtim̃en laſſe. So wurde
der Tanais zu Europa gerechnet, weil
an demſelben Tañen wachſen, die man in
Aſien noch nicht gefunden hatte. Das andere
Buch ſind die 37 Bücher des Plinius
in deſſen großartigſten Unternehmung
die Welt zu beſchreiben.

Plinius

Der Plan iſt
hier herrlicher als die Ausführung. Es
war ein großer Gedanke; die Weltkörper
, Gewächſe etc., die Menſchen, die
Blüthen der Kunſt etc. mit einander zu verbinden
. Es fehlt dem Ganzen an Anordnung
. Er war Statthalter in Spanien
Anführer der Flotte, Staatsmañ u.
ließ für ſich arbeiten, da er es ſelbſt
nicht koñte bewirken. Er ſelbſt hatte
eine ſolche Maſſe von Materien ſich geſam̃elt
, daß er es nicht bezähmen koñte
dieſer Weg wurde nicht lange verfolgt
Hadrian bebte alles Morgenländiſche
u. deſſen Cultus u. mit ihm drangen
die Schwärmereien der Neu-Platoniker
u. Gnoſtiker ein
.
Jn Egÿpten entſtand der Neu-Platonismus

Hadrian
Caligula ſuchte aus Schwefel-Kies Gold

zu machen u. Diocletian mußte im eigens
Edict gegen die Chemiker erlaſſen dh. gegen
das Gold u. Silber machen. Der Name
Chemie muß abgeleitet werden aus
dem Chaldäiſchen; von dem Lande Chania
u. es heißt die Kunſt aus dem Lande Chania.
Sie führte ab vom Geiſte des Sam̃elns
u. führte zur Betrachtung der Einheit
der Natur.

Schwärmeriſche
Jdeen führten zum Gefühl der Einheit
zurück u. das Studium der geheimen
Kräfte, führte zum Studium der
Chemie. Dies war wichtig für die Entwickelung
chemiſcher Keñtniſſe, deren
Hauptſitz von Alters her Aegypten
war, von deren ſie die Araber auf
ihren Eroberungszügen erhalten.

7. Vorlesung, 24. November 1827

Bei der Schwächung des römiſchen Reichs
durch Theilung, verbreitete ſich im Weſten
die Nacht des Wiſſens, während im Oſten
noch helles Licht blieb. Die ſogenañte
Völkerwanderung vernichtete dort Alles
Wiſſen.

Dunkle Zeit
in Europa

Es iſt eine ſchöne Entdeckung v. Klaproth
, daß der bis jetzt angenom̃enen erſt Stoß der
Völkerwanderung nicht von den Hunnen, ſondern
nach chineſiſchen Geſchichtsbüchern, von indiſch-germaniſchen
Stäm̃en, die in der jetzigen
Mantſchurei am Baikalſee lebten. ausgegangen
iſt, die ſich auf die Hiongnus
260 J. v. C. G. warfen. Es dauerte über
400 J. bis dieſer Menſchenſtrom ſich weiter
auf die Türkiſchen u. Fiñiſchen Stäm̃e wälzte.

Dritte Epoche
Einfall der Araber
u. ihre Cultur chemiſcher
Keñtniſſe.

Wir kom̃en jetzt zur dritten Epoche
wo der Geiſt des Wiſſens durch die Araber
aufgefriſcht wurde. Sie waren ein ſemitiſcher
Stam̃ der zuerſt Nord-Afrika eroberte. Schon früher waren hier Völker
eingedrungen, nach der Geſchichte die Hyksos.
Nun kamen die Araber u. in ihrer glänzenſten
Zeit herrſchten ſie vom Ganges
bis zu den Herkules-Säulen.

Wanderungen der
Araber.

Sie ſelbſt
vergleichen ſich in ihren Dichtungen mit
Wolkenzügen, die ſich bald aufmachen u.
über das Land einhergehen. Ein merkwürdiges
Volk welches ſich in neueſter Zeit
ihre Religion, durch die Wahabiten Kriege
bekañt gemacht. Man kañ ſie unwiſſen
aber nicht roh neñen. Eine eigene Liebe
zur Natur belebte ſie.

Jhre Liebe zur
Natur.

Bei ihnen
lebten zuerſt die glänzenſten Zeiten
der iñern Naturanſchauung auf, die
Tendenz, die wir jetzt ſelbſt verſuchte
u. von der die Alten weit entfernt
waren, die nur beobachteten.

großartige Tendenz

Arabien
war im Norden mit ſemitiſchen Völkern
im Süden mit Aethiopiern im Zuſam̃enhange
ſpäter mit Egypten was von den Zeiten
der Ptolomäern im Flor war.

Begrenzung
derſelben

Griechiſche
Aerzte lebten zu Mecca zu Muſ
Zeiten u. merkwürdig, daß allenthalben weñ
Bildung begañ, dieſe von den Griechen
ausging
.

in dieſe ſtets Strahlen des Lichtes
zu der übrigen Menſchheit brachten.

Dichtkunſt blühete ſchon vor
Muhamed u. bekañt ſind die dichteriſche
Kampfſpiele zu Mecka u. Ocka. Des großen
Dichters Anthars Geſänge werden noch
jetzt in Mecca aufbewahrt.

Jhre damalige
Bildung

Höchſte Flor
der Araber war unter dem Chalifat
der Abasciden. Jn Mosul u. Bagdad
waren große Bibliotheken u. in allen
größern Orten wurden dieſe angelegt.
Es iſt ſchwierig zuſam̃enzuſtellen was
wir Alles den Arabern verdanken.

Was wir den
Arabern verdanken

Sie beobachtete den Him̃el, erforſchten
die Erde, kauten Pflanzen, erfanden
aſtronomiſche Jnſtrumente. Sie maßen
ſelbſt die Erde in den Ebenen Meſopotamiens
.

Judiſche Zahlen
Bezeichnung

Sie führten die Judiſchen Zahlen
in Europa ein, die wir noch im̃er Arabiſche
Ziffern neñen. Dieſe wurden ihren
ſelbſt im Anfange des 10 ten Jahrhunderts
bekañt. Durch den Werth der Poſitionen
alle Gruppen der Einheit auszudrücken
hatte den größten Einfluß auf den geſam̃ten
wiſſenſchaftlichen Verkehr. Ferner
kañten ſie die Optik, die Lehre
von der Refraction. Jhnen waren Schriften
der Alten bekañt, die wir ſelbſt von
ihnen noch aufbewahrt erhalten haben,
Zb.

Schriften der Alten

Timocharis Werke aus dem Hipparch
über das Vorrücken der Nachtgleichen
ſchöpfte, ſo wie die Optik des Ptolomäus.
Die Wiſſenſchaften hielten ſie für ſo wichtig
daß ein eigner Ueberſetzungs-Ausſchuß
ernañt wurde, freilich erſt im̃er in die
Syriſche u. als dañ in die arabiſche
Sprache. Jhr Geiſt war dabei ganz
praktiſch; aber nach dem Jslam mehr
Eſoteriſch, das Allgemeine ausſchließend
u. nur in Kaſten fortlebend.

Chemiſche Entdeckungen

Das Letzte waren ihre Chemiſchen Entdeckungen
. Sie fanden die Salpeter
Säure u. das Königswaſſer, ohne welche
die Chemie nicht beſtehen kañ u. die
iſt dem Sabäer Geber zu verdanken
ferner ſind ſie die Erfinder des Diſtilirens
u. der Bereitung des Alkohols
das Roſenöhl, welches aus einem Contakt
mit Baumwolle gepreßt wird, iſt eine
Erfindung ſpäterer Zeiten; auch kañten
ſie die Queckſilber-Oxide.

der Kunſt der Amalgamation etc.

Von ihnen
aus gingen zwei Reflexe, der eine
bei Ulukbei, einem Enkel des Timur
unter den Mongolen; der andern in
Spanien.

Ulukbei

Alfons

Hier lebte Alfons der
Weiſe in Caſtilien, der einen Congreß

der Aſtronomen, von Juden, Sar̃acenen, Chriſten berief

um vereinigt aſtronomiſche Tafeln in
Toledo anzufertigen u. von dem man
ſagt, daß er die Erde über den Him̃el
verlohr; indem die Araber großen
Eroberungen unter ihm machten. Der
Abglanz der arabiſch-chemiſchen Kunſt finden
wir bei Raimundus Lullus, einem Spanier
genañt Doctor illuminatissimus, der
die Ars magna beſaß.

Raimundus
Lullus

Der berühmte
Roger Baco war indeß größer, faßte
tiefer auf, u. wurde ein Opfer
seines intellektuellen Strebens.
Roger Baco
Beide
erhielten die chemiſche Keñtniße u. führten
zu denſelben, nach den Arabern.

Vierte Epoche
Entdeckung Amerikas

Die vierte Epoche iſt die der Entdeckung
Amerikas. Sie wurde vorbereitet
durch das Aufblühen des italiäniſchen Handels
, durch die Anregung geiſtiger Kräfte
in der allgemeinern Verbreitung der clasſiſchen
Litteratur die durch die Erfindung
der Druckerkunſt befördert wurde
.

Auch hier ſind die Araber die Vorbreiter

zu dieſer Entdeckung, durch ihre aſtronomiſche

Tafeln. Toſcanella u. Talerico waren

Zeitgenoſſen von Americo Veſpucci u. Columbus

Erſterer machte dem Letztern Mittheilungen von

der großen Nähe des öſtl. Aſiens gegen Weſten.
Jch habe ſelbſt zwei Briefe des Geheimſchreiber Petrus
Martyr de Anpera an Kaiſer Karl V. vorgefunden
in deren einen v. 1493 er ſich mit großem

Geiſte über die wichtige Entdeckung der Antipoden

ausſpricht.

Schon 1450 lange vor der Eroberung Conſtantinopels
herrſchte eine Verbindung zwiſchen
Jtalien u. dieſem Orte. Jm Anfange des
14te Jahrhunderts ſendete der König Roges
von Neapel ſchon Gelehrte nach Konſtantinopel
, um dorten Keñtniße zu ſam̃eln.
Es lebte in dieſer Zeit die gefeiertſten
Dichter Jtaliens. Ein freieres Sprach-
Studium weckte den Geiſt u. einen wunderbaren
Einfluß übten die alten
Claſſiker auf das Gemüth.

Vorzug des Clasſiſchen
Studiums.

Es iſt ein
Vorurtheil, als ob dieſes Studium, welches
den größten Theil der Menſchheit beſchäftigte
von dem Studium der Natur abgehalten
hätte. Jm Gegentheil, weñ gleich nicht neue
Keñtniſſe dadurch erlangt wurden, ſo
iſt die geiſtige Richtung doch ſehr wichtig,
die durch das Aufblühen der Litteratur
sich bildete.

Columbus entdeckt
nicht zuerſt Amerika

Die Entdeckung Amerikas
durch Columbus war nicht
die erſte. Schon 1005 hatten ſcandiſche Schiffer
Neufoundland entdeckt u. dieſe Jnſel das
Weinland genañt. 1390 wurde Nordamerika wieder
beſucht. Der berühmte Venetianiſche Reisende
Marco Polo hatte kurz vorher große Jdeen erweckt
der über Jndien wunderbare Nachrichten mitbrachte.

Marco Polo

Ein einzelner
Reiſenden kañ jedoch weniger auf das Geſam̃twiſſen der Länder
einwirken, als weñ erſt gegenſeitig im Großen Verbindungen
ſtattfinden. Die Entdeckung Amerikas iſt zu vergleichen, als
weñ Jemand die uns abgekehrte Mondſeite entdecken möchte.

Mit Amerika werden
Gebilde der alten
Kunſt entdeckt.

Mit Amerika welches aus den Fluten ſtieg, ſteigen aus den
Gräbern die Gebilde der alten Kunſt. Man fand den Laokoon
, den Apollo, den Torſo etc. v. 1498–1511. Dabei
wurde der Geiſt der Menſchen gewaltig aufgeregt durch die große
Reformation durch Luther u. Calvin, die ihm Freiheit u. Stärke
verliehen, die beide nur eins ſind.

Reformation

Copernikus Entdeckungen
der Bahnen der Him̃elskörper hällt in dieſelbe Zeit.

Copernikaniſche
Weltſyſtem

Jn Amerika
fand man von Süd- bis Nord-Pol ein zuſam̃enhängenden
Continent.

Phyſikal. Entdeck.

Man fand auf den Höhen Schnee, ſelbſt unter dem Aequator
u. daß ſich die Schneelinie nach den Breitengraden verändert
. Man ſahe den Einfluß der Höhe auf die Temperatur
die Diſcuſſionen über die Menſchen-Racen änderten ſich. Wie
im Norden Afrikas weiße Menſchen lebten, ſo waren tiefer
nur ſchwarze Menſchen. Amerika hingegen bildete ein ganz abgeſchloſſenes
Syſtem von Völkern, die durch allgem. grammatiſchen
Analogien der Sprache, Züge des Geſichts u. Farbe gleich waren
ja ſogar daß die Bewohner in heißern Gegenden dort weißer
als die im hohen Norden u. Neger gar keine zu finden waren.
Man fragte ſich warum die Hitze daſelbſt nicht ſo groß wie in Osten
ſei. Ganz neu waren die Vulkaniſchen Erſcheinungen u. nicht zuſam̃enſtim̃end
mit denen des Aetna u. Veſuv. Man ſprach von Weſt-
Vulkane, weil hier geſchmolzenes Schneewaſſer, oft mit ſam̃t viele
Fiſchen herausgeworfen wird. Man entdeckte die Meeresſtrömungen,
Paſſat-Winde etc. Nicht nur die Erde war neu, auch der Him̃el
wurde anders gefunden. Die Magellaniſchen Wolken, die ſogenañten
ſchwarzen Sterne Canopen des ſüdlichen Him̃els erregten Aufmerkſamkeit.
Acostas Naturerſch. im Anfange des 16te Jahrhund. u. Petrus Martyr de Angera geſam̃elte
Entdeckungen lehren dies Alles umher. Man war hiebei mehr aufmerkſam auf die Contraſte als
auf die Geſetze u. in Ariſtoteles Jdeen gewickelt koñte man dieſe nicht finden, nach deren Keñtniß
wir jetzt ſtreben.
8. Vorlesung, 28. November 1827

Drittes Heft.

Bei dieſen großen Entdeckungen mußten es
leicht werden die ſcholaſtiſch-dogmatiſche
Philoſophie zu ſtürzen. Was einzelnen
Mäñern hierbei zugeſchrieben wird, gehört
mehr dem ganzen Zeitalter an
Bruno Juorduano lehrte in Genf ſeine
neuen Anſichten vom Weltgebäude, nach
denen er daſſelbe mit einem großen Thier etc.
verglich.

Jm Mittelalter
Bruno Juoduano

Von Genf vertrieben, hatte
er das Schickſal in Venedig verbrañt zu
werden.

Baco v. Verulam

Der Kanzler Baco von Verulam
in England machte ſich durch ſeine Philos.
Anſichten berühmt; doch zeichnet er ſich
mehr durch einen Schematismus aus, wie war
die Natur beobachten ſoll, als daß er
etwas ſelbſtſtändiges hierbei erfand.

Campanelli

Praktiſcher war Campanelli in Calabrien,
der ſich durch ſeine Naturkeñtniſſe auszeichnete
. Dieſe Epoche hat das eigenthümliche
der Entdeckungen großer Erdflächen
u. der Anſchauung großer Räume
, u. Beobachtungen, der Erſcheinungen auf
demſelben.

Fünfte Epoche
Erfindung phyſikaliſchen
Jnſtrumente.

Die fünfte Epoche iſt die, der Erfindung
phyſikaliſcher Jnſtrumente, die
in die Jahre von 1590–1640 fällt u.
der es vorbehalten war, durch neue
Organe die menſchliche Sinn zu
verſtärken.
Es ſind dies die wichtigen Erfindungen:

Erfindungen

1. des Fernrohrs 2., des Termometers
3., des Barometers u. 4. der Jnfiniteſimal-Rechnung
.

1. Fernröhre

Die Fernröhre wurden zu Mittelburg
in den Jahren 1590–1611 erfunden u.
ſofort entdeckten man die Jupiters
Trabanten, die Phaſen der Venus,
die nebelichte Anſicht der Milchſtraße, die
Rotation des Mondes u. dgl. Durch
Erfindung des Termometers, 1600 zu
Alkmar entdeckt man die beſtimtere
Verſchiedenheit der Klimate, den Einfluß
auf die Vegetation Das
von Toricelli erfundene Barometer
1640. wendete der gelehrte Paſcal
auf die Höhenmeſſungen der Berge an
u. weñ durch das Fernrohr neue Welten
gefunden wurden:

2. Termometer

3. Barometer

ſo zeigte das
Termometer die verſch. Climate u.
lehrte die Geographie der Pflanzen, ſo
wie Keñtniß von der Wärme des
iñern Erdkörpers gab. Ein neues
Organen war die Erfindung der Jnfiniteſimal-Rechnung
durch Leibnitz u. Neuton
168470. welche Leibnitz zuerſt
gefunden haben will.

4. Jnfiniteſimal-
Rechnung

Auf das glücklichſte
wurde dieſes Organ nicht wir
auf Mathematik ſondern auch Phyſik
angewendet, wie überhaupt die höhere
Anwendung des Calculs den Wiſſenſchaften
förderlich war.

Geſchichte
der Weltbeſchreibung in
der neuern Zeit

Sehr ſchwer iſt es eine Geſchichte der
neuern Zeit zu entwerfen, wo eine Menge
von Reiſen angeſtellt wurden u. die
wachſende Bekañtſchaft mit den Naturproducten
den Stoff vermehrte. Jndem ich hierbei
eine dürre Nomenclatur verwenden will,
verſuche ich die Entdeckungen in der Art
zuſam̃en zu ſtellen, ſo daß ſie ſich auf
das Natur-Ganze beziehen. Zuerſt
neñe ich die genauere Keñtniß von den
Luftſtrömungen, nicht den örtlichen u. partiellen
, ſondern die von Dampier zuerſt
beſtimten Bewegungen des Luft-Ozeans
als ein Ganzes betrachtet.

Luftſtrömungen
entdeckt.

Jm Jahr
1700 fand man die nähere Keñtniß der
magnetiſchen Linien mit gleicher Jn- oder
Declination der Magnetnadel.

magnetiſche
Linien gefunden

Bis dahin
herrſchte in den Beſtim̃ungen eine wahre
Verwirrung bis Halle dieſe Linien auf
karten beſtim̃t zeichnete. Beſonders
kañ man als eine eigne Epoche hierbei
betrachten Cooks Reiſen um die
Welt.

Sechſte Epoche
Cooks Reiſen um
die Welt.

Die Entdeckung Neuhollands
machte einen großen Eindruck. u. dieſe
Reiſen ſind nicht nur durch die Erweiterung
der geographiſche Keñtniſſe
merkwürdig, ſondern auf durch phiſikaliſche
Entdeckungen Zb. über die Jnclination
der Magnetnadel, der Temperatur
des Meeres etc.
Entdeckung Neuhollands
Reinhold Forſter

Verdienſt

Reinhold Forſter u. Halley
ſo ſehr deſſen Werk für jetzige Zeiten
dürftig iſt, hat deñoch das große Verdienſt
, das Ganze in ein Naturbild zuſam̃engeſtellt
zu haben. Zuerſt
faßte man jetzt die Jdee auf, von
geognoſtiſchen Formationen.

Jdeen
von geognoſtiſchen Formationen

Die
bis jetzt unbeſtim̃ten Feuchtigkeitsverhältniſſe
wurden durch die Erfindung des
Hÿgrometers von Sauſſure beſtim̃ten
gemacht; zu gleich wurde die Jntenſität
der magnetiſchen Kräfte gemeſſen.

Hygrometer erfunden
.

Ueberhaupt wurde der Anſtoß zu
den jetzigen phyſikaliſchen Expeditionen
gegeben, die Zb. von Fressinet u. Andern
ausgeführt wurden. Ein eigenthümlicher
Character der neuern Zeit
ſind auch die angeſtellten Landreiſen,
nicht in dem ausgedehnten Sinn des Mittel
alters, wo von China nach Tombuktu
u. Cordova ein Reiſender ging, aber
wichtiger für Phyſik, wie überhaupt
kleine Reiſen der Wiſſenſchaft förderſamer
ſein köñen.

Character der
neuern Zeit in Hinſicht
der Landreiſen

Jn Aſien machten
Pallas, Nibuhr u. andere herrliche
Entdeckung; ſo wie in neueren Zeit, daß
das Himalaja Gebirge höher als die
Andenkette ſei. Jn Europa ſind die kleinen
Reiſen des Saussure von herrlichen Reſultaten
begleitet. Der vielen Reiſen in Amerika
u. Afrika zu geſchweigen, wo beſonders
in Letzterm Mungo-Park-Lichtenſtein
u. zuletzt Klepperton, neue Entdeckungen
machten.

Beleuchtung
des Vorurtheils große
Räume zu untersuchen
.

Das frühere Vorurtheil
große Räume zu unterſuchen um der
Wiſſenſchaft förderlich zu ſein iſt verſchwunden
; indem man jetzt die Wiſſenſchaften
mehr unterſcheidet. Die Engigkeit
des Raums iſt dem phyſiſchen Studium
oft förderlich. Zb. der Geognoſie, wo
doch die Formationen größtentheils in
allen Zonen gleich ſind. Jm kleinen
Raum kañ der Typus erkañt werden
der auf beide Welten ausgedehnt ſein
kañ, ſo ging Zb.

Werner

Werner in ſeiner Geognoſie
von einem kleinen Punkte aus u. ſeine
Jdeen verbreiteten ſich über die Welt.
So lernte man bald die nähere Keñtniß
von den ausgebrañten Vulkanen.

v. Buch.

Der berühmte Leopold v. Buch lehrte
die Erhebung der Jnſeln und Continente.
Er ſuchte es zu beweſen, daß ſich letztere
unter Umſtänden erheben, wie Zb. in
Schweden die Gewäſſer die Küſten verlasſen
u. dagegen die Pom̃erſche Küſte mehr
ſtabil ſei. Die Beobachtung wurde
näher beleuchtet, wie ein Ort durch ein
Erdbeben erſchüttert, der andern daneben
hingegen ruhig bleiben kañ. Welches
Licht wurde nicht durch die phyſikaliſchen
u. chemiſchen Entdeckungen verbreitet.
Eine glänzende Entdeckung war die der
Voltaiſchen Säule, die in Jtalien erfinden
wurde, dem Lande, welches man nur
neñen muß, weñ von Fortſchritten in
Künſten u. Wiſſenſchaften die Rede iſt.

Volta

Entdeckung der
Metalloiden

Man lernte die Metalloiden der Alkaline
keñen, daß Erdarten Oxÿde von Metallen
ſind, die ſich ſelbſt unter den Waſſer
entzünden. Merkwürdig iſt die
Entdeckung Oerſtedts des Zuſam̃enhanges
der magnetiſchen u. elektriſchen
Kräfte, u. daß jede chemiſche Veränderung
ſtets mit Elektricismus vermiſcht
iſt.

Zuſam̃enhan
der magnetiſchen
u. elektriſchen Kräfte

Arago’s Entdeckung iſt
wichtig, daß magnetiſche u. elektriſche
Materie in allen Körpern durch Rotation
entwickelt werden kañ, ſelbſt
aus einem Stücke Eis. Obgleich die Phänomene
des Gewitters, des Regens etc. noch
in tiefes Dunkel gehüllt ſind, ſo werden
doch die Entdeckungen der neuern Zeit
dies verſcheuchen.

Entwickelung
derſelben

de Luc, Saussure
haben hier die herrlichſten Vorarbeiten
geliefert.

Verdienſte
verſchiedener Mäñer
in neueren Zeit um
dieſe Wiſſenſchaft.

Ferner neñe ich Erman
Dalton etc. von denen der eine der bipolaren
Leiter u. den Andern die telluriſche
u. phyſikaliſche Erſcheinungen u. Entdeckungen
characteriſtiſch ordnete. Dadurch
das Dollord, Herſchel u. Frauenhofer die
optiſchen Jnſtrumente vervollkom̃neten, wurdden
der Planet Uranus entdeckt, die
cometenartigen Körper die ſich nicht aus
dem Planetenſyſtem entfernen, die
Doppelſterne etc. Jſt hierdurch eine geſchichtliche
Entwickelung begründet, ſo ſehen
wir, daß die Weltanſicht jederzeit
Produkt der menſchlichen Jntelligenz
iſt.

Weltanſicht
jederzeit Produkt
der menſchlichen Jntelligenz.

Man ſollte glauben ſie ginge gleichen
Schritt mit dem phyſikaliſchen Wiſſen.
Jm Alterthum war die Cultur nur um

das Baſſin des Mittelmeers verbreitet im engen

Raume. Die vorherrſchende Neigung
zur Philoſophie zu metaphyſiſchen Speculationen u. zur Dichtung vernachläßigte dieſe

Vorherrſchende Neigung
des Alterthums.

Art des Wiſſens. Das neuere Zeitalter war im großen
Raume bekañter, jedes Volk
machte Erfahrungen, Entdeckungen im Gebiete
der Natur, es war ein gleichzeitiges
Bemühen u. große Fortſchritte wurden gemacht, aber kein gleichmäßiges. So
ging das Wiſſen im̃er ſtoßweiſe.

Das Wiſſen ging
ſtoßweiſe

Jn
Hinſicht der magnetiſche Kräfte Zb. waren
dieſe 100 Jahre bekañt u. kein Schritt
wurde hierin weiter gethan, bis
Oerſtedts neue Entdeckungen hier Licht
brachten. Je mehr wir überhaupt
entdecken
, je mehr finden wir den
Cauſal-Zuſam̃enhang der Erſcheinungen
zu ordnen.

Nothwendiger
Cauſal-Zuſam̃enhang

Je tiefer wir in die
Natur dringen, je einfacher bildet
sich uns die Anſicht des Ganzen
, bis
endlich die Weltanſicht einfach erhaben
wird.

je einfacher erſcheinen uns die Geſetze
nach denen die Natur-Erſcheinungen verbunden
werden köñen.

9. Vorlesung, 1. Dezember 1827

Dieſe Geſetze der Einheit ſind bis jetzt
viel richtiger, ſicherer u. beſtim̃ter bei Erſcheinungen
gefunden dies uns am entfernteſten
ſind, als bei denen die uns näher
liegen u. uns umgeben.

Geſetze der Einheit
finden wir leichter, beſtim̃ten
bei entfernten als naher
Erſcheinungen.

So iſt es gelungen
die Trabanten des Jupiters bis auf die
Secunde zu berechnen, weñ ſie in die
Schatten ihres Planeten treten, während
unſere Lufterſcheinungen noch ganz unbeſtim̃t
ſind. Der große Unterſchied zwiſchen
den Beobachtungen der phyſiſchen Aſtronomie
u. der telluriſchen Erſcheinungen
liegt darin, daß wir uns bei erſten bloß
auf räumliche, quantitative, mechaniſche
Verhältniße beziehen dürfen, u. bei letztern
außer dieſen Erſcheinungen des Maßes
u. der Bewegung noch die Quantität,
dh. die Heterogenität des Stoffes in
Anſchlag bringen müſſen.

Unterſchied
zwiſchen coeleſtiſchen
u. telluriſchen Erſchein.

Jn der phÿſiſche
Aſtronomie haben Lagrange, Laplace
wunderbares geleiſtet u. aufgeſtellt
; wohingegen in den telluriſchen
Verhältnißen noch im̃er Röhrungen ſich
ereignen, nach welchen bis jetzt keineswegs
die Einheit der Geſetze aufgefunden
, die wir bei der Mechanik des
Him̃els erkañt haben. Uebrigens bleibt
hier noch das Vorurtheil der neuern
Zeit zu widerlegen, als weñ bei den
großen Kataſtrophen des Erdballs viele
Kräfte gemeinſam wirkten u. daß ſomit
bei der vereinzelten Unterſuchung einfacher
Stoffe kein Licht über die Erſcheinungen
verbreitet werden kañ.
Vorurtheil der

neuern Zeit.
Grade

das Gegentheil; deñ welche Entdeckungen
knüpfen ſich nicht an den Verſuch mit der
Voltaiſchen Säule, u. ſo müßten wir
auf ähnlichem Wege auch die Natur des
Nordlichts, die Erſcheinung des Gewitterregens
, der gleichzeitig oft hunderten
von Kubik Meilen oder Atmoſphäre
in Bewegung ſetzt, zu erforſchen
u. unter Geſetze zu bringen ſuchen.

Litteratur
der Kosmographie

Wir kom̃en jetzt zur Litteratur der
Kosmographie oder zu den Quellen der
Wiſſenſchaft ſelbſt. Dieſe ſind einmal
das Studium der Natur ſelbſt, u. dañ
das Studium der Schriften, wo die Beobachtungen
u. Erfahrungen geſam̃elt ſind. Was
im Gebiete der Natur Einer beobachtet iſt
unendlich gering gegen das, was im Laufe
eines Jahrhunderts Viele allmählig ſam̃elten
u. ſomit iſt eine vielſeitiges Studium
hier unerlaßlich. Nothwendig wird es zugleich
daß man irgend einen Theil der Natur ſelbſt
beobachtet habe, weil dem Ganzen dadurch
Leben gegeben u. die von andern
gemachten Beobachtungen beſſer verſtanden
u. gewürdigt werden.

Nothwendig
irgendeinen Theil der
Natur ſelbſt zu ſtudiren.

Man muß bei dieſen
Beobachtungen aber wohl unterſcheiden, was
nützlich iſt für den Lehrer oder Wiſſenſchaft
selbſt, u. was für diejenigen, die weniger
Zeit auf dieſe Beſchäftigung anwenden
köñen. Die beſte Quelle dieſer Wiſſenſchaft
bleibt ſtets das Studium der ſpeciellen Abhandlung
über einen Gegenſtand. Diejenigen ſind
glücklich in der Erkeñtniß des Genereller
die das Specielle beſonders gefaßt u.
denen das hier gemeinſame Gut aller Nationen
, die gleichzeitig angeſtellten Beobachtungen
der Natur, zugänglich geworden. Ohne dies
iſt es unmöglich zu einer reinen großen Naturanſicht
zu gelangen. Kom̃en wir jetzt
zur Litteratur der Phyſikaliſchen Erdbeſchreibung
ſo iſt zuerſt hier Barenius, aus der
Mitte des 17ten Jahrhunderts zu merken, in ſeine

Geographia generalis et ſpecialis.

Litteratur
ſelbſt
Barenius

Es iſt die
erſte Anregung, nur das generelle mit dem
ſpeciellen zu ſehr verwechſelt. Der Stoff
iſt nicht ganz bezähmt u. geſondert was einzeln
wichtig oder unwichtig iſt. Dañ iſt ſpäter
zu merken Lulof: Einleitung in
die Natur u. Bergmanns u. Mitterbachers
phyſiſche Erdbeſchreibung.

Lulof

Bergmañ u. Mitterbacher
.

Jn
neuerer Zeit iſt Kants phÿſiſche Geographie
berühmt geworden.

Kant

Kant iſt es jedoch
wie dem Mineralogen Werner gegangen.
Es blieben von beiden unglücklicher Weiſe eine
Menge Hefte übrig, mit oft unrichtigen
Zuſätzen, wo beiden in der Folge zugeſchrieben
wurde, was ihren Anſichten
gar nicht gehört. Ein beſſeres Werk
iſt hier Delametrie: theorie de la terre
4 Bde; ferner Malte-Brun: Geographie
univerſelle.

Delametrie

Malte-Brun

Letzteres Werk enthält eine
ſehr ſpecielle Beſchreibung, freilich auch mit
dem Fehler, daß das Generelle u. Specielle
nicht genug geſchieden iſt. Er hebt beſonders
die Anſicht über die verſch. Menſchen-Racen
hervor, wie überhaupt das, was auf
die organiſche Natur Bezug hat; jedoch
muß das ganze Werk mit Vorſicht ſtudirt
werden.

Parer

Ferner iſt zu beachten Parer:
Grundſätze der Geologie 1815, Hochſtaedtter
:

Hochſtaedter

Phyſiſche Geographie: 1820, Munker
Anfangsgründe der mathematiſchen u. phyſikaliſchen
Geographie.

Munker

Eine von letzterm
Verfaſſer mit beſondern Fleiß bearbeitete
Abhandlung des Artikels: Erde in Brandes etc.
phyſikaliſchem Wörterbuche iſt beſonders
wohl gelungen.

Brandes

Link

Auch Links, Betrachtungen
der Urwelt ſind außerordentlich Lehrreich
. Anſichten vom ausgedehnten Weltraume
u. vom Gebiete der Aſtronomie ſelbſt
giebt beſonders Laplace in ſeinem ſchönen
Werke: Sÿſtem du monde.

Laplace

Kein Volk
kañ ein gleichartiges Buch aufweiſen. Dañ
iſt auch Schubert mit ſeinen aſtronomiſchen
Werken hier anzuführen.

Schubert

Bücher die
ſich zugleich auf Naturgeſchichte beziehen

ſind HErrn v. Hoffs Geſchichte, der durch

Ueberlieferungen nachgewieſenen Veränderungen
der Oberfläche der Erde
worin die Geſchichte der verſch. Hypotheſe
lehrreich dargeſtellt ſind, u. Uckerts
mathem. u. phyſikal. Erdbeſchreibung
der Griechen u. Römer 1816–1821.
v. Hoff.
Uckert

Es bleibt nur noch übrig Anhangsweiſe
nicht als eigentliche Quellen des Studiums, ſondern
mehr zur Belebung der Einbildungskraft
, der äſtetiſchen Behandlung großer
Naturſcenen zu erwähnen.

Aeſtetiſche Behandlung
großerñNaturſcenen.

Es iſt dies
ein neuer Zweig der Litteratur geworden
, der ſo gut dazu beiträgt, wie die
botaniſchen Gärten mit ihren exotiſchen Pflanzenformen
, der Wunſch wozu regen, fremde
Länder zu ſchauen. Hinzu geſellet ſich die
Landſchaftsmalerei, die ſich jetzt weniger
mit den Maſſen der Gegend beſchäftigt,
als auf die Richtigkeit der Natur- u. beſonders

der Pflanzenformen ſieht.

Landſchaftsmalerei

Bei Griechen
u. Römern war die äſtetiſche Behandlung
erhabener Naturſcenen nur bei den Dichter
zu finden; die Proſaiker erzählten nur
Schlachten u. beſchrieben die Schlachtfelder
u. rohe Völker in dieſem Geiſte u. weñ
von großen Naturſcenen die Rede iſt, ſo

sind dieſe nur der Hintergrund, für ihre

hiſtoriſchen Figuren u. Gruppen.

Geſchmack der Griechen
u. Römer

Alles was

mit dem Leidenſchaften der Menſchen zuſam̃enhängt

u. aus denſelben hervorgeht u.
hinwieder auf ſie einwirkt, das lag
ihnen beſonders nahe. Dabei hatten ſie
allerdings Siñ für Natur; dies beweiſe
ihre ſehr geſchmakvoll angelegten Gärten
u. ihr Genuß der ſie in der Natur
fanden, wie aus dies Cicero u. Plinius
in ihren Briefen zu erkeñen geben; doch
war dies ein irgend eine Hauptſache in
ihrer Litteratur, ſondern nur im̃er der
Hintergrund, um ihren lebenden Figuren
Anmuth u. Gewicht zu geben. Die äſtetiſche
Behandlung der Natur war mehr
dem Jndiſch-Germaniſchen Stam̃e eigen.

Dieſe äſtetiſche
Behandlung der Natur
mehr dem Judiſch-Germaniſchen
Stam̃e eigen.

Die Jnder bewahren das tiefſte Gefühl
für das Unbelebte, beobachten die Riten
der Thiere etc. wie wir es bei den Alten
ganz entbehren. Jm Mittelalter war
zuerſt der Cardinal Bembo, der in ſeine
Jugend über die Vegetation der Pflanzenwelt
ſchrieb.

Bembo

Jn neueren Zeit iſt überall
Buffon berühmt geworden, nur herrſchte
bei ihm allenthalben eine Kälte vor, die
daraus entſpringt, daß er nicht eigne
Selbſtanſicht von den Naturgegenſtänden
beſaß.

Buffon

Hier gebührt vor Allem ein
großes Verdienſt dem Georg Forſter
durch ſeine herrliche ſchöne Beſchreibung
der Südſee-Jnſeln.

Georg Forſter

Jn einen vortreflichen

Gemählde finden wir alle erhabenen

Naturſcenen der Tropenwelt
vereinigt u. auf das natürlichſte u.

ſchlüße geſchildert, dies iſt in den Werke

von Bernandin de St.

Bernandin de St.
Pierre

Pierre: Paul
u. Virgiel. Aehnliche große Gemählde
der Naturwerke finden wir in Chataubriand
Chataubriands Attala, le Martyr etc. etc.

Goethe

Ebenſo dringen Goethes unſterbliche Verdienſte
um die Aeſtetik allenthalben durch
u. wie er ſelbſt das Gebiet der Natur
durch ſeine treflichen optiſchen Verſuche erleuchtet
. Allerdings iſt dabei nicht zu
läugnen, daß die äſtetiſche Behandlung
der Natur auch auf gewaltige Abwege
geführt hat; deñ viele Reiſende haben
bloß poetiſch geſchildert, aber dabei nicht
wahr. Sie waren nicht genug gebildet
mit dem Studium der Natur vertraut, u.
wurden ſomit in ihren Beſchreibungen
geſchmacklos.

Natur
des wahrhaft poetiſchen

Das wahrhaft poetiſche
kañ nur aus der Tiefe des eigenſten -
ſten Gemüthes entſtehen, u. jeder fremde
Schmuck in die Schilderung großer Scenen
gebracht, iſt im̃er ſehr gefährlich. Deſſen ungeachtet
kañ Wahrheit in die Schilderung kom̃en,
u. nie braucht ſie des poetiſchen Bildes zu
entbehren; man muß nur nichts hinzuſetzen
wollen. Die Größe der Natur muß nie
ſelbſt angeſchaut werden, u. die Schilderung
muß nicht ſchwächern Eindruck machen auf
den der es lieſt, als die Natur ſelbſt
auf den, der es zur Darſtellung brachte
. Ueber dieſer äſtetiſchen Naturbeſchreibung
iſt auch die Landſchaftsmalerei
zu werken.

Näheres
über die Landſchftsmalerei

Bei den Griechen u. Römern
war dies kein eigner Gegenſtand der
Kunſt, ſondern ſie blühete zuerſt auf in
der von Eyckſchen Schule. Als die hiſtoriſchen
Figuren verkleinert wurden, war
dies zugleich der Anfang u. begiñ der Landſchaftsmalerei
, wenigſtens wurde ſie dadurch
vorbereitet. Tizian, Bassano u.
Carragio waren weniger treu u. Nachahnung
exotiſchen Formen. Erſt um die Mitte
des 17 Jahrhdts wurde dieſe mit mehr
Wahrheit nachgebildet. Jm J. 1647.
ging der holländiſche Maler
mit Graf Nassau nach Braſilien, er ſehe
die gewaltigen Ufer des Amazonenflüſſes
u. treffend ſind ſeine in Schleicheim
befindlichen Gemählde; aber ſo wahr
ſind die Abbildungen der Ufer des Ganges
von Hagges. Die Phÿſiognomik der
Welt maleriſch darzuſtellen iſt nicht unwichtig
geweſen, die Luſt an Reiſen zu
erwecken u. dadurch zur Vermehrung
u. Erweiterung der Weltanſicht zu gelangen
.

Veranlaſſung
der Reiſen des

Herrn etc. v Humbold

Weñ ich mich ſelbſt frage, was
mich zuerſt bewog fremde Länder u.
die Tropenwelt zu beſuchen, ſo waren
dies zunächſt Georg Forſters Beſchreibung
der Südſee-Jnſeln, u. der Anblick der
wunderbaren Formen des Drachenbaumes
in dem hieſigen botaniſchen Garten.

Ueberſicht
der Propedeutik

Die Propedeutik der Natur-Wiſſenſchaft
will ich hiemit ſchließen. Wir haben uns

1., mit einer Ueberſicht der Natur-Erſcheinungen
im Weltraume

2., mit der Definition der Wiſſenſchaft
3., mit der Geſchichte der Wiſſenſchaft

u. 4., mit den Quellen des Studiums derſelben,
ſowohl mit der Litteratur, als den
Anreizungsmitteln zum lebendigen Studium
der Erdkunde beſchäftiget; wir gehen
jetzt zur Wiſſenſchaft der phyſikaliſchen Weltbeſchreibung
als ein Natur-Ganzes ſelbſt über
u. betrachten die Anhäufung der Materie

nicht phyſiſche Geographie.

Betrachtung
der Wiſſenſchaft ſelbſt.

1., nach ihrer absoluten u. relativen Größe

2., nach dem Unterſchiede ihrer iñern od. chemiſchen
Natur u.

3., nach ihren Entfernungen von einander

1. absolute u. relative
Größe der Materie.

Sehen wir zuerſt auf die absolute oder
relative Größe der Weltkörper; ſo werden
wir dabei nicht die Berechnungen aufſtellen
um den Unterſchied des Volumens eines Sundkaras
u. des Soñenkörpers zu beſtim̃en; ſondern
nur in welchen Verhältniſſen der
Weltkörper ſtehen. So iſt Zb. der Durchmeſſer
der Veſta 59–60 deutſche Meilen u. der größe
Aerolith der bis jetzt in Amerika gefunden
etwa 5 Fuß im Durchmeſſer.

Vergleich des Aerolith
zur Veſts u. dies.
zu einem Central-Körper

Der Durchmeſſer
der Veſta, verhält ſich zum Durchmeſſer
der Aerolithen ungefähr wie 270,000 : 1.
Der Durchmeſſer de Soñe hingegen zum Durchmeſſer
der Veſta wie 3300 : 1; daher
iſt der Durchmeſſer der Veſta etwa 80 mal
größer im Verhältniß des Durchmeſſers der
Aerolithen, als der Durchmeſſer der Soñe
zu dem der Veſta. Die Fixſterne Syrius
oder Veja ſind indeß Beiläufig 34
od. 35 mal größer im Durchmeſſer als die
Soñe; vergleiche ich die Veſta mit dieſer
ſo verkleinert ſich dieſe in ihrem Verhältniß
zur Soñe u. in ihrem Verhältniße
zum Aerolithen übertrifft ſie denſelben
nur 2 bis 3 mal; deñ der Durchmeſſer
der Aerolithen: zu dem der Veſta =
1 : 270000 u. der der Veſta, zum
Veja = 1 : 112,000. Vergleiche ich
jetzt einen Saturns-Trabant od. einen der
kl. Cometen, mit dieſem großen Centralkörper
ſo iſt das Verhältniß wie 1 :
224000, weil dieſe die Hälfte des Durchmeſſers
der Veſta haben, u. der Durchmeſſer
des Aerolithen: zu dem des Saturnſtrabanten
1 : 135000 u. nun finde ich, daß
der Durchmeſſer des Satellits im Vergleich
mit dem des großen Weltkörpers kleiner iſt,
als der Durchmeſſer des Meteorſteines zum
dem des Satelliten, oder, 135000 Aerolithen
bilden einen Cometen oder Satelliten
von der Größe der halben Veſta, während
224000 Satelliten erſt der Größe
des Centralkörpers gleich ſind u. der
Aerolith wurde ſich zum Centralkörper
verhalten wie 1 : 28,000 Mill. So laſſen
ſich alle dieſe Beſtim̃ungen zwiſchen den
Grenzen des maximum u. minimums angeben
u. es laſſen ſich alle Anhäufungen
der Materie unter einem Geſichtspunkte
betrachten. Bis jetzt haben wir die
ſtarren Materien mit den ſtarren vergleichen
; außer dieſen giebt es eine große
Anhäufung dunſtförmiger Materie die
zum Theil ſichtbar iſt, theils auch gefolgert
werden kañ.

Betrachtung
der dunſtförmigen
Materie

So giebt es einen

Lichtſchim̃er am Horizonte, der nicht zur

Soñenatmoſphäre gehörig iſt, das
Zodiakal- oder Thierkreislicht, welches
bei uns nur zu Zeiten im Frühjahr u. Herbſt
unter den Tropen aber faſt täglich zu ſehen
u. von Cassini zuerſt beobachtet iſt.
Es leuchtet ſtoßweiſe. Außer dieſem
Lichte giebt es Nebelflecke im Weltraume
, die nicht bloß ſcheinbar ſich in Sternenhäufen
auflöſen, ſondern wirklich
unauflöſlich ſind, in welche kein einzigen
Körper eingeſenkt iſt u. welche bei
einer 70, 80–900 maligen Vergrößerung
dieſelbe gleichmäßigen Erleuchtung behatten
. So giebt es Grunde auch auf die
Exiſtenz anderer dunſtförmigen Maſſen
zu ſchließen, durch welche z.B. die Cometen
in ihrem Lauf aufgehalten werden
u. welche dem Lauf der ſtarren Körper nicht hem̃en
kañ. Es iſt eine ſiñreiche Bemerkung
von Halle zuerſt u. deñ von Olbers
ausgeſprochen. Durch Teleskope ſehen
wir nehmlich Geſtirne des fernſten Weltalls
u. erblicken in jedem Raume einen erhellenden
Körper der aus ſein Licht zu ſendet.

Warum erſcheint
uns das Himmelsgewölbe
nicht als ein leuchtender Stern

Hieraus
folgt daß uns das ganze Him̃elsgewölbe als
ein leuchtender Stern erſcheinen müßte, weñ
nicht eine lichtſchwächende Materie dies hinderte.
Jn erſterm Falle wären ſelbſt von der
Soñe nur ihre Dunkeln Flecke zu ſehen u.
die Planeten würden ſich um Him̃elsgewölbe
wie ſchwarze Punkte bewegen, daher
ſchloß Olbers mit Reiht auf dies Hinderungsmittel
des Lichtes.
10. Vorlesung, 5. Dezember 1827

Wir kom̃en in dieſer Stunde zum zweiten
Abſchnitt, zur Beſchaffenheit der Materie
in Hinſicht ihrer iñere Natur.

2. Beſchaffenheit
der Materie

Dieſe
kañ 1 ſtarr od. 2. tropfbar flüßig
oder 3., elaſtiſch flüßig ſein. Auf unſerm
Erdkörper finden wir dieſe drei Stoffe
vereinigt. Weñ gleich die äußere Rinde
ſtarr iſt, ſo kañ man ſicher folgern, daß
im iñern der Erde Alles flüßig iſt u. in
einer Tiefe von nur 48 Meil. ſchon eine
Wärme von 1600° Reaumur, bei der das
Eiſen ſchmilzt gefunden wird; ebenmächtig
kañ man folgern, daß die atmoſphäriſche
Luft in den fernſten Räumen noch dichtern
Stoffe enthält, nur im geringern Maße
.

u. dieſelben Theile aus denen der
Kern der Erde ſich verdichtet hat.

Der iñere Stoff des Mondes kañ füglich
mit dem der Aerolithen vergleichen werden,
wie ein feſter Kern im Düñen Raume
von der Düñigkeit die unter unſern
Luftpumpen entſteht. So haben faſt
alle Nebenplaneten keine Atmoſphäre
u. bekañt iſt es, daß ſie in der Zeit
ihrer einmaligen Rotation zugleich die
Tranſlationsbeweg. um ihren Planeten
vollenden, nur bei einiges Trabanten
des Jupiters bemerkt man einige Verdichtungen
der Atmoſphäre. Wie der
Mond bloß ſtarr iſt, ſo ſind andere
Gasförmig, wie die Cometen, daß
ſelbſt Sterne der sechſten u. ſiebenten Größe
noch durch den dichteſten Kern durchſchim̃ere
u. noch düñer ſind die Planetariſchen
Nebelflecke die Herſchel entdeckte
. Schon wir auf ihre chemiſche Verſchiedenheit
u. des Grades u. der Art ihre Belebung
, ſo köñen wir mit den Siñen dies
keñenlernen. Aerolithen knüpfen das
Verkehr zwiſchen uns u. den fernen Welträumen
an, u. es ſind reine Gebirgsarten
wie wir dieſe auf unſerm Erdkörper
finden. Obgleich wie nur die Rinde des
letztern keñen, ſo zahlen wir doch
ſchon 51 ſtarre Bildungen.

wo kom̃en die Serpentinſteine in der
Höhe des Juras her?

Dieſe Materie
iſt nicht in gleicher Quantität vertheilt
ſondern Sauerſtoff u. Kieſel Erde findet
ſich in größerer Maſſe. Die größere Quantität
des erſtere Stoffes muß nicht in den
Atmoſphäre ſondern im Jñern der Erde geſucht
werden. Tonerde enthält viel Oxygen
Kalkerde weniger nur etwa 0,28 Theile.
Bei der flüßigen Maße bemerken wir eine
geringere Anhäufung in der Mañigfaltigkeit
der Stoffe. Die Atmoſphäre iſt dagegen
der Sitz des Stickſtoffs u. ¾ derſelben
ſind davon erfüllt. Jn der Art der
Belebung herrſcht ein großer Unterſchied.
Die Organiſche Bildung iſt nur auf der
Reite u. was in Höhlen Klüften an Pflanzen
u. Jnſecten gefunden wird, ſind die
gleichen Specien der Oberfläche. Jede
Anhäufung der organiſchen Stoffe ſo lange
ſie ein Ganzes bilden, ändern ihren Stoff
nicht, ſelbſt einzelne Theile getreñt bleibt
die chemiſche Zuſam̃enſetzung dieſelbe; dies
iſt bei den unorganiſchen Stoffen nicht der
Fall, jede Treñung bewirkt eine chemiſche
Veränderung.

3. Entfernung der
verſchiedenen Gruppen

Betrachten wir 3., die Entfernungen der
verſchiedenen Gruppen, ſo haben von
jeher alle Völker den Unterſchied zwiſchen

Him̃el u. Erde aufgeſtellt. Die Frage

iſt um zu beantworten, welcher von den
Him̃elskörpern iſt je unſrer Erde an
näheſten gekom̃en.

Welche Weltkörper
ſind ſich am
näheſten? oder
sind ſich nahe gekom̃en?

Der Mond iſt in ſeiner
Erdnähe 48,000 Meilen entfernt u. von
den Cometen iſt noch keiner näher als
etwa ſechs Mondweites gekom̃en, wie
der von 1770. Dies iſt ſchon eine beträchtliche
Nähe u. er würde bei der Dichtigkeit
der Erde das Jahr um 3 Stunden
verlängert haben. So kam 1626 der
Comet des Biela nur 2 Mondweites von
der Erdbahn u. man kañ die Frage
aufſtellen, ob es wahrſcheinlich iſt, daß
ſich die Cometenſchweife mit der Erdbahn

u. Atmoſphäre miſchen? Man will dies mit dem Höhenrauch

von 1783 in Verbindung bringen, wo
das Erdbeben in Kalabrien war u.
5 Monate die Soñe blutroth ohne Strahlen
leuchtete. Dies hat Arragon bewieſen
, daß es nicht der Fall ſein köñen,
weil der Höhenrauch jenſeit des Ozeans
nicht exiſtirte u. kein Beiſpiel vorhanden
iſt, daß die Cometen die Schnelligkeit von
unſrer Erdrotation beſitzen. Er hätte
daher um die Erde gefegt haben müße
u. die Erſcheinung wäre allenthalben
zwiſchen 45–55° zu beobachten geweſen.
Der Comet von 1819 der mit Schnelligkeit
im prächtigen Glanze erſchien, ging d.
26 Jan. durch die Soñe u. ſtand in
graden Linie zwiſchen der Erde u.
Soñe
.

u. ging ſomit durch die Erdbahn.

Es iſt eine alte Sage, daß das
Jahr der Eroberung Conſtantinopels 1453
ſich durch einen Cometen ausgezeichnet haben
ſoll, der ſelbſt der Mond verfinſterte
u. weniger entfernt war, als der Mond
ſelbſt; doch iſt dies eine bloße Sage
.

Seine Erſcheinung trat mit einer Mondfinſterniß
zuſam̃en.

Eine andere Frage iſt die, welche
Him̃elskörper ſich unter einander am
näheſten kom̃en. Dies iſt der iñerſte
Saturnſtrabant, der ſeinem Planeten
auf 29800 Ml. der halben Mondweite, nahe
iſt. Der Mond iſt überhaupt der 5te
Weltkörper der ſeinem Planeten am
näheſten iſt. Ein merkwürdiger Umſtand
iſt der vom Jahre 1770, wahrſcheinlich zwiſchen
1760 u. 1779, wo ein Comet mitten durch
die Jupiters-Trabanten ging die 33,000
Ml. v. Planeten entfernt ſind, daher einem
Körper ſich auf 16000 Meilen näherte
d.i. der vierte Theil der Mondweite.
Jm Jahr 1680 näherte ſich ein Comet der
Soñe ſelbſt auf 5/8 unſrer Mondweite. Jn
der größten Nähe iſt der Saturnsring
etwa 5800 Ml. von ſeinem Planeten
entfernt u. die großte Erhöhungen auf demſelben
wahrzunehmen ſind, ſo kañ man
ihn als an einander gefügte, noch zuſam̃enhängende
Satelliten betrachten. Man
ſollte glauben daß die Doppelſterne ſich
ſehr nahe wären; doch da ihre Entfernung
ſcheinbar 5 Sec. beträgt, ſo iſt die relative
Entfernung nach Allem noch ſo groß
als die Soñe vom Saturn. Hier betrachteten
wir die Añäherung der Materie
die den Namen Weltkörper führen. Näher
ſtehen ſich die dunſtförmigen Maſſen, in
die zwei bis drei Kerne eingeſenkt ſind.

Verkehr
zwiſchen dieſen fernen
Welten u. uns.

Köñen wir gleich dieſe Welten nicht in
der Nähe betrachten, ſo exiſtirt doch ein
ſtarkes materielles Verkehr zwiſchen uns
u. ihnen, welches wir in Anſchlag bringen
müßen.

Lichtſtrahlen

Zuerſt ſind dies die Lichtſtrahlen
die ſie finden. Die Geſchwindigkeit des
Lichts iſt gemeſſen u. es bedarf der Zeit
von 2 Stunden bis es vom Uranus zu der
Erde kom̃t; vom Syrius 3 Jahre, von
der Grenze unſrer Sternenſchicht 3400 J.
u. von dem dunſtförmigen Nebelflecken
wohl 40,000 J. Welche Wirkung das
Licht auf die Spañung der magnetiſchelektriſche
Kraft äußert, dies haben

Moritimi u. Som̃erville bewieſen.

Die zweite Kraftäußerung iſt die der
Attraktion, die ſtärker bei leichtern,
weniger ſtark bei lockern Körpern iſt.

Attraktion

Dies iſt freilich für uns unbemerkbar. Die
Attraktion unſeres Erdkörpers erſtreckt
ſich etwa bis zum Saturn. Jm Ganzen
iſt ſie translatoriſch, wobei das Centrum
verdichtet wird, die Axen der Planeten Körper
werden, überhaupt die Excentricität abnim̃t
. So wird täglich vor Soñe u. Mond
durch die Attraction die Ebbe u. Fluth
bewirkt u. eben ſolche Ebbe u. Fluth finden
im Ozeane der Luft ſtatt, indem in 24 Stunden
beinahe regelmäßig das Barometer ſteigt
u. fällt. Das dritte Verkehr welchen
wir mit fernen Welträumen haben, dies
sind die Aerolithen.

Aerolithen

Nach ihrem ſpecifiſche
Gewicht köñen ſie nicht aus den fernſten Welträumen
zu uns kom̃en u. eben ſo wenig gehören
ſie ihren zu großen Dichtigkeit zu den
Planeten jenſeits der Bahn der kl. Planeten
von ihren ſoll in Zukunft geſprochen werden
.

11. Vorlesung, 8. Dezember 1827

Wir kom̃en jetzt zum eigentlich aſtronomiſchen
Theile der Wiſſenſchaft, wobei nicht
gefragt werden ſoll wie die Entdeckungen
angeſtellt ſind, ſondern was entdeckt
worden iſt.

Aſtronomiſcher Theil der
Wiſſenſchaft.

Die Beſchaffenheit der Materie
iſt der Gäodeſie eigen u. nicht hieher
gehörig. Es iſt dabei nicht nöthig in das
Einzelne zu dringen, ſo wie es Laplace
glückte die ſchwierigſte Materie von
allem Gerüſte zu entfernen u. nur reine
Reſultate zu liefern. Es ſoll hier
die phyſiſche Aſtronomie gelehrt werden
u. es wird dabei die Rede ſein, nicht nur
von der Bewegung, ſondern auch von der
phyſiſchen Beſchaffenheit der Weltkörper, ſo
weit wie es wiſſen köñen.

Phyſiſche Aſtronomie.

Es iſt dabei
für uns ſehr vortheilhaft, daß wir nicht
auf einem ſelbſtleuchtenden Körper wohnen,
ſondern auf einem der mittlern Planeten.
Wären wir auf einer Photoſphäre, oder
würde der Him̃el wegen des Sternenteppichs
ganz leuchtend ſein:

Viertes Heft.

ſo hätten wir keine
Keñtniß von der Exiſtenz der Geſtirne
u. es würden daraus die traurigſten Folgen
für die Cultur der Menſchheit entſtehen, die
Jdeen würden eingeſchränkt ſein, u. jede
religiöſe Begeiſterung, die zuerſt das
Him̃elsgewölbe hervorgebracht, würde
ſchwinden. Ferner hätten wir keine Jdee
von der Geſtalt der Erde u. die amplitudo
des Bogens köñten wir nicht keñen
lernen; nicht einmal durch Pendelverſuche
würden wir die Geſtalt der Erde beſtim̃en
, u. der Azimuth des Nordpols bleibe
uns unbekañt, nur höchſtens magnetiſche
Meridiane würden wir ziehen köñen.
Die Keñtniß der Geſtirne iſt in Wahrheit
nicht bloß wichtig für die Belehrung der menſchl.
Geſellſchaft, ſondern ſie hat auf die Cultur
auf die Jntelligenz ſelbſt gewirkt.

Keñtniß der Geſtirne wirkt
auf die Cultur ſelbſt.

Der glücklichſte
Standpunkt auf unſerm Planeten
zu Beobachtungen iſt der unter dem Aequator
ſelbſt.

beſte Standpunkt zu Beobachtungen
.

Hier iſt die ganze Pflanzenwelt
ſchichtenweiſe zu finden u. die Repräſentanten
aller organiſchen Weſen finden
ſich hier; alle Sterne des Nord- u. Südpols
tauchen hier auf, u. gewähren einen
herrliche Anblick; der Bär des Nordens

erſcheint in furchtbarer Größe. Ein großer Aſtronom

Herr Herſchel, der Sohn des unſterblichen

Vaters, will ſich mit den ererbten treflichen
Jnſtrumenten in die Tropen begeben
u. hier auf Bergen, durch eine düñere
Luftſchicht Beobachtungen anſtellen, von
denen ſich die größten Früchte erwarten
laſſen.

Exiſtenz der
fernſten Welten.

Von der Exiſtenz der fernſten
Welten erhalten wir durch die Lichterſcheinungen
nähern Keñtniß, nur muß
man wohl unterſcheiden was hiebei Täuſchung
der Sinn iſt. Soñe u. Mond ſind
die einzigen Weltkörper die wir als
Scheiben erblicken, alle andern erſcheinen
uns ſtrahlend. Es iſt dies nicht die
bloße Folge des Selbſtleuchtens, indem
die Planeten ebenfalls ſtrahlend uns
erſcheinen. Erſt im Fernrohr verlieren
ſich alle Strahlen, wie man auch
dies ſchon erblicken kañ; indem man
durch eine feine Nadelſtichöffnung im
Papier die Sterne anſchaut. Es wäre
dies ein trauriger Anblick, weñ alle
Geſtirne als kleine glanzloſe Scheiben
da ſtänden. Schon wo die Atmoſphäre
reiner iſt, iſt dieſe planetariſche Anblick
des Him̃els ſchon zu beobachten, wie Zb.
unter den Tropen u. wo ſie erſt gegen
die Regenzeit mit größter Pracht zu
funkeln anfangen. Durch zwei Stücke
werden wir bei den Sternen getäuſcht.

Dilatation
u.
Polygonalfigur
der Sterne.

Durch die Dilatation u. durch die
Polÿgonalfigur die jeder zu ſcheint
für unſer Auge giebt es nämlich eine
gewiſſe Entfernung des deutlichen Sehens.
Entfernt ſich der geometriſche Punkt
ſo bildet ſich der Sehwinkel vor dem
Auge u. der Gegenſtand bildet ſich
aufs Neue vor oder hinter der Netzhaut
in ſcheinbarer Vergrößerung.
So ſcheint Zb. das Licht des dreitägigen
Mondes einen größern Theil der Dunkeln
Mondſcheibe zu umſchließen u. über den
Rand vor zu ſtehen, dies rührt davon
her, daß er auf der Netzhaut dilatirt.

Zerſtreuungskreis.

So giebt es auch einen Zerſtreuungskreis
welcher die Sterne vergrößert, Zb.
iſt der Jupiter etwa 40 Sec. Durchmeſſer
u. wächſt bis auf 4 Minuten
an; aber ſo ſehr vergrößert ſich der
Stern Veja in der Leier
.

so daß Sterne die durch Photometriſche
Meſſungen ¼ Sec. betragen, Durchmeſſer
v. 4 bis 5 Minuten erhalten.

Oft ſehen
wir, daß weñ die Mondſcheibe einen Stern
verdeckt, derſelbe eine Zeitlang an
erſtere zu kleben ſcheint, wo er
doch plötzlich verſchwinden ſollte u.
welches ſo wichtig oft iſt, die Längen
zu beſtim̃en; dies rührt aber nicht von
der Dilatation her, ſondern von den
Wirkung der Beugung der Lichtſtrahlen.

Polygonalfigur
der Geſtirne.

Was nun die Bildung der Polÿgonal-
Figuren anbetrifft; ſo habe ich ſchon erwähnt
, daß wir nun Soñe u. Mond als
Scheiben erblicken, u. die Planeten als
ſolche nur durch Fernröhre ſehen. Es iſt
eine intereſſante Frage, wieviel wohl
die Venus wachſen müßte, damit wir
keine Strahlen bei ihr ſehen u. ſie uns
als Scheibe erſcheint? ſie nicht mehr an
poligona ſtellata zu ſehen iſt? Jm
Mittelalter ſoll ein auflodernder Stern
ſich gezeigt haben der 7–8 Minuten
Durchmeſſer gehalten u. der Kern des Cometen
im J. 1206 ſoll ſo groß wie Venus
geweſen ſein; es iſt aber nicht geſagt
u. beobachtet, ob ſie Polygonalfiguren
dabei gebildet
.

welches von großem Jntereſſe
geweſen ſein würde.

So erſcheint die Soñe
auf den kl. Planeten im Durchmeſſer
10 Minuten, auf dem Jupiter 6 Minuten
u. es frägt ſich, ob ſie hiebei als
Scheibe oder als Stern funkelt.

Wie groß erſcheint
die Soñe auf den
andern Planeten.

Perſonen
ſehen hier dabei ſehr verſchieden.
Jn großer Entfernung erſcheint den weiße
Menſchen jedes Licht wie ein Stern, daher
man auch bei Luft-Feuern die Einrichtung
mit abwechſelnd farbigen Lichten eingeführt
hat. Jch ſelbſt ſehe in einiger Entfernung
jedes Gaslicht nicht wie gewöhnlich in
8 ſondern nur in 7 Strahlen. Es hängt
dies von der Figur des Auges ab, wie
man dies bei Reverberen beobachten
kañ. Hiebei iſt die Art der Suppression
der Strahlen merkwürdig. Senke ich
den Kopf bei Beobachtung des Lichtes, ſo
verſchwinden die obern Lichtſtrahlen, u.
die untern nicht; habe ich den Kopf, ſo
erblickt man das Gegentheil. Jm Alterthum
glaubte man die Zahl der Sternſtrahlen
wären 5, u. es war die eigenthüml.
Bezeichung derſelben. So viel iſt gewiß,

daß das Funkeln der Sterne nicht Folge der

Dünſte in der Atmoſphäre ſind.

Funkeln der
Sterne nicht Folge
der Atmoſphäre.

Dieſe
Scintillation beſteht darin, daß das
Licht emanirt, dañ ſchnell verſchwindet
u. dabei Farben hervorbringt u.
dieſe Abwechſelung od. Pulſationen ſehr ſchnell, wie bis fünf
mal in einer Secunde erfolgt. Es iſt
ein im̃ittirendes Licht wie Mitſchl es
bewieſen, ein Phänomen der Jnterferenz
. Eine andere Erklärung hat
man in neuerer Zeit gefunden.

Andere Erklärung
der Scintillation

Weñ
man in geringer Entfernung zwei Steine ins
Waſſer wirft, ſo bilden ſie beide concentriſche
Kreiſe, die in weitern Bogen ſich
endlich erreichen. Kom̃en die Wellen im Augenblick
der Jnterferenz in Kontakt, ſo hebt
die Kraft der einen, die Kraft der andern
auf, ſie vernichten ſich gegenſeitig, u. die
Oberfläche des Waſſers iſt ruhig; coincidiren
ſie hingegen: ſo wird ihre gegenſeitige
Kraft verſtärkt. Dies kañ man auf
die Lichtſtrahlen anwenden, u. man hat
durch Verſuche dies beſtätigt gefunden
Grimaldi machte die Beobachtung, daß im Opaker
Körper in Licht geſtellt mit franzenartige
Streifen u. zwar mit farbigen Franzen an
der Wand erſcheint. Derſelbe Verſuch iſt
deutlich weñ man Zb. ein Licht durch Ritzen
in einem Blech fallen läßt, wo der in
der Mitte ſtehen gebliebene feſte Streifen
durch inflektirtes Licht beleuchtet, durch
die doppelten Lichtſtrahlen ſich an der
Wand oder einer weißen Fläche dunkel
darſtellen wird; weil ein Lichtſtrahl
den andern verzehrt u. ſich gegenſeitig
zerſtöhrt. Eigentlich ſollten die Lichte
einen Schattenprisma nur bilden u. die
Fläche ohne Schatten des feinen Körpers
ſich darſtellen; dies iſt aber nicht der
Fall, ſondern weñ zwei Lichtſtrahlen
unter einem kleinen Winkel ſich berühren
, zerſtöhren ſie ſich gegenſeitig
u. bringen Dunkelheit hervor. HErr Frenel
hat denſelben Verſuch mit zwei
Spiegel angeſtellt die unter einem
kleinen Winkel Lichtſtrahlen auffangen
u. reflectiren, wo der Strahl der einen
Körpern Weg zu machen hat, den der einen
längern Weg durchläuft, verdunkelt.

Gleicher Verſuch
mit 2 Spiegeln

Wenden wir dies auf die Sterne an,
ſo würden ihre Lichtſtrahlen coincidiren
Gehen die Strahlen durch ungleich geformt
Luftſchichten ſo blitzt ein Strahl auf, der
andern nicht, ſie verzehren ſich gegenſeitig
u. zerſtöhren ſich dadurch; es entſteht gleichſam
eine ewige undulation.

12. Vorlesung, 12. Dezember 1827

Damit hängt die alltägliche Beobachtung zuſam̃en
, daß die Sterne am Horizonte
mehr funkeln als im Zenit u. minder
auf der Ebene mehr funkeln als auf den
Bergen; indem die höhern Luftſchichten eine
größere Trockenheit beſitzen u. hier die
Bedingungen der größern Ungleichheit der
Luftſchichten nicht eintreten.
Sterne funkeln mehr

am Horizonte als
im Zenit.
Daß größere

oder nähere Weltkörper nicht funkeln
rührt
davon her, daß ſo viele Lichtpunke vorhanden
ſind, daß die, der ſich gegenſeitig
verzehren hinreichend durch andern wieder
erſetzt werden.

Zb. Soñe, Mond.

Anmerk. Das ſchon früher erwähnte ſogenañte
Kleben des Sternes an der Mondſcheibe, ſollte
dies nicht mit der Zeit die der Lichtſtrahl zum
Durchlaufen des Raumes braucht, im Zuſammenhange
ſtehen?

Viele Phänomene hängen
hiermit zuſam̃en. Um zu zeigen wie
man dieſe Beobachtungen an den Him̃elsräumen
zu den nütztlichſten Dinge für das bürgerliche
Leben benutzen kañ, will ich nur anführen,
daß man das Phänomen der gegenſeitigen
Verdunkelung der Lichtſtrahlen angewendet
hat die Feinheit der Wolle zu beſtim̃en;
indem ein feiner Farbe mehr Farben ſpielt
als ein ſtärkerer. Die Erſcheinung der
farbigen Ringen um Soñe u. Mond hängen
mit der Beugung der Lichtſtrahlen zuſam̃en
. Wir kom̃en jetzt zu dem
was wir mit bloßen Augen ſehen köñen
am Him̃elsgewölbe.

Was köñen wir
mit bloßen Augen
am Him̃elsgewölbe ſehen.

Wir ſehen Sterne
von 6ten bis 7ten Größe noch mir bloße
Augen, die wahrſcheinlich gehe Syriusweiten
von uns entfernt ſind. Weñ
das Licht des letztern 3 Jahre gebraucht
bis zu uns zu gelangen, ſo köñen wir mit
natürlichen Augen noch Welten ſehen, deren
Licht 30 Jahre gebraucht, um zu uns zu
kom̃en. Dieſe natürl. Kraft unſerer
Augen, verhält ſich zu der Kraft des
künſtlichen Sehens zu einem 40 füßigen
Teleskop, wie 3 Fuß: 4 geogr. Meilen.

Verhältniß des
natürl. Sehens zum
künſtlichen.

Man hat lange behauptet, daß man
aus tiefen Gruben Sterne am Tage ſehen
köñe.

Mañ kan aus
Tiefen am Tage an
einen Stern ſehen

Jch ſelbſt habe die ein geſehen u.
ein erfahren. Bei Freiberg wo es in
2–3 Meilen wohl 5–6000 Schächte
giebt u. wo nothwendig über irgend
einem ein Stern ſtehen müßte, iſt nirgend
ein Stern geſehen worden. Früheren Reiſenden
wurde in Paris der Keller des
Aſtronomie-Gebäudes gezeigt aus deſſen
Tiefe die Sterne des Him̃els zu ſehen
wären, es war dies aber ein reinen
Betrug des dortigen Aufſehers, der
in den oberſten Deckel der Oeffnung einige
Löcher gebohrt hatte, die von weiter
als Sterne erſchienen.

Betrug den
Reiſenden in Paris
geſpielt.

Die Führer auf
den Montblanc behaupten am Tage dort
Sterne zu ſehen, mir iſt aber das Faktum
zweifelhaft, deñ in Amerika giebt es Päſſe
die von Reitern beſucht werden, u. die
viel höher als der Montblanc ſind, ohne
das Sterne je geſehen worden.

Auch auf Bergen
sind Sterne nicht zu ſehen am
Tage.

Die Venus
indeß kañ man im günſtigen Lichte bei Tage
öfter ſehen, wie ich ſelbſt den Jupiter
noch 18 Minuten nach Soñenaufgang, die
unter den Tropen in vieler Klarheit ſcheint
geſehen habe.

Venus u. Jupiter
sind am Tage
zu ſehen.

Benzenberg behauptet
daß Jemand den Regulus am Tage jeder
Zeit geſehen u. den Quadranten darauf
gerichtet u. ſelbſt die Jupiters-Trabanten
mit bloßen Augen wahrnehmen koñte. Die
Strahlen des Jupiters köñen dies gradenicht
behindern, da das ganze Trabantenſyſtem
½ des Monddurchmeſſers = 16 Minuten
groß iſt; wo hingegen das Reiterlein
im ursus major im Zerſtreuungskreiſe
liegt. Weñ wir überhaupt die Venus
selten am Tage ſehen köñen, ſo iſt die
Urſache davon, daß wir keinen Feſten
Punkt des Suchens haben; wie es überhaupt
ſchwer hält, jemanden am klaren Him̃el
etwas bemerkbar zu machen.

Urſache warum
Venus am Tage
ſchwer zu ſehen
iſt

Jn einer

Ferne kañ man ſtarke Baumſtäm̃e unter

einem Winkel von 15–18 Sec. noch erblicken
u. hohe Gegenſtände, w. Zb. Blitzableiter
unter einen Sehwinkel v. 5. Sec.

Man kañ
noch ſehen unter
einem Winkel von
5 Sec.

So erblickte
ich auf dem Vulkan Pizinscha
meinen Reiſegefährten Bonpland mit
bloßen Augen in einer Entfernung von 3–4
Meilen u. ſahe den ſich bewegenden weißen
Flecken ſeines Mantels, unter einen Winkel
von 3–4 Sec. das Sehen erleichtert theils
Bewegung, theils das Abheben der Gegenſtände
auf dunkel oder hellem Hintergrunde.
Die Frage kañ hier aufgeſtellt werden
warum wir die Sterne am Tage durch
ein Fernrohr erblicken, da ſie doch
durch daſſelbe nicht größer werden.

Warum
sind aber durch
ein Fernrohr die
Sterne am Tage zu
ſehen?

Das Ausſchließen der äußern Luft iſt
nicht die Urſache, deñ wir erblicken ſie
auch durch Luft-Teleskope; ſondern es
rührt mehr davon her, daß wir die Bewegung
der Sterne zugleich wahrnehmen,
u. keinen Eindruck vom ruhenden Körper
erhalten. Bekañt iſt es, daß das deutliche
Sehen mit der quadratiſchen Entfernung
des Objektiv-Glaſes wächſt, u. um 4 mal
deutlicher zu ſehen, die Länge des
Rohrs 16 mal größer ſein muß.

Grundſatz
in der Conſtruction
des Fernrohrs

Man
machte daher fürchterliche Röhren von
250 Fuß Länge, u. kam auf die Errichtung
von Luft-Teleskope. Ein ſolches Rohr
war beiläufig 3 mal ſo hoch wie das
hieſige Schloß, u. Campari in Bologna
machte ein Objektiv, auf 620 Füß Länge
berechnet; u. wunderbare Jdeen mußten
unter dem Volke entſtehen, weñ die
Aſtronomen mit ſolchen fürchterlichen
Jnſtrumenten operirten.

Ehemalige
Größe der Fern
röhre

Daß

man mit bloßen Augen 5000 Sterne ſehen
kañ iſt nicht richtig; deñ Herſchel zählt
allein Sterne von 1–6ter Größe 11,000
6ter Größe allein 8,000 u. Sterne
7ter Größe über 14,000, ſo daß wir
bloßen Augen über 20000 Sterne erblicken.

Man ſieht
mit bloßen Augen
mehr als 5000 Sterne

Der größte Nutzen der Teleskope ergab
ſich erſt da, als ſie mit meſſenden

Jnſtrumenten

verbunden wurden; dies erfand
zuerſt 1604 Morin in Paris; wie
Picard 1664 es verſuchte den Abſtand
des Mondes von der Soñe zu beobachten
um die Längen hiernach zu beſtim̃en
Erſtaunend iſt es, welche Schwierigkeit
die Araber hatten um die

Ortsbeſtim̃ungen

zu meſſen, die mit unvollkommenen
Jnſtrumenten durch Dioptern
nur beobachteten.

Verbindung der
Teleskope mit
meſſenden Jnſtrum.

Frühere
Methode Sterne
zu meſſen.

Wir haben noch Breitenſtim̃ungen
von Columbus, der bei
dem Mangel an Fernröhren doch ſo
genau beſtim̃te, daß eine Differenz
von 4 od. 5 Minuten ſich nur ergiebt.
Beobachtungen

von Columbus
Jetzt muß man freilich mit vollkom̃enen

Jnſtrumenten nicht 4–5 Sec. fehlen, ja
bis auf 1 Sec. es richtig meſſen.

Man mißt
jetzt mit einer
Genauigkeit von
4 Sec.

Bei den
Cometenſuchern oder Nachtfernröhren

wendet man nur eine 4–5 malige Vergrößerung

an, mit ſtäckern Objectiv-
Gläſern, wo die Klarheit zu nim̃t,
u. braucht ſie auch dazu Schiffe am Abende
zu entdecken.

Nachtfern-
Röhre

Die Vergrößerung bei
Sextanten iſt ungefähr 15–16 mal
u. für Repetiv Kreiſe 180–200 mal.

13. Vorlesung, 15. Dezember 1827

Wir gehen jetzt über zu der ſpeciellen
Beſchreibung der nicht telluriſchen Stoffe.

Beſchreibung der nicht
telluriſchen Stoffe.

Hätte
ich nur über dasjenige ſprechen wollen, was wirklich
hier zu bemerken iſt, u. nicht von dem, was
uns bloß erſcheint; ſo hätte ich Zb. nichts
von dem Funkeln der Geſtirne, nichts von
ihrem Leuchten erwähnen dürfen, was jedoch
ſo wichtig iſt näher zu erklären. Jch kañ
dabei nicht unterlaſſen einige Quellen anzugeben,
wo dies gründlich u. ausführlich behandelt
iſt.

Angabe der
Quellen.

Dahin gehören die Añalen der Chemie

wo 1816, Frenels mathem. Memoiren

über die Diffraction, der letzte Theil
von Thompsons Chemie |: Supplement-Band 1822 :|
Fiſchers mechaniſche Naturlehre. Die
Aſtrognoſie beſchäftigt ſich mit den geballten
u. ungeballten Stoffen, die in

inſelförmigen

Gruppen zerſtreut liegen.

Womit beſchäftigt
sich die Aſtrognoſie

Dazwiſchen

liegen einzelne Sterne zerſtreut,
gleichſam wie Sporaden, im unermeßlichen Ozean,

wie St. Helena liegt. Wir ſehen am Him̃el
Gruppen von Sternen, die uns entfernt ſind
u. die Gruppe zu der wir ſelbſt gehören.

Sterngruppe
unſers
Syſtemes

Jn dieſer nächſten Gruppe bewegt ſich unſer
Syſtem mit ſeinen 11 Haupt- u. 18 Nebenplaneten
. Die Entfernung des letzten Planeten
Uranus iſt noch nicht der 100ſte Theil der Entfernung
von dem Centralkörper bis zur Grenze
des letzten zu unſerm Soñenſyſtem allein gehörenden
Cometen.

Entfernung
des Planeten Uranus
im Verhältniß zu
dem letzten Cometen

Sehr unwichtig u. klein
iſt daher unſer Planetenſyſtem, u. das ganze
Soñenſyſtem unwichtig, gegen andere Syſteme
u. unſerer Sternſchicht.

Kleinheit unſers
Syſtems

Nehmen wir auch den
größten Umkreis um die Soñe, den ſelbſt der
Comet beſchreibt der in 80 Jahren wiederkehrt
ſo köñen deñoch 37,000 mal ſolche Raume der
Länge nach in unſerer Sternſchicht Platz finden,
es iſt ſo als weñ ich alle Jnſelgruppen der
Südſee in Vergleich ſtelle mit einem kleinen
Korallen-Eilande.

Größe der
Sternſchicht

Es geht in der Weltbeſchr.
wie in der Weltgeſch., daß mit dem
Theile der Anfang gemacht wird; jedoch hat
man hiebei Unrecht zu glauben, daß dies nur
Spiele der Phantaſie ſeien; deñ man hat es
jetzt wirklich beobachtet; man iſt jetzt der
Sache gewiß; man kañ durch absolute Zahlen
die Grenzen der Gewißheit angeben.

Gewißheit
d. Größte.

Wir werden uns jetzt ferner beſchäftigen

Ueberſicht

1., mit den fernſten Gruppen 2., mit
der linſenförmigen Schicht der Gruppe in der
unſer Sÿſtem ſteht, u. 3. mit unſerm Planetſyſteme
ſelbſt.

1. Betrachtung der
fernſten Gruppen.

1., Betrachten wir die fernſten Gruppen
ſo ſehen wir einen ſolchen mit Sternen geflekten
Nebelfleck im Gürtel der Andromeda,
ferner in der Krippe, im Krebſe etc. Zuerſt beobachtete
dieſe Nebelflecke ein deutſcher
Simon Magius im Anfange des 17ten Jahrh.

Erſte Beobachtung
der Nebelflecke

Huygens unterſuchte ſie ſpäter, u. beſchrieb
den Nebelfleck des Ariens, welches ſehr wichtig iſt.

Huygens

Da er jetzt bedeutend anders geſtaltet u. ſeine
Veränderung wahrzunehmen iſt. Herſchel iſt
erſt der Columbus dieſer Räume geworden,
u. er hat zuerſt die Jdee von der körperlichen
Geſtalt derſelben gegeben, u. den
Him̃el nach drei Dimenſionen gemeſſen; er
hat das Senkblei in die Tiefe der him̃liſchen
Räume geworfen, coelum profundit

Herſchel

Zweierlei Claſſen
der Geſtirne

Es giebt zweierlei Claſſe dieſer Geſtirne
1. auflöſbare u. 2., unauflöſbare.

1., auflöſbare

Erſtere ſind ſolche wo der Nebel bei der
Vergrößerung gänzlich verſchwindet, u. ſich
das Ganze in kleine Sterne auflöſet. Zb.
die Milchſtraße. 1724 ſprach Huygens ſchon
dieſe Jdee aus, u. ſagte, daß er mit ſeinem
Fernrohr von 200 Fuß Länge die Milchſtraße
auflöſen kañ. Bei den unvollkom̃enen

Jnſtrumenten

kañ dies jedoch nur Vermuthung
geweſen ſein.

2., unauflöſbare

Viele Nebelſterne löſen ſich
aber auch jetzt bei der größten Vergrößerung
nicht auf, wobei man freilich behaupten
kañ, daß weñ wir nur beßern Jnſtrumente
hätten, ſie ſich endlich wohl auflöſen
würden. Es köñte allerdings ſo
ſein; aber es läßt ſich nach Analogie hier
ſchließen, daß ſie auch bei den größten Jnſtrumenten
deñoch unauflöſlich blieben;
weil ſie auch bei der ſtärkſten Vergrößerung
in gleichartiger Erleuchtung bleiben.

Kern wird
in der Lichtmaſſe bemerkt.

Bei andern giebt es dagegen einen Kern
der ſich glänzend auszeichnet. Häufig ſind
2–3 ſolcher Teleskopiſchen Sterne in einen
Nebelfleck eingeſenkt, die ſich darin fortbewegen
.

3000 Nebelflecke

Man hat dergl. Nebelflecke ſchon
3000 gezählt, von denen der größte Theil
unauflöſlich iſt. Zuſam̃en nehmen ſie am
Him̃elsgewölbe ungefähr einen Raum von
600 Vollmonden ein.

Jhr Raum am
Him̃el.

Herſchel glaubt, daß
ſie 8000 Syriusweiten von aus entfernt ſind
u. folglich 24,000 Jahre Zeit gehört, bis das
Licht zu uns kom̃t; ja die letzten ſchätzt er
ſelbſt 30,000 Syriusweiten entfernt, die
wie Licht u. Dunſtwolken dort ſchweben.

Jhre Weite
von aus

Die
Nebelflecke kañ man claſſificiren 1., in
bloße Nebel, die rund, ohne Stern ſind.

Claſſification
derſelben.

2.,
Nebelſterne, die das Licht in der Mitte zuſam̃enziehen
, welches ſich an den Rändern
verliert u. da ſtets ſchwächer erſcheint

n.d., Sternnebel, in die einzelne Sterne

eingeſenkt ſind oder Sternenhaufen mit Nebel.
Sie haben oft 12–15 Sec. im Durchmeſſer, wie
unſere Planeten; man kañ daraus auf ihre
beträchtliche Maſſe ſchließen. Ein Nebelfleck
würde ſomit den Raum von der Soñe bis
Uranus ausfüllen.

Jhre Größe

Herſchel glaubt, ſie
wären Fixpunckte, oft pinſelartig oder
kam̃artig, oder mit Kometenſchweifen, mit
einer Bewegung im iñern der ungeheuere
Räume von der Schnelligkeit, die alles übertrifft
was wir vom Lichte keñen.

Jhre Geſtalt

Wie
ſchon erwährt hat Huygens den Nebelfleck des
Orions beobachtet.

Beobachtung des
Nebelflecks im Orion

Man köñte ihn jetzt bei den

gefundenen Veränder. deſſelben der unrichtigen

Beobachtung beſchuldigen; doch Herſchel hat ihn
von 1774 noch genauer beobachtet u. bis

1510 ſind ſchon merkliche Veränderungen
in demſelben wahrgenom̃en; in dem ſich mehrere

Sterne von demſelben ganz getreñt u. entfernt
haben. Man kañ ſie für planetariſche
Maſſe halten, die wie Ringe ſich lagern
u. verſch. Stufen der Verdichtung
añehmen, wie ein Körper, der die

verſchiedenen

Perioden des Alters durchläuft.
Schon über 600 haben ſich ganz verdicht.

2., Beſchreibung unſerer
eigenen Sternſchicht.

Wir kom̃en jetzt zum 2ten Theil od. zu unſrer
Sternſchicht. Unſer ganzes Soñenſyſtem
köñen wir ebenfalls uneigentlich einen
Nebelfleck neñen. Dieſe Jdee läßt ſich
ſehr gut vertheidigen. Doch will ich zuerſt
einiges von den verſch. Sternen ſelbſt reden
.

Einleitung

Wären ſämtliche Sterne gleich groß
ſo würde es ſehr ſchwer ſein die Tiefe
des Him̃els zu beſtim̃en. Jch muß hier wieder
auf die Araber zurückgehen, die
zuerſt die Sterne näher betrachteten u. ſie
ſelbſt als Gegenſt. der relig. Verehrung unſahen
.

Araber
u. deren Beobachtung

Erſt die Ptolemäer machten ſich an
die meſſende Aſtronomie u. Hipparch entwarf
das erſte Verzeichniß der Geſtirne.

Hipparch

Dadurch, daß man bemerkte, ein Stern ſei
verloren gegangen u. verſchwunden, wurde
er hierauf aufmerkſam u. verzeichnete
Alle. Dabei iſt es außerordentl. wichtig
in den verſch. Sternbildern die Sterne
nach ihrer Helligkeit mit Buchſtaben zu
bezeichnen; weil dadurch die Graduation
bemerkt wird u. in der Scala die möglichen
Veränderungen beobachtet werden
köñen.

Verzeichniß der
Sterne in neuem
Bilde nach dem
Alphabet.

So ſind Zb. im Sternbilde des Kranichs
ſchon längſt bedeutend Veränderungen
wahrgenom̃en. Bei den frühern
Meſſungen ſahe man nur auf Länge u. Breite.

Länge, Breite
u. Tiefe des Him̃els
beſtim̃te Herſchel Wie geſagt, Herſchel unternahm es zuerſt

auch die Tiefe des Him̃els zu beſtim̃en. Es
war deshalb ſehr wichtig u. nöthig photometriſche
Meſſungen der Lichtſtärke vorzunehmen.

Meſſungen
der Lichtſtärke

Solche

Meſſungen ſind mit groſten Schwierigkeiten verbunden

. Lambert fand, daß das Licht der
Soñe 277,000 u. 100000 ſtärker ſei, als
das des Mondes. Olbers fand, daß die
Lichtſtärke des Aldebaran 400,000 mal
ſchwächer ſei als des Vollmondes, u.
daß die Soñe weñ ſie mal weiter als
Syrius entfernt wäre, anſtatt der 20 Mill.
Meilen, wie Aldebaran leuchten würde
beim Vollmonde hat ein Theil des Him̃els
900000 mal weniger Licht als die Scheibe
ſelbſt, u. die Lichtſtärke der Venus iſt
3000 mal ſchwächer, als die des Vollmondes.

Blaſſe Mondſcheibe
erhält Licht von der
Erde

Weñ wir die blaſſe Mondſcheibe erblicken
ſo iſt dies die Beleuchtung von unſerer
Erde; u. bei der Venus erblicken wir
in ihrem dunkeln Theile einen eignen Lichtproceß
in ſich ſelbſt, u. man darf daher
nicht añehmen, daß ſelbſtleuchtende Körper
ſtets von ungeheurer Größe wären.

Methode die
Lichtſtärke durch den
Schatten zu meſſen.

Eine der ſicherſten Methoden die Luftſtärke
zu meſſen beſteht darin, den Schatten zu
meſſen, den zwei Lichte in gleicher Entfernung
von einem Körper werfen. Sehr gut
läßt ſich daher die Stärke des Lichts eines
Reverbers mit einem gewöhnt. Licht vergleichen
. Da ſich die Lichtſtärken wie
die Quadrate der Entfernungen verhalten
ſo läßt ſich die Quantität des Lichts genau
beſtim̃en. Durch dies Mittel werden
die Erleuchtungspatente geprüft u. genau
beſtim̃t. Dieſe Methode iſt vom Grafen Romfort.

Methode von
Lambert.

Die andere Methode iſt von Lambert, durch
Hohlgläſer das Licht der Soñe, u. das Licht
der Erde durch Schatten zu beſtim̃en. Die
dritte Methode iſt von Herſchel u. entdeckt
bei der Beobacht. der Trabanten des Jupiters
; wie dies überhaupt von der
größten Wichtigkeit für die geographiſche
Beſtim̃ung der Länge iſt, durch
die Zeit, weñ die Trabanten in den Schatten
ihres Planeten treten.

Methode von
Herſchel

Man fand, daß
Teleskope von ungleichen Stärke dies
verſchieden angaben, u. es mußte eine
gleiche Lichtſtärke denſelben gegeben werden.
Dies geſchah; in dem man Schirme in das
Fernrohr ſetzte, welches Baily erfand
der das Opfer der Revolution wurde.
Durch die Diaphragmen im Jñern des
Fernrohrs fand man das Mittel der Gleichſtellung
derſelben. Herſchel nahm jetzt Spiegelteleskope
von gleicher Stärke u. richtete
ſie auf verſch. Sterne, von denen
der eine Zb. vier mal weniger leuchtete als
der andere; jetzt verkleinerte er das
Objektiv des Teleskops der auf den
größern Stern gerichtet war, bis ſie
gleich wurden, u. nun läßt ſich eine Berechnung
anſtellen. Deñ verliehrt Aldebaran
den 4ten Theil der Lichtſtärke,
ſo ſind wir überhaupt, daß der Stern
der kleiner iſt, 2 mal weiter entfernt
iſt, verleiht er den 16ten Theil, ſo iſt er
4 mal weiter entfernt u. ſ. w.

Entfernung
der Sterne aus
der Lichtſtärke derselben
zu finden.

14. Vorlesung, 19. Dezember 1827

Jch ſelbſt hab die Methode, die Stärke
des Licht durch Spiegelſextanten zu meſſen
erfunden; wobei ich nur fürchte mich undeutlich
auszudrücken, wie es überhaupt ſchwer fällt
ſeine eignen Erfahrungen Andern recht deutlich zu machen
.
Eigne Erfindung

Stärke des Lichts
zu meſſen.
Durch dieſen Sextanten kañ ich die zu

vergleichenden Sterne, neben einander ſtellen

u. da der durch Reflexion geſehene, ſchwächer
erſcheint als der unmittelbar geſehne,
ſo kañ ich hier Beobachtungen anſtellen;
u. finde ich, daß ſich die Strahlen des Sÿrius
zu Canopus verhalten wie 100 : 98.
ſo iſt Syrius von größerer Lichtſtärke
Jn der Tropenwelt giebt es 4 Sterne
die ſchöner ſind als Orion, wie überhaupt
der ſüdl. Him̃el, von Madeira an, ungefähr
, betrachtet, mehr helle Sterne
zählt.

Sterne der
Tropenwelt.

Doch der Theil des ſüdl. Him̃els
vom Aequator an, hat eine gleiche Vertheilung
der Geſtirne mit dem nördlichen,
es iſt ein geringer Unterſchied zwiſchen
der Zahl der Geſtirne 1, 2 u. 3ter Gr.

Vergleichung der
Zahl der Sterne der
südl. Hemiſph. mit der
nördlichen.

So zählt der ſüdl. Him̃el Sterne 1ſter
Gr. 9 u. der nördl. ebenfalls 9.
Sterne 2ter Größe d. ſüdl. Him̃el 29.
der nördl. 26, Sterne 3ter Gr. d. ſüdl.
Him̃el 101., der nördl. 76. Sterne
4ter Gr. der ſüdl. 181 der nördl. 195.
Jm Allgemeinen bemerken wir eine große
Verſch. des Lichts bei den Geſtirnen. Frauenhofer
hat hier die ſchönſten Beobachtungen
gemacht; indem er die Strahlen des Sterns
auf das Spectrum des Prismas fallen
ließ, wodurch die farbigen Zonen hervortreten
.

Beobachtungen

von Frauenhofer

Die Spektra bleiben ſich
hier gleich ob ich Soñen- od. Mondlicht
erblicke, weil es ein u. daſſelbe Licht
iſt, u. daher der Mond über Phoſphoreſcenz
ermangelt. Ganz verſchieden
iſt hiernach elektr. Licht, Sternenlicht,
Ofenlicht etc. So haben Caſtor u. Pollux ganz
ungleiches Licht, während der erſtern u. Syrius
übereinſtim̃en u. Pollux ein gleiches Licht
mit unſrer Soñe enthält. Aus dieſer Verſchiedenheit
des Lichts kam es, daß die Perſer
in ihrem Zentaaeſte den ganzen Him̃el in
zwei weiße u. 2 rothe Sterne theilten
die von den Alten ſtellae regiae genañt
wurden, Regulus , Anteres
u. Aldebaran. Der Syrius bezeichnete
das alte egyptiſche Jahr, indem
er zur Zeit der Morgendäm̃erung erſchien
u. 1461 dieſen Jahre, bildeten 1460

juliäniſche Jahre; es war dies die

Sotiſche Periode. So beobachteten die
Alter ſehr ſorgfältig die Fixſterne.

Zahl der
sämtlichen Geſtirne

Jch kom̃e auf die Zahl der Geſtirne,
u. man muß hiebei den Unterſchied machmachen,
die man auf einmal an jedem Orte ſehen kañ, u. die,
weñ man unter dem Aequator ſteht.
Nach der Uranographie von Bode ſind
Sterne 1–6ter Größe 8000, von 6–7ter
Größe 12000., ſo daß man mit bloßen

Augen ſehr gut 14,200 Sterne wahrnehmen

kañ.

Sterne 1–6ter Gr. etc.

Jm Verhältniß des ganzen Him̃elsgewölbes
würde daher auf den Raum
von zwölf Mondflächen noch nicht ein
Stern von 1–7 Größe kom̃en; daher
es nicht ſo leicht ſich ereignet daß bei
der Bewegung der Mondſcheibe dieſe einen
Stern bedeckt. Die Alten hatten die Sterne
ebenfalls gezählt u. Ptolomäus giebt
dieſelbe Anzahl der Sterne von 1–5 Größe
an, wie wir; doch von denen der
6 u. 7ten Größe kaum den ten Theil.
120000 Sterne

sind ſchon verzeichnet
.

Jn den neuern Sternkarten von Harding
ſind ſchon 120,000 Sterne verzeichnet
, von denen aber nur 8–9000 gut
beſtim̃t ſind. Es iſt ein Verdienſt der

hieſigen Akademie, Sternencataloge

beſtim̃t u. mit allen Aſtronomen
Europas in Gemeinſchaft, den Him̃el in
Zonen, eingetheilt zu haben.

Eintheilung des
Him̃els in Zonen.

Dies iſt wichtig
um noch neue Planeten zu finden, Kometen
zu ſuchen etc.; weniger wichtig wäre es,
um bloß die Zahl zu haben. Herſchel
beobachtete d. 22 Aug. 1792, während
40 Minuten, daß 258000 Sterne durch
ſein Fernrohr gingen.

Beobachtung
v. Herſchel

Er dürfte
die Sterne die durch ein Fadenkreuz
des Sternrohrs durchgingen beſtim̃en
u. dieſe mit dem Raume od. der Zeit mit

en, um dieſe Zahl zu finden. Hier

nach läſſet es sich berechnen, daß man durch
Fernröhre 148 Mill.

148 Mil. Sterne
sind durch Fernröhre
zu ſehen.

Sterne ſehen kañ
u. ungefähr 200 Sterne auf die Größe
einer Vollmondsfläche gehen. Alle Sterne
die man hier nicht ſieht, gehören dem

ſüdlichen Him̃el an, den ich ſelbſt an

37½° Breite beobachtet Nähert
man ſich dem Aequator; ſo erblickt
man neue Erdräume, neuen Him̃el.

Anblick des
südl. Him̃els

Die Alten beobachteten denſelben nur bis
zum tropicus cancri; bis Siene.
Egyptiſche Prieſter hatten Colonien in
Meroë. Hanno beſchiffte zwar die

Küſten von Vorderindien, jedoch war

dabei keine Sternkundigen.

Keñtniß
deſſelben in alten
Zeit.

Es wird
erzählt daß Poſidonius nach Cadix
reiſete, um den Canopus zu ſehen
die wir jetzt in Europa nicht erblicken
dies rührt davon her, daß ſich die
Axe der Erde nicht parallel bleibt, ſondern
in 25,000 Jahren die ganze Axe dreht.
Die Entdeckung Amerikas wurde auch
hiebei ſehr wichtig. Die beſten Beobachtungen
machte la Caille auf dem Cap der gute
Hoffnung u. der Engländer Fellow der
noch gegenwärtig daſelbſt beſchäftigt iſt.

Manche Naturbegebenheiten zeichnen den
ſüdlichen Him̃el aus. Jn dem Theile des
Him̃els, der von Pol zu Pol den 5ten
Theil des Ganzen beträgt, ungefähr ſüdlich
von Madeira, erblickt man 6 Sterne
1 Größe u. 12 Sterne, 2ter Größe.

Schönheit
des ſüdl. Him̃els

Die Schönheit des Him̃els rührt hier
nicht von der Jlluminationskraft
ſondern von der Gruppirung her.
Die ſchöne Landshaft des Him̃el erweckt
hier lebhaft die Einbildungskraft.
Prachtvoll bildet ſich der Schütze mit
der Krone, das Vordertheil des Schiffs
mit Canopus. Hiemit ſtehen im Zuſammenhange
die dunſtartige Materie
der magellaniſchen Wolken, die ſchwarzen
Flecke etc. etc. kom̃t man von Norden
nach Süden, ſo tauchen zuerſt bei Madera
auf der Canopus; dañ kom̃en die Füße
des Centauern; dañ das ſüdl. Kreutz,
dañ wieder die Kohlenſäcke, u. dañ die

magellaniſchen Wolken. Dieſe Stellung

iſt nicht im̃er ſo geweſen, deñ die Veränderung
der Erdaxe hat hier die Stellung
der Geſtirne verändert; indem in Alexandries
Canopus 6° über dem Horizonte
ſtand, der jetzt 3° unter demſelben ſich befindet
.

Veränderung
der Stellung der
Geſtirne

Außer der ſchönen Gruppirung
iſt auch das milde Licht von wunderbarer
Wirkung. Wie Oaſen liegen hier
mit mattem Glanze die lichten Wolken.

Eintheilung
des ſüdlichen
Him̃els

La Caille theilte zuerſt den ſüdlichen
Him̃el in Provinzen u. wie der nördliche
Theil mit ſeinen Beneñungen der mythiſche
genañt werden kañ: ſo darf
der ſüdliche der induſtrielle heißen.
Auch bei uns war es Sitte die

lichſten Namen der Geſtirne zu geben. So

ſollten die Plejaden, das Ein mal Eins

heißen. Ein Salzburger Aſtronom ſetzt
ſogar das Wappen des Biſchofs Firmian

an den Him̃el, der ſeine Unterthanen

aus dem Lande trieb. Früher erwähnte
ich der ſchwarzen Flecke des ſüdl.
Him̃els.

Schwarze Flecken des

ſüdlichen Him̃els

Einer befindet ſich im ſüdlichen
Kreutze, der andere in der Eiche
.

Karls-Eiche, zur Eriñerung an die Eiche in
welcher ſich Carl II. verſteckt hatte.

Da ich nur 15° ſüdl. Breite geweſen
ſo habe ich nur einen derſelben
geſehen. Er muß 28° Höhe erreichen
um ihn deutlich wahrzunehmen u. in
den Ebenen von Caraccas u. Orinoco
erblickte ich ihn nie, ſondern nur
bei den Katarakten des letztern
unter 3–4° ſüdl. Breite. Von einer
Seite erſcheint dieſer Flecke ſcharf begrenzt
, in 3° Breite, wie ungefähr
6 Mondflächen. Weñ la Caille behauptet
, daß das Ganze eine Wirkung des Lichtcontraſtes
ſey, ſo kañ ich mit Reinhold
Forſter ihm nicht beiſtim̃en. Die Erfahrung
lehrt, daß weñ ich durch ein langes Rohr
ſehe, wenige oder keine Sterne ich erblicken
werde, hingegen durch ein kürzeres
viele zu Geſicht kom̃en werden; ſo ha
auch dieſe dunkeln Flecke von der tiefen
Oeffnung des Him̃els ab, durch welche keine
Sterne mehr ſchim̃ern. Solcher Oeffnungen
hat Herſchel im Scorpion entdeckt, die
aber dabei nicht ſchwarz erſcheinen;
es iſt gleichſam ein Loch in dem Sternbilde
u. nicht unrecht iſt die Behauptung
, daß ein Sternhaufen durch Attraction
Alles an ſich gezogen u.
daher oft ein Flecken in dieſem Haufen
zu finden.

15. Vorlesung, 22. Dezember 1827

Wir fahren fort die linſenförmige Sternſchicht
betrachten zu der alle Geſtirne gehören
die wir mit bloßen Augen ſehen. Weñ ich mich
hiebei länger verweile, ſo geſchieht dies aus
einem zweifachen Grunde, weil das hier bekañt
zu machende, der meiſten Zuhörern wohl nicht zugänglich
u. in vielen kleinen Schriften zerſtreut
iſt, u. dañ auch der Character einer Weltbeſchreibung
anders iſt, als der in aſtronomiſchen Vorleſungen
herrſcht, wo mehr der meſſende Theil die
Hauptſache iſt. Jn unſerer Natur- u. Weltbeſchreibung
iſt das größere Jntresſe bei den größern
Maſſen zu verweilen. Jn der letzten Vorleſung
habe ich die Geſtalt des ſüdl. Him̃els
geſchildert u. bin bei den ſogenañten Kohlſäcken
ſtehen geblieben. Hiebei habe ich eine Erklärung
gewagt, die viel wahrſcheinliches für
ſich hat, daß hier nämlich ein Durchbruch
des Him̃els zu erblicken, wo kein Licht mehr
zu uns gelangt von den uns fernern Sternſchichten
. Entgegengeſetzt dieſen ſchwarzen Flecken
erſcheinen die Magellaniſchen Wolken, die um
den Süd-Pol Kreiſen in dem Abſtande, wie der
große Bär um den Nordpol.
Magellaniſche

Wolken
Sie

lichte Wolken an Glanz der Milchſtraße ähnlich.
Weit von dieſem Nebelfleck bemerkt man
Sterne u. es läßt ſich nicht unterſchieden ob
er unauflöſlich iſt oder nicht, u. eben ſo ungewiß
iſt es, ob ſie außerhalb unſrer Sternſchicht
liegen. Die Größe beträgt 8 Mondenbreite
u. 3–4° in längerer Axe. Die Griechen haben
ſie nie geſehen noch beſchrieben, die Araber
gedenken aber ihrer ums Jahr 1515; ſie ſahen
ſie im ſüdlichen Arabien u. nañten dieſe Flecken
die weißen Ochſen. Der berühmte Reiſende Horner
vermuthet zwar, daß dieſe Wolken früher
da geſtanden wo jetzt die ſchwarzen Flecke ſich
finden; jedoch iſt dieſe Añahme zu gewagt.
Noch will ich hier einiges nachholen was ich über
das ſüdliche Kreutz noch zu ſagen habe.

Südliche Kreutz

Zu
Eudokus Zeiten koñte man noch in

Alexandrien

einige Sterne deſſelben erblicken, jetzt
nicht mehr. Das α Crucis bleibt jetzt 3° unter
dem Horizonte. Es ſind 4 ſehr regelmäßig
in einer Kreutzesform ſtehende Sterne
welches ſenkrecht am Him̃el ſteht, weñ es Mitternacht
iſt u. nach Auf- u. Niedergang geſenkt
ſich erhebt u. neiget. Jm Süden iſt
daher ein gewöhnl. Spruchwort, es iſt ſchon
ſpät, das Kreutz ſteht ſenkrecht. Der Dichter
Dante hat deſſelben in ſeinem Gedichte: das
Fegefeuer gedacht, wie der Norden dieſes
herrl. Bild niemals zu Geſichte bekom̃t.

Ein anderer ſehr wichtiger Gegenſtand
der Aſtronomie iſt außer der Photometrie
die Winkelmeſſung, unter der uns zwei Sterne
erſcheinen u. ſo liegen uns hier zunächſt die
Doppelſterne von Gallilaei beobachtet zuerſt
dieſelben nämlich Doppelſterne u. ſtellte die ſcharfsinnige Meinung
auf, daß ſie dazu dienen köñten, die Paralaxen
zu beſtim̃en, durch Beobachtung des optiſchen
Standpunktes den ſie eiñahmen.
Doppelſterne.
Fünftes Heft

Das
Nähern über
die Doppelſterne

Herſchel unternahm
1782 aufs Neue dieſe Unterſuchung u.
fand daß ſie dem größten Theile nach in iñerer
Beziehung auf einander ſtehen u. Beſſel hat
dies genau beſtim̃t. Man kañ ſie daher ſehr
uneigentlich Fixſterne keñen. Bei 61 Sternen
des Schwans werden im̃er zwei Sterne von
einer eigenen Bewegung afficirt u. es herrſcht

zwiſchen denſelben ein iñerer Zuſam̃enhang.

Was
bei ihnen zu
betrachten.

Wir werden ihre Zahl u. Natur betrachten,
ihre Farben, ihre Größe u. Zeit der Bewegung
unterſuchen. Bei vielen kañ man in der
Zeit eines Monates ihre ganze Beweglichkeit
bemerken; da nun die nächſten Fixterne
4 Bill. Meilen von uns entfernt ſind, dieſe
aber wenigſtens 12 mal weiter entfernt
sind, ſo iſt dies eine unbegreifliche Schnelligkeit.

Schnelligkeit
der Bewegung.

Die Anzahl der Doppelſterne hat ſich merkwürdig
durch neuern Entdeckungen vermehrt.
Früher kañte man kaum 800–1000. HErr
Struve zu Dorpat hat vor wenigen Wochen
einen Catalog herausgegeben, wo 3112 Doppelſterne
verzeichnet ſind, von denen wir
2300 ſeiner eignen Thätigkeit in d. Entdeckung
derſelben verdanken.

Anzahl

Er hat nicht nur unterſucht
wie ſie vertheilt ſind; ſondern
auch beſtim̃t, wie von den Sternen 1–3 Größe
unter 5 ein Doppelſtern, von 6–7 Größe, unter
12 ein Doppelſtern ſich befindet. Die Entferntern
ſind nicht ſo leicht zu finden. Struve
hat entdeckt, daß weñ man Sterne bis zur
7ten Größe zuſam̃enwirft, unter 11 Sternen
ein Doppelſtern ſich befindet. Da um Sterne 1–7
Größe 33,000 vorhanden ſind, ſo findet man
daß es 3000 Doppelſterne giebt. Wäre es bloß
Folge einer zufälligen Projection, ſo wäre
kein Grund vorhanden, warum nicht unter den
kleinen Sternen eben ſo häufig wie unter den
größern ſie zu finden wären; ſie bewegen
ſich aber eigenthümlich u. ſind nur bei den kleinen
Sternen ſchwer zu beobachten. So iſt Caſtor
ein Doppelſtern 2ter u. 11ter Größe; β in
der Leier iſt 4 Fach; σ in Orion 16 Fach
Seit der älteſten diesfäll. Beobacht. von
Merquilin hat man bei vielen die Umlaufszeit
ſchon entdecken köñen. Was ihre
Farben anbetrifft, ſo kontraſtiren ſie ſehr
mit einander.

Farbe
der Doppelſterne

Man findet kein Beiſpiel daß
der Größere derſelben der bunte Stern wäre,
aber häufig iſt das Beiſpiel, daß ſich zwei
bunte Sterne um einander bewegen. Da die
Farben derſelben, blau, gelb, grün, roth
ſind, ſo iſt man auf die Jdee gekom̃en, daß
ſie nicht dieſe Farben haben, ſondern nur etwas
mit der Farbenforderung gemein haben, wie
Zb. Purpurroth, grün verlangt, was von
unſrer Subjectivität abhängt. Dies iſt
aber nicht der Fall, ſondern ſie haben ihr eignes
farbiges Licht, welches ſtets gleich bleibt u. d
alle Teleskope gleich erſcheint. Nicht nur die Sterne
ſelbſt haben ſolche Farben, ſondern ſogar
die Nebelflecke, wie Zb. der, in der Andromeda
grün erſcheint. Merkwürdig iſt es, daß blaue
u. grüne Sterne nie iſolirt erſcheinen, die rothen
aber allerdings.

Zwifache
Bewegung

Die Bewegung derſelben
zwiefach, entweder um einander oder um einen
gemeinſamen Schwerpunkt. Körper bewegen ſich
zwar im̃er um einen Schwerpunkt, aber ſo liegt
in unſerm Soñenſyſtem derſelbe in der Soñe ſelbſt.
Oefter bewegen ſich 2–3 Sterne um einen ſolchen
Schwerpunkt. Dieſe Bewegung iſt zu erkeñen,
daß ſich der Poſitionswinkel oder die Diſtanz
verändert, oft iſt die Occultation zweier
Sterne beobachtet, daß ſie nach u. nach in einander
ſchmelzen. So wird wahrſcheinlich in 10–12 Jahren
ein Stern im Herculesbilde wieder hervortreten
. Die Schnelligkeit iſt ungeheuer; 10–12° in einem
Jahre. Cahlos bewegt ſich alle Jahr 1°.
Der Stern ξ im großen Fuchs 12° in einem
Jahr, u. da die Anziehungskraft im Verhältniß
ſtets mit den Quadraten der Entfernung, ſo iſt
dies Keplerſche Geſetz ſelbſt auf die fernſten
Räume anwendbar u. das ξ wird in 52
Jahren ſeinen Kreislauf vollendet haben.
Alle Bewegung der Him̃elskörper iſt von Weſten
nach Oſten, nur die Cometen gehen u. ziehen
in allen Richtungen u. dies iſt derſelbe Fall
auch bei den Doppelſternen.

Vulkaniſche
Welträume

Jm Allgemeinen wollen wir jetzt zuerſt
gewiße Räume des Him̃els betrachten, die
wir gleichſam vulkaniſche Welträume
neuen köñen. Alle Sterne die plötzlich

entſtanden u. wieder verſchwunden ſind,

sind in dem Raume des Him̃els zwiſchen
der Cassiopeja u. dem Scorpion entdeckt
worden, u. man bemerkte dabei 1., die
kurze Dauer ihres Aufloderns 2., die Verſchiedenheit
ihrer Farben, die von weiß
bis zum Verſchwinden ins farbige Spalten
u. 3. ihre beſondern Character ohne eine
Ortsveränderung.

Was
man bei den
plötzlich entſtehenden
Sternen zu beachten hat.

Tÿcho, Kepler, Kaſſini
die ſolche Sterne beobachteten, fanden bei
denſelben nie eine Paralaxe. Die älteſte
Begebenheit dieser Art, von der wir
Kunde haben ereignete ſich im Adler, 389

n. C. wo ein Stern aufloderte in der Größe

wie Venus u. 3 Monate lang leuchtete.

Ein Stern
erſcheint 389.

Es wurde ſogar im Scorpion 4 Monate
lang ein Stern geſehen, der den 4ten
Theil des Durchmeſſers des Mondes enthielt.

dergl. 1572

Ein Stern funkelte 1572 in der Caſſiopeja
zuerſt weiß, dañ gelb, dañ roth,
dañ trüb; der endlich glänzend wie
Venus verſchwand. Er war 16 Monate
lang zu ſehen u. Tÿcho beobachtete ihn
An demſelben Orte wurde ſchon 945
1264, 1572 der Stern bemerkt, ſo daß
man vermuthen kañ, er kom̃e in Perioden
von 319 u. 308 J. wieder u. dürfe 1880
ungefähr erſcheinen. Jch möchte dieſen

bezeichneten Weltraum den vulkaniſchen B

des Him̃els gleichſam neuen.

desgl. 1670

Jm J. 1670
ſahe Cassini fünf neue Sterne auf einmal
entſtehen, von denen 2 verſchwunden u. 3

bis jetzt geblieben ſind.

desgl. 1604

1604. loderte
ein Stern im öſtlichen Fuß des Schlangenträgers
auf, den Kepler beobachtete. Es war
ein Stern 1ſter Größe, der zuerſt gelb, dañ
ſafranfarbig, dañ purpurroth, dañ blaßroth
leuchtete, u. in Jahresfriſt verſchwand.
Es war grade die Zeit der Conjunction
von Jupiter u. Saturn 1604, in deren
Nähe dieſer Stern aufloderte; Mars
ſtand gleichfalls nicht weit davon ab;
ſo daß Kepler auf mÿſtiſche Jdeen hiebei
gerieth, im Geiſte jener Zeiten. Es war
die Frage, ob dieſer Stern, nicht der
Stern der Weiſen ſei. Jdler hat hierüber
eine vortrefliche Unterſuchung angeſtellt,
um aus der Conjunction dieſer Geſtirne
Chriſti Geburt zu beſtim̃en.

desgl. 1670

1670 erſchien
nahe der Gegend des Schwans ein
Stern, den Pater Antelm entdeckte;
er war 3ter Größe u. verſchwand
bald; er wurde 1671 noch einmal von
Cassini geſehen. Wie ſich bei den Azoren
Jnſeln aus dem Meeresboden erheben; ſo

leuchten hier Sterne auf, u. verſchwinden.

So ſagt man daß im Siebengeſtirn ein
Stern verlohren gegangen ſein ſoll, doch
dieſes mit Unrecht; aber im Perſeus
verändern ſich noch Sterne ganz periodiſch
in 2 Tagen 20 St. 48 M. wie dies 1781.
unterſucht worden iſt.

Veränderungen
der Sterne
im Perſeusbilde

Eine ſehr regelmäßige
Veränderung erleidet auch
η im Antinous u. der Wechſel iſt
7 Tage. Eben ſo unregelmäßig verändern
ſich andere Geſtirne Zb. Mira im Wallfiſch
, bemerkte Caſſini 1596, der in einem
Jahr von der 2 zur 3ten Größe abnim̃t,
u. deñ ganz verſchwindet. 1600 beobachteten
Antelm u. Kepler einen veränderlichen
Stern in Schwan, der 19 Jahre lang leuchtete
, dañ bis zum Stern 3ter Größe herabſank
u. jetzt als Stern 6ter Größe ſchim̃ert.
Eine Veränder. iſt zwiſchen dem Sternbilder
von Caſtor u. Pollux wahrgenom̃en,
von dem Caſtor im̃er lichtſchwächer jetzt
wird; ſo iſt auch der Stern δ des großen
Bären lichtſchwächer geworden, der
noch zu Tÿchos Zeiten ein Stern zweiter
Größe war.
Caſtor u. Pollux

Stern δ
im Bären lichtſchwächer
geworden
.
Die Urſache dieſer Veränderung

iſt ſchwer zu erklären.

Urſachen
dieſer Veränderungen
.

Sind
es vielleicht linſenförmige Körper die
rotiren u. uns von Zeit zu Zeit den
Rand der Scheiben nur zeigen; oder haben
die Körper dunkle Flecken, die das Licht
ſchwächen? Es köñen auch wohl dunkle
Welten ohne Licht oder in ſchwachen Lichtprozeſſe
begriffen ſein, oder daß von
Zeit zu Zeit dunkle Körper die hellen
bedecken; aber merkwürdig bleibt es
daß dieſe Veränderungen nur in dem
Him̃elsgebiete zwiſchen u. in der Cassiopeja,
Schwan u. Fuchs wahrgenom̃en werden.

16. Vorlesung, 29. Dezember 1827

Wir haben 1., die entferntern Nebelflecke
betrachtet, deñ ſind wir 2., zu der betrachtung
unſerer iſolirten Sterninſeln, wozu
unſer Planetenſyſtem gehört übergegangen
u. 3., werden wir uns mit der Topographie
unſeres Soñenſyſtems ſelbſt beſchäftigen
.

Ueberſicht

Fortgeſetzte Betrachtung
der Sternſchicht, zu
der unſer Planetenſyſtem
gehört.

Wir fahren fort ad 2. Wir bleiben

ſtehen bei den Revolutionen die ſich in dieſen

fernen Räumen ereignen, u. ich hoffe
in der heutigen Stunde mit dem zu ſchließen
was ſich auf unſere Sternſchicht bezieht.

Form derſelben

Weñ die Form derſelben beſtim̃t werden
ſoll, ſo muß bei den Sternen zweierlei
unterſucht werden 1. Jhre Entfernung
von der Erde u. 2. die Gründe für die
Geſtalt derſelben in der Erſcheinung. Will
man añehmen alle Sterne wären gleich
groß, ſo folgt bei ihrer ungleichen Erſcheinung,

daß ſie verſchiedene Weiten haben müßten

u. umgekehrt, daß weñ ſie alle gleich
weit entfernt wären, ſie eine ſehr
ungleiche Größe haben müßten.
Entfernung

von uns
Eine mittlere

Größe derſelbe kañ aber hier jeden Falls
angenom̃en werden u. es iſt Wahrſcheinlichkeit
wie 50000 : 1. daß einige uns viel
näher ſind u. als Folge der Projection
ſich näher einzeln zu ſtehen ſcheinen. Herſchel
hat dieſe Stern-Eichungen vorgenommen
u. die Tiefen unterſucht.

Stern-Eichungen
.

Jn der Milchſtraße
ſind alle Sterne am häufigſten zuſammengedrängt
, am Ende derſelben nehmen
ſie mehr ab u. die Pole der Milchſtraße
ſind faſt leer von Sternen. Wäre die
Milchſtraße nicht Projection, ſo wäre
es ſonderbar, daß grade im größten
Kreiſe für unſer ſo höchſt unbedeutendes
Planetenſyſtem die Sterne ſo zuſam̃engedrängt
ſein ſollten. Es giebt einen
iñern Grund dafür, daß die ſternanhäufende
Kraft im Jñern ſtärker zuſam̃engedrängt
erſcheint, als im äußern.
Nach Wahrſcheinlichkeitsmeſſungen kañ man
añehmen daß die große Axe der Sternſchicht
800 Syriusweiten, die kleinere
140–150 ſolcher Weiten beträgt.

Axe unſerer
Sternſchicht

Ob
unſere Sterninſeln von ſternenleeren
Räumen ganz umgeben wären iſt ſchwer
zu beſtim̃en, doch bemerken wir, daß
ſich denſelben an den Polen beſonders Nebelflecke

derſelben nähern, u. ſie mit anderen

Sternenſchichten vielleicht in Verbindung ſtehen.

Wo ſteht unser
Planeten
Syſtem

Unſer Syſtem ſteht nach Wahrſcheinlichkeiten
zwiſchen dem Adler u. Syrius, in dem
Verhältniß wie 3 : 5. Keineswegs iſt
die Jdee neu, unſere Milchſtraße als eine
Anhäufung der Sterne zu betrachten, ſondern
dies war in den früheſten Zeiten bekañt
.

Milchſtraße

Die Milchſtr. via lactea, von
einem ſpaniſchen Mönche, Jakobsſtraße genañt,
theilt ſich beim Schwan, wo ſie zwei Sterne
theilen, bei den Füßen des Centauren.
Am ſchmällſten iſt ſie bei dem Kreutze.
Eine Zone von Nebelflecken geht durch
die Jungfrau, nach der Bildhauerwerckſtatt.

Bewegung
die bei deñ
Fixſternen beobachtet
wird

Wir kom̃en zur Bewegung der Fixſterne
u. verſtehen hierunter nicht die relative
Bewegung der Doppelſterne, die nicht Folge
der Projection, oder Aberration oder

Rotation der Erdaxe iſt, ſondern die

der Fixſterne allen eigenthümlich iſt in ſofern
ſie ihre Stelle unter einander verändern
. Unſer Soñenſyſtem ſcheint ſich gegen
das kein des Herkules zu bewegen u. die
Bewegung der Fixſterne koñte ſomit Folge
unſerer eignen translation ſein. Hierüber

wurden viele Unterſuchungen angeſtellt,

u. weñ erſtere Bewegung gleich in Anrechnung
gebracht wird; ſo bleiben
deñoch kleine eigenthüml. Beweg. für die
Fixſterne übrig, wie ich dies ſelbſt beobachtet
habe u. dabei geſehen, daß ſeit
la Caille, welches jetzt von Felloid am
Cap beſtätigt iſt, die Sterne 1ſter
Größe am ſüdl. Him̃el eine kl. Bewegung
äußere Zb.

absolute
Entfernung

Aldebaran. Die abſolute
Entfernung der Sterne iſt uns freilich nicht
bekañt, wir köñen ſie aber deñoch ziemlich
genau beſtim̃en. Es geht uns hier, wie
es faſt bei ſämtlichen ſtatiſtiſchen Nachrichten
der Fall iſt, daß die Beſtim̃ungen zwiſchen

Grenzen die bekañt ſind, eingeſchloſſen

werden, wie man ſagt, der Mañ befindet
ſich in einem Alter zwiſchen 30–40 Jahren.
Faſt alle Zahlen über den Staatshaushalt
ſind in ſolchen Grenzen eingeſchloſſen, u. darum
doch richtig. Wir lernen die Entfernung
der Geſtirne durch deren Paralaxe
keñen. Die Weltbeſchr. begnügt ſich freilich
nur hier als Thatſache anzuführen, daß
ſich die Fixſterne in einer nicht zu meſſenden
Entfernung befinden, von denen die nächſtens
von uns 4 Billionen Meilen abſtehen. Paralaxe
derſelben heißt der optiſche Ort den
die Sterne eiñehmen, weñ die Erdbahn

einen Durchmeſſer von 40 Mill.

Paralaxe
derſelben

Meilen hat,

u. die Erde in 6 Monaten an beiden Enden
des Durchmeſſers ſich befindet. Ungeachtet
dieſes ſo verſch. Standpunktes der
Erde wird eine Veränderung der
Geſtirne doch nicht wahrgenom̃en. Mit
unſern vollkom̃enen Jnſtrumenten köñen
wir jetzt Winkel unterſcheiden von 1 Sec
ja auf 3/10 Sec. Hieraus läßt ſich genau
beſtim̃en daß der nächſte Fixſterne durch
200,000 Erdweiten entfernt iſt.

Wirkliche
Entfernung der
Fixſterne

Wegen

Beſtim̃ung der Paralaxe der Fixſterne
glaubte Brinklei in Dublin, bei dem
α in der Leier, der wegen ſeiner Lichtſtärke
ſich auszeichnet, eine ſolche bemerkt zu
haben. Herr Pont in Grenwich hat hierüber
die genaueſten Beobachtungen mit eingemauerten

Teleskopen angeſtellt u. gefunden, daß die

Paralaxe noch nicht 2/10 einer Sec. betrage
u. dieſer Stern dieſen wenigſtens 4 Bill. Meilen
entfernt ſein muß.
Bei Sternen erſter Größe kañ man auch

den Durchmeſſer ſo genau beſtim̃en, als wie ich

Zb. sage; der Mañ iſt wenigſtens über 40 Jahre

alt.

Añähernde
Beſtim̃ung des Durchmeſſers
der Fixſterne.

Der Mond giebt nämlich in einer
Zeit-Secunde, eine halbe Sec. des Bogens.
Hätte der Stern eine Secunde Raum, ſo
würde der Mond 2 Sec. Zeit brauchen ihn
zu decken, dieſe Bedeckung iſt aber augenblicklich
, abgerechnet die zuweilen
bemerkt Jnflection des Lichtes. Der Stern
Veja hat Herſchel wie eine kl.

Größe des
Sterns Veja

Scheibe geſehen
von Sec. Durchmeſſer, daher der

Entfernung wenigſtens 4 Bill. ſein muß,

u. der Durchmeſſer 34 mal größer, als
der der Soñe. Durch die Reſultate der

Unterſuchungen von Huÿgens u. Hallei

iſt die Beobachtung der Fixſterne jetzt nicht mehr
ein Theil der Beſchauenden ſondern

der meſſenden Aſtronomie geworden.

Meinungen
der Alten über
die Geſtirne

Schon im Plutarch kom̃t es vor, daß
Ariſtarch von Samos behauptet, daß die
Soñe ein Fixſtern ſei u. daß die Erde um
die Soñe ſich drehe. Thales behauptet ebenfalls
, die Soñe ſei ein Fixſtern. Heraclides
von Pontus ſagt, die Sterne beſtänden
aus Erde Luft u. Waſſer. Die Pytagoraeer

lehrten, daß die Fixſterne eine Rotation

haben.

Was wir mit
Sicherheit von den
Sternen ſchon wiſſen

Wir wollen jetzt unterſuchen was
wir mit Sicherheit von den Sternen wiſſen
Wir wiſſen die Exiſtenz derſelben u. der
Lichtnebel ganz unumſtößlich; wir erblicken
ſie deutlich durch das Herrſchelſche Fernrohr
, welches die Trabanten des Saturn
u. Uranus ſichtbar machte.

Exiſtenz

Dañ keñen
wir mit Gewißheit die Zahl derſelben.
Dañ die Farben, wie ſie ſelbſt bei einigen
ſich veränderten. Jhre Geſtalt
keñt man nicht, wohl aber die Geſtalt
der Gruppen.

Allgemeine Bemerkungen

Um einen Anhalt und Ueberſicht zu geben, will
ich hier mittheilen, wie ich die Zeit verwenden
will, um die Gegenſtände der Vorleſung
abzuhandeln:
den Prolegomenen widmete ich 9 Stunden
der Allgemeinen Materie 1
der Aſtronomie will ich widmen 10

und zwar: den Nebelflecken u. Fixſternen 5 Stunden

den Planeten und Cometen 5
der Beſchreibung der Erde: 22 Stunden

und zwar: dem feſten Theil der Erde 5 Stunden

dem Ozean und Luftkreiſe 5
der Geogr. d. Pfl. und Thiere 6
den verſch. Menſchenraçen 6
Obgleich man ſich in ſolchen Dingen nur zu leicht

verrechnen mag.

Ferner keñen wir das
Minimum der mittlere Gruppen der Entfernung
, das Minimum ihres Durchmeſſers.

Vollkom̃en ungewiß iſt noch, was ſich auf

ihre Projection bezieht; ungewiß was
zu unſerm Syſtem gehört; ungewiß
ob die Nebelflecke entfernter als die
Sterne 3 und 4ter Größe ſind; obgleich
es wahrſcheinlich iſt, daß die Sterne 3ter
Größe weiter ſein köñen.

17. Vorlesung, 2. Januar 1828

Wir kom̃en jetzt 3., zur Betrachtung
unſeres Soñenſyſtems ſelbſt, welches von
größerm Jntereſſe ſein dürfte.

3. Betrachtung unseres
Soñenſyſtems.

Von der
Soñe ſelbſt erhalten wir die Wärme u.
das Licht, welches überdies, beſonders der
violette Strahl, chemiſche Veränderungen
hervorbringt u. die magnetiſche Spañung der
Erde veranlaßt.

Soñe

Die Soñe iſt ähnlich den
Fixſternen u. es bewegen ſich um ſie die Planeten
als dunkle Körper. Es iſt noch nicht entſcheiden
ob die Haupt u. Nebenplaneten
alles Licht von der Soñe erhalten, oder
eine ihnen eigenthümliche Phoſphoreſcenz entwickeln
.

Neben-Planeten

doppelte Erleuchtung

Es findet bei den Nebenplaneten
eine doppelte Erleuchtung ſtatt; erſtlich
von den Soñenſtrahlen, u. dañ von dem Reflex
derſelben von dem Haupt-Planeten.
Beim Monde Zb. giebt das aſchfarbene

Licht, weñ ein Theil deſſelben von der

Soñe erleuchtet iſt, die Erde. beiläufig ſey her
noch einer andere Färbung der Mondſcheibe
erwähnt, indem dieſe ſelbſt bei
einer totalen Mondfinſterniß nicht ganz
verſchwindet, welches Licht von der Atmosphäre
der Erde reflectirt wird. Das
ganze Soñenſyſtem hat jetzt eine größere
Zahl von Planeten als man ehemals glaubte
u. beſteht aus 11 Haupt-Planeten u. 18
Neben-Planeten oder Monden; 2 Cometen
iñenhalb der Bahn der Planeten; u. wohl
Tauſenden die außerhalb derſelben ſich bewegen
Wahrſcheinlich giebt es hiebei noch eine große
Zahl kleiner Körper oder Aeroliten, die auf
einen oder den andern Planeten fallen.

Zahl
der Planeten

Zu
unſerm Syſtem muß endlich auch die nebelartige
leuchtende Materie gerechnet werden, die wir
unter dem Namen des Zodiakal-Lichtes ſchon
erwähnt haben. Bis jetzt haben die Planeten den
Namen Jrrſterne behalten, obwohl ſie dies nicht
ſind, wohl aber die Cometen ſo genañt werden
köñen.

falſchen
Name Jrrſtern
für Planet.

Das ein Centralkörper in der Mitte
ſteht iſt jetzt unumſtößlich bewieſen u. keine Jdee
mehr; doch wurde dies ſchon um Alterthum geahnet
.

Keñtniß
des Alterthums
von unſerm Syſtem

Ariſtarch von Samos koñte nicht nur
die Rotation der Erde, ſondern auch ſelbſt
deren Translation. Unter den 6 Arten der
Körper unſers Syſtems ſind zwar die Planeten
dem Räume nach am unwichtigſten; aber am
wichtigſten für uns durch das materiell praktiſche
, welches wir deren Keñtniß verdanken.

Planeten
dem Raume nach
unwichtig

Würden wir die Planeten nicht keñen, ſo würde
uns Vieles unbekañt geblieben ſein, was
wir von der Dichtigkeit der Erde, des Mondes
u. ſeinen Paralaxe, von der Soñe etc. wiſſen
Einige derſelben haben ein eigens ſchwach
phosphoriscirendes Licht Zb.

Mehrere
ein eigens
Licht

Venus. Eben
glaubt man auch von Uranus u. Veſta
welche letztere beſonders ein viel ſtärkeres
Licht zeigt, als man nach ihrer Größe

vermuthen ſollte. Der Planet Mars

zeigt ſich in rothem Lichte u. die Jupiters
Trabanten ſelbſt in farbigem, Blau u.
Orange. Eine intereſſante Beobachtung
iſt es, zu ſehen, wie die Erfahrung
hierin in der neuern Zeit auf eine unbegreifliche
Weiſe zugenom̃en. Die Alten
zählten nur 5 u. nim̃t man Soñe u. Mond
als Planten dazu, ſo halten ſie 7 Jrrſterne
.

Wie
viel Planeten
kañten die Alten.

Sie zählten ſie in folgender
Reihfolge ſo wie ſie dieſelben am Entfernteſten
hielten. Zuerſt Saturn, dañ Jupiter,
Mars, Soñe, Venus, Merkur, Luna.

Reihfolge derselben
nach Entfernung
angenom̃en.

Von ihnen allein läßt ſich die Periode
der Woche ableiten u. weñ gleich die
gewöhnlichen Wochentage eine andere
Stellung als die oben gedachte añehmen:

Grund der Ordnungsfolge
unſerer Wochentage
.

ſo entſpringt dies aus der Sitte jede
Stunde mit einem Planetennamen zu bezeichnen
u. daß dieſe den einzelnen Stunden vorſtanden
, zählt man nun die 1ſte Stunde des
Soñtags bis zur 24ſten
. so trifft die erſte
Stunde des folgenden Tages, auf den Mondtag

etc. etc. daher der Grund der jetzigen

Ordnungsfolge.

nach oben erwähnten Reihenfolge

Die ſo häufig ſich
ereignenden Mondfinſterniſſe ſchrieb Simplicius
u. Andere den Planeten zu, die
in größerer Anzahl ſich noch behänden
.

als damals bekañt war.

Erſt ſeit 1610 wurden die Jupiters Trabanten
bekañt.

Entdeckung
der Jupiterſtrabanten

1655 wurde der ſechſte
Trabant entdeckt., 1671 d. 7te. 1672
d. 5te 1673 der 2 u. 3te von Casſini.
Entdeckung des

Uranus

1781. wurde Uranus von Herſchel entdeckt.
|: Man hatte ihn zwar ſchon 1690 geſehen, ihn aber
für einen Fixſtern gehalten, wie Zb. der Enkeſche
Comet ſchon längſt geſehen worden, aber
von Enke zuerſt in die Bahn der Planeten gebracht
worden iſt, u. daher nach ihm genañt wird. :|

Entdeckung
der Cometen hat jetzt
weniger Werth.

Man legt jetzt auf Entdeckung der Cometen
nicht mehr die Wichtigkeit die früher darauf
gelegt wurde; indem der Aſtronom Pons
jetzt oft 4 Cometen in einem Jahre entdeckt.

Entdeckung
der Trabanten
des Uranus

1787. wurde der 1. u. 2.te Trabant des Uranus
entdeckt, 1790 der 3 u. 4te. 1796.
der 5 u. 6te deſſelben. 1801 d. 1 Jan.
wurde Ceres von Piazzi gefunden, vom
durch einen Schreibfehler; indem er daſelbſt
vergebens einen Fixſtern aufſuchten.

desgl. der
kleinen Planeten

1802
entdeckte Olbers die Pallas, 1804 Die
Juno, 1807 die Veſta, geleitet nach reiner
Theorie, daß daſelbſt Trüm̃er von
einem großen Planeten zu finden ſein müßten.
Wie hierüber Lagrange die vortreflichſte
Auskunft gegeben. Jm J 1818. wurde die Entdeckung
des planetar.

desgl. der
planetariſchen
Cometen

Cometen gemacht

zwiſchen dem Merkur u. den Aſteroiden
1826. des Cometen von Biela. So ſind im

kurzen Zeitraum 5 Hauptplaneten, 8 Sateliten

u. 2 Cometen von ſechs deutſchen Aſtronomen
gefunden worden. Seit einem halben
Jahrhundert iſt durch fleißiges beobachten
die Zahl derſelben verdoppelt worden.

Harmonie
des Ganzen untersuchen
.

So wie in der vergleichenden Erdkunde man
ſich bemüht zu ſehen, in welcher Harmonie
das Ganze ſteht, ſo wollen wir dies auch
bei den Planeten verſuchen u. die

einzelnen Geſetze derſelben beobachten

Wir betrachten zuerſt ihre Entfernungen
Die Erde iſt 108 Soñendurchmeſſer, oder
20½ Mill.
Entfernung

d. Planeten.
Entfernung der

Erde von d. Soñe.

Meilen von der Soñe entfernt;
Saturn 1030 Soñendurchmeſſer, Uranus
doppelt ſo weit od. 19 Erdweiten von
der Soñe od. 400 Mill. Meilen.

des Saturn

des Uranus

Welche
Entfernung derjenige Comet hat, der am

weiteſten von der Soñe abſteht, kañ man

nur nach Analogie ſchließen. Zb. iſt der
Comet von 1680, mal ſo weit als
Uranus entfernt, der von 1811. der
3300 J. Umlaufszeit braucht, 22 mal
ſo weit als Uranus.

Entfernung
des Cometen

Hieraus ſehen
wir, daß das Planetenſyſtem der kleinſte
Theil vom ganzen Syſtem iſt, deñ der
ganze Abſtand des Uranus von der
Soñe iſt nur der 10,000 Theil der Syriusweite,
u. nehme ich das ganze Soñenſyſtem nebſt
den fernſten Cometen, ſo kañ ich dies 200
mal in dieſen Raum noch hinein ſetzen.

Kleiner
Theil des Soñenſyſtems
sind die Planeten

Größe der
Planeten hat keinen
Zuſam̃enhang mit der
Entfernung derſelben

Jn Hinſicht der Größe der Planeten zu ihrem
Abſtande von der Soñe giebt es keinen
Zuſam̃enhang u. fortſchreitende Progreſſion.

der kleinſte
u. größte aller
Monden.

Der kleinſte aller Monden iſt der iñerſte
im Saturnsringe, der größte iſt der 3te
des Jupiters u. der 6te des Saturns.

Jhre Abſtände in Halbmeßern des Hauptplaneten
ausgedrückt liefern folgende Reſultate
. Saturns Monde ſind in der Mittelzahl
drei Halbmeſſer; die des Jupiter
fünf Halbmeſſer u. die des Uranus 13
Halbmeſſer entfernt; der Mond der Erde
iſt 60 Halbmeſſer derſelben weit, alſo ein
ſehr entfernter Trabant.

Jhre

Entfernungen

vom
Haupt-Planeten

Die Abſtände
der Planeten von der Soñe erregten
ſchon in der früheſten Zeit große Aufmerkſamkeit
u. die Pythagoräer bildeten hierüber
sich Sätze.

Keplers
Syſtem der Abſtände
d. Planeten von
der Soñe.

Erſt Kepler aber brachte
ihren Abſtand in eine regelmäßige Reihe
u. behauptete, daß darnach ein neuer Planet
noch gefunden werden müße. Es iſt
dies der bekañte Satz, nach welchem, wie
ich den Abſtand des Merkur = 4, añehme
der Abſtand der Venus 4 + 3 iſt, der Erde
4 + 2 3, des Mars 4 + 4 3, des
Jupiter 4 + 16 3, des Saturn 4 + 32 3,
des Uranus 4 + 64 3. Es fehlte in dieſer
Reihe 4 + 8 3. u. in neuſten Zeit
wurden zwiſchen Mars u. Jupiter die Aſteroiden
entdeckt, deren Entfernung 4 + 8 3
iſt.

Richtung
der Bewegung.

Alle Haupt- u. Nebenplaneten bewegen
ſich in einen Richtung um die Soñe, -
lich von Weſten nach Oſten; die Cometen
aber gehen in allen Richtungen. Gegen
den Soñen-Aequator neigt ſich, am
wenigſten Merkur, nur 3°, am meiſten
Pallas, 37°8, Juno 16° etc. etc. Die Mondneigung
iſt wenig verſchieden von der
Neigung der Erdaxe; hingegen die Uranusmonde
ſtehen ſenkrecht auf ihrer Bahn
bei den Jupiter u. Saturns-Trabanten
bemerken wir, daß die entferntern Monde

mehr geneigt ſind als die nähern. Etwas

gemeinſames haben alle Monde, daß ihr
Umlaufszeit um den Hauptplaneten gleich
iſt der Rotation um ihre Axe, u. daß
Alle, dem Hauptplaneten nur eine Seite
zeigen.

Gemeinsames
der Bewegung aller
Monde um ihren
Hptplaneten

Jm allgemeinen haben die Bahnen
der Planeten wenig Excentricität.
Juno u. Pallas hingegen ſehr bedeutende
u. faſt der 4te Theil der mittlern Entfernung
von der Soñe oder 0,25 Mars
0,09, Venus 0,006. Hienach iſt die Quantität
der Flexticität ſehr verſchieden,
u. beſonders iſt die abnorme Form der
Pallas u. Junobahn ſehr merkwürdig.

18. Vorlesung, 5. Januar 1828

Jn dieſen etwas beſchwerlichen numeriſchen

Beſtim̃ungen müßen wir noch einiges über die

Dichtigkeit der Planeten anführen, ehe
wir zur Betrachtung allgemeinerer Reſultate
über dieſelben übergehen; namentlich über
den Unterſchied, der zwiſchen den Planeten

zwiſchen der Soñe u. den Aſteroiden u. denen

jenſeits der Aſteroiden ſtatt findet.

Dichtigkeit der
Planeten

Ferner
werden wir die Atmoſphären der Planeten
unterſuchen, u. zugleich die atmoſphäriſchen
Veränderungen unſers eignen Erdkörpers

betrachten, in ſo fern dadurch climatiſche

Veränderungen hervorgebracht ſind, u. die

nach einigen Naturforſchern periodiſch, oder
durch den Stoß eines andern Weltkörpers
veranlaßt ſein köñen; indem jetzt Tropengewächſe
u. Palmenartige Farrenkräuter

da gefunden werden, wo ſie jetzt des Climas wegen

nicht mehr wachſen köñen.

ihre Atmoſphäre

Was die Dichtigkeit der Planeten betrifft,
ſo keñen wir ſie mit ziemlicher Sicherheit
bei ſieben derſelben.

Dichtigkeit
nim̃t mit dem Abſtande
von der
Soñe ab.

Die Dichtigkeit derſelben
nim̃t mit dem Abſtande von der Soñe ab.
Letztere iſt nicht am dichteſten; ſondern weñ
Waſſer = 1 gerechnet wird, ſo iſt die ſpecifiſche
Schwere der Soñe = 1,2 etwa wie
Salpeterſäure od. Grobkohle; Merkur
= 20–21 wie etwa Platinakörnen; Venus
5 bis 5,2 gleich Eiſenglanz; Dichtigkeit der
Erde 4,8 bis 5,4. wie Magnetſtein,
Mars 3,3, ſo ſchwer als Augit.
Ueberſicht der

Dichtigkeit der
Planeten
Nach

den kleinen Planeten folgt in der Dichtigkeit der

Planeten eine auffallende Verſchiedenheit. Jupiter

iſt kaum 1,08 dicht, etwa wie Meerſchaum
; Saturn = 0,44 etwas leichter als
Tañenholz; Uranus hingegen 0,9 wie etwa
Waſſer ſelbſt oder Sodium. Deshalb

brauchen dieſe Planeten nicht grade aus

Flüßigkeiten

zu beſtehen; es köñe ſehr feſte
dichte Maſſen ſein, die nur iñerhalb große
Räume haben oder porös ſind, wie Zb.

Beſchaffenheit
der planetariſchen
Körper.

Bim̃ſtein der = 0,7 des Waſſers iſt; ſie

köñen aus irdiſchen Stoffe u. oxiden beſtehen

wie Zb. Mandelſtein der im Baſalt gefunden
gewiß ſehr ſchwer iſt, aber in Mexico ſo ſpondiös
iſt, daß dieſe oliden faſt auf dem
Waſſer ſchwim̃en u. in ahrheit Kortex mit den

Pferdehufen die Häuſer Mexicos die aus dieſe Steinen

erbaut waren, zerſtampfen ließ. Will ich
eine Keñtniß von der Maſſe haben ſo muß
mir das Volumen bekañt ſein.

Berechnung
der Dichtigkeit
der Planeten

Die Dichtigkeit
erhalte ich, weñ ich die Maſſe oder Schwere
durchs Volumen dividire. Die Planeten
ziehen ſich nach der Quantit. ihrer materiellen

theile an. Aus der Erfahrung wie ſich

die Planeten gegenſeitig ſtöhren u. einer

gegen den andern angezogen wird, hat

mit vieler Genauigkeit die Maſſen derſelben
berechnet. Um nun die Dichtigkeit derſelben
zu finden muß man ihre Größe keñen
durch Arago ſind ziemlich genau ihre Durchmeſſer
bekañt u. zugleich geſehen welche
äußerſte Stöhrung Jupiter auf die Pallas
ausübt. Die Cometen haben ſo geringe
Maſſen, daß einer derſelben nur 0,005

der Erde geweſen. Jm Durchſchnitt haben die

iñern Planeten eine 5 mal größere Dichtigkeit
als die äußere. Ballt man
alle Planeten in eine einzige Kugel, ſo
hat deñoch die Soñe noch 560 mal mehr
Maſſe od. wägbarer Theile u. 825 mal
mehr Volumen als alle Planeten zuſam̃en
genom̃en.

Wieviel Maſſe
hat die
Soñe?

Jupiter?

Jupiter allein hat ¾ v. der
Maſſe allen Planeten, u. Jupiter u. Saturn
zuſam̃en habe 20 mal mehr Maſſe,
als der Reſt aller anderer Planeten.

Venus

Venus iſt an Quantität der materiellen
Theilen der Erde faſt gleich. Bei den
Monden ſollte man glauben, daß ſie als
Satelliten düñer ſein müßten, dies iſt aber
nicht der Fall. Unſer Trabant verhält
sich zur Erde = 1 : 0,47 u. iſt ſo dicht
wie Quarz oder Bergkriſtall.

Mond

Bei den
Jupiters Monden ſind 3 dichter als er ſelbſt
u. ſie verhalten ſich 1,7 : 1. Faſſen wir
dies zuſam̃en, ſo ſind die iñern Planeten
von geringerem Volumen; deñ nehme ich das
Volumen der Erde = 1 ſo iſt die Mittelgröße
der 4 nächſten Planeten = 0,5.

Ueberſicht
der Dichtigkeiten
u. des Volumens
.

Bei der äußere Planeten iſt hingegen das
mittlere Volumen = 780. Jñere Planeten
haben im Durchſchnitt eine Dichtigkeit zwiſchen
Platina u. Magnet, die äußere hingegen
die von Waſſer, u. iſt ſomit die Dichtigkeit
der iñere 5 mal größer, als die
der äußere.

Aeußere
Planeten größere
Durchmeſſer
u. ſchnellere Rotation

Die äußere Planeten
haben ungleich größere Durchmeſſer u.
eine ſehr ſchnelle Rotation iñerhalb 10 Stunden
; die iñere hingegen faſt alle einen
Erdentag, nur Mars rotirt in 24½ Stunden.
Aeußere Planeten ſind mondreicher
u. zählen 17 Satelliten u. eine ringförmige
Reihe (oder einen Ring) von Monden. Bei den iñere Planeten
hat nur die Erde einen Mond. Bei
den äußere Planeten bemerkt man Zonen
oder parall. Streifen. Man hat ſie

Verdickungen

der Atmoſphären genañt, es iſt aber nicht
wahrſcheinlich, daß es etwas ähnliches von unſerer
Atmoſphäre iſt.

Schiefe der
Eccliptik der
iñern Planeten

Die Jñere Planeten
haben ferner mehr Schiefe der Eccliptik
die Venus 72°, Merkur, Mars u. Erde
zwiſchen 20–28°. Uranus ſteht ſenkrecht
auf ſeiner Bahn u. Jupiter iſt kaum
3° geneigt. Erſt ſpät entdeckte man
die Umlaufszeit von Allen.

Jhre Umlaufszeit

Die Umlaufszeit
von Jupiter, Venus, Mars, beſtim̃te
Cassini zwiſchen 1665 u. 71. Rotation
von Saturn beſtim̃t Herſchel 1780.
Merkur wurde erſt 1800 von Schrötter
beſtim̃t.

Abplattungen

Die Abplattungen der Planeten
ſind ſehr verſchieden. Mars Abplattung
beträgt trotz der langſamen Umlaufszeit
1/15, die der Erde 1/290, die des Jup.
1/14, die des Saturn 1/11, die des Uranus
iſt noch unbeſtim̃t, obgleich ebenfalls ſehr beträchtlich
. Wie kom̃en jetzt zu einem
Phänomen welches hier auf Erden mit

organiſchen

Dingen im großen Zuſam̃enhange ſteht

u. wovon ich hier einiges erwähnen will,
obwohl das Nähere die Geognoſie lehren
wird.

Erklärung
des Phänomens
der Verſteinerungen etc. etc.
von org. Dingen an den
Orten, wo ſie jetzt
nicht exiſtiren.

Wir finden nehmlich Thiere, die theils
jetzt noch leben, theils ihnen ähnlich ſind in

untergegangenen Geſchlechtern in Erdſchichten

eingefüllt, auf deren Oberfläche ſie jetzt
nicht leben köñten. Es ſind hierdurch Jdeen
geweckt worden, daß die jetzige
der Erdaxe ſei verändert worden.

Veränderung
der Erdaxe

Die Temperatur kañ auch eine Veränderung

erlitten haben, durch die ſogenañten Sonnenfackeln
, die jederzeit in hellerm Licht den

ſich zeigenden Soñenflecken vorangehen.
Soñenfackeln
Eine Veränderung der Lichtſtärke, kañ wohl
eine Veränderung der Temperatur nach ſich
ziehen, ob aber erſtere nicht ſehr gering
wirkt im Verhältniß der eigene iñern
Wärme der Erde, ſoll an einem andern
Orte unterſucht werden. Eine andere
Urſache der erſt gedachten Erſcheinung

soll die Schiefe der Ecclyptik ſein.

Schiefe der Eccliptik

Dieſe iſt
ſeit 2900 J. bekañt, u. die Aelteſte Beobachtung
iſt in einem chineſiſchen Manuscripte
enthalten, welches uns der Jeſuit Hobil
mittheilt. Sie iſt hiernach im Abnehmen begriffen
u. es würde, weñ ſie gleich Null
wäre dadurch ein ewiger Frühling entſtehen
. Durch analÿtiſche Arbeiten des Laplace
iſt aber beſtim̃t, daß die Schiefe nicht im̃er
abnehmen wird; ſondern daß ſie periodiſch
iſt.

periodiſch

Die Dauer der Periode iſt
wenige gewiß als die Quantität. Die
Maxima ſind hiernach um ° verſchieden
was auf die Klimate keinen Einfluß haben
kañ.

keinen Einfluß
auf die Klimate

Eine andere Erklärung iſt auch

die, daß eine Veränderung der Klimate
nicht periodiſch, ſondern durch gewaltige
Zertrüm̃erung durch ein

Zuſam̃entreffen

mit einem Cometen entſtanden
ſei.

Zuſam̃entreffen
mit einem
Cometen.

Obgleich die Cometen eine große
Düñigkeit haben, ſo köñte deñoch durch
die große Schnelligkeit ein feſtiges

Zuſam̃entreffen

, welches dieſe Revolutionen
bemerkte, ſtatt gefunden haben; u. es
bleibt noch zu unterſuchen, ob dadurch
die Reſultate entſtehen koñten, die
wir jetzt erblicken.
Neigung des

Aequators

Die Neigung des Aequators beſtim̃t ſtets
die Länge des Tages, ſo wie die Höhe der
Soñe davon abhängig iſt, die wieder die
Verſch. des Tages u. der Nacht beſtim̃t. Die
Umlaufszeit der Planeten um den Centralkörper
beſtim̃t wieder die Länge oder
Dauer der verſch. Jahreszeiten. Durch
Abſorbtion der Lichtſtrahlen wird die
Wärme hervorgebracht. Steht die Soñe
unter 45° ſo iſt die Wärme das Mittel
von dem weñ ſie unter 75°. iſt Fallen die
Strahlen niedrig, ſo werden ſie von
der Fläche faſt Alle zurückgeworfen
während dem, weñ ſie im Zenit ſteht,
die Mehrzahl der Strahlen abſorbirt wird,
freie Wärme entſteht. Zwiſchen 70° u. 90°
iſt in Anſehung der Wärme kein großer
Unterſchied; aber bedeutend wird derſelbe
in dem Verhältniß zwiſchen 20° u. 40°.

19. Vorlesung, 9. Januar 1828

Jn der letzten Stunde wagt ich es eine Erklärung
der möglichen climatiſchen Veränderungen
zu geben.

Wiederholung der

Hypotheſen über die

climatiſchen Veränder.

Jch erwähnte die

größere Excentricität der

Planetenbahnen

, die ſolches veranlaſſen koñten,
ferner wie die Lichtſtrahlen der Soñe
oder die Soñenfackeln dies vielleicht

bewirkten. Jch erwähnte die Hypotheſe

von der Abnahme der Ecclyptik, di
lange gültig ſein koñte, ehe die Periode
von 25–28000 J. entdeckt war
in welcher dieſe Abnahme überhaupt
° beträgt, u. daher keine Einflüſſe
auf das Klima äußern kañ. Deshalb

koñen wir doch unterſuchen, was die

folge von einer veränderten Ecclyptik
wäre, u. was geſchehen wäre
weñ der Aequator ſenkrecht auf der
Bahn ſtände, oder weñ es mit der Erdbahn
zuſam̃enfiele?

Was würde geſchehen
, weñ der Aequator
ſenkrecht auf
der Bahn ſtände?

Je größer die Schiefe der
Eccliptik iſt, deſto größer iſt der Unterſchied
der Jahreszeiten, fiele aber die Erdaxe
u. Erdbahn zuſam̃en ſo würde in jeder
Hemiſphäre eine Zeit Tag u. eine Zeit Nacht
ſein, u. die Soñe in jeglicher Breite einmal
im Zenith u. einmal im Nadir ſtehen
. Stünde aber die Erdaxe ſenkrecht
auf der Bahn, ſo wäre Tag u. Nacht
gleich u. die Höhe der Soñe ſtets gleich
der Höhe des Aequators.

Erdaxe
senkrecht.

Es würde
an jedem Orte eine ewig gleiche Temperatur
herrſchen, u. nach der Breite

deſſelben die mittlere Temperatur, die

für Berlin etwa 6°,8′ wäre. Dem
letztern Zuſtande iſt Jupiter ſehr nahe,
der erſtern Rand der Erde, auf ihrer
Bahn, kañ keinen Grund abgeben für
die Tropengewächſe die wir im hohen
Norden finden; deñ weñ gleich dabei ein Palmenklima

allenthalben ſein kañ, ſo lange

die Soñe im Zenit ſteht, ſo iſt doch die
Zeit viel zu kurz, daß in derſelben
große Gewächſe gedeihen köñten, u. bald
tritt als dañ die kalte Jahreszeit ein.
Jch ſelbſt habe zwar Bergpalmen gefunden
Zb. Wachſpalme, deren untere
Grenze 900 Toiſen u. deren höchſte Grenze
1500 Toiſen, alſo etwa 9000 iſt;
allein auch in dieſer bedeutenden
Höhe herrſcht doch noch die mittlere
Temperatur von 10° Reaumur wie
Mailand. Hieraus ſehen wir daß
Palmen weniger Som̃erwärme bedürfen
; aber im Winter leiden ſie;

Jedoch in einer Höhe von 1700 Toiſen, oder bei

einer gleichen Temperatur mit Berlin
wachſen keine Palmen mehr; u. weñ die
Erdaxe ſenkrecht auf der Bahn ſtände,
ſo würden Palmen doch nur gedeihen
bis Jtalien, u. höchſtens bis ins mittlere
Frankreich; dies kañ daher kein Grund

abgeben für das Daſein der Tropengewächſe

in den Polargegenden.

Es bleibt mir noch übrig einiges
die Atmoſphären der Planeten zu erwähnen
.

Atmoſphäre
der Planeten.

Man nahm an, daß ſich alles materielle
in Gas verwandeln köñe u.
den Körper damit verhülle, wie der
Verſuch ſchon lehrt, wonach Queckſilber
ſich auflöſet u. Zb. eine darüber geſa
Geldplatte amalgamirt, u. daß ſich
Stoffe ſo auflöſen. Dies iſt jedoch nicht
der Fall, wie auch ſchon das angeführte
Beiſpiel bloß im Som̃er, u. in der Hitze
ſtattfindet.

Atmoſphäre
d. Erde.

Wie weit iſt jedoch der
Luftkreis u. wie iſt der Stoff begrenzt,
deñ wir noch Luft neñen? Man hat dadurch
die Däm̃erung unterſucht u. die Höhe

derſelben beſtim̃t. Die Atmoſphäre in der

Höhe von 9–10 Meilen würde dort
das Barometer nur einen Druck von ½ Linie
u. gleich dem Vacuum unt. Luftpumpe

Höhe von
9–10 Meilen.
Sechſtes Heft.

Es iſt im Streit darüber entſtanden, ob die
Atmoſphäre, die ſich aus der Erde bildet, sich nicht
endlich im Weltraume verliert, u. ob die
ſpecifiſche Schwere, mit den Kraft der Luft
im Gleichgewicht ſteht.

Ueber
das Verſchwinden
der Atmoſphäre.

La Place

Laplace glaubt daß
unſere Erde die Atmoſphäre des Mondes angezogen;
deñ ſie iſt dort ſo gering, daß man ſie Luftleer
neuen köñte. Wäre dies der Fall:
ſo hätten andre Planeten uns ſelbſt die
Atmoſphäre entziehen u. um ſich verdichten
köñen; wie dies beſonders von der Soñe
anzunehmen iſt. Der neuere berühmte Naturforſcher
behauptet dagegen,
daß die Atmoſphäre bei jedem Planeten
ihre Grenze habe, u. ſich im Raume nicht
verlieren köñe.

Wollaston

Weñ man beſonders
beim Jupiter große Streifen bemerkt, die
ſich bewegen; ſo rührt dies nicht von der
Atmoſphäre, ſondern vielleicht von Flüſſigkeiten
auf der Oberfläche des Planeten ſelbſt her;
indem die Trabanten weñ ſie denſelben

vorbeigehen weder dunkler leuchten noch langſamer

gehen, welches der Fall wäre weñ
ſie der Atmoſphäre ihres Planeten ſich näherten
.

Die Bergmaſſen
der Planeten

Die Bergmaſſen ſind ſehr verſchieden
bei den iñern u. äußern Planeten. Man
nahm an, daß in der ſüdlichen Hemiſphäre auf
der Erde die höchſten Berge zu finden wären
allein ſie ſind bis jetzt gemeſſen u. die höchſten Berge sind gefunden
worden, ſäm̃tlich, unter 34–36° N.B.
Der Aſtronom Schroetter hat die höchſten
Berge auf der Venus gefunden, 26,000 Toiſen,
La Hire behauptet, daß die Berge des
Merkur 4 Montblanc’s Höhen, oder etwa
19000 Toiſen enthielten.
Berge der Venus
Mondberge
Die Mondberge
Zb. der Leibnitz iſt 4200 Toiſen Hoch,
oder 1/209 des Mondhalbmeſſers, während
die größten höchſten Berge der Erde nur 1/746
des Erdhalbmeſſers oder 4700 Toiſen .
Die Berge koñten ſich vielleicht dort höher
erheben; indem die Schwerkraft des Mondes
5 mal geringer iſt, als die der Erde. Auf
den kleinern Planeten findet eine noch
geringere Anziehung ſtatt. Erlauben
Sie nur noch einiges über die Gefolge der
Bewegung der Planeten zu ſprechen.

Gefolge
der Bewegung

Wir können
nichts zufällig neñen; ſondern nur faktiſch, ſo
lange wir die Geſetze nicht keñen. Die Phänomene
ſind von der iñern Wirkung der Planeten
abhängig, für die wir noch keine Regel gefunden
haben. Es iſt, als weñ wir die Continente
der Erde betrachten u. noch keinen Grund

angegeben wiſſen, warum das feſte Land

nach Norden u. Oſten hingedrängt iſt. Doch kañ
ich dies nicht zufällig neñen, obgl. mir die Geſetze
nicht bekañt ſind, die erſt anfangen, wie
mir die Grundurſache bekañt iſt. Kepler
gebührt das Verdienſt in Hinſicht der Bewegung
der Planeten Geſetze aufgeſtellt u. gefunden
zu haben, die Newton erſt begründete.
Merkwürdig iſt, daß ſich fünf große

Aſtronomen

auf einander folgten u. zum Theil gleichzeitig
lebten von der Entdeckung Amerikas
bis in die Jugendjahre Friedrichs II. Copernikus
, Tycho ſtirbt 1601, Kepler
Galiläi ſtirbt im Jahr wo Neuton geb.
wird. Die berühmten Keplerſche Geſetze
ſind folgende:

1. Die Planeten bewegen ſich Ellypſen u. die
Soñe ſteht im Breñpunkt.

2. Die Sectoren der Planetenbahnen

verhalten

ſich wie die Zeiten der

durchlaufenen

Räume.

3. Die Quadrate der Umlaufszeiten verhalten
ſich wie die Würfel der mittlern

Entfernungen, woraus die Abſtände

gefunden werden köñen.

Das letztere Geſetz fand Kepler durch die Uebereinſtim̃ung

zwiſchen den Terzen, Oktaven. u. den

regulairen Körpern. Es war d. 15 Mai 1618

als er das Geſetz entdeckte, unglückl. ſich führte
daß es nicht in ſich übereinſtim̃en wollte, indem
er einen gemachten Rechnungsfehler nicht gleich
sah; allein nach 2 Monaten zu
ſeiner größten Freude den Jrthum fand, u.
das ganze Geſetz deutlich ausſprach.

20. Vorlesung, 12. Januar 1828

Wir werden in dieſer Stunde anfangen
die Weltkörper ſelbſt zu beſchreiben u.
zuerſt reden von den Planeten zwiſchen der
Soñe u. der Erde, u. dañ zwiſchen dieſer
u. dem Uranus; ferner betrachten wir
als dañ die Cometen, ſowohl außerhalb
als iñerhalb der Planetenbahn, u. dañ
endlich die Aerolithen, die höchſt wahrſcheinlich
kleine ſelbſtſtändige planetariſche Erſch.
ſind.

Beſchreibung
der Weltkörper
selbſt.

Da letztere viel gemeinſames mit den
irdiſchen Stoffen haben; ſo werden wir
ſie erſt im geognoſtiſchen Theile abhandeln,
beſonders die wir ſie erſt deutlich
erkeñen, weñ ſie zu uns kom̃en. Jch
fange zuerſt von den Soñe ſelbſt an
Soñe

Sie iſt ein Centralkörper u. hat 825 mal
mehr Volumen u. 560 mal mehr Maſſe oder
materielle Theile als alle Planeten zuſammen
in eine einzige Kugel geballt. Der Durchmeſſer
derſelben iſt gleich 109¾ Durchmeſſer
der Erde, u. ihre Entfernung von derſelben
20 Millionen u. 871,000 Meilen.

Durchmeſſer

Entfernung

Sie iſt ſo groß
im Volumen, daß Mond u. Erde zwei mal
ihr ſtehen köñen. Jch liebe nicht ſpielen
Vergleiche, doch köñen ſie dazu dienen eine
deutliche Anſicht des Maßes zu geben. Weñ
demnach eine Kanonenkugel, die mit einer
Geſchwindigkeit von 1500 Fuß in der Secunde
fliegt, abgeſchoßen würde, u. in gleicher Geſchwindigkeit

ununterbrochen bliebe; ſo brauchen

dieſe von Paris bis Berlin zu gelangen
8 Minuten Zeit, von der Erde bis zum Monde
9 Tage u. von der Erde bis zur Soñe
9 Jahre.

Geſchwindigk.
des Lichts

Das Licht der Soñe kom̃t zu uns
in 8 Minuten u. 13. Sec. Beiläufig will
ich nur hier erwähnen, daß weñ die Geſchwindigkeit
der Maſſe, die vielleicht die
Vulkane des Mondes auswerfen, 700
Fuß in einer Secunde betragen möchte
ſie allerdings nur etwa eine vier mal
größere Kraft als Pulver bedürften,
um hieher geſchleudert zu werden.
Was ſehr merkwürdig iſt, daß ſind die

Flecken der Soñe, die am öſtlichen Rand

derſelben entſtehen, u. nach Weſten ſich

bewegen u. in 13 Tagen verſchwinden.

Flecken

Man hat aus dieſer Bewegung auf die
Rotation geſchloſſen, die etwa 25,12
Tage dauert.

Rotation

Schon frühe sahe man dieſe
Flecken mit bloßen Augen u. die Anale
der Völker erzählen, daß die Hälfte der
Soñenſcheibe einſt verdunkelt geweſen. Dieſe
Epoche iſt in chineſiſchen Analen um das J. 321
n.C.G. angegeben. Große Flecken ſahen die
Arabiſchen Aſtronomen im Jahr 535 und 626,
wobei ſie glaubten, den Merkur in der
Soñenſcheibe geſehen zu haben, welches aber
unmöglich iſt mit bloßen Augen wahrzunehmen
; da er ſich nur wie ein ſchwarzer
Punkt in der Soñenſcheibe zeigt. Da in
Peru die Soñe viele Monate lang
in einen Nebel gefüllt erſcheint, ſo wurden
auch hier ſchon dieſe Flecken in der Soñe bemerkt
. Bei Erfindung der Fernröhre quälte
man ſich bei der Beobachtung der Soñe, indem
man noch nicht kañte ſich der Blendgläſer
dabei zu bedienen. Es entſtand ein Streit
über die Soñenflecken, und als 1610 ſie

Herriot beobachtete ſagten Viele, er

habe Fleck in den Augen gehabt, und ſie nicht
in der Soñe geſehen. Jch habe dieſe Flecken
selbſt lange beobachtet und gefunden daß
ſie kohlſchwarz ſind, von einem Halbſchatten
oder aſchfarbenen Rande umgeben; rund um

dieſelben befinden ſich helle Lichtadern.

Beſchaffenheit
der Soñenflecken
.

Die Flecken entfernen ſich vom Aequator
nicht weiter als etwa 30°. Es erſcheinen
zuerſt helle Lichtfackeln und alsdañ kom̃t
nach zwei Stunden ein ſchwarzer Flecken.
Der ihn umgebende Halbſchatten iſt vollkommen
begrenzt. Es war von Profeſſor
Huyzon 1773. eine feine Beobachtung, daß
die Penumbra, weñ der Flecken mitten in der
Soñe ſteht, gleich groß iſt, an einer Seite
beim Entſtehen des Flecken ſchmale und auf der
andern breiter erſcheint und dies beim

Verſchwinden

deſſelben der umgekehrte Fall iſt.

Erſcheinung der Soñenflecken

Beim Entſtehen am
Rande der Soñenfläche Jn der Mitte

derſelben Beim Verſchwinden

derſelben

Die nebenſtehende Figur wird dies verdeutlichen
.

Erklärung
der Penumbra
von Bode

Eine gewöhnliche Erklärung die
auch von Bode angenom̃en, iſt die, daß die
Soñe ſelbſt kein leuchtender ſondern ein opaker
Körper iſt, mit einer lichten Photoſphäre umgeben
. Dieſe elaſtiſche Flüßigkeit macht
zuweilen aus uns unbekañten Urſachen trichterförmige
Oeffnungen. Jn der Tiefe derſelben
erblicken wir den Soñenkörper ſelbſt, der
uns ſchwarz erſcheint; die geſchwächtern Theile
des Lichts in dieſer trichterförmigen Oeffnung
erſcheinen uns als dañ aſchfarbig. Allein
läßt ſich nicht die ſcharfe Begrenzung der Penumbra
erklären; indem dieſe unbegrenzt ſich
bei obiger Erklärung im Lichtmeere
müßte.

desgl. von
Herſchel

und Arago

Folgende Erklärung von Herſchel

und Arago iſt aber bei Anwendung auf obige

Phänomen ganz hinreichend. Man kañ añehmen
daß der Soñenkörper nach nebenſtehender
Figur von zwei Wolkenſchichten eingehüllt
wird, von denen die obere leuchtend, die
untere minder leuchtend iſt; ſo bald die
iñere elaſtiſche Flüßigkeit die Wolken aneinander
treibt; ſo wird, weñ das
Auge im Standpunkt a iſt, der ſchwarze
Fleck der obern Fläche der Soñe α und β
von der Penumbra γ δ regelmäßig

eingeſchloſſen erſcheinen; befindet ſich dagegen

das Auge im Standpunkt b, ſo wird zwar
ein gleicher ſchwarzer Fleck sichtbar

aber die Penumbra wird auf einer Seite
verſchwinden, während ſie nach gewöhnlich

optiſchen Geſetzen auf der andern Seite zunim̃t

.

Soñe
opaker Körper

Die von allen Aſtronomen jetzt nicht
mehr bezweifelte Jdee, daß die Soñe ein opaker
Körper ſei, wurde noch vor wenigen
Jahren als eine Tollheit betrachtet u. es
glückte einem Advokaten, aus dem Umſtande,
daß ein junger Menſch zu Oxford eine Abhandlung
hatte drucken laſſen, worin er bewies,
daß die Soñe ein dunkler Körper ſei u.
der darauf eines Verbrechens wegen zum
Tode verurtheilt wurde, zu bewieſen
, daß der Delinquent nicht bei Siñen
ſei, weil er ja kurz vorher eine ſo
unerhörte Behauptung gewagt hatte, u.
ihn ſomit von der Todesſtrafe zu befreien.

Durch dieſe
Behauptung wird
ein junger Menſch
von d. Todesſtrafe befreit.

Meinung
Herſchels in Betreff
der Soñenflecken

Herſchel ging von der Vorausſetzung aus,
daß viele Soñenflecken die Wärme hindeuten
, u. da dieſe in Epoche erſcheinen, ähnlich
den Erſcheinungen des Nordlichts die oft
20 J. lang ausbleiben; ſo ſtellte er
Tabellen auf, über die Verhältniße der

Koropreiſe u. der erſchienenen Soñenflecken.

Obwohl dies eine ſonderbare Conjunction
iſt, ſo darf man doch die Jdee nicht für
unvernünftig erklären. Eine merkwürdige
Entdeckung der neuern Zeit
iſt die, daß das Soñenlicht aus dreierlei
Strahlen beſteht, ſolche die chemiſch
wirken, die magnetiſch ſind u. die
leuchten.

Soñenlicht
beſteht aus
dreierlei Strahlen

Durch das von Rochon 1775
erfundene priſmatiſche Fernrohr kañ
man die Strahlen ſcheiden, u. man findet
hier, daß der violette Strahl gar nicht
erwärmt, wohl aber der rothe. Das
Maximum der Wärme erſteht jedoch da
wo man kein Licht ſieht, außerhalb des
rothen Strahls. Der kälteſte iſt der violette
Strahl. Dieſer Verſuch iſt leicht anzuſtellen
indem man die Strahlen auf verſchiedene
Termometer leitet. Scheint das Soñenlicht
anhaltend auf Waſſer, ſo entwickelt ſich die
Kohlenſtoff u. bringt eine grüne Coloration
hervor. Jai Lussac fand, daß eine Miſchung
von Chlor u. Waſſerſtoff auch bei dem ſchwächſten
Soñenliche explodirt.

Soñenlicht
veranlaßt Exploſionen

Der violette Strahl
einzeln explodirt ſogleich u. wirkt chemiſch
der rothe Strahl hingegen nicht; ſelbſt in einem
roth gefärbtem Glase entſteht keine Exploſion
wohl aber im violetten. Auch die bolognieſer
Lichtſteine leuchten ſogleich im violetten Strahl,
während ſie im rothen verlöſchen. Die
Verſuche von Moritimi u. Mshtr. Som̃erville
thun dar, daß der violette Strahl Eiſen
vorzügl. magnetiſch mache, der rothe nicht,
ſo wie erſterer auch den größten Einfluß
auf das grün werden der Pflanzen hat.

Violetten
Strahl magnetiſirt
Eiſen.

Am meiſten leuchtet der gelbe Strahl.

Man hat vermuthet, daß durch das
unaufhörliche Ausſtrömen des Soñenlichts
der Durchmeſſer der Soñe endlich abnehmen
müßte; doch iſt dies nicht der Fall nach
den neueſten Beobachtungen. Die Stärke
des Soñenlichts iſt 300,000 mal ſtärker
als das Licht des Vollmondes.

Stärke des
Soñenlichts

Das Licht
hängt von dem Stande der Soñe ab, u.
ſteht die Soñe 66° u. wieder 19° Höhe,
ſo verhält ſich die Lichtſtarke wie 3 : 2.
Reiſende, die zuerſt die Tropen gegend
betreten, wird die große Helligkeit des
Tages beſonders bemerklich. Eine Frage iſt
es, ob die Soñe am Rande heller ſcheint
wie im Centro? erſteres ſollte nach der
Jdee Keplers der Fall ſein, da ſich hier
die Atmoſphäre verdichtet.

Die Soñe
ſcheint am Rande
nicht heller wie im
Centro.

Dies iſt wohl
wahr, jedoch ſind die Quantität der
Strahlen von der Richtung der Flächen
abhängig, u. ſie verhalten ſich wie die

Sinus der Winkel mit den Flächen ſelbſt.

Die fliehenden Flächen ſtrömen mehr Licht
fort u. ſo giebt das Centrum ſo viel Licht
als die Ränder ſelbſt. Auch wird die
Vermuthung beſtätigt, daß das ausſtrömende
Licht eine gasförmige Materie iſt,
deñ man kañ das letztere oder Gaslicht
ſofort vom Lampenlicht. Dadurch unterſcheiden,

daß bei erſterem Polariſation ſtatt

findet.

Benutzung
des Soñenlichts

Herr Gaus hat verſucht das Soñenlicht

im Spiegel aufzufangen u. auf die Spitzen
der Thürme etc. behufs der trigonometr. Mesſungen
zu leiten; wo er es deutlich in eine
Entfernung von 7–8 Meilen noch ſehen koñten.
Einige Aſtronomen wollen bei der Beobachtung
der Soñenſcheibe, Aerolithen vorbeiziehn
geſehen haben.

Aerolithen
ziehen vorbei

Andre glaubten dies wären
Vögel geweſen die in unſerer Atmoſphäre
vorbeizogen, welches aber nicht anzunehmen
iſt, da dies mit einer Geſchwindigkeit von 40–50
Fuß in einer Secunde geſchehen müßte.

Bei der Soñe findet eine doppelt Bewegung
ſtatt, zuerſt die ſchwankende Bewegung
des Centrums, die etwa 60 Meilen
beträgt, u. durch die Schwerkraft der
Planeten erregt wird.
Bewegung

der Soñe
Die andere Bewegung

iſt die der Translation in der

linſenförmigen

Stern-Schicht ſelbſt.

21. Vorlesung, 16. Januar 1828

Wir gehen jetzt zu den Planeten über, die
untern Planeten genañt werden, weil ſie
von der ellyptiſchen Erdbahn eingeſchloſſen
werden u. von denen wir bis jetzt den
Merkur u. die Venus keñen.

untern Planeten

Jſt ihn
Standpunkt zwiſchen der Erde u. Soñe, so
befinden ſie ſich in der untern Conjunction
, ſo wie jenſeits der Soñe in der
obere Conjunction, wo ſie viel erleuchteter
uns erſcheinen.

untere
u. obere Conjunction

Merkur

Merkur iſt mit
bloßen Augen ſehr ſchwer zu ſehen, u. Copernikus
bereuete es auf dem Sterbebette,
denſelben nie geſehen zu haben. Jn den
Tropen-Gegenden wird es bei reiner Atmoſphäre
viel leichter ihn zu erkeñen.

Lichtſtärke

deſſelben

Seine Lichtſtärke iſt viel größer als die
des Jupiter u. ſeine ſcheinbare Größe variirt
von 4½–11 Secunden.

Scheinbare
Größe
wirkl. Größe

Sein

Durchmeſſer beträgt 580 Meilen, der

Umlauf 87 Tage u. ſeine Bahn iſt am
meiſten excentriſch außer der, der
Planeten Juno u. Pallas. Seine Entfernung
von der Soñe beträgt 8 Millionen
Meilen, während hier beiläufig geſagt die
Erde 21 Mill.

Entfernung

Meilen von der Soñe u. der
Mond 51,000 Meilen von der Erde entfernt
iſt.

Keñtniß
der Egÿpter
von dem Umlaufs
des Merkurs

Schon die Egypter nahmen
an, daß Merkur u. Venus ſich um
die Soñe drehen oder vielmehr um den
von ihnen angenom̃enen Weltheerd, welches
den Copernicus auf ſein Sÿſtem leitete.
Erſt im J. 1800 iſt die Umlaufszeit desſelben
beſtim̃t worden. Durch Meſſungen
von Schroetter angeſtellt, will man
auf dem Merkur hohe Berge bis zur
Höhe von 58000 gefunden haben.

Berge.

Die
Rotation iſt durch die Lichtgrenze bemerkt

worden u. Harding beobachtete den

Umlauf eines Fleckens.

Umlaufszeit
Beobacht.

Noch iſt es zweifelhaft
, ob er eine Atmoſphäre hat, oder
ob die beobachteten Veränderungen
von den Flüßigkeiten der Oberfläche
herröhren. Mit Recht koñte man vermuthen
, daß man erſtere beim Durchgange
durch die Soñenſcheibe wahrnehmen köñte;
allein ich habe ſelbſt bei dieſer Beobachtung
in Lima nichts davon wahrgenom̃en.

Durchgang
durch die Soñe.

Der erſte Durchgang des Merkur durch die
Soñe wurde zuerſt von Gassendi beobachtet
, der Kepler vorhergeſagt hatte. Jn
neuerer Zeit ging Halle dieſer Beobachtung
wegen nach St. Helena, um beſonders
hieraus die wahre Entfernung der Erde
von der Soñe zu beſtim̃en, obwohl die
Venus dazu viel dienlicher geweſen.
1832 u. 1835 werden die nächſten
Durchgänge eintreten, welches letzten Jahr
auch noch dadurch merkwürdig werden
dürfte, daß in dieſem d. Comet von Halle wiederkehrte.

1835
kehrt der Comet
v. Halle wieder.
Venus

Wir kom̃en zu dem Planeten Venus. Schon
im Alterthum beſtim̃te es Parmenides, daß er
als Morgen u. Abendſtern erſcheine u. ein
u. derſelbe Stern ſey.

Morgen- u.
Abendſtern.

Er leuchtet ſo ſtark

daß das Vollmondlicht ihn nur 3000 mal über

trifft.

Lichtſtärke

Man ſieht auf ſeiner Oberfläche
große Unebenheiten u. weñ La Hire die
Berge höher ſchätzt als des Mondes, ſo giebt
Schroeder ſie außerordentlich hoch, ſelbſt
bis auf 7 Meilen an.

Höhe der
Berge

Deutlich erblickt
man auf der Venus Spuren der Däm̃erung.
Ueber ihre Umdrehung iſt ein großer Streit
entſtanden. Jn neuerer Zeit iſt die Geſtalt
des ſüdlichen Hores hiezu benutzt worden
u. man hat gefunden, daß Venus in 23 Stunden
21 Minuten rotirt, wie dies Dominic Cassini
ermittelt.

Umdrehungszeit

Ueber den Mond der Venus
iſt viel gefabelt worden u. Lambert hat
ſogar ſchon Tafeln für denſelben berechnet,
im J. 1769 beim Durchgang der Venus durch
die Soñe iſt jedoch hievon nichts bemerkt
worden.

Mond
des Venus.

Die ſehr ſichtbaren Phaſen der
Venus ſind ein ganz ſicherer Beweis von
der Richtigkeit unſeres Syſtems.

Phaſen
derſelben

Sie gehören
mit zu den früheſten Entdeckungen durch
die Fernröhre, die geordnet ſo folgen:
zuerſt ſah man die Soñenflecken, dañ
die Jupiterſtrabanten, dañ den Saturn
Ring, dañ 1610 die Phaſen der Venus.

Folge
der Entdeckungen
neuerer
Zeit.

Sie wird der Nuntius Siderius genañt,
u. Galilai machte folgende Logegriph auf
dieſelbe: Altissimum planetam tergeminum.
Durchgang

der Venus durch
die Soñe

Der erſte Durchgang der Venus durch
die Soñe wurde 1639 beobachtet, dañ 1761.
der berühmteſte jedoch war der von Ceocx
1769 beobachtete auf Otaheite, merkwürdig
wegen der Beſtim̃ung der Soñen Paralaxe
, um hieraus die Entfernung der Erde
von der Soñe zu beſtim̃en. HErr Enke hat
Alles zuſam̃engeſtellt, was über die Paralaxe
der Soñe ermittelt worden, u. der Jrthum
hierin ſchwankt zwiſchen 8,5 u. 8,6 Sec.
Die Entfernung von der Soñe wird dadurch
um 1/230 unſicher, was ungefähr in dem Verhältniß
ſteht, als weñ man bei Beſtim̃ung
der Höhe der Schneekoppe von 4950 Fuß
um 20 Fuß irrte. Den Abſtand des
Mondes von der Erde kañ man jedoch 13–
14 mal beßer wißen.

Erde.

Jn Beziehung auf die Erde werden
wir hier nur von deren Rotation u.
Translation ſprechen. Die Meſſungen
der Erde, die von 1683–1718 Cassini
u. Maraldi anſtellten, ergaben, daß
am Aequator eine Abplattung ſtatt finde
u. dieſelbe an den Polen zugeſpitzt ſei.

Meſſungen
der Erde

Obgleich ſie hiebei nur unvollkomne Jnſtrumente
anwendeten; ſo lag doch der Jrthumnicht
in der Meſſung ſelbſt, ſondern in der
großen Unregelmäßigkeit der Figur der
Oberfläche der Erde, wo gemeſſen wurde.
Maupertuis u. Condamine im Norden u. Süden
haben die Abplattung der Erde an den
Polen dargethan, obgleich auch die Meſſungen
des erſtern durch Schwaneberg verbeſſert
worden. Anſtatt 57400 Toiſen für einen
Grad, fand er nur 57288 Toiſen.

Größe
eines Grades

Vergleicht
man die Gradmeſſungen in Peru
mit denen in Frankreich, ſo beträgt die

Abplattung 1/330, vergl. man die in Frankreich

mit der in Lappland, ſo beträgt ſo
1/304. Am Wahrſcheinlichſten iſt ſie 1/289 oder
zwiſchen 1/305 u. 1/289. Beobachtungen des
Mondes, weiſen auf das erſtere, geödätiſche
Meſſungen auf das zweite Verhältniß.
Die ganze Ungewisheit beſteht darin ob
um den Aequator eine 3500 Fuß höhere
Maſſe aufgehäuft iſt, oder nicht. Die Excentricität
der Erdbahn iſt wie bei
allen übrigen Planeten, außer Merkur
u. Venus im Abnehmen, welche letztere Bahn
hierin zunehmen.

Excentricität
d. Erdbahn.

Von der Rotation
unſeres Erdkörpers köñen wie dreierlei
Beweiſe erwähnen, 1., Die Applattung
oder ſphäroidiſche Geſtalt der
Erde ſelbſt 2., Die Pendelverſuche, die,
weñ ſie ſtille ſtände, an jedem Orte
bei gleicher Länge derſelben, auch gleich
ſchlagen würden u. 3., der Fall des
Körper ſelbſt.

Rotation
drei Beweiſe

1.,

2.,

3.,

Wäre die Rotation
der Erde 17 mal ſchneller, ſo würde
kein Körper am Aequator fallen, u.
würde ſie noch ſchneller ſein, ſo würde
alle Körper verſchleudert werden.
Als das Copernikaniſche Syſtem von der Rotation

der Erde bekañt wurde, kam man auf die
Jdee, daß Körper, die von einer bedeutenden
Höhe fallen, nicht perpendicular
ſondern wegen des Umſchwungs der Erde während
der Fallzeit nach Weſten fallen.

Fall
der Körper

Dies
verſuchte ſelbſt Tÿcho, der grade das
Gegentheil fand, ohne den Grund ſich erklären
zu köñen. Erſt Neuton ermittelte es,
daß Körper, indem ſie fallen ſchon
die Wurfkraft erhalten, wie Zb. ein
Körper der von der Höhe eines Maſtes auf
ein ſegelndes Schiff fällt, die Bewegung mit
erhält. Durch Verſuche, die auf dem Thurme
Asinelli zu Bologna u. von Benzenberg
in Hamburg etc. angeſtellt wurden, iſt
die Rotation der Erde unwiderleglich bewieſen
; indem die Deviation der Körper
beim Fall, nach Oſten ſtatt findet.

Deviation
der Körper
beim Fall iſt nach Oſten.

Von
einer Höhe von 250–60 Fuß betrug
die Deviation nach Oſten 4–5. Dieſe
Erſcheinung rührt daher, daß der höhere
Punkt der Erde ſich ſchneller bewegt als
der untere, u. daher dem Körper eine
größere Wurfkraft mittheilt.

Erklärung

Beweiſe
für die
Translation

Beweiſe für die Translation der Erde
ſind eben ſo ſicher. Da nach dem Copernikaniſchen
Syſtem die Erdbahn 40 Mil. Meilen
Durchmeſſer hat, ſo entſtand bald die
Frage, ob hiebei nicht eine Paralaxe der
Sterne zu beobachten ſein ſollte. Man
ſtellte darüber ſehr genaue Beobachtungen
an u. man bemerkte; weñ die Sterne
bei Tage culminiren ſie gegen Süden u.
weñ ſie bei Nacht culminiren gegen Norden

abweichen u. den ſcheinbare Ort derſelben

im̃er dahin geht, wo ſich die Erde hinbewegt.
Die Ellypſe des Sterns iſt gleich 40 Secunde
gleich dem Bogen welchen die Erde in 16 Sec.
durchläuft; da aber die Geſchwindigkeit
des Lichts 10000 geſchwinder iſt, als der
Lauf der Erde, ſo erſcheint der Stern in
der Richtung der Diagonale in dem Paralelogram

der Kräfte. Es iſt hiebei derſelbe Fall, als

weñ eine Kanonenkugel durch ein ſehr
breites Schiff dringen würde, welches eben
in raſchem Laufe begriffen wäre; offenbar
würde es die iñern Wände in einer ſchrägen
Richtung durchdringen u. nicht grade durch
gehen. Der dritte Gegenſtand, über
den wir noch ſprechen wollen u. der mit
dem Bildungsalter der menſchl. Cultur zuſammenhängt
.

Vorrücken
der Nachtgleichen

Dies iſt die bemerkte Vorrückung
der Nachtgleichen, u. dies iſt wirklich, daß
ſich die Erdaxe in 25700 J. um den ganzen
Thierkreis dreht oder einen Kreis beſchreibt.

Urſache
dieſer Erſcheinung
.

Wäre die Erde eine vollkom̃ene Kugel,
ſo würde ſie in gleicher Lage gegen die Soñe
beharren u. auf der Erdbahn in gleicher
Richtung ſtehen bleiben; ſie hat aber eine
gedrückte Pomeranzen-form, u. durch ihre
ſchräge Stellung auf der Erdbahn gegen
die Soñe iſt offenbar der untere Theil ſchwerer
als der obere, u. dadurch will ſich
der Aequator auf d. Erdbahn ſenken.
Die Schwungkraft von der Soñe hindert
dies jedoch, u. es entſteht eine ausweichende
Bewegung, nämlich der Axe, die ſich in
verkehrter Richtung um ſich ſelbſt bewegt.
Eine Kugel würde durch äußere Kraft
keine Stöhrung erleiden, weil allenthalben
gleich viel Maſſe wäre; bei der

Abplattung muß aber dies Phänomen

entſtehen, u. die Rotation der Erde
hindert das Zuſam̃enfallen der Ecclÿptik
mit der Erdbahn, u. die Erdaxe geht

dagegen allmählig von Oſten nach Weſten.

22. Vorlesung, 19. Januar 1828

Wir kom̃en zu der Unterſuchung ob die alten
Monumente auf welchen die Thierkreiſe abgebildet
ſind, u. welche durch die franzöſiſche Expedition nach
Egypten gefunden worden uns Aufſchlüſſe über das
hohe Alter der menſchlichen Cultur geben.

Geben
die alten Monumente
Aufſchluß über
das hohe Alter der
menſchl. Cultur?

Weñ einige
ſie in das Alter noch vor unſerer Añahme der
Entſtehung der Erde ſetzen, ſo weiſen ſie andere
Unterſuchungen in das Zeitalter der Cäsare. Der
mit einem Koſtenaufwande von mehr als 40,000 Thlr.
aus Egypten nach Frankreich gebrachte Thierkreis
von Tontÿra it ein quarziger Sandſtein, der
jetzt ſchwärzlich ausſieht durch den Fackelrauch beim
frühern Beleuchten deſſelben.

Thierkreis
von Tontyra

Er hat ungefähr 14
Fuß Länge u. eben ſo viel Breite u. die Zeichen
des Thierkreiſes ſind in Spiralform darauf abgebildet
. Am Eingange der Tempel ſelbſt ſind dieſe
Zeichen gewöhnlich in zwei Reihen geſtellt. Man
kan nicht Recht añehmen, daß die Zeichen anfangen
mit dem Anfang des Jahres. Da auf dem Stein
das Zeichen des Löwen den Jahresanfang bezeichnet
u. jetzt das Jahr dort mit dem Zeichen der
Jungfrau begiñt, ſo hat Burkhardt zu Paris berechnet
, daß das Monument wenigſtens aus der Zeit
n. 4300 v.C.G. ſich herſchreibt. Champollion hat
auf mehreren Monumenten durch Entzifferung der
Hieroglifhen-Schrift das Wort: Autokratos

geleſen u. glaubt daher, dieſelben in das Zeitaltor

der Cäsare ſetzen zu müſſen. Bei den Völkern
die jährlich nicht einſchalteten, ſondern die Jahr

fortzählten, denen mußte natürlich der Weite

in eine andere Zeit fallen, u. das dauerte 140
Jahr, wo wieder Alles in das alte Geleiſe kam
u. dies das Syrius-Jahr genañt wird.

Syrius-Jahr

Betrachtet
man die Zeichen an ſich, ſo iſt darin die Ord
folge beobachtet, wie ſich die Soñe von ihrem

niedrigſten Standpunkte bis zum höchſten erhebt

u. hiernach bei der Wage im Aequinoction u. im
Steinbock im Som̃er-Solſtitio ſtehen ſollte. Dieſe
recht ſoñige Bezeichnung iſt aber jetzt nicht mehr
paſſend; indem ſie im Zeichen des Steinbocks, als des
Thieres der die höchſten Bergſpitzen beſteigt, grade
am tiefſten od. niedrigſten ſteht. Zu dieſer
Veränderung iſt nach Laplace wenigſtens ein
Zeitraum von 15,000 Jahren nöthig.

Veränderung
der him̃liſchen
Zeichen

Gewiß
iſt es, daß zuerſt der Mond beobachtet wurde,

dem zur Zeit des Vollmondes ſeine Häuſer zugewieſen

wurden.

Zuerſt Beobachtung
des
Mondes.

Dies wendete man hernach
auch auf die Soñe an. Die auffallenſte Aenderung
die durch die Umdrehung der Axe erfolgt
iſt die Polarſternveränderung. Zu des Eudoxius
Zeiten ſtand derſelbe im Rücken, jetzt
ſchon im Schwanze des kl.

Polarſtern
verändert
seine Stellung

Bären u. ſpäterhin
wird er zum Schwan zu gehen. Jm Alterthum
herrſchte darin ein großer Jrrthum, als weñ
der Polarſtern nicht allenthalben ſichtbar wäre
Plinius erzählt uns von Geſandten aus Ceÿlon
die ſich über die Erſcheinung des Polarſterns wunderten
, da ſie ihn dorten ebenfalls doch recht gut
ſehen köñen. Außer der großen Aenderung
der Ecclyptik die in 21–26000 J. ſtatt findet,
erleidet dieſelbe eine kl. Aenderung durch die
Anziehungskraft des Mondes, die in 18 Jahren
etwa 18 Sec. beträgt. Anaximander maß
zuerſt die Schiefe der Ecclyptik, 100 J. vor
Herodot.

Schiefe
der Ecclyptik

Er erfand zugleich die Soñenuhren.
Die älteſten genauen Meſſungen finden wir in
chineſiſchen Añalen, in Lojang 1100 J.v.C.G.
Die Schiefe der Ecclyptik beträgt hiernach 23°,
54, Pythias in Marseille beſtim̃te ſie auf
23°49, der Araber Ebbenjuns fand ſie
23°36, Bessel zu Anfang 1800, 23°27
56. Die größte Abweichung kañ auf der
Erde höchſtens eine Differenz von °

hervorbringen

, was eben ſo wäre, als weñ Cadix
in der Gegend von Toledo läge, was doch ſehr
unbedeutend iſt.

Wir kom̃en jetzt zu einem intereſſantern Gegenſtande
, zur Betrachtung des Mondes, deswegen
, weil uns deſſen phyſiſche Beſchaffenheit viel
bekañter iſt, u. wir beſſerr Beobachtungen auf

demſelben als auf der Erde ſelbſt anſtellen köñen.

Mond

So würde es uns ein leichtes ſein vom Monde aus
auf der Erde die nördl. Durchfahrt ins ſtille Meer
zu finden.

Arcadies

Die Arcadies glaubten daß ſie
viel älter wären als der Mond u. ihre Väter
ihn nicht geſehen hätten & bekañt iſt die Theorie
von Maupertuis, wonach der Mond früher
ein Comet geweſen deſſen Schweif die Erde angezogen
u. zur Atmoſphäre verwandelt hätte.
Arkadien war ein wahres Mondland, Höhlen
u. Klüfte waren demſelben geweihet u. er
soll zuerſt bei dem Kampf des Herkules mit dem
Giganten erſchienen ſein. Der Durchmeſſer des
Mondes beträgt 466 Ml. u. Rußland mit ſeinen

aſiatiſchen Ländern iſt größer als die uns ſichtbare

Seite des Mondes.

Durchmeſſer
des Mondes

Die Axe ſteht ſenkrecht auf
ſeiner Bahn u. die Entfern. von der Erde beträgt
51,800 Ml. u. der Jrrthum dabei höchſtens 1/3300
dies iſt auf einer Baſis gemeſſen vom Cap der guten
Hoffnung wo la Caille hinging bis zu Berlin, wo
Lalande Meſſungen anſtellte.

Entfernung

Ein Engliſche Schiffs-
Capitain, der etwa 5 mal in China geweſen

iſt ſo weit gereiſet, als weñ er nach dem Monde

ſegeln ſollte. Die Stärke ſeines Lichtes iſt
300000 mal geringer als das der Soñe.

Licht-Stärke

Es
iſt ſchon geſagt, daß deſſen aſchfarbenes Licht von
der Erde herrührt u. es iſt verſchieden, nachdem
die Continente oder das Meer dies Licht
reflektiren.

Aſchfarbenes
Licht deſſelben

Jn dem Monde ſelbſt wirkt
durchaus keine Phoſphoreſcenz. Leonardo da
Vinci war der erſte der die Erklärung
des aſchfarbenen Lichtes fand, die gewöhnlich dem
Lehrer Keplers, zugeſchrieben wird.
Bei Mondfinſterniſſen verſchwindet der Mond
gewöhnlich gar nicht, er wird dunkel-röthlich
wie mit einem Schleier überzogen, wie ich dies
in Panama beobachtete.

Erſcheinung
bei Finſternißen

Es iſt dies kein Reflex
von den feſten Theilen der Erde, ſondern es
iſt dies das von der Atmoſphäre derſelben in

flectirte Licht. Es iſt dies nach der Lage

der Erde verſchieden u. es verſchwindet ganz
od. ein großer ſchwarzer Fleck entſtehet
am Rande der Mondſcheibe, wo die Erdatmosphäre
nicht inflectiren koñte. Die neueſten

Beobachtungen die ich ſelbſt mit Herrn Arago durch

die größten Hohlſpiegel angeſtellt habe, geben
durchaus keine Spur von irgend einer Wärme
od. Temperatur.
keine Wärme
Die Alten die eines Weltheerd
añahmen u. die Soñe nur als einen
Hohlſpiegel anſahen, der das Licht reflectirte
dachten ſich daſſelbe auch vom Monde, u. ſeine
Flecken ſollten die Abſpiegelungen der Erdoberfläche
ſein.

Anſicht
der Alten von
den Mondflecken

Merkwürdig iſt es, daß die
Perſer noch jetzt daſſelbe glauben; deñ als
der perſiſche Geſandte in Paris auch mich beſuchte
, u. ich ihm eine neue Mondkarte zeigte,
ſo lachte er u. ſagte: dieſe Flecke ſind ja
jeden Tag anders u. Theile der Erde, Perſien etc. etc.

ein gleiches die

jetzigen Perſer

Die Flecken des Mondes wurden früher
für Meere gehalten. Kepler hielt ſie für
Berge, die von ihrer verſchiedenen Beſchaffenheit
auch eine verſch. Farbe angenom̃en. Waſſer
kañ es freilich ſucht ſein; indem auf der
Mondoberfläche die wir ſehen keine horizontale
Ebene von einigem Umfange zu finden
iſt.

nicht Waſſer

Einige Theile des Mondes ſind im̃r ſchwärzlich
Zb. der Caesar, welches gewiß von der
Steinart ſelbſt herrührt. Gallilaei maß
zuerſt die Höhen deſſelben.

Höhe der
Mondberge
3 Methoden dieſe
zu beſtim̃en.

Man hat drei

Methoden

dieſelben zu beſtim̃en, von denen die dritte

die ſicherſte iſt. Man ſieht nämlich im aſchfarbenen
Theile nahe am Rande der Erleuchtung noch
einige Punkte erleuchtet. Aus dem Abſtande von
der Lichtgrenze kañ man die Hohe der Berge
berechnen. Ferner ragen über den Rand der
Mondſcheibe noch Erhöhungen, die gemeſſen
werden köñen u. endlich kañ man aus der
Lange des Mondſchattens ſelbſt die ſicherſten

Meſſungen anſtellen. Man kañ Höhen von

3–500 Fuß meſſen. Auf dem Monde ſelbſt ſten
die Gegenſtände d. Erdoberfläche wie eine Uhr
ſtets wiederkehrend kreiſen. Durch das
Schwanken des Mondes ſehen wir von demſelben
etwas mehr als die Hälfte. Galilaei beobachtete
1657 die Titubation, in neuerer Zeit Tobias
Meier. Die Schwankungen an den Rändern iſt
zweierlei. Die Libration der Länge beträgt
6–8°, eben ſo gieb es eine Libration der
Breite oder des Nord- u. Südpols. Wir würden
vielleicht nach ſehr geraumer Zeit auch die andere Hälfte
des Mondes erblicken, weñ die Erde nicht ebenmäßig
in ihrem Laufe geſtöhrt würde wie der Mond
zuſam̃enhängende Kettengebirge wie auf der
Erde, oder wie auf der Venus u. dem Merkur
ſind auf dem Mond nicht vorhanden.

Mond
keine zuſam̃enhängende
Berge

Der höchſte Punkt
iſt ungefähr ſo hoch wie der Chimborazzo. Jn
der ſüdl. Hemiſphäre iſt das höchſte Gebirge der
Leibnitz, 4160 Toiſen. Man muß nicht glauben daß
dies einzelne Berge ſind, ſondern ganze Länder
wo ein Flecken ſo groß wie Böhmen iſt.

Größe
Erhöhungen

Einige
Berge die unſern ähnlich ſind, ſind ſchwer zu finden.
Auf der Erde kañ man einzelne Berge am Fuße.
Durchmeſſer wohl beſtim̃en u. ſo iſt der Chimborazzo,
am Fuße 5–6000 Toiſen oder 2–3 Ml. breit; im
Monde hingegen ſind das ganze Hochländer, die
große Aehnlichkeit mit unſern Vulkanen haben.
Selbſt der Aſchenkegel ſteht oft in der Mitte, oft
am Rande derſelben. Die tiefen Riñen kañ man
nicht mit Flußbetten vergleichen; indem ſie mit
andern Kratern wieder zuſam̃enhängen u.
ſogenañte Art von Teufelsmauer bilden. Jn
den Jahren 1783 u. 87. hat man ſich vorzüglich
mit dieſe Mondvulkanen beſchäftigt.

Mondvulkane

Graf
Bruehl wollte im aſchfarben Theile lichte
Punkte bemerkt haben u. Schroetter kegelförmige
Berge. Die neuern Beobachter ſind jetzt
vollkom̃en vom Gegentheil überzeugt.
Wahrſcheinlich ſind bloß Spiegelungen auf den

Felswänden beobachtet worden, welches wiederum
von der beſondern Lage der Erde herrührt
; indem, wie geſagt, das Licht verſchieden
reflectirt. Ob es von Jndien u. Afrika, oder
ob es von der Südſee zurückſtrahlt iſt ein
großer Unterſchied; deñ letztere abſorbirt

einen viel größeren Theil der Lichtſtärke, als

erſtere Länder.

23. Vorlesung, 23. Januar 1828

Wir haben uns von der Topographie des
Mondes in der letzten Stunde unterhalten. Die
vortreflichſte Mondharte iſt von Lohrmann
in Dresden, u. auf der königl. Bibliothek hier zu
ſehen.

Mondharte

So wie wir auf unſrer Erde einen Unterſchied
zwiſchen der nördl. u. ſüdl. Hemisphäre

wahrnehmen, u. die ſüdliche die oceaniſche

ſo wie die nördl. die continentaliſche neñen
köñen; ſo iſt es auch bei dem Monde. Wir

erblicken nur Continente, da bedeutende Flächen

worin Flüßigkeiten wären, auf dem
Monde nicht vorhanden ſind, u. keine Ebenen
die den vierten Theil des Quadratinhalts
von Berlin groß ſind. Kettengebirge
ſind gewöhnlich ſehr ſelten auf dem Monde,
aber Umwallungen ganzer Gegenden ſind häufig
. Bei ſchwacher Vergrößerung erblickt
man vom Flecken des Tycho weiße Streifen
die bei ſtärkeren Vergröß. minder ſichtbar

bleiben.

Lichtſtreifen

Dieſe Lichtſtreifen gehen über Berg
u. Thal fort u. man kañ sich keine Jdee darüber
noch machen, was dies wohl ſein köñte.
Schon bei den Alten iſt darüber die Rede
geweſen, ob es möglich wäre, Werke der
Kunſt auf dem Monde zu erblicken.
Prof. Baeck hat Alles zuſam̃engeſtellt, was
Philolaus darüber ſagt. Ehe wir das
nähern anführen wird es von Jntereſſe
ſein zu unterſuchen, was wir mit Sicherheit
von hier aus ſehen köñen.

Was kañ
man mit Sicherheit
auf dem Monde
ſehen.

London
iſt Zb. die größte Stadt in Europa, ſie
iſt 5 engl. Meilen lang u. 3 Ml. breit u. hat
ungefähr 7/10 geogr. 17 Ml. Flächeninhalt.
Durch eine einfache Rechnung kañ man Gegenſtände
von 1800 Fuß meſſen, obwohl man
kleinere Gegenſtände erblickt ohne ſie grade

meſſen zu köñen, in einer Höhe von 6–700.

Einen Raum vom Bibliothek-Gebäude bis

zum nächſten Thurm des Gensd’armes Markts
würde man daher bei gehöriger Lichtſtärke
als einen kleinen Punkt betrachten köñen.
Weñ man daher auch wirklich Städte von
der Größe Londons erblicken, u. ſelbſt Gebäude
wie die Pyramiden in Egypte oder
d. Straßburgen Thurm als Punkte ſehen möchte
, ſo iſt es doch jedenfalls unmöglich

Veränderungen

dabei wahrzunehmen u. die
nen Linien zu unterſcheiden, u. zugleich unmöglich
Kunſt- u. Naturwerke zu unterſcheiden
weñ wie Zb. in den Vogesen eine Reihe Baſaltfelsen
ſich aufthürmen. Weñ in neuerer
Zeit Manche nicht nur unternom̃ene Bauten von
den Selenitbewohnern wahrgenom̃en haben
u. Landſtraßen ſahen, wo ſich lebende
Wesen begegnen, ja Felder die geackert

wurden bemerkten u. brunkreſſe an Quellen

ſelbſt fanden, ſo gehört dies alleinig in
das Gebiet der Einbildungskraft.

Atmoſphäre
deſſelben.

Die Atmoſphäre des Mondes iſt ſo gering,
Atmoſphäre des Mondes iſt ſo gering,
daß ſie gleich dem Vacuum unter der
Luftpumpe zu ſetzen iſt, u. das Barometer
nur wenige Linien hoch ſtehen würde.

Siebentes Heft.

Atmoſphäre
des Mondes.

Die
Strahlenbrechung iſt daher 1000 mal geringer
als bei uns, u. hat d. Atmoſphäre höchſtens 800 Fuß
Höhe. Man will während einer Soñenfinſterniß
Spuren der Atmoſphäre wahrgenommen
haben, die ſich in der Soñenſcheibe durch
einen regenbogenfarbigen Ring zeigte. Einige
ſahen Löcher im Monde, als weñ ein Stern
durch die Mondſcheibe ſchien. Dies wurde
d. 29 Jan. 1778 bemerkt, kurz vorher ehe
aufs neue die Soñe hervortrat. Etwas
ähnliches wurde 1725 in Rom bemerkt, u. Delambert
hält dies nur für tiefe Ausſchnitte
in der Mondſcheibe, durch die zuerſt das
Soñenlicht ſchien Die bemerkten Ringe in
der Soñenſcheibe, die mehrere Minuten betragen
, köñen von einer Atmoſphäre eben
ſo wenig hergeleitet werden, u. ſind vielleicht
bloße Täuſchungen des Auges.

Tiefe
Ausſchnitte in
der Mondſcheibe

Halle
wollte während der Soñenfinſterniß in der Mondſcheibe blitzen geſehen haben u.
Louvil ebenfalls u. häufig ſieht man kurz
worher ehe das Licht der Soñe kom̃t am Rande
des verfinſterten Mondes eine Menge Raketen
hervorſchießen, was auf Elektricität

ſchließen läßt.

Einfluß
des Mondes auf
die Erdbewohner.

Einen großen Einfluß

hat der Mond auf die Bewohner der Erde,
ſelbſt in ihrer geiſtigen Entwickelung, u.
von Laplace iſt ſehr ſcharfsiñig die Frage
unterſucht; ob der Mond bloß dazu da
wäre um unſere Nächte zu erleuchten. He
koñte die Schärfung auch ein anderes Mittel finden
, weñ in dem Augenblick der Entſtehung
des Mondes derſelbe gradeüber der Soñe
geweſen wäre, wo alsdañ ein ſteter
Vollmond ſtatt finden würde. Ferner
erregt der Mond unſere Ebbe u. Fluth
u. dient der Schiffahrt die Längen zu beſtim̃en
, welches durch Monddiſtancen beſſer
geſchieht, als durch Chronometer.

Jndem ich im Raume der uns zunächſt liegt
ſtehen bleibe, will ich noch einiges von den
Zodiakallicht erwähnen.

Zodiakallicht

Es wurde zuerſt
von Cassini 1683 in Europa bemerkt. Es

beſteht in hellen Lichtſtreifen, die ſenkrecht bis zu den Plejaden

heraufſchießen. Cassini iſt mit der Ueberzeugung
geſtorben, daß mit demſelben Veränderungen

vorgehen u. er es in ſpätern Jahren ſtärker als

in den jüngern Jahren geſehen. Unter den
Tropen iſt es ſo häufig, daß es gewiß wöchentlich
zwei mal erſcheint. Jn einem Mexicaniſchen
Manuscript wird vor der unglückbringenden
Ankunft des Cortez dieſes Wunders des Himmels
erwähnt. Es ſteht mit dem Nordlicht
im Zuſam̃enhange, u. erſcheint häufiger
weñ dies ſeltener u. umgekehrt. Die Verſchiedenheit
der Stärke wechſelt von zwei
zu zwei Minuten, wie ich dies ſelbſt beobachtet
.

Mars

Wir kom̃en jetzt zum Planeten Mars.

Er ſollte ſeiner Entfernung nach größer als
die Erde ſein, er erhält jedoch nur 55/100
des Erddurchmeſſers od. 995 Ml.

Größe

Die

Phaſen deſſelben ſind deutlich zu bemerken.
Ueber die Abplattung deſſelben iſt noch
Streit, u. wird auf 1/12 beſtim̃t, obgleich
er nur ſehr langsam rotirt. Harding
in Goettingen findet die von Herſchel beſtim̃te

Abplattung ganz richtig. Man bemerkt

eine Undulation in der Atmoſphäre deſſelben
u. zweierlei Flecken. Zuerſt ſieht man
bewegliche Finſterungen, u. dañ zwei helle
Flecken an den Polen, die in der Nacht des
Merkur heller ſcheinen. Jm̃erhin köñen
letztern für ſtarre Eisfelder angeſehen
werden. Kunovski, den wir gute Beobachtungen
verdanken, hat etwas ähnliches bemerkt.
Die Aſtron. La Caille u. de Lalande beſtim̃ten
durch Beobachtungen des Mars die Soñen-
Paralaxe u. Kepler fand die große
Excentricität ſeiner Bahn.

Die 4 kleinen Planeten

Was die 4 kl. Planeten anbetrifft, ſo vermutheten
ſchon die Alten viel mehr Planeten
als ihnen bekañt waren, wie dies Ariſtoteler
bemerkt. Anſtatt eines Planeten fand
man vier, die zuſam̃en nicht viel größer
als der Mond ſind.

Größe

Veſta hat 40–45.
Ml. Durchmeſſer. Wie die Metalle in den
Erdarten Metalloiden genañt werden,
ſo nañte Herſchel dieſe kleinen Planeten:
Aſteroiden. Beſſer heißen ſie teleskopiſche
Planeten. Sie wurden in umgekehrter
Reihe ihres Abſtandes von den Soñe entdeckt
. Veſta ſteht uns zunächſt u. wurde
1807 entdeckt Herr Gaus gab ihr den Namen
Juno im J. 1804, Pallas 1802 u. Ceres 1801.
Merkwürdig iſt es, daß Herr Olbers absichtlich
die Veſta entdeckte u. finden mußte.
Er hatte den Knoten berechnet wo ſich
ſämtliche Theile des zertrüm̃erten Comete
durchkreuzen mußten u. hier fand er
die Veſta. Jn 3400 J. werden ſich die
kl.

Knoten
der kl. Planeten

Planeten ſämtlich in dieſem Knoten wieder
befinden u. vielleicht vereinigen. Sie zeichnen
ſich aus durch die große Excentricität
ihrer Bahnen, die ſo verſchlungen ſind
daß man ohne die andern zu ſtöhren keine
abtreñen köñte. Obwohl ihre Durchmeſſer
ſehr klein ſind, ſo ſind ſie im Verhältniß
ihrer Größe ſehr leuchtend.

24. Vorlesung, 26. Januar 1828

Wir gehen jetzt über zu den düñern, größern,
mondreichern Planeten, die eine viel größere

Abplattung u. darum eine viel größere

Rotation haben.

Aeußern
Planeten

Die Mächtigſten derselben
an den Grenzen unſeres Planetenſyſtems ſind
Jupiter u. Saturn. Sie ſind ſo groß daß
ſie nicht nur Stöhrungen in dem Laufe der Cometen
ſondern auf der übrigen Planeten ausüben
.

Jupiter

Jupiter iſt merkwürdig wegen ſeiner Lichtſtärke
, wodurch er nächſt Venus der hellſte
Planet wird. Er iſt von gelber Farbe

Die Durchmeſſer beträgt 11 Erddurchmeſſer

u. ſein Volumen iſt mal größer als alle
Planeten zu einen Kugel geballt.

Durchmeſſer

Die
Dichtigkeit deſſelben iſt etwa wie Salpeterſäure
; allein die große Anzahl materieller
Theile machen ihn ſo bedeutend.

Dichtigkeit

Auf der
Oberfläche bemerkt man merkwürdige
Streifen u. Flecken. Ausſchließen hiervon
muß man die Schatten, welche die Monde
deſſelben werfen; es giebt ganz besondere
Flecken die auf dem Jupiter bemerkt
werden.

Streifen

Die Streifen deſſelben erblickte man
viel ſpäter als die Monde. Gewöhnlich
ſieht man 5 große Streifen, die bräunlicher
ausſehen als der übrig. Reſt deſſelben.
Dieſe befinden ſich gewöhnlich in der Nähe
des Aequators, u. zwei ſchwächern an
den Polen. Die Flecken gehen zwiſchen
den Streifen parallel fort. Selbſt in den
Streifen ſieht man Bewegung die mit der
Rotation zuſam̃enhänget. Cassini beobachtete
einen Flecken auf einem Streifen der
ſüdlichen Hemiſphäre von 1665–66, der
ununterbrochen wieder kam, woraus
sich eine Rotation des Planeten von 9 St. 46
ergab.

Rotation

Jm Jahr 1690 wurden dieſelben
Beobachtungen angeſtellt. Die Abplattung
beſtim̃te Cassini auf 1/14. Schroetter indeß
glaubte wegen der Unregelmäßigkeit der
Fern auch auf eine Abplattung in Südweſten
ſchließen zu müſſen. Dies iſt indeß nicht
im̃er zu finden u. kañ ſehr leicht mit der

dortigen Ebbe u. Fluth im Zuſam̃enhange

ſtehen. Für die Schiffahrt ſind die Beobacht.
des Jupiters ſehr wichtig. Simon Meier
in Anſpach ſahe die Jupiters-Monde 1609
u. nañte ſie ſidera brandenburgica.

Jupiters-
Monde

Galilaei kam ihm in der Bekañtmachung zuvor
1610, u. nañte ſie sidera medicaea. Jupiter
hat 4 Trabanten, die ebenfalls Flecken
haben, beſonders der 4te. Die Geſetze der
Weltordnung werden auch durch ſie beſtätiget
, daß die Rotation der Monde
gleich iſt der Bewegung um die Planeten.
Alle Trabanten des Jupiters ſind größer
als unſer Mond, u. der Planet ſelbſt muß auf
dem nächſten Monde so groß erſcheinen
als bei uns das ganze Sternbild des Orions.
Laplace verdanken wir die Berechnung der
Mondtafeln, oder deren diſtançen. Dieſe Tafeln
liefern ſo vollkom̃ene Reſultate,
daß der Fehler etwa 12 Secunden betragen
kañ. Auch das Geſetz fand Laplace
daß die drei erſten Monde ein verfinſtert
werden köñen.

Saturn

Saturn obgleich er entfernter iſt, hat
doch ein kleineres Volumen als Jupiter
der Durchmeſſer beträgt etwa 94/10 Erddurchmeſſer
u. die Rotation 10 St. 16 Min.

Rotation

Dieſe wurde durch Herſchel beſtim̃t 1789.
Herſchel hält deſſen Abplattung für doppelt
u. glaubt der Durchmeſſer des
Aequators iſt nicht der größte, ſondern
der, der unter 45° von demſelben gezogen
wird. Auch Saturn hat bräunliche Streifen
wie Jupiter.

Trabanten

Um die Trabanten zu
ſehen bedarf es einer ſtarken Vergrößerung
. Es ſind deren 7, fünf
ältern u. zwei neuerlich entdeckt von
Herſchel, die noch kleiner als Veſta
sind.

Monde

Saturn hat die größten u. kleinſten
aller Monde u. zwar ſind letztern
die nächſten demſelben. Jm 7te Trabanten
will Schroetter Flecke bemerkt haben.
Auch hier findet ſich das Weltgeſetz in B
der Monde beſtätigt. Der Ring des
Saturns iſt ſonderbar, u. er wurde
nicht von Galilaei ſondern von Huygens zuerſt
entdeckt, obgl. im̃er der die Ehre
von ſolcher Entdeckung hat, der zuerſt ſagt
was es wirklich iſt. 1659.
Ring

des Saturns
Dieſer Ring

erſcheint nicht im̃er gleich, ſondern er
verſchwindet ganz weñ er der Soñe
opponirt; indem ſeine Kante von großen
Düñe iſt u. nur etwa 113 Ml. ſtark iſt.
Mit Vergrößerungen wie Herſchel ſie
anwenden koñte, verſchwand er jedoch
nie. Gewöhnlich ſieht man zwei concentriſche
Ringe. Es iſt zweifelhaft ob eine
dunſtförmige Materie den Planeten mit dem
Ringe in Zuſam̃enhang bringt, weil kein
Stern durch den Zwiſchenraum durchſcheint.
Eine ſolche Beobachtung iſt nur vorhanden,
wo ein Stern durchſchim̃ert. Auffallend
wäre es weñ dieſer Ring unbeweglich ſein
ſollte. Herſchel u. Harding ſahen nämlich
Knoten in demſelben, die unverändert ihre
Stellung behielten. Maleriſch müſſen die
Nächte des Saturns ſein, wo iñerhalb
11 Stunden alle Trabanten durch alle Wechſel
des Lichts erſcheinen, u. der gewaltige
Ring.

Uranus

Nachdem Uranus entdeckt wurde, vergrößerte
ſich das ganze Planetenſyſtem um
die Hälfte. Die optiſche Anſicht deſſelben
beträgt nur 4 Sec. u. der Durchmeſſer
iſt gleich 4 Erddurchmeſſer.

Durchmeſſer

Man kañ
ihn mit bloßen Augen ſehen u. es iſt merkwürdig
, daß ein ſo kleiner Körper noch
zu bemerken iſt u. dies ſetzt einen be-
ſondern Lichtproceß voraus. Herſchel
glaubte zwei Ringe zu ſehen, welches
sich jedoch nicht beſtätigt hat. Herſchel

koñte vermittelſt größerer Lichtſtärke ſeines Teleskops

6 Satelliten bemerkten. Gewöhnlich
sieht man nur den 2ten u. 4ten.

Satelliten
des Uranus

Da man
bisher noch nichts von einem Flecken

bemerken

koñte, ſo iſt man auch über
die Rotation deſſelben ungewiß, glaubt
jedoch daß ſie von Norden nach Süden
ſtatt finden müſſe.

Wir kom̃en jetzt zum letzten Theile der
Körper unſeres Planetenſyſtems, nämlich
zu den Cometen.

Cometen

Wir werden zuerſt einige
allgem. Betrachtungen anſtellen, dañ von
den iñern Cometen des Planetenſyſtems u. dañ
von den äußern ſprechen.

Alten beobachteten
Cometen

Die Pythagoräiſche Schule behandelte die Cometen
gleich den Planeten, u. Appollodor u.
die Egyptiſchen Prieſter wollten die Erſcheinung
den Cometen vorhersagen, u. die Wiederkehr
beſtim̃en köñen. Eben ſo, was die
chaldäiſche Prieſter, welche gewiß mehr
eine Secte als ein Volk bedeuten, davon
ſagen, ſind nur Wahrſcheinlichkeiten, hergeleitet
aus der Beobachtung, daß alle
50–80 Jahre ſicher ein Comet erſcheint u.
dañ einer dem andern ähnlich iſt. Seneca
giebt über die Cometen eine ſehr verſtändige
Erklärung, u. fragt, ob der
große Comet, der unter Cäsar erſchienen derſelbe
wohl ſei, der zu Neros Zeiten
ebenfalls am Him̃el ſtand? Am
Ende des 15ten Jahrh. ging man zu unrichtigere
Meinungen von den Cometen
über, u. hielt ſie für bloße Meteor
Das Wehen der Paſſatwinde von Oſten nach Weſten
veranlaßte Acoſta, die Cometen für die
Urſache dieſer Erſcheinung zu halten.
Unrichtige

Anſicht im 15ten

Jahrhdert
Jhre

Bahnen ſind außerordentl. excentriſche Ellypsen
.

Bahnen
der Cometen

Der Prediger Doerfel in Plauen
im Vogtlande, 1680 ſprach zuerſt aus, daß
die Bahnen paraboliſch wären. Ende des
17ten Jahrh. bewies dies noch beſſer Percy,
Herzog von Northumberland. Nur wenige
keñen wir, deren Ankunft voraus beſtim̃t werden
kañ, u. weñ es auch unſere Aſtronomen
nicht ſo geht wie denen in China, die gehangen
wurden weil ſie die Erſcheinung eines Cometen
nicht vorher geſagt; ſo entſtand doch
1811 u. 1879 einiger Unwille in Paris, daß die
Aſtronomen von denen plötzlich in dieſen Jahren
erſcheinen den Cometen nichts ahneten.

Schwer die
Wiederkehr zu
beſtim̃en.

Man glaubte bei denſelben einen Uebergang
zu den Planeten zu bemerken.
Laplace hat es jedoch theoretiſch bewieſen, daß
Planeten niemals Cometen, u. umgekehrt Cometen
ſich in Planeten verwandeln köñen.

?

Bewegung

Jhre Bewegung iſt der gewöhnl. Weltordnung
entgegen, in dem ſie ſich nach allen Richtungen
kreutzen. Bei den Kometen iſt zu
unterſcheide, ihr Kern, ihre Dunſthülle
u. der Schweif.

Beſchaffenheit

Zwiſchen dem Kern u. der
Dunſthülle iſt kein Abſchnitt, ſondern erſteren
geht allmählig in die letztere über. De
Druck des Kerns kañ bei der großen
Düñigkeit deñoch ſehr bedeutend ſein.
Denken wir uns auf der Erde einen Schacht
von 40 Ml. Tiefe, ſo würde der Druck
der Luft ſo ſtark ſein, daß eine Platinakugel
darin ſchwim̃en würde. Obgleich
der Druck ſehr bedeutend ſein muß, ſah
doch Herſchel 1795 d. 9 Novbr. einen Doppelſtern
12 u. 13ter Größe durch den Kern
durchleuchten.

Jñerer Druck

der Schichten

Daraus kañ man ſich einen
Begriff von der außerordentl. Düñigkeit
der äußern Schichten machen.

Düñigkeit

La Hire glaubte
Phaſen zu erblicken 1782, doch iſt auf dieſe
Beobachtung kein Werth zu legen, da der Kern
oft ſehr unförmlich ausſieht. Die Cometen
haben ein reflectirtes Licht u. man
ungewiß, ob ein ſolcher vor der Soñenſcheibe
dunkel wie ein Planet würde. Als
der Comet den General Lindener beobachtete
, durch die Soñenſcheibe ging, waren
keine Flecken in letzterer zu bemerken u.
erſterer muß daher Diaphhan ſein, welche

Herr Olbers nicht añehmen will.

Durchsichtiger
Kern

Der Schweif
hängt mit der Dunſthülle nicht im̃er zuſam̃en
1811. ſchwam der Kern im Schweife.
Galilaei verglich denſelben mit ausſtrömenden
Flam̃en. Jemehr ſich der Comet der
Soñe nähert, je größer wird der Schweif
auf Koſten des Kerns. Der Comet von
1780 maß 78° u. weñ der Kern im
Zenit ſtand, war der Schweif noch nicht aufgegangen
.

Größe einzelner
Cometen

Der Comet von 1823 hatte
6 Schweife u. die convexen Seiten war
opponirt. Gewöhnlich iſt die Richtung des
Schweifes der Soñe entgegengeſetzt, der im
Jahr 1823 hatte jedoch zwei Schweife von
denen einer ab- u. der andere zugekehrt
der Soñe erſchien u. dieſe ſehr ſichere
Beobachtung ſcheint alle theoret. Anſichten
über die Cometen umzuwerfen. Der
Enkeſche Comet ſoll eine Rotation äußern
. Gewöhnlich erſcheinen die wiederkehrenden
Cometen in veränderter Geſtalt
. So iſt der Schweif des Halleſchen Planeten
kleiner geworden, doch von wenigen
kañ man dies erſt beſtim̃en. Der Comet
von 1811 wurde durch Herſchel beſtim̃t.

Comet von
1811

Der Durchmeſſer des Kerns betrug
nur 93 Ml. die kugelförmige Hülle
27,000 Meilen u. der Schweif 22 Mill. Ml.
Arago hat durch ein prismatiſches Fernrohr
beobachtet, ob das Licht der Cometen
phoſphorescirend oder reflectirtes iſt;
u. er hat gefunden, daß es polarisirtes
Licht iſt; indem die Farbenbilder nicht
von gleicher Stärke in dem Teleskop
erſcheinen. Die Zahl derſelben iſt ſchwer
zu beſtim̃en.

Zahl
der Cometen

Wir wiſſen hiſtoriſch von
etwa 400 Kometen, von denen 128 erſt
näher beobachtet ſind. Jm 17ten Jahrh.
erſchienen 10, im 18ten 65 Cometen.
Nach Probabilitätsrechnungen kañ man
wohl die Zahl von 400,000 añehmen.

25. Vorlesung, 30. Januar 1828

Mit der heutigen Stunde werde ich die
Hälfte meiner Vorlesungen, in denen ich mich
mit den nicht telluriſchen Verhältniſſen
beſchäftigt habe, ſchließen.

Hälfte der Vorlesung
beendigt

Cometen ſind

die zahlreichſten unter den planetariſchen

Erſcheinungen. Wir lebten in einer ſchönen

Epoche hinſichtlich der Erſcheinungen von Cometen
die ſich vom Jahre 1807–1879 häufig wiederholten
, nachdem v. 1770–1867 kein Comet
geſehen wurde. Bis jetzt iſt außer dem Halle
ſchen kein äußerer Comet ſo berechnet, daß deſſen Wiederkehr
dadurch beſtim̃t ſein ſollte.

Wiederkehr
des Halleſchen Cometen

Dieſer erſchien
1682, würde angekündigt 1759, wo er
wirklich wiederkehrte, u. wird 1835 abermals
erſcheinen. Die Cometen iñerhalb
der Planetenbahn ſind bekañter u. deren
Wiederkehr beſtim̃t.

Cometen
iñerhalb der Bahn

Der äußere Comet
von 1815 iſt zwar von Herrn Olbers ellyptiſch
berechnet, aber ſeine Wiederkehr iſt unbeſtim̃t
. Mehrere Aſtronomen ſo auch Lalande
haben zwar die Furcht vor großen Katastrophen
welche die Nähe der Planeten veranlaſſen
könnten erweckt; andere haben
aber auch dieſe wieder vermindert. Bei
den Kometen müſſen wir unterſcheiden ihre
Nähe bei der Soñe u. bei der Erde. Der
Comet von 1684 kam der Soñe bis auf 5/8
Mondweite nahe, blieb aber von der Erde
noch 10 Mill.

Nähe bei der
Soñe

Meilen entfernt. Der von 1770

der uns am nächſten kam, war deñoch 6 Mondweiten
von uns, u. es iſt ein Jrthum weñ einige
behaupteten, er wäre zwiſchen Erde u. Mond
durchgegangen.

Bei der Erde

Der zweite planet. Comet
von Biela war 1826 zwei Mondweiten von
der Erdbahn nicht von der Erde entfernt.
Obgleich die Maſſe der Cometen ſehr gering iſt,
ſo dürfte doch Gefahr beim zuſam̃entreffen
mit ihm zu besorgen ſein; indem durch die
Geſchwindigkeit doch ein beträchtlicher Stoß
hervorgebracht werden dürfte. Die Attraktion
der Cometen iſt ſehr gering; dañ der
von 1770 ging durch die Jupitersmonde
ohne eine ſichtbare Veränderung zu
bewirken.
Attraktion

der Cometen
gering
La Place hat es berechnet,

daß weñ dieſer Comet nur 1/5000 Maſſe wie
die Erde gehabt hätte, er die Dauer unſers
Jahres um 3 Std. verlängert haben würde,
welches jedoch nicht der Fall geweſen. Für
die Erde kañ der Bielaſche Comet am gefährlichſten
werden, da er die Erdbahn durchſchneidet
, aber es iſt höchſt unwahrſcheinlich
daß er mit der Erde gleichzeitig in einem
Knoten zuſam̃entreffen ſollte.

Zuerſt wollen wir die Cometen zwiſchen
der Soñe u. der Jupitersbahn unterſuchen.

Cometen
zwiſchen der
Soñe u. Jupitersbahn
.

1786 ſahe Mesquilin den Enkeſchen Comet
zuerſt, u. nach der Vorherbeſtim̃ung von
Enke, wurde er 1822 von Rink in Paramatta
beobachtet.

Enkeſche Comet

Die Jdentität deſſelben
iſt 1879 entdeckt worden. Er hat die Bewegung
wie Planeten von Weſten nach
Oſten. Seine Umlaufszeit iſt jedoch verſchieden
; indem er durch äußere Materie
in ſeinem Lauf gehindert wird. Durch
ihn u. ſeine öftere Beobachtung die er geſtattet
, kañ man über die Natur der
Cometen Licht erhalten. Der Comet von
Biela iſt 1772 entdeckt, 1805 geſehen
u. 1826 v. Biela näher beſtim̃t worden.

Bielaſche Comet

Seine Umlaufszeit beträgt 6 J. 9 Monate
u. geht nicht über die Jupitersbahn hinaus.
1826 war er 114000 Ml. von der Erdbahn
entfernt u. es wäre möglich daß ſich ſein
Schweif mit der Atmoſphäre der Erde miſchte.
Von den äußern Cometen iſt wie geſagt
nur der Halleſche bekañt. Er erſchien 1553.
zur Zeit der Zerſtöhr. Conſtantinopels
u. er wurde als ein Unglücksbote, vom
Pabſt Sixtus V. verwünſcht. Nach genauer
Beſtim̃ung erſchien er 1759 u. wird beſtim̃t er
wartet d. 16 Novbr. 1835. Die Periode
ſeiner Wiedererſcheinung iſt 76 J.u. durch
die Stöhrungen die Jupiter u. Saturn

veranlaſſen

, kañ er etwa ½ J. retardirt werden.
Ein ſehr ſonderbarer Comet iſt der von 1770.
Obgl. Lexel ſein Wiedererſcheinen auf J.
beſtim̃te, ſo iſt dies doch bisher nicht eingetroffen
u. 1779 nahm er eine Richtung an, der zu Folge
er wohl nie mehr wiederkehren wird. Der

Cometen von 1815 erwartet man in 75 Jahren

u. er war 4 Halbmeſſer der Erdbahn von
uns entfernt.

Bahnen
der Cometen

Die Bahnen der Cometen können
in Kreiſen, Parabeln und. Ellypsen u. in
Hyperbeln gehen. Die Ellypse iſt eine in
ſich wiederkehrende Bahn u. dieſe iſt gewöhnlich
bei den Kometen anzunehmen. La
place hat darauf aufmerksam gemacht, daß
sie von Planeten vollkom̃en verſchieden ſind.

Cometen
ganz verſchieden
von Planeten.

Er glaubt, daß Cometen irrende Nebelflecke
ſind, die durch Stöhrungen ſchon feſter Maſſen
aus einem Syſtem in das andern übergehen. Nach
seiner Jdee ſind alle Weltkörper urſprünglich
in dieſem Zuſtande geweſen von lichten Nebelmaſſe.

Entſtehung
der Weltkörper
nach Laplace Theorie

Herſchel beobachtete daß ſich dieſe Nebelflecke
zuſam̃enziehen in einen Kern, oder auch in mehrere
Kerne, aus denen ſich dañ im̃erhin Sternhaufen
bilden konten, wie Zb. die Plejaden.
Man bemerkt, daß ſich von dieſen Kernen der
kleinere um den größern bewegt, oder beide
um einen gemeinſamen Schwerpunkt ſich bewegen
u. kreiſen. Dies giebt uns viele Wahrſcheinlichkeit
für die Entſtehung der Planetenſyſteme
ſelbſt.

Entſtehung
der Planetenſyſteme
selbſt.

Hiernach hat ſich die Soñe in eine
Nebelfleck nach u. nach als ein Kern zuſammengezogen
. Anfangs rotirte noch Alles langſam
; die Schwerkraft ſtand im Gleichgewicht mit
der Centrifugalkraft. Dieſe Rotation
koñte zunehmen u. dadurch die Grenzen
der Atmoſphäre kleiner werde. Durch
die Zuſam̃enziehung derſelben treñten ſich
Schichten oder Zonen derſelben, u. es entſtanden
Ringe um dieſen Kern, die hinwieder
bei ihrer ungleichen Geſchwindigkeit ſich zuſam̃enzogen
, u. entweder als ein Planet,
oder als kleine Planeten, gleichſam als mehrere Kerne,
erſchienen. So wie aus jeder Zone ſich
ein Planet bildete, ſo koñte dieſe hinwieder
für ſich Monde ſelbſt bilden, wie dies noch
beim Saturn zu ſehen, der noch mit einem Ringumgeben
iſt, aus dem, weñ er ſich theilte,
noch mehr Monde entſtehen köñen. Dieſe
Jdee von Laplace hat Aehnlichkeit mit Buffons
Theorie, nach der ein Comet die Soñe angeſtoßen
hätte, wodurch die Planeten entſtanden
wären. Um mit Sicherheit über die Dauer
unſeres Planetenſyſtems urtheilen zu köñen,
dazu gehört die genaueſte Keñtniß des Him̃els
ſelbſt.

Dauer
unſeres Planetenſyſtems

Es liegt in der Schwäche unſrer Einbildungskraft
Alles für zufällig zu halten,
was wir nicht aus Gründen gleich erkeñen können
. So geht es mit Beſtim̃ungen von Perioden
bei unſerer eigene ſo kurzen Erfahrung. Es
iſt möglich u. ſehr wahrſcheinl., daß alle Erſcheinungen
nur periodiſch ſind.

Alle
Erſcheinungen
periodiſch

Wir wollen freilich
nur als geſetzlich anerkeñen, was wir
als periodiſch wiederkehrend erblicken, oder
was aus bekañten Urſachen folgt; jedoch
iſt daran nur unſere eigne Kurzsichtigkeit
Schuld u. Manches kañ unter einer größern
Weltordnung begriffen ſein, was wir nicht

ahnen. Jn unſerm Planetenſyſtem haben wir

bis jetzt noch kein Prinzip der Deſtruction
erkeñen köñen; ein ſolches muß von Außen
kom̃en.

Jm
Syſtem kein Prinzip
der Deſtruction

Cometen koñen es allerdings veranlaſſen

. Jn neuerer Zeit hat man wohl kleine

Stöhrungen bemerkt, welche die Planeten afficiren

doch ſind die iñerhalb 1000 J. beobachteten nur

Oscillationen um einen mittlern Zuſtand,

die in einem gewiſſen Zeitraum wieder
in die alte Ordnung führen. Der Grund der
Stöhrungen der Planeten beruht auf dem
Umſtande, daß die Umlaufszeiten des Jupiters
u. Saturn in ihren Verhältnißzahlen irrational
ſind; indem Jupiter in 4322 Tage u.
Saturn in 10759 Tagen ſich um die Soñe
bewegen. Dies Verhältniß iſt wie 2 : 5.
Dies Verhältniß hat nichts rationales etc.
Der Grund für die Stabilität des Syſtems
iſt aber die große Axe der Bahnen, die
durch die Excentricität derſelben nicht afficirt
wird; dañ ferner die große Maſſe
des Centralkörpers. Je größer die Neigungen
der Planeten zu einander wären
deſto größer köñte die Gefahr der Zerſtöhrung
vorwalten, dies iſt jedoch nicht der Fall, wovon
die Gründe im Syſtem ſelbſt liegen. Laplace
ſieht außer den Cometen nur zwar
Gefahren für das Planetenſyſtem 1., daß
bei Zunahme der Attraction des Centralkörpers
, die wiederſtrebenden Mittel aufhören
u. Vereinigung mit dem Centralkörper
ſtand finden köñte, u. 2., daß bei Abnahme
der Maſſe des Centralkörpers die
Anziehung geſchwächt werden köñte.
Nur zwei

Gefahren für das
Planetenſyſtem.
Alle übrigen Stöhrungen ſind wie geſagt

nur periodiſch, nur die Axe der Bahn
bleibt unveränderlich, die indeß bald gegen
einen, bald gegen den andern Fixſtern
hin gerichtet u. gewendet ſein kañ.

26. Vorlesung, 2. Februar 1828

Eigentlich
Phyſiſche Geographie

Wir kom̃en jetzt zur eigentlichen phÿsiſchen Geographie
, nach Strabos Siñ, die er affectiones
telluris generales neñt. Wir betrachten hiebei:

Ueberſicht

1., die ſtarren u. feſten 2., die flüßigen
Hüllen, die entweder elaſtiſch oder tropfbar
flüßig ſind. 3., die organiſche Welt der Pflanzen
u. Thiere, die in ihrer erſten Entwickelung
noch wenig getreñt u. in der Maſſe zwar das
kleinſte, aber von der mañigfaltigen Form
besiegt u. belebt ſind

1. Die ſtarren u.
feſte Hülle der Oberfläche
.

1., Die ſtarre u. feſte Hülle der Erdoberfl. gehört
zum Gebiet der Geognoſie. Es iſt dies freilich
eine uñatürliche Beneñung, da auch das flüßige
u. organ. zur Geognoſie gehört, wir werden
hier aber dieſen Namen beibehalten, als allgemeine
verſtändlich. Wir unterhalten uns hiebei:

Ueberſich

a., über die Geſtalt u. Dichtigkeit der Erde

b, über die iñere Wärme u. |:

erſcheinungen

der Erde die aus den Polen ausſtrömen :|

ſ. c.

c., über die Elektricität u. den Magnetismus
als identiſche Erſcheinungen: Polarlicht –

d., über die Veränderungen der Oberfläche die durch
die Com̃unication des Jñern der Erde mit der
Atmoſphäre hervorgebracht worden u. wohin
die Vulkane, heiße Quellen etc. gehören.

e. über die Anſicht der Erdoberfläche mit
ihren Bergketten u. Höhenzüge.
a. Geſtalt u. Dichtigkeit

der Erde.

Die Geſtalt der Erde iſt ſphäroidiſch u. wollte
man genau die Oberfläche meſſen u. ſo ließe ſich
hieraus eine Planzeichnung nicht zuſam̃ensetzen, wie
dies in einem benachbarten Reiche der Fall war, wo
die genaueſten Vermeſſungen behufs der Anfertigung
von Kataſter, zu einer Karte ſich nicht
zuſam̃enſtellen ließen. Die Geſchichte dieſer

angeſtellten

Vermeſſungen der Erde kañ hier nicht

gegeben

werden, ſondern es ſollen nur die Hauptsache
erwähnt werden. Die Alten dachten ſich die Erde
Tellerförmig rund um vom Ozeanus eingeſchlosſen
, dies lehrte Thales.

Vorſtellung
der Alten hieran

Der Pythagor. Bund kañte
jedoch vollkom̃en die Kugelgeſtalt der Erde
u. Philolaus ſpricht es gradezu aus. Weñ
ſie gleich nicht den Grund der Weltumseglung
dafür angeben koñten, ſo waren die übrige
Grunde ihnen wohl bekañt. Sie ſahen es aus
dem Erdſchatten in Monde; aus den Geſtirn
die höher hinaufſtiegen weñ ſie von Kreta
nach Alexandrien ſegelten u. ſ. w. Ariſtoteles
ſagt ausdrücklich: die Erde muß eine ſphäriſche
Geſtalt haben, da alle Theile nach
dem Mittelpunkte ſtreben u. ſie hierdurch ein
Gleichgewicht gehalten wird. Wäre dies nicht
ſo würden die Theilchen herabgleiten u. das
Gleichgewicht herſtellen. Eben ſo müßten
ſie von den Antipoden u. Plato ſprach dies
vorsichtig aus. Freilich ließ der Pabſt Zacharias

einen Biſchof von Salzburg absetzen, weil

er dieſe Behauptung aufzuſtellen wagte.

Meſſung
der Erde

Was die Meſſung der Erde anbetrifft, ſo können
wir nicht das Ganze, ſondern nur einen
Theil meſſen. Jndem nördlich oder ſüdlich die
Sterne uns auftauchen u. höher ſteigen oder

niedriger, nachdem wir uns nach den Polen bewegt,

ſo köñen wir die aſtronomiſche mit der gäodätiſche
Meſſung vereinigen. Die Kalife
ließen Aſtronomen nach Norden u. Süden ſo
lange fortgehen bis ein beſtim̃ter Stern ſich
um 1 Grad in ſeiner Stellung veränderte.

Verfahren
der Araber
dabei

Nun
wurde die Länge des durchwanderten Raums
als Basis gemeſſen u. mit 360 multiplicirt
was den Umfang der Erde ergab. Jn Nord-
Amerika wurden ſo zwei Grade gemeſſen,
welches freilich mit großen Schwierigkeiten verbunden
iſt. Die Holländer erfanden es zuerſt,
(Schnellius u. Pitard) eine genaue Basis zu
beſtim̃en u. trigonometr.

Jetzt Trigonometr.
Meſſungen

Meſſungen zu
Hilfe zu nehmen. Mit größerer Feinheit u.
Genauigkeit hat dies in neuerer Zeit ſtatt
gefunden, u. es wurde die Basis in Peru
mit Holzſtäben u. in England ſelbſt mit

Glasſtäben

gemeſſen, um Genauigkeit hier zu erlangen,

u. die Veränderl. des Ma ſelbſt in verſchiedenen
Temperaturen hierbei berücksichtiget.
Tralles erfand hiebei der Kontakt der Maßſtäbe
ganz zu beſeitigen u. neben einander die
Maße zu ſtellen u. optiſch nur die Berührung zu
beobachten.

Aſtronomiſche
Meſſungen

Der zweite Theil ſind die

aſtronomiſchen

Meſſungen, wo die Winkel durch den

Unterſchied der Meridianhöhe der Sterne
gemeſſen werden. Eratoſtenes zu Alexandrien
Zb. wußte daß in Sylel in Ober-Egypten ein
Bruñen ſag, in den die Soñe bei dem Windekreiſe
ſenkrecht ſchien.

Der Alten

Die Höhe der Soñe
in Alexandrien beſtim̃te er u. fand die
Abweichung 7°12. Die Entfernung bis Sylel
war ihm bekañt, ſie war 5000 Stadien.
Hieraus ließ ſich leicht die Rechnung anſtellen
; indem ſich 7°12 : 360° = 5000 Stadien
zum Umfang der Erde. Freilich war hier
keine Rücksicht auf den Durchmeſſer der
Soñe genom̃en u. er fand für den
Umfang der Erdkugel 5800 Meilen.
Aehnliche Meſſungen werden auch dem Posidonius
dem Lehrer des Cicero zugeſchrieben, der den Canopus
auf dieſe Art gemeſſen. Ptolomaeus veranlaßte
die Araber im neunten Jahrhundert zu einer
ähnlichen Meſſung, welche dieſelben Reſultate
ergab. Erſt im J. 1525 maß Frenel den
Weg von Paris nach Amiens durch die Umdrehung
ſeines Wagenrades. Er zählte die Umläufe
des Rades, deſſen Reihen ihm in der Länge bekañt
war, u. fand hiernach für einen Him̃elsgrad
ziemlich richtig die Länge 57,075. Toiſen
viel richtiger maß Snellius zwiſchen Alkmar
u. Leiden u. Pikard 1669 in Frankreich. Cassini
unterſuchte dies 1680 aufs Neue, u. das Reſultat
fand ſich, daß die Erde an den Polen zugeſpitzt
ſein müſſe.

Alte
Berechnung ergab
daß die Erde an den
Polen zugeſpitzt ſei.

Neuton behauptete
aus phyſiſchen Gründen das Gegentheil. Man
beobachtete auch daß eine ganz richtig gehende
Pendeluhr in Caÿenne 2 M. 28 Sec. in Cayenne
langsamer gehe als in Paris
.

beobacht. von Riſchet.

Dies koñte
man aus zwei Urſache erklären, einmal
daß die Wurfkraft unter dem Aequator
größer ſei, u. dies die Schwere verminderte,
u. dañ, daß die Erdmaſſe unter dem Aequator
mehr angehäuft ſey u. daher nicht dieſelbe
Anziehung ſtatt finde. Dies u. Neutons
Theorie veranlaßte die franzöſ. Akademie
Condamine nach Quito zu ſenden von 1735–1746,
um hier genaue Meſſungen zu veranſtalten
welches auf einer HochEbene, nahe an der
Schneegrenze, nur mit großen Schwierigkeiten
bewerkſtelligt werden koñte.
Condamine.
Zu den Signalen
bediente man ſich früher, Pyramidalfiguren,
oder man brauchte vorhandene Thürme. Der
Unsicherheit wegen benutzte man hiezu in neuerer
Zeit Nachtsignale mit paraboliſchen Reverberen
, womit man 80000 Toiſen oder 26
geograph. Meilen meſſen koñte. Kürzlich hat

Herr Beſſel in Königsberg die Erfindung gemacht

das Soñenlicht auf den zu meſſenden Gegenſtand
zu lenken, wodurch dasselbe als ein Stern bei
Tage erſcheint. Herr Gaus hat hiezu einen ſiñreichen
Apparat geliefert. Gleichzeitig mit
Condamine maß Maupertuis in Lappland
u. aus dieſen Meſſungen ergab ſich ganz richtig
die Abplattung der Erde.

Maupertuis

Weñ gleich
Schwanenberg glaubt, daß letztere Meſſungen
ſo unrichtig ſei, daß auf einen Grad 1200
Fuß fehlen; ſo iſt dies nicht anzunehmen.
Berühmt ſind die franzöſiſchen Meſſungen
während der Revolution. Es ſollte der
10 Millionſte Theil des Umfangs der Erde
gleich einem Meter ſein, u. ein Kilogram̃
1/1000 Kubikmeter von deſtillirtem Waſſer
in ° Reaumur Wärme. Die engliſchen
Meſſungen vom General Reÿ ſind durch

Herrn Arago vermittelſt Feuersignale mit

denen in Frankreich verbunden worden.
Sehr genaue Vermeſſungen ſind in Oſtindien

geſchehen u. in Fiñland durch Struve u. Argelander

u. darnach iſt ein Grund unter dem
Aequator 56,731 Toiſen, bei Raris
57006 Toiſen u. in Lappland 57209.

Abplattung

gefunden.
Pendelſchwingungen

beweiſen Abplattung

Toiſen. Auch durch die Pendelſchwingungen iſt der

Abplattung der Erde außer Zweifel geſtellt

die Pendellängen nehmen nämlich ab, wie die
Quadrate des Sinus des Breiten. Man hat
hiebei zwei Beobachtungen. Einmal ſieht man

wiviel Schwingungen in einer beſtim̃ten Zeit ein

beliebiger Pendel macht, u. beſtim̃t alsdañ die
Länge deſſelben; oder man nim̃t unter allen
Breiten einen unveränderlichen Pendel, u. beſtim̃t
die Dauer der Schwingungen. Die größten
Pendelmeſſungen ſind von der Franzosen u. Engelländern
angeſtellt, u. nach deren Reſultat
ſchwankt die Abplattung der Erde zwiſchen 1/305
u. 1/280 oder um 3600 Fuß, das iſt 1/18 der

Abplattung u. Die Erhöhung um den Aequator

beträgt etwa drei Meilen.

Erhöhung um
den Aequator

Bei den Gradmeſſungen
ergiebt ſich ein etwas geringeres
Maß als bei den Pendelmeſſungen. Die Abplattung
der Erde iſt durch Ergebniße der höhern Analyse selbſt im Monde zu
lesen u. giebt hier 1/299.

Größe der

Abplattung

Es entſtand die
Frage, ob der Süd od. Nordpol mehr abgeplattet
ſei? Da eine größerer Ozean
um den erſtere zu finden, ein milderes Klima
dort vorherrſchend iſt, ſo ſchloß man
auf eine bedeutſamere Waſſerabplattung
welches auch la Caille beſtätigte. Die neuesten
Reiſen von Duperret u. Fressinet haben dies
jedoch nicht beſtätigt, deñ es wurde kein Unterſchied
dabei gefunden.

An
beiden Polen
gleich.

Merkwürdig, daß
bei den Meſſungen unter verſchiedenen Graden
eine verſchiedene Abplattung ſich ergiebt. Dies
rührt von der großen Unregelmäßigkeit
der Erdoberfläche her, die bei aller Tendenz
zur Regelmäßigkeit in manchen Gegenden u.
Zonen der Erde beſonders zu finden, wohin
auch namentlich Großbrittañien gehört.
Große

Unregelmäßigkeit
der Erdoberfläche
Noch hat man bemerkt, daß auf kleinen vulkaniſchen

Jnſeln der Pendel viel ſchneller
oft ſchlägt als auf den Continenten unter
gleicher Breite, welches doch der umgekehrte
Fall ſein ſollte. Dies köm̃t daher, daß in
der Tiefe dieſer vulkaniſche Eilande viel
Baſalt, Eiſen u. dgl. zu finden, wodurch die
Attraction verſtärkt u. dadurch auch die Acceleration

veranlaßt wird.

27. Vorlesung, 6. Februar 1828

Als Reſultat der höhere Analysis ergiebt
ſich der Umfang der Erde auch aus der jedesmaligen
Höhe des Mondes u. aus den Pendelverſuchen.
Letztere laſſen durch ihre Schwingungen ſelbſt
auf das Dasein der geognoſtiſchen Stufen ſchließen.
Selbſt weñ es möglich wäre Kugeln von Platina

6–7 Fuß Durchmeſſer Zb. unter den Boden zu wälzen wo Pendelverſuche

angeſtellt werden, ſo würde
dies bemerklich die Oscillation ſtöhren. Bis
jetzt ſind behufs der Meſſungen über die Applattung
der Erde nur Längengrade gemeſſen
worden, es frägt ſich ob bei einer Meſſung
von Oſten nach Weſten ſich auch Abplattung
finde? Bis jetzt ſind deshalb ſchon 15
Längengrade gemeſſen, vom Ausfluß der
Garoñe, über den Montblanc u. das nördl.
Jtalien bis Fiume u. die Oeſterr. Regierung
läßt dieſe Meſſungen fortsetzen bis Orzowa.

Die
neueſten

angeſtellten

Meſſungen

Dies wird 24 Längen-Grade ausmachen.
Aus den bis jetzt erhaltenen Reſultaten
kañ man ebenfalls auf die Abplattung ſchließen.
Nach dem Centro muß die Dichtigkeit der
Schichten im̃er mehr zunehmen, dies erfordern
ſchon die Stabilität des Ozeans. Wäre derſelbe
von Quecksilber, ſo würde dies zwar
nicht Alles überfluten, aber ſämtl. Verhältniße
ſtöhren u. vernichtend einwirken
Wäre dieſe ungeheure Dichtigkeit nicht im
Centro, ſo würde die Abplattung noch viel
ſtärker ſein. Man darf dabei nicht añehmen
Daß dichtere Felsmaſſen im Mittelpunkt der
Erde ſich befinden, es kañ eben ſo gut eine
comprimirte Flüſſigkeit, es kañ Luft
ſein.

Centrum der
Erde dicht.

Der Hptmañ Zimnis in den N. Amerik.

Frei-Staaten hat neuerlich die eben

nicht neue Theorie aufgeſtellt, daß die Erde
hohl ſei, u. in ihr die ſchönſte Temperatur
herrſchte.

Neuere
Theorie über die
Beſchaffenheit des
Jñern der Erde

Er hat deshalb an den Magiſtrat
zu Augsburg geſchrieben u. denſelben aufgefordert
zu der Entdeckung der großen
Oeffnung beizutragen die über Sibirien hinaus zu
finden, u. mehrere Quadrat. Meilen groß
ſein ſoll. Auch mich hat er aufgefordert eine
Reiſe dorthin zu machen. Abgeſehen davon
daß wie anderweitig geſagt, in einer Tiefe
von 40 Ml. die Luft ſchon ſo comprimirt
wird, daß eine Platinakugel in derſelben
ſchwim̃t, wird auch durch dieſe Compreſſion
ein ſteter Lichtproceß im Jñern der Erde
erzeugt, die eine Hitze hervorbringt, in
der kein organiſches Wesen der Oberwelt
dauern kañ.

Ungereimtheit

derſelben

Wir haben noch einiges
von dem Gewicht der Erde zu erwähnen.
Man kañ ſagen das die Erde ſelbſt gewogen
.

Achtes Heft.

Dichtigkeit
der Erde.

Aus der Theorie fand man ſchon
die Dichtigkeit derſelben im Verhältniß
gegen Waſſer. Man vergleich die Geſetze
des Gleichgewichts mit der Dichtigkeit der Ober-
Fläche u. man fand daß Granit 23/10 mal

Dichter als Waſſer ſei. Hieraus beſtim̃ten

Laplace u. Thomas long u. aus bloßer Theorie
daſſelbe, was nachher die unmittelbare
Abwägung gab, nämlich, daß die mittlere
Dichtigkeit der Erde = 4,7 mehr als die
Dichtigkeit des Waſſers ſei; u. die die Oberfläche
der Erde nur etwa 3 mal dichter als
Waſſer iſt: ſo ſchloß man auf einen metalliſchen
Kern der Erde, der aber eben ſo
gut aus einer Flüßigkeit beſtehen kañ.

Dichtigkeit
der Erde aus der
Anziehung der
Gebirge

Auf andere Art fand man die Dichtigkeit
der Erde durch die gemeſſene Anziehung
der Gebirge. 1774 maß Marquilin in England
dies auf folgende Art. Er wählte ein
Gebirge welches von Weſten nach Oſten
ſtrich. Mit einem aſtron. Jnſtrumente mit
einem Pendel verſehen, fixirte er an der ſüdl. Seite des Gebirges einen
Stern u. beobachtete die Stellung des
Pendels. Jetzt machte er dieſelbe Beobachtung
auch auf der nördlichen Seite u.
das Reſultat war, daß das Loth
von der frühern Richtung abgelenkt
wurde. Condamine fand die Attraction
des Chimborazzo 12–13 Sec. u. behauptete
ſehr richtig, daß dieſe geringe Anziehung
nur durch die gröſten Höhlen in demſelben
zu erklären wären. Dieſe Abweichung
rührt nun offenbar von dem hervorragenden
Theil des Berges u. der Erde her.
Genau kañ man nun beſtim̃en, wieviel von
dieſer Ablenkung der Maſſe des Berges u.
wieviel dem Erdkörper zugeſchrieben
werden muß. Beſtim̃t man nun nach der Dichtigkeit
des Berges die Schwere der Maſſe
u. mißt deſſen Volumen, ſo kañ man
die mittlere Dichtigkeit der Erde finden
dadurch, daß man die Attraktion des
Berges abzieht von der Attraktion der
Erde u. hiernach iſt dieſe Dichtigkeit 47/10 mal
größer als Waſſer. Das dritte Mittel
die Dichtigkeit der Erde zu beſtim̃en iſt
die Drehwage von Herrn Kewendish.

Mittel
die Dichtigkeit
der Erde zu beſtim̃en
von Kewendish

Mitſchl faßte 1768 die Jdee einen Stab
im Gleichgewicht aufzuhängen, um durch
Oſcillation deſſelben die Anziehung zu
beſtim̃en. Gulaſton u. Kewendiſh hingen
in Balance einen Hölzernen Stab auf
an deſſen Enden Bleikugeln befeſtigt waren..

Um jede Einwirkung zu verhindern wird

eine Glasbedeckung angebracht, u. Kugeln
von 1–6 Fuß Durchmeſſer den Enden
des Stabes genähert, wodurch ſofort
Oscillationen entſtehen. Hieraus ergab
ſich eine Dichte für den Erdkörper von 5,
die Theorie dürfte hier richtiger ſein, da
in letzterm Falle Körper die genähert werden
, auch ſofort elektriſch-magnetiſche

Erſcheinungen

veranlaßen, woraus Stöhrungen

entſtehen. Ganz ſicher würde man bei

den Verſuchen gehen, weñ hiezu Gebirge
von einerlei Steinart gewählt werden köñten.

b. über die iñere
Wärme des Erdkörpers
.

Wir kom̃en jetzt zur Wärme des Erdkörpers
. Drei Quellen ſind vorhanden, aus
denen ſich dieſe entwickelt. 1., Durch
die Soñenſtrahlen, die nach der Größe
des Einfallswinkels, der Dauer u. Stärke
des Lichts, eine verſch. Wärme veranlaßen
2., Durch die Ausſtrahlung aller Geſtirne.

Quellen der
Wärme.

1 u. 2.

Offenbar iſt eine bedeutende Quantität
Wärme im Weltraume vorhanden; deñ
weñ dies nicht wäre; ſo müßte endlich
die absolute Kälte, unſere Wärme vollkom̃en
verzehren.

Wärme im Weltraume
.

Sehr wahrſcheinlich
iſt die Quantität der Wärme im Weltraume
gleich der, unſerer Polargegenden
u. etwa 8° Reaumur. Dies wäre
noch im̃er poſitiven Wärme, ſobald
ich añehme daß der Weltraum, 3000° Kälte
hat. Dadurch wird die Wirkung der
Ausſtrahlung nicht gefährlich. 3.,
Durch den Theil der primitiven
Wärme der der Erde gehört u. in ihr
erregt wird, incarcerirt im Planeten
, deſſen Oberfläche oxidirt u.
erhärtet iſt.

3.,
Wärme des

Planeten ſelbſt.

Wir werden hier
von der letztern Wärme reden, u.
folgen dabei der analÿtiſchen Theorie,
nach welcher dieſelbe keinen Einfluß auf
die Oberfläche der Erde hat; indem ſeit
1000 Jahren das Quantum der ausſtrahlenden
Wärme gar keine Veränderung
veranlaßt hat.

Jñere Wärme
ohne Einfluß auf
die Oberfläche.

Es findet eine Circulation
der Wärme in der Richtung des
Durchmeſſers ſtatt. Durch Erkältung der
iñern Maſſen, würde auch nicht um 1/30° Reaumur

eine Veränderung veranlaßt werden, ſo wie die Quantität

der Wärme des iñern Erdkörpers
nicht ¼° R. Wärme veranlaßt. Jn einer
Tiefe von 120 Fuß findet ſchon keine
jährl. Veränderung der Temperatur
mehr ſtatt, in zehn Fuß Tiefe, keine
tägliche.

Tiefe von
120 keine Veränderung
der Temperatur

Lambert u. Sauſſure ſtellten
Termometer von 20, 10, u. 5 Fuß in
die Erde u. man fand in 10 Fuß Tiefe
bei Tage u. bei Nacht eine gleiche Temperatur
; in 80–90 Fuß Tiefe eine unveränderliche
Temperatur, u. es gehört
eine Zeit von 2–3 Monaten, bis die Wärme
nur 10 Fuß in den Boden dringt u.
alle Punkte in einer Verticale erreichen
hiebei noch nicht das Maximum.

Verſuche
von Lambert etc.

Die Temperatur
der Erdoberfl. iſt übrigens unveränderlich
.

Temperatur
der Erdoberfläche
unveränderlich

Was die Erde an Wärme
unter dem Aequator empfängt geht
an den Polen verlohren u. ſeit Hipparchs
Zeiten iſt die Rotation der Erde ſo gleich
daß ſich der Tag nicht um 1/4000 Theil
einer Sec. verändert hat, u. daher
die Temperatur ſich gleich geblieben iſt.

28. Vorlesung, 9. Februar 1828

Bei einer Temperatur von + 26°, wo der
Sand in der Soñe 35° erwärmt war ſo
unter den Tropen fand ich ihn oft 54° erwärmt,
war die Erdwärme in 10 Fuß Tiefe 11 Grad,
bei 20 Fuß Tiefe nur 11½° Wärme, wobei
zwar nach den verſch. Leitungsgraden des Geſteins
eine Verſchiedenheit ſtatt finden kañ.
Verſuche

über die Wärme
in der Tiefe
Man hat die iñern Erdwärme in Bergwerken

u. Gruben u. an Quellen beobachtet, u. ſie
iſt im Norden größer als unter dem Aequator.
Wir kom̃en jetzt zur Theorie der Vulkane.

Theorie
der Vulkane

Den Alten war das Puriphlegeton bekañt.
Jn unſerer Zeit beſchäftigten ſich zuerſt Leibnitz
u. Hallei damit. Der alte Meron der 1720 u.
1765 Memoiren darüber ſchrieb, glaubte daß
die Centralwärme gleich der äußern Wärme
ſei, welches jedoch offenbar falſch iſt. Lambert
machte hierüber ſchön Verſuche u. machte aufmerksam
die Temperatur in den Bergwerken
zu meſſen. Dies that auch Saussure zu Bex
u. an andern Orten vermittelſt Bohrlöchern,
in die Termometer gesenkt wurden. Jn den
tiefen Bergwerken von Cornwallis u. Dewonshire
fand man eine außerordentliche Wärme.
Jn dieſen die Wärme der Luft zu beobachten iſt
nicht ſicher, indem dieſe ſtets ſtrömt u. Wechſel
der Temperatur veranlaßt, beſonders weñ
oben Kälte ſtatt findet. Die Beobachtung bei
den Quellen iſt ſicherer; am ſicherſten freilich
ſind die Verſuche vermittelſt der Bohrlöcher.

Zunahme
der Wärme
in der Tiefe

HErr Trebra beobachtete hierdurch in einer
Tiefe von 90 Lachter 9° Wärme, bei 130 Lachter
12° Wärme, bis der Temperatur Freibergs
von 6–7° Reaumur. Bei den Verſuchen von
Fox in England ſtieg das Termometer bis 10½°.
Merkwürdig iſt es, daß auf Höhen von 11,000
Fuß, in den Bergwerken 15° Reaumur gefunden
wird, die äußere Temperatur gleich
der Berlins, oder 6–7° iſt. Auf der Höhe
von Guanopanta von 6000, iſt ein Schacht
1440 Tief u. hier hat eine Quelle 27° R
Die Temperatur des Jñern der Erde nim̃t
mit der Tiefe zu, obgleich eine Angabe der
Stärke derſelben nach dem Längenmaß ſehr
ſchwankend iſt. Ungefähr kañ man añehme
daß um jede 80 Tiefe die Temperatur 1°
zunim̃t. Jn der Höhe nim̃t dieſe acht mal
ab, u. erſt bei 600 Höhe verliert
die Temperatur 1°. Bei den ſehr genaue
Beobachtungen in Paris iſt die Temperatur
daselbſt ° u. in den Gewölben bei 85
Tiefe 94/10° u. ebenfalls um 1° größer als auf
der Oberfl. Ueber die Temperatur der
Quellen ſind von 1775 ab Verſuche aufgeſtellt
von Ruhbunk.

Temperatur
der Quellen

Es giebt deren veränderl.
u. unveränderl. Erſtere oſciliren nach den
Monaten. Eine merkw. Beobachtung iſt die
des Herrn v. Buch, die einen Beweis von der großen
Erdwärme des Nordens giebt. Jn der
Hudsonsbai u. am Nordcap findet man
ſtets fließende Quellen. Von 56–66° N.B.
ſieht man nach u. nach die Quellen etwa
3° der äußern Temper. zunehmen. Jn Jtalien
u in der Breite zwiſchen 48–58° ſind die
Quellen gleich der Lufttemperatur u. ſo
nach dem Aequator zu geringer. Das Lauf
d hſelbſt iſt nur um 1° wärmer als die Temp.
der Luft; in Amerika habe ich jedoch die Quellen
im̃er in niedrigerer Temper. als die äußere
Luft gefunden. Die Urſache dieſes Phänomens
ſind mañigfach u. läßt ſich dies aus der ſtarken
Regenzeit unter den Tropen, aus der Sch
im Norden, die die Wärme nicht ausſtrömen
läßt u. aus anderweiten Urſachen erklären
Schon längſt fand man in der Erde im hohen
Norden bei einigen Fußen Eis, u. dies fand
auch Franklin in N.B.v. 65° bei 4 Tiefe;
welches im̃erhin beſtehen kañ, ohne die Vegetation
zu hindern. Quellen die Kohlenſäure
enthalten ſind allenthalben 3–4° wärmer als
andere Quellen die davon frei ſind, welches
auf eine Verbindung mit den tiefen Vulkanherden

ſchließen läßt.

c. Elektricität u. Magnetismus
als identiſche
Erſcheinungen.

Wir kom̃en jetzt zu der geographiſchen
Vertheilung der magnetiſchen Kräfte auf der Erde
; aus dem Gebiete der Phyſik werden
wir hiebei nur einige Momente herausheben.
Nach der älteſten Beobachtung gehörte
magnet. Kraft allein dem Eiſenerg; u.
reines Eiſen behielt ſie beſſer als gekohltes
Eiſen, oder Stahl.

Eiſen

Später entdeckte man
das Nickel u. Kobald dieſelbe Eigenſchaft
hätten.

Nickel
u. Kobald

Herr Arago entdeckte, daß alle Körper

transitoriſch auf kurze Zeit von magnetiſcher
Kraft ſollicitirt werden. Die Jntenſität
der magnetiſchen Kräfte in Paris u. London
habe ich mit Herrn Arago in Grenwitch ſelbſt verglichen
. Die kupfernen Ringe um magnetiſche
Nadeln ſind eben ſo hem̃end, als weñ dieſe
in einer Flüßigkeit ſich bewegt, u. die Dauer
der Oscillation der Nadel koñte Arrago beſtim̃en
nach verſchiedenen feſten Körpern. Selbſt
nicht metalliſche Körper äußern den hem̃enden
Einfluß auf die Nadel.

Alle Körper
äußere
hem̃enden Einfluß
auf die Magnetnadel
.

Man kañ in dieſen
einen Pol erregen, u. dieſer transitoriſche
Pol retardirt die Nadel. Bewege ich
Zb. in der Nähe einer Magnetnadel eine
hölzerne Scheibe ſehen ſchnell, ſo wird ſich
ſofort die Nadel in Bewegung ſetzen.

Verſuch
mit Holz
Schon Callon beobachtete dies von 25 Jahre

aber ohne Sicherheit. Selbſt bei grünenden
Bäumen hat die Magnetnadel nicht gleiche

Schwingungen auf jeder Seite des Baumes u.

man bemerkt den Nordpol in dem Wipfel, u.
den Südpol in den Wurzeln. Jm Jahr
1820. machte Oerſtadt die große Entdeckung
daß weñ eine Magnetnadel im rechten Winkel
dem elektriſchen Strome genähert wird, dieſe
abweicht.

Große Entdeckung
von Oerſtadt

Selbſt weñ zwei elektr. Ströme
einander gegenüber ſtehen u. die Kupfer
Drähte einer Bewegung fähig ſind, ein elektr.
Strom die Bewegung der Nadel machte. Wie
Metalldrähte in Schraubenlinien gehen u.
elektrisirt werden, so verhalten sie ſich ganz wie
Magnete, u. der Nordpol iſt auf einer u.
der Südpol auf der andern Seite.

von Beckerell

Beckerell
zeigte, daß bei jeder chemiſchen Veränderung
eine elektr. Erſcheinung ſtatt findet. Die
Magnetnadel giebt ſelbſt das Maß der
Säure an, welches man Hydromagnetismus
neñt.

von Sebeck

Herr Sebeck fand den Termomagnetismus

. Die Wärme der Soñe u. d
der Erde kañ den Magnetismus veranlaſſen
. Die Kräfte deſſelben gehen ſehr
hoch u. ich habe ihn ſelbſt in der Höhe von
15000 noch gemeſſen. Zur größten Höhe
hat ſich Herr Gai Lussac bis zu 21,000 Fuß
erhoben u. ganz dieſelbe Kraft, ganz dieſelben
Schwingungen unten wie oben beobachtet
. Bei ungleicher Quantität finden im̃er
mehr Schwingungen ſtatt u. es muß bei letzterer
Beobachtung jedoch bemerkt werden
daß die Temperatur in dieſer Höhe
9° unter Null war.
29. Vorlesung, 13. Februar 1828

Nach der Beobachtung des Prof. Kupfer in Kasan
hat die Wärme u. Kälte Einfluß auf
die Oscillation der Nadel u. ſie iſt in der
Kälte lebhafter wie in der Wärme.

Kälte u. Wärme

haben Einfluß

auf die Nadel.

Man
glaubte in Engelland lange daß die magnetiſche
Kraft im Soñenſchein ſtärker als im Schatten
ſein, dies iſt aber ganz falſch. Es kañ hier
nicht der Ort ſein, alle Urſachen des Magnetismus
zu erklären, ſondern es ſoll nur der
geogr. Vertheilung der magnetiſchen Kräfte
erwähnt werden.

Geograph. Vertheilung
des
Magnetismus.

Nach der Jdeen Einiger ſoll
ſie gleich bei dem primitiven Zuſtande der
Erhärtung unſeres Erdkörpers entſtanden
ſein; nach Andern, wie Sebeck auch behauptet
erregen die Erwärmung der Soñenſtrahlen
die magnetiſche Kraft u. die magnetiſchen
Linien entſtehen durch Erwärmung der metalliſchen
Ringe um die Erde. Andere behaupten
grade das Gegentheil u. halten die Wärme
ſelbſt für Folge der elektriſchen Strömungen.

Erſcheinungen
der magnetiſchen
Kräfte

Wir halten uns hier nur bei der Erſcheinung
der magnet. Kräfte auf u. betrachten,
1. Die Abweichung der Magnetnadel, 2.,
die Neigung derſelben, 3., Die Veränderung
derſelben, deren Jntenſität der Kraft
ſeit 20 Jahren erſt gemeſſen iſt. Bruster
glaubt daß die magnetiſchen Pole allenthalben
die größte Kältelinie anzeigen, dies
iſt aber ein ſehr widerlegbare
Behauptung.

1. Abweichung
der Nadel

Eine andere Behauptung iſt
die, daß die jetzigen magnetiſchen Pole
die ehemaligen wirklichen Erdpole wären.

Magnetiſcher
Pol, verſchieden
von Nordpol

Laplace hat das Gegentheil gezeigt u. alle
Gradmeſſungen zeigen daß die größte Applattung
an dem jetzigen Pole vorhanden iſt.
Man hat bald zwei bald vier magnetiſche
Pole angenom̃en. Halle nahm 2 bewegl. u. 2 unbewegliche
an.

Theorien

Tobias Meier behauptete daß
kleiner Magnet in der Erde ſich befinde u. dgl.
zuvörderſt bemerken wir die Abweichung der
Magnetnadel, die nicht im̃er nach Norden zeigt.
Die Abweichung der Nadel von dem Meridian
des Orts giebt die Größe des Winkels. Jn

früheſten Zeiten kañte man bloß die Kraft der

Angehung des Magneten. Die gewöhnl. Añahme
der Erfindung des Compaſſes iſt jedoch nicht mehr
deñ in einem Liede, welches zu Friedrich II. Zeit
gedichtet, 1281. wird ſchon deſſelben erwähnt
die Norwegiſchen Seefahrer bedienten ſich des
Raben als Wegweiſer, die ſie von Schiffe
fortfliegen ließen, u. deren Flüge ſie folgt
um Land zu finden.

Alte
Erfindung
des Compaſſes

Doch kom̃t ebenfalls in eine
alte Liede derſelben, ſchon im 12ten Jhdert die
Klage vor, daß die Schiffer keinen Leitſtein
auf Jhren Fahrzeugen hätten. Bei den Chineſen
u. Arabern iſt die Keñtniß des Compaſſes uralt
u. im 12ten Jhdrt maßen dieſe ſchon die verſchiedene
Abweichung deſſelben; Columbus hat
ſich alſo mit Unrecht gerühmt, der Erſte ge
wesen zu ſein, der eine Linie ohne Declination
erkañte, u. die er zwiſchen den Canariſchen
u. Azoriſchen Jnſeln fand, wo die Magnetnadel
nachdem wahren Pol zeigt. Jnsofern hatte
er Recht, als er von den Erfahr. der Chineſen
nichts müßte. Bekañt iſt es, welcher Nutzen
der Schiffahrt daraus erwachſen iſt. Auch
zu geodätiſchen Meſſungen wird die Magnetnadel
gebraucht, u. leider müſſen dieſelbe noch
im̃er mit der Buſſole ſtatt finden. Unruhigkeiten
ergeben ſich hiebei ſtets; indem die
Magnetnadel faſt ſtündlich abweicht. Dieſe
Abweichung beträgt oft ¼° u. ſelbſt habe ich
ſie 18 gefunden. Es köñen ſich daher bei den

Meſſungen die am Morgen u. dañ wieder am

Abende ſtatt finden, Differenzen von 1° ergeben.
Jch habe es ſelbſt gefunden, daß in einem frei
hängenden Fernrohr mit einer metallenen Röhre,

welches selbſt magnetiſch iſt u. ſich in den magnetiſchen

Meridian ſetzt, die Kreuzfäden von einem
Gegenſtande abweichen u. einen andern Gegenſtand
decken. Seit Cooks Reiſen fand man, wie
gefährl. es für die ſichere Führung eines Schiffes
ſei, weñ es ſehr ſchwer mit Eiſen beladen;
indem dies auf die Magnetnadel wirkt Liegt
Dieſe Maſſe in magnetiſchen Pol, ſo hat dies
keine Wirkung, im andern Falle aber giebt
es Röhrungen, u. veranlaßt, daß falſch geſteuert
wird.

Magnetnadel
zu ſichern
auf Schiffen die mit
Eiſen beladen.

Herr Barlow hat von der engl.

Admiralität den großen Preiß erhalten für
die Erfindung des Regulations. Das mit
Eiſen beladene Schiff beobachtet vor dem
Absegeln die Richtung ſeiner Magnetnadel.
Dieſe wird mit der Richtung einer eben ſolchen
Nadel auf dem Lande verglichen u. hiernach
die Differenz gefunden. Jetzt nähert man
letzterer eine Scheibe von Eiſen, ſo weit,
bis dieſe ebenfalls gezwungen wird, die
Richtung der Nadel auf dem Schiffe anzunehmen.
Dieſer ſo bewafneten Magneten bringt man jetzt
auf das Schiff. Auch auf dieſen wirkt die
Eiſenmaſſe ſoviel als auf dem Lande
die Abweichung erzwungen wurde, u. ſetzt
ihn dadurch in ſeinen natürlichen Rand.

Karten
mit

magnetiſchen

Linien

Die früheſten Karten mit den magnetiſchen
Linien ſind von einem Spanier Alonzo
einem Lehrer Carl V. Die Abweichungen
der Magnetnadel ſind ſehr veränderlich, u. so betrug
in London 1580, 11° oſtlich.

Magnetiſche
Linien ſind veränderlich

Jm Jahr
1657. zeigte ſie gar keine Abweichung von
dem Meridian. 1660 war ſie 1° weſtlich
u. ſeit 1818 hat ſie das Maximum der Abweichung
erreicht u. nähert ſich ſeitdem wieder
dem Nordpol. Seit dem 17ten Jahrhdrt
ſind die Linien, die keine Abweichung anzeigen
bekañt.

Nähere
Angabe derselben
.

Eine Linie geht im atlantiſchen Ozean
Brasilien vorbei, öſtlich von Trinidat
nach dem weſtlichen Canada. Eine zweite
iſt in der Südſee, weſtlich an der Küſte
von Peru, die im Norden noch nicht bekañt
iſt. Die 3 u. 4 Linie iſt vielleicht ein u. dieſelbe
. Sie ſchneidet die Molukken, u. theilt ſich
in zwei Zweige, von denen der eine nach
Sibirien u. der andere in wunderbaren

Krüm̃ungen nach Kaſan zieht. Jn Afrika

iſt bis jetzt noch keine Linie ohne Abweichung
gefunden worden.

Jn
Afrika keine
Linie ohne Abweichung

Auf den Continenten bemerkt

man auf ſelbſt in dieſen Linien eine ſchwache

Bewegung. Breite des magnet. Pols
ſchwankt zwiſchen 60–70° u. deſſen Länge
beträgt 100°.

30. Vorlesung, 16. Februar 1828

Wir haben in der vorigen Stunde von der Angular-
Quantität der Abweichung der Magnetnadel
vom wahren Norden geſprochen. Der Elektro-
Magnetismus iſt nicht eine Erſcheinung auf partiellen
Theilen der Erdoberfläche, ſondern es iſt eine den
ganzen Erdkörper anregende Kraft, lichtentbindend
vom Nordpol her. Die Kraftäußerung
deſſelben wirkt nicht ſtoß- ſondern ſtromweiſe
.

Elektromagnetismus
periodiſch
.

Jn ruhigem Zuſtande der Atmoſphäre
iſt dieſe Kraftäußerung periodiſch, u. ſo
wie wir ſtündlich eine Veränderung in der Atmoſphäre
bemerken; ſo bemerkt man auch eine
Abweichung der Magnetnadel u. erſtere äußert
auf letztere eine entſchiedene Wirkung. Beckerell
Sebeck, Cemañ, Arrago u.a. beſchäftigen ſich
mit der elektro-magnet. Erſch., u. man kañ
gegründete Hoffnung haben, daß man jetzt erſt
Erfahrungen über Declination, Jnclination u.
Jntenſität der magnet.

Grundursache
der

Erſcheinungen

unbekañt.

Kräfte ſam̃eln, u.
die GrundUrſache der Erſcheinung, die jeder der

Gedachten Mäñer in ſeiner Art verfolgt,

entdecken wird. Seit 1820 ſind große Schritte
in den Begriffen des Erdmagnetismus geſchehen,
die alle durch die Entdeckungen von Volta vorbereitet
wurden. Die Einheit in die verſchiedenen
Aeußerungen der magnetiſchen Kräfte giebt
Hoffnung, daß die ſehr verwickelten Erſcheinungen
der Declination, Jnclination u. Jntenſität
ſich endlich Alle aus einer GrundUrſache werden
herleiten laſſen. Noch ſind wir freilich von dieſem
Cauſalzuſam̃enhange weit entfernt, wir
haben aber Hoffnung dieſe zu entdecken. Die
Gravitationsgeſetze von Newton aufgeſtellt

zeigen uns die Beweg. der Weltkörper jetzt im

klarſten Lichte. Dieſe waren leichter zu entdecken
, da es nur homogene Stoffe waren
die der Beobachtung unterworfen wurden. Hiebei
aber, wo die Heterogenität der Stoffe
in Betrachtung kom̃t, hier wird die Schwierigkeit
der Entdeckung größer.

Schwierigkeit
der Entdeckung.

Man keñt weder
die Zahl noch Lage der magnet. Pole u. ihre
Größe. Näher keñt man den magnetiſchen Aequator
auf welchem die Jnclination der Nadel gleich
Null iſt; indem dieſer zugänglicher iſt, als die
4 Pole, von denen der letzte ſüdweſtl. vom
Jeniſei iſt. Der Capitain Parry, ſegelte bei
der Nordpol-Expedition bei Canada ſchon über denſelben
hinaus. Die magnet. Pole des Nordens ſind
dem Nordpol näher als die ſüdl. dem Südpol.
Der Eine der letztern befindet in der Meerenge
von Vandimens-Land; der andere in den

Magellanseilanden. Die Nördl. Pole ſind ihrer

Lage nach ganz unzugänglich; nur der nordliche
von Canada iſt bekañt. Parry war über
ihn ſchon hinaus u. hatte ihn umgangen; indem
der Pol des Magnets ſich umkehrte u. nach
Südweſten zeigte. Zugänglicher iſt der magnetiſche
Aequator. Erſt ſeit wenigen Jahren
hat man gefunden, daß der magnet.

magnetiſcher
Aequator.

Aequator
kein größter Erdkreis iſt, der aber in

Krönungen

der Erdäquator durchſchneidet u. der
mathem. Berechnung große Schwierigkeiten giebt
Verſuche von Herrn Hanſtlin, Biot etc. haben
nur darin beſtanden, Linien von gleicher Jnclination
, theils Linien wo die Jntenſität
der Kraft gleich iſt zu verzeichnen. Die Erſcheinungen
ſuchte man zu erklären durch die hypothetiſche
Añahme eines Magneten in der Erde,
dem man Bewegung, u. 1 Axe, bald 2 Axen
gab. Alles dies giebt noch keine vernunftmäßige
Einſicht in den Zuſam̃enhang. Die Linien
auf denen keine Abweichung ſtatt finden,
sind aber alle nicht mehr ähnlich denen im 16

Jahrhundert

u. alle haben eine große Veränderung
erfahren.

Alle
magnet. Linien
erleiden große
Veränderung.

Dabei beharren die Linien auf
dem Continente länger in der magnet. Kraft,
als die auf der Waſſerfläche, was auf
die Kraft der Anziehung zu beruhen ſcheint.
Eine ſo verwickelte Art der Erſcheinungen
macht jede Erklärung mißlich, u. der
Cauſal-Zuſam̃enhang kañ bis jetzt nur noch
durch Verſuche vorbereitet werden. Mathematik
kañ zwar auf Quantitatives angewendet
werden; aber keineswegs auf die Periodicität
ſolcher magnetiſchen Erſcheinungen. Man
will hier durch die Erſcheinungen auf der Oberfläche
die Tiefen erforſchen. Man kañ zwar interpoliren
, Mathematik ſelbſt auf den Lauf
u. die Schnelligkeit u. Tiefe der Gewäſſer anwenden
; doch in dieſer Hinſicht fehlen ſämtliche
Zwiſchenſätze.

Kurze
Zeit der magnet.
Beobachtungen.

Alle magnet. Beobachtungen
ſind in einem Zeitraume von kaum 30–40 Jahren
angeſtellt, u. durch dieſe will man beobachten
, was in Perioden von 1400–3400 J. erſcheint
, welche letztere Dauer dem Umlauf der
magnetiſchen Pole um den Nordpol zugeſchrieben
wird. Dies kañ bis jetzt noch kein Reſultat der
Unterſuchung geben, aber die Hoffnung auf das
Reſultat ſelbſt beleben. Man hat in dieſen
Zahlen ein Geheimniß finden wollen u. ſie ſelbſt

mit der heiligen Zahl der Jnder, nämlich 430

in Verbindung gebracht; ſelbſt die Zahl der
Aequinoction, durch dem Multiplicator 430 ſuchte
man; doch iſt dies nur Spielerei, u. höchſt
unmathematiſch. Noch iſt keine Theorie aufgefunden
, die auch nur für die letzten zehn Jahre
die dreierlei magnetiſchen Erſcheinungen beweiſen
kañ. Herr Hanſtein in Norwegen beobachtet
fortgeſetzt mit Muth u. Ausdauer die Erſcheinungen
u. von dieſer genauern Erkeñung
der empiriſchen Erſcheinungen kañ man ſich
viel verſprechen, ſo wie von deſſen bevorſtehen
der Reiſe nach Sibirien, die ausſchließlich
deshalb von ihm künftigen Som̃er angeſtellt
worden wird. Außer der großen Abweichung
der Magnetnadel, bei uns nach Weſten,
giebt es auch eine Stündliche 1682 entdeckte
dieſe die Jesuiten in Siam.

Stündliche Abweichung
der Magnetnadel.

Dieſe Beobachtung war

um ſo verdienſtlicher, da die Veränderung unter

den Tropen ſehr geringe iſt. Mit einem Fernrohr,
das ſelbſt als Magnet ſchwebend ſich bewegt,
iſt vermittelſt der Fadenkreutze die auf gewiße
Gegenſtände fixirt ſind, dies am
beſten zu beobachten. Nach Cassinis Beobachtungen
finden, wie bei dem Barometer
ſo auch bei der Magnetnadel, täglich zwei
Ebben u. zwei Fluten ſtatt. Das Barometer
erreicht bei ruhigem Wetter um
9 Uhr M u. 12 Uhr A. den höchſten Rand u.
um 5 Uhr M u. 6 Uhr A. den niedrigſten Rand;
eben ſo iſt auch die Abweichung bei der
Magnetnadel. Dieſe iſt großer von Winterſolſtitio
bis zum Frühlinge, dañ nim̃t ſie
ab bis zum Som̃er; vom Som̃er bis Herbſt
wieder zu, u. deñ ab, bis zum Winter
Die höchſte Abweichung beträgt im Juli-Monat
19. Beſonders wird ſie bemerkbar
bei Erſcheinung des Nordlichts. Es iſt merkwürdig
, daß bei der bei uns ſtatt finden,
den weſtlichen Declination der Nadel,
die tägl. Abweichung deñoch weſtlich wird, welches
ſich von der Wärme des Weſten erklären
läßt.

Abweichung
bei uns im̃er mehr
weſtlich

Jn der ſüdlichen Hemiſphäre
iſt grade das Gegentheil, u. die Nadel zeigt
daſelbſt mehr nach Oſten. Eine ſonderbare
Erſcheinung iſt die Beunruhigung der Nadel
die plötzlich oft eintritt. Eigentlich iſt der
Nordpol, der Südpol des Magnets u.
ſollte demgemäß auch ſo genañt werden.
Wir kom̃en jetzt zu der Erſcheinung der
Jnclination.

2., Jnclination

Steht eine Magnetnadel horizontal
, deren beide Enden gleich ſchwer ſind, ſo
neigt ſich ein Ende nach dem Pol hin, welches
unter verſchiedenen Breiten ſehr verſchieden iſt.
Unter dem magnetiſchen Aequator findet gar keine
Jnclination ſtatt. Mir ſelbſt glückte dies zu
entdecken in den Anden, unter 5–6° ſüdl. Breite.
Fressinet durchſchnitt ſechs mal dieſe Linie
in der Südſee. Dieſe Linie fängt bei dem
Kap Gardafui in Afrika an, geht dañ ſüdlich
vom Aequator der Erde den Amazonenſtrom
vorbei nach den Galopagos-Jnſeln etc. dieſe
Linie hat eine merkwürdige Bewegung; deñ
während der Magnet. Pol von Weſten gegen
Oſten ſich um den Nordpol bewegt, ſchieben ſich
die Karten, die der Magnetiſche Aequator mit
dem Erdäquator bilden rückwärts von
Oſten nach Weſten.

Bewegung
des magnetiſchen
Aequators

Dies iſt auch die Urſache
von der Verſchiedenheit der Jnclination an
den verſchiedenen Orten. Jch habe jetzt im
Thiergarten die Jnclination gemeſſen u. ſie
68° 39 gefunden.

Veränder.
der Jnclination
in Berlin

Vor 23 Jahren beobachtete
ich ſie daſelbſt mit Jai Lussac u. fand ſie
69° 50; um ſoviel iſt der magnet. Aequator
uns näher gekom̃en. Unter 73° N.B.
fand Parry die Jnclination 83°, faſt
ſenkrecht. Durch den Bordaiſchen Jnclinator
iſt beobachtet in Paris von 1798–1829, daß
die Jnclination daſelbſt jährl. 4 Minuten
abnim̃t, welches ein Zeichen iſt, daß der Meridian
von Paris um ſoviel dem magnet. Aequator
näher rückt. Auch dieſe Erſcheinung iſt faſt
ſtündlich wechſelnd u. die Jncl. iſt von 9–6 Uhr
am Tage größer u. nim̃t als dañ ab. Die
letzte Erſcheinung die ſeit etwa 20 Jahren
beobachtet iſt, iſt die Jntenſität der Kräfte
Borda verſuchte, ob die magnetiſchen Kräfte
nicht verſchieden ſeien, unter verſchiedenen
Breiten.

3., Jntenſität
der magnetiſchen
Kräfte.

Er hing deshalb perpendicular
magnetiſche Nadeln auf u. ließ dieſe oscilliren
. Mit gleichen Nadeln beobachtete man
245 Oscillationen in 10 Minuten zu Paris;
hingegen unter dem Aequator nur 211 Oscillationen
durch Beobachtungen hat man gefunden, daß
weñ die Magnet. Kraft unter dem Aequator
gleich 1 iſt, dieſelbe in Neapel 1, 2.., Berlin 1, 3
u. unter 76° NB. nach Parry 1, 7... Die Jntenſität
nim̃t ſtündlich ab von Morgen bis Mittag
u. dañ wieder zu. Es iſt zu bedauern
daß wir kein ganz ſicheres Maaß haben
dieſelbe an einem u. dem andern Orte zu beobachten
. Wir ſind nicht im Stande das Quantum
der magnet. Kraft zu beſtim̃en die man der
Nadel geben ſoll, u. dañ ſind dieſe ſelbſt
ſo höchſt ungleich. Um die Beobachtung der Gegenwart
für die Zukunft gitig zu machen,
iſt es am ſicherſten, mit ungleiche Nadeln u. ungleichen
Kräften derſelben Beobachtungen anzuſtellen
u. hiernach das mittlere Verhältniß, welches
ziemlich ſicher ſein wird, hiernach feſtzuſtellen
.

31. Vorlesung, 20. Februar 1828

Bis jetzt ſtehen die drei Erſcheinungen des Magnetismus
in ſcheinbarer Unabhängigkeit.

Drei Erſcheinungen des
Magnetismus,
bis jetzt unabhängig
von einander

Man wollte
zwar bemerkt haben, daß die Jnclination da häufig
zunim̃t, wo Jntenſität größer iſt; doch ſind dieſe
iſodinamiſchen Linien wiederum nicht allenthalben
gleich, u. die Jntenſität koñte nicht als Function der
Jnclination angenom̃en werden, u. die Formel die hiefür
Young ausdrücken wollte, paßte nicht für alle Erſcheinungen
. Eben ſo wenig waren die Beſtim̃ungen des

Herrn Sebin hiefür giltig. Weñ die Jntenſität der

magnet. Kräfte zwiſchen dem Aequator u. Spitzbergen
gleich 1 : 2 iſt: ſo wird ſie zwiſchen dem erſtern u. einen
weſtlichen Punkte wie Canada = 1 : 1,7 ... Wir unterſuchen
nur erſt die Exiſtenz der Jntenſität.
So entdeckte man erſt den Ring des Saturn, brachte
deſſen Erſch. unter ein Geſetz, u. vereinigte letzteres
mit dem Syſtem der dinamiſchen Kräfte des
Him̃els.

Frucht
des empiriſchen
Wiſſens

Dies iſt die Frucht des empiriſchen Wiſſens,
daß die partiellen Geſetze unter ein einziges
empiriſches Geſetz vereinigt werden, aus dem
die Vernunft ein großes allgemeines Geſetz aufſtellt
. Dies iſt, wie geſagt, bei dem Magnetismus
noch nicht der Fall. Wir kom̃en jetzt
zu dem Polarlicht od. Erdlicht, welches aus den
Polen ſtrömt.

Polarlicht

Es iſt ſchon die Rede geweſen,
daß Planeten, wie man dies bei der Venus bemerkt
ein eigenes Licht haben köñen. Zu der Zeit
als ſich die großen Erdſpalten noch nicht geſchloſſen
u. die iñere Wärme ausſtrömen koñte, war
es möglich, daß die Erde eine eigene Wärme auch
ohne den Centralkörper hatte, u. der Planet
koñte in ſeinem Urzuſtande nicht nur wärmer
sondern auch ſelbſtleuchtend ſein.

Möglichkeit des
Selbſtleuchtens
der Erde.

Man nim̃t an,
u. viele Optiker behaupten es, daß die Erde nicht
nur ein Polarlicht, ſondern auch ein Aequatorial-
Licht hat; wie letzteres beſonders auf dem Meere
zu beobachten. Um den Aequator kreiſen die

magnetiſchen Linien die ſich ſpiralförmig nach

den Polen bewegen u. man will erſteren die
leuchtende Kraft zuſchreiben, die Alten, die
doch Brittanien kañten reden nie von der
nördlichen Erleuchtung ganz beſtim̃t u. die Mythen
vom wilden Jäger etc. ſind nicht zu beachten.

Alten
reden nicht
vom Polarlicht.
Jn neuerer Zeit haben wir vortrefl. Beſchreibungen

vom Nordlicht durch Franklin; und Verſuche, den
Zuſam̃enhang deſſelben mit den magnet. Erſchein.
zu ergründen.

Beſchreibung
der Erſcheinung
des Nordlichtes

Zu Anfang der Erſcheinung erhebt ſich
ein Nebel 6–8° Höhe, begrenzt von lichten mild
weißen Zonen, ungefähr 2 Mondbreiten weit.
Aus dieſen Zonen gehen lichten Strahlen ſenkrecht in die Höhe,
in der Richtung wie die Jnclination der Magnetnadel
. Jn gewißer Höhe ſind dieſe convergirend.
Vorhin gedachter Nebel iſt bräunlich grau, u.
man kañ durch denſelben den kleinſten Sterne noch
wahrnehmen. Hanſten hält dieſen Nebel für ſehr
materiell u. glaubt, es iſt ein förmlicher Niederſchlag
von Gasarten. Der Bogen hat verſch. Höhe, zu
weilen 12–15°. Der Reiſende Wrangel hat ſeine
Höhe nie höher als 6° geſehen. Dieſen Convergenz-
Punkt ſieht jeder anders, dies der Fall, b
anſicht des Regenbogens iſt. Man hat dieſe Strahlen
gleichzeitig purpurroth, violet u. grün
geſehen. Sind die Streifen des Lichts zwiſche
zwei großen Sternen, ſo geht die Jntenſität des
Lichts von einem Stern zum andern hin, u. es ſind
mehrere erleuchtete Schichten hinter einander. Oft
ſind dabei leuchtende Wolken geſehen worden.
Dr. Tienemann in Jsland behauptet, daß die kl.

Wölkchen od. Schäfchen, die ich ſelbſt noch 4000 Toiſen

über dem Chimborazzo ſah, im Verkehr mit dem
Nordlicht ſtehen. Man hat ſie in der Nacht leuchtend
, mit gleicher Farbe, am Morgen wieder gefunden
. Perry ſah ſie in den Nordlichtern ſelbſt
entſtehen. Jn unſern Gegenden iſt die Richtung dieſer
Wolken faſt im̃er nach dem magnetiſchen
Pole, u. man hat ſie daher angefangen Polarbanden
zu neñen.

Polarbanden.

Die Stärke des Nordlichts
iſt ungleich nach den Breiten. Franklin bemerkt
daß bei 62–63° N.B. das Licht gleich der Stärke
des Vollmondes iſt.

Höhe des Nordlichts

Die Höhe des Nordlichts
hat man ſehr hoch angenom̃en, u. durch Rechnung gefunden, daß
es 80–100 Ml. hoch iſt. Die Sternſchnuppen ſind ebenfalls
in ſehr beträchtlicher Höhe, die Kewendiſch
10–15 geogr. Ml. berechnet. Wrangel ſagt,
daß dieſe Sternſchnuppen oft das Nordlicht anzünden
; doch iſt dies noch nicht beſtim̃t. Jn der
neueſten Zeit ſind die ſicherſten Meſſungen von
Richardſon an der Hudsonsbai angeſtellt, der
daſſelbe nur 1–1½ geogr. Ml. hoch fand, etwa
wie das Himalaya-Gebirge.

Richardson beſtimt
die Höhe
des Nordlichts
anders

Er hat es ſelbſt
unter Wolken geſehen; welches ſehr merkwürdig
iſt, daß Erdlicht in dieſer Höhe ſchon leuchtet. Auf
der 3ten Reiſe des Parry ſahe man einen Strahl
des Nordlichts zwiſchen dem Schicht u. den Lande
niederfahren. Er macht auch darauf aufmerkſam
, daß die leuchten den Bogen kurze Zeit Schatten
werfen. Daſſelbe hat Cook am Südpol beobachtet
, wo es ebenfalls Lichterſcheinungen giebt,
die freilich in der Continental-Hemiſphäre ſich
häufiger ereignen. Jn Liſſabon iſt dies
Phänomen nie geſehen, wohl aber in Mexico,
welches davon herrührt, daß letzter Ort
näher dem magnetiſchen Pole zu liegt. Die
Perioden des Phänomens ſind in frühern
Zeiten ſchon beobachtet. Man glaubte, daß
es mit der Stärke des Zodiakallichts, mir der
Erſcheinung der Soñenflecken, mit Meteorſteinen etc.
im Zuſam̃enhange ſtände, welches Alles unrichtig
iſt.

Falſche
Theorien dabei.

Es ſind ähnliche Jdeen, als weñ Ritter
am Flakkern des Talglichtes die Pulſationen
der Natur erkeñen wollte. Von 1746–51
war die Erſch. des Nordlichts ſehr ſelten u.
die Mittelzahl iſt etwa 5.

Anzahl
der Erſch.

Von 1790–1816
waren ſie noch ſeltener, kaum 1 od.
in der Mittelzahl. Dieſe Beobachtungen sind
zwiſchen 48 u. 65° N.B. angeſtellt. Wir
wiſſen nicht, ob nahe am Pole, im Phänomen ſelbſt
dieſe häufiger ſind. Nach Pary haben die Jahreszeiten
Einfluß darauf u. er beobachtete
1824, in 180 Tagen 50 Nordlichter,
ſo vertheilt waren, daß im Novbr. 5
im Jan. 15–16 erſchienen. Wrangel beobachtete
im Oſten grade das Gegentheil. Ueber
das ziſchende Getöſe des Nordlichts iſt viel geſtritten
werden.

Ziſchendes
Getöſe des Nordlichts
.

Hunde ſollten ſich an der

Erde werfen u. heulen etc. Pallas läugnet dies
durchaus. Wrangel glaubt etwas gehört zu
haben bei jeder Erſcheinung. Egedl, der ſo
lange in Groenland lebte, hatte nie etwas
von dieſem Geräuſch vernom̃en. v. Buch
in Norwegen koñte keine Kunde erhalten von
irgend einen Getöſe, was das Nordlicht veranlaßt
. Hanſten ſpricht hingegen davon wie
von einer ganz ausgemachten Sache. Er will
gehört haben, daß die magnet. Materie beim
Ausſtrömen eine ziſchende Bewegung macht.
Das gleiche behauptet Herne. Franklin glaubt
daß in den nordiſchen Gegenden der Schnee ein ſolches
Geräuſch veranlaſſe. Es wäre möglich
daß einzelne Erſch. ein Geräuſch veranlaſſen,
andern nicht. Celſius u Wilke beobachteten
eine Beunruhigung der Nadel, die Andere
nicht finden. Die Bogen, welche die Strahlen
bilden ſtehen in der Abweichung des magnetiſchen
Meridians, bei uns von N.N. O
nach S.S.W. Aber häufig liegt bei viele
Nordlichtern das Centrum der Bogen im Nord-
Pole. Ueberhaupt herrſcht hierin noch
eine große Verſchiedenheit, u. man kan
noch den Zuſam̃enhang nicht finden. Perry
beobachtete keinen Einfluß des Phänomens
auf die Nadel, die aber grade an den Tagen
zu Paris beobachtet würde, wo Perry
das Nordlicht ſahe.

Einfluß
des Phänomens
auf die Nadel

Es iſt daher anzunehmen,
daß im Phänomen ſelbſt keine Wirkung auf
die Nadel ſich äußert, wohl aber in entferntern
Gegenden. Franklin hingegen fand beidem
Nordlichte ſtete Declination der Nadel
wie in Paris. Perry brachte auf dem
höchſten Maße eiſerne Spitzen an, die
in Condenſatoren geleitet wurden; aber
eine elektr. Erſcheinung wurde bei der
höchſten Trockenheit der Luft nicht bemerkt
deshalb kañ die magnetiſche Materie
im̃er in Zuſam̃enhange mit den elektriſchen
Erſcheinungen ſtehen.

Ohne
Einfluß auf
Elektricität.

Die Urſachen
des Phänomens ſind ſehr verſchieden angegeben
.

Urſache
des Phänomens

Pater Helle glaubte nur erhellte
Eiſtheilchen dabei zu erblicken. Mairon
glaubt, es ſind Wirkungen des Zodiakallichts
, welches in der Verlängerung der
Weltaxe wo die größte Rühe ſtatt
findet, ſtehen bleibt. Biot ſelbſt nim̃t
an, das der Eiſenſand, den die nördlichen
Vulkane auswerfen, dieſe leuchtende
Erſcheinung hervorbringt. Die Nordlichter
haben allerdings Einfluß auf unſern
atmoſphäriſchen Zuſtand. Franklin
behauptet, ſie ſtehen ſelbſt mit den

atmoſphäriſchen

Wolken in Verbindung. Die
Elektricität, die auf der Oberfläche der
Wolken ſtatt findet, war, ehe ſich dieſe
verdichteten, in jedem einzelnen kleinen
Bläſchen enthalten.

Elektricität
der Wolken

Alsdañ, weñ ſich
dieſe zu einer Wolke von mehreren Quadratmeilen
zuſam̃enballen, entſteht die
ſo bedeutende elektriſche Spañung. Damit
ſteht die merkwürdige Beobachtung
in Verbindung, daß weñ aus zwei ſtarken
Voltaiſchen Säulen ein elektriſcher Strom
gezogen wird u. in denſelben Kohlenſtücke
gehalten werden, eine Flam̃e von
3–4 Zoll hervorgebracht werden kañ
dieſe Flam̃e läßt ſich vermittelſt eines
Magnets vom Nordpol anziehen; wird
aber vom Südpol abgeſtoßen.

Zuſam̃enhang
mit dem Erd-Magnetismus
.

So
wird es deutlich wie die elektriſchen
Strahlen des Gewitters ſelbſt, vom Erdmagnetismus
gelenkt werden,
in der Richtung der Jnclination der
Nadel Anziehung erleiden.

(Fortſetzung folgt)
32. Vorlesung, 23. Februar 1828

Neuntes Heft.

Jn dieſer u. der nächſten Stunde werden
wir uns von den Erdbeben, heißen Quellen
u. Vulkanen unterhalten.

d. über die Erdbeben
heißen Quellen u. Vulkane
.

Dieſe einzelnen Theile
in Verbindung zu bringen iſt Zweck der Geognoſie
u. ich halte es für wichtig einen
ſolchen Schematismus zu geben u. die Erſcheinungen
ſo zu behandeln, um durch ein Aneinanderreihen
; Blick in den Cauſalzuſam̃enhang
zu bringen. Wir betrachten zu erſt

Eintheilung

1. Form u. dichte des Erdkörpers. Dieſe
Dichtigkeit erzeugt die Wärme, die hinwieder
zu den elektro-magnetiſchen Erſch. beiträgt
das Erdlicht iſt die Folge derſelben.

2. Veränderungen die auf der Erdoberfläche
als Folge der Veränderungen in Jñern
ſich geſtaltet.

3. Die Quellen, Waſſer, Luft u. Schlam̃-
Quellen u. als Uebergang zu den Vulkanen.

4. Betrachtung der äußern Rinde, wie
die Vulkane ſie verändern; die Geſchiebe
die verbreitet ſind da, wo ſie dem
Boden ſonſt ganz fremd ſind. Hierauf
folgt endlich das Erdoberfläche-Anſehen,
die Glieder der Continente, Bergketten,
Flußthäler etc.

Unterſuchung über die
Erdoberfläche

Die Unterſuchungen über die Erdoberfläche
ſelbſt haben die Alten ſo gut wie
uns beſchäftigt. Es gab unter ihnen Vulkaniſten
u. Neptuniſten. Heraklit war
erſterer u. die Joniſche Schule der letztern
Anſicht zugethan. Am Ende des vergangen
Jahrhunderts hat der Vulkanismus mehr überhand
genom̃en u. der Einfluß der Beobachtungen
ſelbſt hat dies Reſultat erzeugt.

Vulkanismus
hat hiebei jetzt die
Oberhand gewoñen.

So iſt man allgemein der Meinung, daß ſelbſt
Granit ein Produckt des Feuers iſt, unter
Einfluß einer großen Temperatur. Man
koñte einen geologiſchen Termometer anfertigen
von Neptuniſten u. Vulkaniſten, welches auch
Lamarque gethan. Leibnitz u. Buffon gehörten
zu letztern. Stabilität köñen in dieſer
Wiſſenſchaft nur die rühmen, die Stille
ſtehen u. Ruhe des Gemüths in dem Abläugnen
aller Erfahrung ſuchen. Araber gaben den
erſten Anſtoß der Wiſſenſchaft der Geologie.
Sie theilten jedoch dieſelben nur nach Farbe
u. ihrer Anwendbarkeit beim Bilden etc. ein
nicht nach der iñern Gattung u. Beſchaffenheit
. Dieſe u. die ganze Kriſtallographie
iſt erſt von Hay u. Weiſs näher
begründet worden.

Geognoſie
erſt ſeit kurzem als
Wiſſenſchaft behandelt.

Geognoſie oder Belehrung
über den Planeten ſelbſt, iſt als
neueſte Wiſſenſchaft kaum ſeit 40 J. betrieben
. Das glänzenſte Verdienſt um das
Studium der Gebirgsmaſſen u. Unterſuchung
deren Formation hat ſich Werner
in Freyberg erworben. Jch will hier nicht an
die geologiſchen Träumereien eriñern, die
nicht bloße Vermuthungen, ſondern reine
Spiele dichteriſcher Einbildungskraft ſind;
wie Zb. bei den Pythagoräern, die die
phyſiſche Geographie mit religiöſen Dogmen
verſetzten, wodurch das einfache Anſchauen
der Natur geſtört wurde, wie bei Etruſkern.
Es iſt ſehr ungewiß ob unſer Geſchlecht bei
der großen Kataſtrophe ſchon vorhanden
war u. durch Jnſeln zerſtreut u. getreñt
wurde. Allenthalben ſind die alten Sagen
übereinſtim̃end, von Deucalion bis zu
dem Amaliraka am Orinoko. Jetzt iſt
die Nahrung der Phantaſie vorbei, die
Beobachtung der Natur iſt vorurtheilsfreier
, u. die relig.

Beobachtung
der Natur jetzt
vorurtheils frei

Ueberzeugung iſt nicht
mehr anhängig von den phyſikaliſchen Erſcheinungen
. Jch gehe jetzt über zu den
Erdbeben.

von der Erdbeben

Die Definition deſſelben lautet.
Erſchütterung der feſten u. flüßigen Theile
der Oberfläche durch unterirdiſche Urſachen
. Obwohl der Ozean 6–7000 Tiefe
hat, ſo habe ich doch ſelbſt in der Südſee
ein Erdbeben empfunden, welches eine
ſonderbare Vibration des ganzen Schiffes
veranlaßte. Man war ſehr geneigt die
Erdbeben Local-Urſachen zuzuſchreiben
u. man nañte bei jeder Stadt einen Berg
der dieſe veranlaſſen ſollte. Die Beobachtung
iſt dieſer Meinung entgegen u.
Erdbeben ſind ein allgemeines Phänomen.

Allgemeines Phänomen

Alles was man von vorhergehenden Anzeigen
Windſtille, Barometerſtand, röthlichen
Horizont ſagte, dies iſt alles falſch.
Da, wo ſo viele Erdbeben ſtatt finden,
daß man ſie in einer Wache nicht zählt,
fallen ſie oft vor bei dem heiterſten Him̃el,
ohne irgend ein Anzeichen. Als das große
Erdbeben von Rio Bamba war, welches
30–40,000 Eingebornen in einer Secunde
das Leben raubte, da trat bald durch
die Regenzeit ein. Selbſt die kleinen ſtündl.

Variationen des Barometers verändern

ſich bei keinem Erdbeben, ſondern es
bleibt im Steigen weñ es im Steigen iſt
u. ſo umgekehrt.

Erdbeben mit
Getöſe verbunden

Die Erdbeben ſind häufig
mit Getöſe verbunden. Die in Jtalien
köñen aber gar nicht mit denen in Quito
vergleichen werden, welches ganz ausgeholt
iſt. Dies Getöſe iſt oft raſſelnd, hell
tönend wie Kettengeklirr, oder als weñ
ungeheure Glashaufen über einander rollen.
Oft iſt es gar nicht mit Erdbeben begleitet
Ein merkw. Beiſpiel von ſolchem Getöſe
war 1784. Es währte 3 Monate lang
u. war erſt ſchwach, deñ im̃er ſtärker.
Jn den Bergwerken war es nicht lauter
u. gefüllte Waſſergläſer wurden nicht im

ven beunruhigt. Das ganze Phänomen

war auf ¼ Meile eingeſchränkt
da, wo hauptſächlich Silbererge zu finden,
u. hörte nach u. nach ohne Erſchütterung
auf. Hiemit ſtehen in Verbindung die Getöſe
die gehört werden, weñ Vulkane einen
ſtarken Ausbruch haben, in einer Entfernung
noch wie von Rom bis Berlin. Nach
der Zerſtörung von Caracas hatte der
Vulkan von St. Vincent große Ausbrüche
u. in einem Raume von 3000 Ml. war die
Getöſe zu hören. Ein ähnliches Phänomen
war 1744 als der Vulkan von Cotapaxi
ausbrach, u. in einer Entfernung wie von
hier bis Sibirien, war das Getöſe zu
hören. Weñ man glaubt, daß durch die
Fortpflanzung des Schalles dies Getöſe zu
hören wäre, ſo müßte in Betracht der
Tiefe, Flüſſe u. Höhen, die er Durchlaufen
mußte, die Stärke deſſelben in der Nähe
des Vulkans ſchreklich ſein; dies iſt jedoch
nicht der Fall, ſondern er iſt dort nicht ſtärker
. Es iſt dies nur aus den iñern
Spalten in der Erde zu erklären, die
den Schall fortpflanzen. Bei Erdbeben
hat man die magnetiſche Kraft beobachtete
Die Jnclination der Magnetnadel ändert
ſich dadurch u. bleibt Jahr u. Tag gleich.

Bewegung
der Oberfläche
bei einem Erdbeben

Bei den Erdbeben nahm war eine Bewegung
von unter nach oben u. dañ ein Schwanken
an. Dies iſt eine falſche Vorſtellung,

denn bei Uhren mit Pendeln verſehen, iſt

während des Erdbebens nicht zu merken,
daß mehre Bewegungen mit einander verbunden
ſind. Quito, am Fuße des Pichincha
Vulkans hat prächtige Häuſer von drei
Stuck u. erleidet ſtarke Erdbeben, aber
es werden nur Riſſe an den Gewölben
bemerkt; die Bewegung muß daher ſehr
gleichmäßig erfolgen. Jn Lima hingegen
köñen nur leichte Häuſer gebaut werden,
in dem die größere Häuſer leicht zerſtört
werden; obgleich die Erdbeben dem
Gefühle nach nicht ſtärker als in Quito ſind.
Die Erſcheinung iſt dabei auffallend, daß weñ
auf einer Stelle Zb. Kohl u. neben an, Getraide
ſteht, die Felder oft mit einander verwechſelt
werden, u. eine Veränderung des Eigenthums
ſtatt findet, was oft Streitigkeiten
veranlaßt.

Bewegung
der Oberfläche
in die Höhe.

Eine andere Bewegung iſt die
in die Höhe u. dañ plötzliches Verſinken.
Dies erfuhr Rio Bamba eine Stadt mit 10000
F. die 3 ſtöckige Häuſer u. große Kirchen
hatte. Alles war ſo verſunken, daß ich

keinen Schutthaufen fand, der höher als 5 Fuß

geweſen wäre. Jch habe Perſonen geſprochen
die Tag unter den Trum̃ern gelebt. Da nicht
ſo viel Menſchen waren um Alle aus dem Schutt
zu graben, mußten viele verſchmachten u. die
Geiſtl. ertheilten den Unglücklichen durch die
Schornſteine u. Spalten die Absolution. Erdbeben
ſind häufiger da wo Gebirge ſind
u. ſie pflanzen ſich oft 4–500 Ml. fort.
Jn den großen Continenten hat man hiervon
weniger Beiſpiele.

Folge
der Erſcheinungen

Wer in dem Jñern eines
Kraters geweſen, der leicht zu beſuchen iſt,
hört zuerſt ein Getöſe, dañ folgt eine
Erſchütterung u. dañ der Schlacken auswurf
. Vulkane köñen daher als Sicherheitsklappen
für die elaſtiſchen Dämpfe
angeſehen werden u. die Provinz Quito
würde glücklich ſein, weñ der Chimborazzo
noch ein Vulkan wäre. Jm Kalk ſowohl
als im Gneis finden Durchbruche ſtatt.
Caracas ſteht auf erſterm u. 1812 wurde
es zerſtört. Durch die Fortpflanzung der
Bewegung müßen ſich die Spalten allmählig
erweitern. Einzelne Gegenden mitten
unter Vulkanen werden nie erſchüttet.
So iſt bei Cumana eine Halbinſel, die ſelbſt
1798, als die ganze Küſte bebte, nicht erſchüttert
wurde u. ſeit der Zeit im̃er erbebt.
So auch in Bogota, welches früher nie u.
jetzt ſtark von Erdbeben leidet. Vulkane
vermindern ſehr dieſe Gefahr u.
dies erkañte man ſchon im Alterthum.

Vulkane
vermindern die
Gefahr des Erdbebens.

Strabo ſagt, daß, als auf Negroponte
in der Ebene ein feuriger Schlam̃ ausbrach
, ſeit der Zeit die Erdbeben dort
aufhörten. Sie wirken nicht bloß dinamiſch
, ſondern ſind auch von chemiſchen
Erſch., Flam̃en u. Rauch begleitet. 1755
bei dem Erdbeben zu Liſſabon rauchten
die Berge von Vedras. Während deſſelben
ſteigen oft Hügel auf, die aus verwittertem
Porphyr zu beſtehen ſcheinen. Sie
ſind jedoch gekohltes Waſſerſtofgas
u. gleichſam eine animaliſche vegetabiliſche
Subſtanz. Ob Electricität damit
in Verbindung ſteht, iſt ſehr geſtritten
u. man hat ſelten eine Veränderung derſelben
wahrgenom̃en. Bei dem Vulkan im
Thal Clusce, im Piemontesiſchen, der 8
Monate lang auswarf, u. wo 60 Stöße oft
in einem Tage gezählt wurden, bemerkte
man jedoch eine beträchtliche Elektriſche
Spañung. Es ſind elaſtiſche Flüſſigkeiten
die einen Ausweg ſuchen, die ſolche Erdſtöße
veranlaſſen.

33. Vorlesung, 27. Februar 1828

Von dem Ausſtoßen gasförmiger Flüßigkeiten
kom̃en wir zu den Quellen die mit
aufgelöſeter Kalkerde verſetzt ſind, u. wo
wir den Anfang der Gebirgsarten täglich
unter unſern Augen bilden ſehen köñen
Von da folgt der Ueberganz zu den eigentlichen
Vulkanen, oder Ausbrüchen aus Trachit kegeln
u. zu dem körnigten Geſtein.
Von den

Quellen
Jch erwähnte

, daß Erdbeben dinamiſch erſchüttern u.
allein erſchüttern, ſondern die Oberfläche in eine
andere Zuſtand verſetzen, in dem ſie ferner
beharret. So wurden bei einem Erdbeben
in Chili Kalkſtein-Felsen längſt dem Meeresufer
erhoben, die noch jetzt 5 Fuß hoch ſenkrecht
ſtehen. Häufig ſieht man Korallenfelsen
hoch aus dem Meere gehoben. Schon an einem
andern Ort erwähnte ich, daß die Schwediſch
Küſte ſich bedeutend gehoben u. zwar in 100 Jahren
etwa 3–4 Fuß. Dieſe Erſcheinung iſt keineswegs
widerſprechend dem gegenwärtigen Zuſtande
der Wiſſenſchaft. Von dieſen dinamiſchen
Kräften gehen wir zu den Quellen über, u.
zwar zu den höchſten Quellen u. als dañ zu
den Vulkanen.

Von den heißen
Quellen

Jn der temperirten Zone
iſt eigentlich jede Quelle eine Termalquelle
weil ſie alle eine höhere Temperatur wie
die äußere Atmoſphäre haben. Die Quellen
die bis zum Südpunkte heraufreichen, ſind
Niederſchläge von Dämpfen u. kom̃en alle
aus Urgebirgen. Die Granitquellen in Quito
haben 72° R. Wärme, die in Guanaxuato
aus einem Baſalt-Konglomerat fließende,
enthält 77°, in den Klüften ſelbſt 80°.
Die Quelle auf dem Kantal-Gebirge 70°.
Daß dieſe Quellen wirklich Niederſchläge
von Dämpfen ſind, iſt daraus zu ſehen,
daß ſie das reinſte diſtillirte Waſſer
enthalten, ohne durch Reagentien irgend eine
Beimiſchung zu geben. So ungewiß es iſt
ob Stickgas in den Aachner Gewäßern iſt, ſo
giebt es doch Quellen die ſelbiges enthalten.
Merkwürdig iſt es hingegen, daß freie Schwefelſäure
in einigen enthalten iſt. So fließt
eine ſolche Quelle zu Popaian in den Fluß
Kauka u. in dieſer Gegend ſterben alle Fiſche.
Jn den Kraterseeen von Java findet man
ſelbſt Salzſäure. Man hat merkwürdige
Beiſpiele von dem Zuſam̃enhange dieſer Quellen
mit Vulkanen. So gab es auf der Cherullio-
Ebene zwei Bäche, die beide bei dem Ausbruche
eines Vulkans 1759 verſchwanden u.
die jetzt weiterhin aus dem Boden quellen
u. heiſſes Waſſer enthalten. Merkwürdig
ſind die meiſten Termalquellen in Hinſicht
der verſchiedenen Subſtanzen u. Heilkräfte.
So haben die Carlsbader Waſſer 12 beſtandtheile
. Flußſpatſäure, Strontion etc. etc. So
findet ſich Flußſäure in allen Glim̃ere.
Nach einem Lösungs-Proceſſe führen alle
zu den Geſteinen die der Oberfläche der Erde
näher ſind. Jm Allgemeinen iſt die Anwendung
der warmen Quellen noch nicht zur Klarheit
gekom̃en. Viele haben die Wirkung derſelben
in Wundern geſucht. Man fabelt, daß die
natürl. warmen Gewäſſer ſich weniger abkühlen
als die künſtlich erwärmten; daß
ſie keinen Schaden thun, weñ man ſie noch ſo
heiß in den Mund nim̃t; daß etwas bei ihnen
noch ſei, was man nicht ſieht u. dgl. Die
künſtliche Zuſam̃ensetzung der Waſſer von
Struve vertritt ganz deren Stelle.

Künſtliche
Bildung derſelben.

Merkwürdig
iſt deſſen Verſuch die Gebirgsarten

wo waren Quellen zu finden, mit diſtilirtem oder kohlenſäuren Waſſer,
bei einem Druck von zwei oder drei Atmosphären

, auszulangen. Zb. Baſalt etc. die
Theile vermiſchten ſich als dañ u. geben vollkom̃en
die künſtlichen Waſſer. Jch eriñere
hier an den Geÿser, wo die Kieſelerde ſo
groß iſt, daß ſie 0,3 ausmacht. Jn
den Quellen findet man ſtets eine animaliſchvegetabiliſche
Subſtanz, die nicht durch
organiſche Stoffe gebildet iſt; ſondern
die nur bei der chemiſchen Analyse daſelbe
giebt, was animaliſche Subſtanzen ergeben.
So lange man keinen Begriff von der Wärme
des Jñern hatte, ſo hielt man die heißen
Quellen für örtlich. Einige wollten ſie für
die Wirkung verſchiedener Schichten halten, die
im iñren der Erde wie galvaniſche Säulen
wirken. Dies iſt eine ganz unphyſiſche Hypothese
, indem bei dem Contact dieſer Schichten
oder leitenden Gänge, ſtets Entgegensetzung
vorhanden ſind, wodurch eine Kraft die
andere neutralisirt. Merkwürdig iſt es
daß die Termalquellen oft eine geringe
Quantität fixer Beſtandtheile enthalten
u. doch kräftig wirken. So enthalten die
hiesigen Bruñenwaſſer ſämtlich 3–12°
fixer Beſtandtheile u. Fliesberge Pfeffer,
kaum 3°. Viele Quellen erleiden im Laufe
der Zeit große Veränderungen durch die
Spalten die ſich im Jñern der Erde öffnen
u. Gasarten hinzuführen, die ſich im
Waſſer auflösen. Andern Quellen ſtoßen
blos Luft aus, wohin die Naphta-Quellen
bei Baku etc. gehören; mehrere haben eine
inflam̃able Luft, Waſſerſtoffgas, u. bieten
die älteſte Art der Gasbeleuchtung dar.

Quellen
ſtoßen Luft aus
Ueber ſolche Luftquellen ſind die Tempel

des Brama am Himalaja-Gebirge gebaut
in denen das ewige Feuer breñt. Wir
wollen jetzt einiges erwähnen, was
die Quellen hervorbringen.

Was die
Quellen hervorbringen
.

Einige bilden
Becken von Baſalt, andere erheben
ganze Hügel von Tuff, mit Vegetabilien
eingeben. Jn Peru iſt eine heiße Quelle
die eine ordentliche Mauer gebildet u.
in der Höhe jetzt fließt auf einen benachbarten
Hügel. Anſtatt Waſſer ſtößt an
vielen Orten die Erde nur Koth aus. Jn
Girgenti ſind ſo Lettenhügel von 200 Fuß
Höhe gebildet mit kleinen Kratern, aus
denen ſich Gas entwickelt. Jn Columbien
bei Tobako in einem Flötzgeſtein erheben
ſich Kegel von 10–12 Fuß Höhe, die
ſich ſenken u. heben u. die auf ihre Spitze
einen kleinen Krater von 8–9 Zoll Durchmeſſer
haben, der mit kaltem Waſſer gefüllt
iſt. Es iſt eine alte Tradition, daß
früher dabei Flam̃en geſehen wurden.
Dieſe Kothvulkane hängen mit der Erhebung
von Jnſeln zuſam̃en, die aus Lettenſchichten
beſtehen. Die eigentlichen Vulkane ſtehen
dabei in genaueſten Verbindung mit der
Hervorbringung der Gebirgsarten. Sehr
fälſchlich wird der Name Vulkan auf einzelne
Eruptionen angewandt. Jſt das
Phänomen eines Vulkans in Vollſtändigkeit,
ſo iſt ein Kegel da von Trachit, der,
weñ er permanente Oeffnungen hat, mit
den Erdſpalten in Verbindung ſteht, aus
denen die Erdarten flüßig wie Quellen
fließen. Die Provinz Quito iſt besonders
merkwürdig wegen der Ausbrüche.
Das ganze Hochland iſt gleichſam eine
Glocke von Trachit mit mehren Eſſen.
Jeder Vulcan muß jedoch als ein eigenes
Centrum betrachtet werden. Dieſe
Vulcane ziehen von Norden nach Süden
mit ganz eigene Ausbrüchen. So iſt der
Vulkan von Teneriffa ein Central-
Vulkan. Weñ gleich an andern Bergen
die düñe Felsſchicht durchbrochen wurde,
ſo ſchloſſen ſich doch dieſe wieder u.
der Centralvulkan blieb im̃er geöffnet.

34. Vorlesung, 1. März 1828

Bei dem großen Studium der Geognoſie muß
man ſich nie im Einzelnen verliehren, ſondern
den Causal-Zuſam̃enhang des Ganzen
zu behalten ſuchen. So ſahen wir bei dem
Erdbeben das bewegliche, entgegengeſetzt
dem Starren, wie es uns gewöhnlich erſcheint
, oder wo es die Stunde durchbricht
u. Luft, Waſſer, Schlam̃, Steine oder
geſchmolzene Erde, die nur als intermittirende
Quellen von ſehr heißen Subſtanzen betrachtet
werden müſſen, hervor treibt. Wie man
im organiſchen von dem einfachen zum zuſammengeſetzten
übergeht, ſo muß man auch
hier dieſen Gang befolgen. Jn einer Gruppe
finden wir hier dieſelben Erſcheinungen die wir
bei andern beobachten. Der Ausbruch heißer
Quellen iſt mit Erderſchütterungen häufig
begleitet. Oft zeigt ſich bei Gasquellen
der Ausbruch von Feuer. Noch keñen wir
nicht genau die Luftquellen von Baku, ob
dieſe ſich ſelbſt anzünden, oder erſt angezündet
werden, wie letzteren bei den Quellen in Jtalien
der Fall iſt. Die Ausbrüche aus den Trachitkegeln
vereinigen endlich alle vorhergehenden
Erſcheinungen.

x Südl. von Cuba liegen zwei Jnſeln
genañt die Gärten des Königs u. der König im
auf deren Oberfl. ſich Conglomerate bilden
einfach u. zuſam̃engeſetzt, allenthalben verſchieden
geſtaltet.

Sie ſtoßen Flam̃en aus, Luft etc.
u. endlich die ihnen eigenthüml. Materie, die
an der Luft erſtarrt. Die unterirdiſchen
Kräfte bringen hervor u. erzeugen wie
Alles Organiſche. Sie binden neue Verbindungen
, ſie ſind Urſache der Bewegung ſelbſt etc.
Sie ſchieben das Getreñte zur Oberfläche.
Das Erſtarren des Beweglichen, des Flüßigen
durch Erkältung oder Druck von Erdſchichten
oder Waſſermaſſen iſt Bildung von
Gebirgsarten. Dieſe
werden hervorgebracht

unter unſern Augen entweder durch Quellen, Zb. in Travertino

bei Rom, u. in den Cascadellen von Tivoli,
wo ſich kohlensauren Kalk um vegetabiliſche
Subſtanzen häuft, oder durch Anſchwemmungen
wie Zb. der Tuff.

Wir ſehen Gebirge entſtehen u. Felsarten
auf organiſchem u. unorganiſchem Wege:
1. Süßwaſſer-Proceß, als Folge des Niederſchlags
nach vorhergegangener Auflösung, oder
durch Anſchwem̃ung.
2., Durch den Proceß der unorg. Kräfte. Die
Vulkane ſelbſt bringen hervor Laven,
Porphyr, Conglomerate, Schlam̃ etc.
3., durch den Proceß org. Wesen, daß Korallenformationen

emporſteigen u. gehoben

werden u. verwittern.
Hiebei ſind nicht allein die einfachen Gebirgsarten
ſondern auch die Conglomerate eingeſchloßen
x (ſ. oben)

Aus ſolchen Quellenformationen
iſt Rom erbaut, u. dieſe Süßwaſſerformation
iſt ſo hart, daß die Politur
añim̃t. Ebenmäßig ſtoßen Kothvulkane
oder wirkl. Vulkane Letten aus, wie
Zb. im Becken von Böhmen, Lehm auf Baſalt
gelagert iſt u. das körnigte Geſtein unter
liegt. Die Vulkane
wollen wir jetzt
unter drei Gesichtspunkte bringen:

Zu einem Vulkan gehört eine permanente
oder lang dauernde Verbindung mit dem
Jñern der Erde

ad. 1. Die Trachitkegel ſind durch Baſalt u.
Lava verſteckt. Die Jnſeln heben ſich
plötzlich u. nicht allmählig hervor, wie
dies oben die in Tuff verſteinerten Seethiere
zeigen.

1. Jn Hinſicht ihrer Entſtehung. Sie köñen
ſich als Jnſeln aus dem Meere hervorheben
oder im Trocknen entſtehen, obwohl uns von
letztern, als auf dem trockenen Boden des
Luftoceans entſtanden hiſtoriſch nichts bekañt
iſt.

Drei Gesichtspunkte
unter denen die Vulkane
zu betrachten ſind.

2. Jn Hinſicht ihrer vollen Wirksamkeit oder
Thätigkeit in reiferm Alter, wo dieſe
entweder periodiſch eingeſchränkt iſt, oder
wo ſie ſelbſt Jahrhunderte lang ruhig
bleiben
ad 3. Jm Jñern der Krater entſtehen

oft Seen.

3., in Hinſicht ihres veralteten Zuſtandes, wo
ſie als Solfataren erſcheinen u. nur noch
Schwefel hervorbringen, in welcher Beſchaffenheit
ſich Zb. der Pic von Teneriffa befindet.
Es iſt eine alte Beobachtung, daß das, was
auf der Oberfläche uns in Erſtaunen ſetzt
nicht uns dem Vulkan-Kegel ſelbſt, ſondern
von Ferne herkom̃t. So ſagt Seneca ſehr
richtig, der Aetna enthalte nicht ſelbſt das
vulkaniſche Feuer, ſondern ſei nur der
Weg deſſelben. Von der Entſtehung der Vulkane
im Meere haben wir ſelbſt in neuerer
Zeit einige Beiſpiele.

Entſtehung
der Vulkane

Der große Geognoſt

Herr etc. v. Buch hat zuerſt die richtige Jdee aufgefaßt

von deren Erhebung im Meere. Es
iſt ein großer Unterſchied zwiſchen Erhebung
u. wirklichem Ausbruch. Die iñere elaſtiſche
Flüßigkeit bricht den Boden, erhebt
ihn u. dañ kom̃t erſt in einigen Tagen
der Ausbruch ſelbſt. Jſt letzteres nicht
der Fall ſo erhebt ſich nur eine Kuppel.
Erſt im Ausbruche u. der Spalte ſelbſt erhebt
ſich der Trachitkegel oder der Erhebungskrater
. So iſt die Küſte auf Palma ganz parallel
den Rändern dieſes Kraters. Aus
demſelben werden die gewaltigſten Blöcke
geſchleudert; weiterhin erhebt ſich alsdañ
Baſalt. So iſt der Pic von Teneriffa
ganz von Bollwerken umgeben u. der Mantel
der ihn um giebt iſt ganz porphyrartiges Trachitgeſtein
. Köñen die obern Schichten ſich
nicht weiter dehnen, ſo zerreißen ſie u.
bilden tiefe Thalgebiete. So iſt auf der
Jnſel Amſterdam noch kein Trachitkegel im
Krater gebildet, ſondern dieſer beſteht aus
einem bloßen Ringe. Auf der Jnſel Santorini
wurde eine große Maſſe Thonſchiefer herausgebracht
u. hier kañ man die Natur belauſchen
, was ſie noch jetzt thut. Ein Trachitkegel
koñte aber noch nicht entſtehen. Bei
dem Ausbruch von 1709 ſahe man daselbſt
ganz deutlich keinen Schlacken auswurf, ſondern
einen Felsen ſich hervorſchieben, aus desſen
Spalten Feuer ſtrömte. Bei den Azoriſchen
Jnſeln glaubte man bei der Entſtehung
der Vulkane ein Geſetz zu entdecken. Es
entſtand 1638 daselbſt eine Jnſel
, die 1719
wieder verſchwand.

Sabrina

1811 kam dieſelbe
wieder. Hienach wurde die Dauer dieſer
Erſcheinung 81–92 J. Zeit betragen. Die
Tiefe aus den ſich die Jnſel erhebt, iſt
2–300 Fuß u. da die Erhebung über
das Waſſer eben ſo viel beträgt, ſo iſt
das ganze Reizen u. Sinken 600. Es
iſt möglich daß die Dünſte eine gewiße Zeit
erlangen müßen um ſo kräftig zu werden
, einen ſolchen Dom hervorzuheben.

Erhebung
des Meeresboden

Aehnliche Phänomene zeigen ſich häufig im
Meere ohne das Jnſeln grade entſtehen. Bei
dem heiterſten Wetter erhebt ſich zuweilen
ein gewaltiges Tosen u. Brausen im
Meere, daß ich ſelbſt in Lima aufgeſchreckt
wurde durch das Getobe des Meeres bei
ganz heiterm Him̃el. 1731 kamen eine Menge
todter Fiſche auf die Oberfläche. An andern
Orten war das Meer ¾ Ml.
weit im Golf von Mexico erwärmt u.
man kañ ſich einen Begriff von der untern
Hitze machen, weñ aus ſo großer Tiefe die
Wärme noch nach Oben ſteigt. Man ſah auch
ſchon Flam̃en aus dem Meere ſteigen, ohne daß
dabei eine Jnſel ſich erhob. Dies iſt ſehr ſchwer
zu erklären. v. Buch meint ob die Metalloiden
der Alkalien dies nicht veranlaſſen ſollten, die
erſt auf der Oberfläche explodirten. den
Ausbrüchen auf dem Continente iſt die Nähe
der Vulkane an den Meeren merkwürdig u.
man glaubte, daß letzteres im̃er im Zuſam̃enhange
mit Vulkanen wirkte.

Nähe der
Vulkane bei den
Meeren

Doch iſt die Nähe
der Meere nicht im̃er ſo gering. Jn Mexico
iſt ein Vulcan 32 Ml. vom Meere entfernt
Jn den Anden habe ich ſelbſt einen Vulkan beſucht
der 40 Ml. entfernt war. Jm iñern von
Africa iſt ein Vulkan 120 Ml. von Meere
entfernt, u. Klaproth u. Remusat haben aus
chineſiſchen Schriftſtellern entnom̃en, daß unter
42½° N.B. Weſtl. von Turton ein Feuerberg
Hochan bei Tſchutſche vorhanden iſt, den
270 Meilen vom Meere entfernt. Er ſoll
Steine ſchwelgen, Feuer ſoll von ihm fließen
u. feurige Rauch ſoll er hervorbringen. Es
iſt möglich, daß in der Nähe dieſes Berges große
Seeen vorhanden ſind, obwohl die Nothwendigkeit
des Waſſers dabei keine Erklärung
zuläßt, die ſich mit der Phyſik vorträgt.
Vom Emporſteigen des Vulkans iſt Monte
nuovo 1538 ein Beweis, wo die ganze
Maſſe des Berges ein Schlackenhügel iſt u.
wo der Erguß der Lava im Rande der
Erhebung ſtehen geblieben iſt. 1302 war
ein großer Ausbruch in Jſchia. Es erhob
ſich ein Trachitkegel u. es iſt möglich, daß
dieſer permanenter Vulkan wurde u.
der Vesuv ſich alsdañ ſchlöſſe. Ein merkwürdiges
Phänomen fand in der Nähe des
Vulkans von Cherullio ſtatt. Jn der ſchönſten
Ebene, in deren Nähe Baſalt u. Trachit
zu finden u. die mit Jndigo u. Caffen
bepflanzt war, bildete ſich unter ſchreklichem
Krachen große Klüfte aus denen Bim̃ſtein
geſchleudert wurde. Dañ erhob ſich eine
Kegel gleichſam wie eine Blase, von
300 Fuß Höhe, gegen den Vulkan, u. es
entſtanden zugleich die ſchon erwähnten
Oefen Ornitos 3–4000 kl. Lettenkegel
, die man von Ferne für Hütten
halten muß. Jn dem reifern Alter
der Vulkane muß man wohl unterſcheiden
ihre Thätigkeit u. Conſtruction.

Vulkane
im reifern Alter.

Jn
Stromboli bemerkt man im Vulkan in jedem
Augenblick ein Getöſe u. jede 6–7 Minuten
erfolgt eine Eruption. Schon von Strabo u.
noch in frühern Jahrhunderten wurde dies
beobachtet. Solche pulsirenden

Lichterſcheinungen

haben ſich bis jetzt Millionen mal

wiederholt. Vesuv hat häufigere

Eruptionen

als Aetna, Aetna wieder häufigere
als die Vulkane Amerikas, wo oft 70
J. vergehen, ehe ein Rauch hervorbricht.
Es ſcheint als weñ die Dämpfe nicht mehr bis
zu der bedeutenden Höhe getrieben werden
köñen; eben ſo wenig ſtehen die Kegel
frei, oder haben an den Seiten, Spalten;
auch ſieht man ſehr ſchwer den Dampf in
ſo großer Höhe, wo die Luft ſo trocken
iſt. Jn der Regel iſt es auch Waſſerdampf
u. nicht Rauch was man erblickt. Bei den
höchſten Trachit-Domen muß man wohl
unterſcheiden die mit Oeffnungen, von denen
ohne Oeffnungen. Chimborasso iſt kein wirklicher
Vulkan, ſondern nur ein Seiten-
Vulkan. Von Allen die geſpiene haben
iſt der höchſte der Cotopaxi 17,700 Fuß,
u. der Popotepetekel der 17,600 Fuß Höhe
hat.

höchſte Vulkane

Man ſtellt ſich die Vulkankegel riesſteiler
vor, als ſie wirklich ſind. Man
findet beim Aetna, Vesuv, Pic von Teneriffa
daß ſich der Umfang zur Höhe, wie
28 : 1 verhält, welches nur einen Abhang
von 10–12° Steilheit ergiebt.

Anſehen
der Vulkane

Man muß
jedoch die Größe des Aſchenkegels mit dem
Vulkan ſelbſt vergleichen. Des Aſchenkegels
wegen ſind oft kleine Vulkane ſchwerer zu
erſteigen als größern. Beim Vesuv iſt der
Aſchenkegel der Höhe, beim Pic v. Tener
nur 1/9. Viele haben Zeichen den Ausbrüche
geſucht u. mit der äußern Atmoſphäre ſie in
Verbindung bringen wollen. So glaubt
man in Neapel ganz fälſchlich, daß dieſe im
Herbſte häufiger als im Frühling wären.

Ausbrüche
nicht an die

Jahreszeiten

gebunden.

Die Vulkane entſtehen aus viel größern
iñern Wirkungen, als daß ſie von der äußern
Luft abhängig ſein ſollten. Bei Stromboli
kañ es vielleicht der Fall ſein, das häufigere
Niederſchläge die Waſſerdämpfe vermehren
u. Ausbrüche dadurch häufiger veranlaſſen.

Sichere

Vorzeichen

des Ausbruchs

Ein ſicheres Zeichen iſt das Ausbleiben der
Quellen. So bleiben die Quellen von Resina
aus, weñ der Vesuv ausbricht. Neue
Klüfte die ſich öfnen, köñen ſehr leicht
den Quellen im Jñere eine andern Richtung
giebt. Der Pic v. Teneriffa iſt
ein mächtiger Vulkan, allein der Krater
iſt ſo klein, daß er nur 300 Fuß Durchmeſſer
hat. Den größten Krater
hat der Vulkan Pichincha in Quito
4200 Fuß Durchmeſſer.

größter
Krater

Er iſt becherartig
u. dabei ungleich geformt,
daß der Rand noch einen kleine
Thürme bildet. Zwiſchen dieſe ſind Spalten
von einigen Hundert Fuß Tiefe, die voll Schnee
liegen, den man nicht zu betreten wagen
darf, ſeiner Schaum artigen Düñigkeit
wegen. Sehr ſchwierig ſind dieſe Thürme
zu beſteigen u. als ich ſelbſt behufs der
Meſſung des Kraters einen ſolchen erklom̃,
fand ich die obere Fläche deſſelben nur
8–9 Fuß breit, ſo daß ich ſofort mich

niederlegen mußte, um nicht zu

verunglücken

.

35. Vorlesung, 5. März 1828

Jch fahre fort in der Beſchreibung der Vulkane.
Wie ſchon geſagt iſt Cotopaxi der höchſte Vulkan
u. 5 mal ſo hoch als der Vesuv u. mal
ſo hoch als der Pic von Teneriffa. Man muß
aber den Aſchenkegel von dem Berge ſelbſt unterſcheiden
u. der nim̃t ab mit der Größe des Berges
. Kleinere Vulkane haben daher mehr Auswürfe

.

Der Aſchenkegel des Vesuv iſt 1338 Höhe 3750 des Aetna 1020 10,200 des Pic 114 11,420 Die Ebene von Antiſana die 12000 Fuß hoch

iſt u. wo viele Erdbeben geweſen, iſt nie
Lava zum Vorſchein gekom̃en. Eben ſo hat
Chimborazzo an den Seiten Spalten, aber er
iſt ohne Laven u. mehr ein Luftvulkan

Die Wände
des Kraters beſtändig

Man glaubte daß die Krater unbeſtändig
in ihren iñern Wände wären, welches aber nicht
gegründet iſt. So maß Saussure 1778 den
Rocca del Paro in Veſuv, 1805 wurde
er von v Buch u. nur gemeſſe u. gleich hoch
gefunden, 1822 maß ich ihn wieder u. fand
daß er eher höher als niedriger geworden.
Die Keñtniß von der Tiefe des Kraters
haben wir Herrn v. Buch zu verdanken, wie
überhaupt ſämtl. Grunde die von den
Eruptionen u. deren Erklärung handeln. Die
Tiefe des Kraters richtet ſich nach den vorangegangenen
Lavaausbrüchen, der Boden des
Kraters kañ oft höher als der Kraterrand ſtehen
.

Tiefe u.
Boden des
Kraters

Er iſt mit einem Thal auf dem Gipfel des Berges
zu vergleichen, in welchem viele Schlacken
kegel ſtehen. Einige reichen ſelbſt über den
Rand heraus u. werden fälſchlich mit der
Höhe des Berges verwechſelt. Ein ſolcher
nim̃t oft ab, u. 1822 ſtürzte beim Vesuv
der Schlackenkegel ein. Er wurde ſeit 1760
den er 200 Fuß Höher als der Rand war
im̃er für den Gipfel des Vesuvs gehalten
u. man wollte in ihm ſelbſt wieder einen
Krater bemerken. Er wurde im̃er höher
bis zu ſeinem Einſturz, u. 6–700 Fuß wurde
darauf der Berg niedriger dem Anſchein nach.
Die Dicke des Kraters iſt ſehr beträchtlich.
Merkwürdig war es, daß in einer Nacht, im
J. 1804, der Cotopaxi ſeine ganze Schneehülle
verlor u. als ein großer ſchwarzer Schlackenkegel
erſchien. Die Hitze koñte wohl nicht ſo groß
ſein durch die dicke Krater-Rinde zu dringen,
es waren vielmehr Spalten u. Riſſe in derſelben
, welche die Wärme durch ließen. Man
darf im̃erhin glauben, daß dieſe Ränder
u. Steinmaſſen als Schichten gebildet, wahrſcheinlich
unter dem Waſſer entſtanden ſind.
Die Spalten u. Riſſe wurden alsdañ abermals
mit Lavaſtrömen ausgefüllt.

Erſcheinungen
bei den
Eruptionen

Nach den Eruptionsgeſetzen
gehen die Erdbeben derſelben
voraus. Weñ dabei Gebäude Riſſe bekom̃en
ſo iſt dies nicht im̃er Folge der Erdbeben
ſondern der Erſchütterung der Luft ſelbſt.
Zuletzt erfolgen die Lavaausbrüche, die

selten aus den Kratern ſelbſt, ſondern vielmehr

aus den Seitenſpalten hervorbrechen.
Jm Waſſer bilden dieſe Lavaſtröme Schichten.
Dieſe Ausbrüche ſind begleitet von Auswürfen
der Aſche u. Schlacken Die Dämpfe erzeugen
Gewölke, mir Blitzen u. Regen, der Waſſerſtröme
bildet. Der ſchlam̃ige Auswurf iſt
Regenwaſſer u. Schneewaſſer mit den trockenen
Tuffmaſſen vermiſcht. Dieſe bilden alsdañ die
Anſchwem̃ungs-Conglomerate, die ſich wie
in den Flötzgebirgen ausbreiten. Endlich erfolgt
der Ausbruch der Mophetten od. das Kohlensauren
Gases, wodurch der ältere Plinius
auch getödtet wurde.

Ausbrüche
des Vesuvs

Der Vesuv wurde
ſtets für einen Vulkan gehalten, obwohl er
bis zum J. 96 ruhig war. Dañ blieb er 3
Jahrh. ruhig, ſo daß war Holz in deſſen Krater
ſam̃elte. Dañ brach er aus 1500,
ruhete wieder bis 1631. ſeit welcher Zeit
die Eruptionen kurz auf einander gefolgt
ſind. Ruhende Vulkane ſind indeß kein Zeichen
von einer Solfatare, beſonders da
wo ſie ſich ſo hoch wie Montblanc zu der
Grenze des ewigen Schnees erheben. Beſondere
Phänomene ſind zuweilen, daß Tausende todter
Fiſche zugleich herausgeworfen werden. Dieſe
Art Fiſche ſteigen durch Klüfte in die Höhe zu
den in Höhlen geſam̃elten Schneewaſſern u.
werden mit dieſem zugleich herausgeworfen,
wie dies der Fall 1698, wo der große Vulkan
in den Anden mit einem breiartigen Tuff mehrere
Meilen bedeckte. Die Natur
der Eruptionen iſt dreierlei Art.

Natur
der Eruptionen

Es
werden entweder Fragmente uranfängl.

1.,

Geſteins, Granit, Glim̃erſchiefer etc. herausgebracht
. Jm Fosso grande, in den Canariſchen
Jnſeln. Dieſe Fragmente ſind in
großen Tiefe durchbrachen u. ſind oft
in Lava eingeſchloſſen; oder die Lava
verändert das uranfängl.
2.,
Geſtein, verwandelt
Kalk in Marmor oder die Lavaſtröme
bilden in ſich ſelbſt Schichten von Geſtein.

3.,

Die
Höhe u. Tiefe der Lava beſtim̃t die Stärke
u. Schnelligkeit des Ausfluſſes, welche erſter
wieder von der Natur der Maſſe beſtim̃t
wird. Auch hier sind wichtig die Bemerkungen
des Herrn v. Buch auf deſſen Reiſe nach den

Kanariſchen

Jnſeln. Kom̃t die Maſſe von der
Höhe herab ſo iſt ſie mehr glasartig, baſaltartig
hingegen, weñ ſie aus niederen
Gegenden ſtrömt. Der Trachit wird
dadurch in Absidian u. dieſer wieder in
Bimſtein verwandelt. Viele Vulkane
bleiben bei dieſem Proceß nicht ſtehen
ſondern verwandeln den Bimſtein in Aſche
der Vesuv bringt dagegen weder Obsidian
noch Bimſtein hervor.

Entſtehung
des Bimſteins

Bei dem Vulkan
von Loktakongo habe ich die größten
Bimſteinmaſſen gefunden, von 30–35 Fuß
Länge u. 90 Fuß Höhe. Umgewandelter
Obſidian, Trachit etc. köñen ganze Landſtriche
bedecken, welches die Spanier das wüſte
Land neñen. Lavaſchollen liegen oft Jahrtausende
ehe ſie nur mit Flecken bedeckt
werden, fällt aber Aſche auf dieſe Felſen
ſo werden dieſe Gegenden in wenigen Jahren
fruchtbar. Merkwürdig ſind die Höhlen
die man in dieſen Laven findet.

Höhlen

in der Lava

Man fand

hier die Sublimation der Metalle, die

auf die ähnliche Erſcheinung in den Erzgängen
der Gebirge ſchließen läßt. Es entſtehen
dampfartig Höhlen u. Spalten
an deren Wänden ſchon 7 Metalle ſublimirt
gefunden ſind: Eiſen, Titan, Kupfer
, Arsenik, Selen, Spißglanz etc. für
die Theorie der Erze iſt dies wichtig, die
eben ſo ſublimationsartig an den Wänden
der Gänge niederſchlagen.
Metalle

in denſelben.
Die Maſſen der

Laven finden ihren Stoff nicht in der Tiefe, oft
in der Höhe der Gebirge, obwohl die Wärme
von unten entſteht. Jn Trachitgebirgen
kom̃en oft feldſpatartige Laven hervor
. Augitmaſſen, in denen Olivin iſt.
Hiebei iſt die Umänderung der Baſaltmaſſen
ſehr verſchieden, wegen der Aſſociation
der obere Gebirgsarten. Jm
Aetna kom̃t Hornblende wenig Augit
vor, letzterer wieder beſonders im Vesuv
Lavaausbrüche geben wieder in verſchiedenen
Zeiten, verſchiedene Laven.
So brachten alte Laven-Ausbrüche
Feldſpath, jetzt nicht mehr.
Das Ganze hat oft ein Porphyrartiges
Anſehen in der die fremden Theile wie
in einer zähen Maſſe ſchwim̃en. Das Ende
der Eruption, wo die in Lava eingehüllten
Dämpfe hervorbrachen bilden
die ſchönen Pinien.

Ende
der Eruption

Auf trocknem
Wege dañ Aſche aus der Luft
bis zu der erſtaunenden Höhe von 70–
80 Fuß, wodurch Herculanum bedeckt
wurde. Jn neuern Zeiten, bei den Ausbrüchen
von 1630 u. 1822 erreichten die
Aſchenausbrüche u. 3 Fuß Höhe,
wie ich dies ſelbſt gemeſſen. Bricht Aſche
aus Seitenſpalten, ſo erfolgen in der
Regel ſchlam̃ige Ausbrüche, indem ſie mit
Waſſer vermiſcht iſt. Zuweilen ſchiebt ſich
aber trocken Aſche wie eine Flüßigkeit
aus dieſen Seitenſpalten u. rollt an
den Bergen locken herunter, oder die
ſchlam̃igten Ausbrüche ſind mit Waſſerdämpfen
vermiſcht u. erhärten zu Geſtein.
Auf dieſe Art ſind die Tuff- u. Trachit-
Ströme die man in der Eifel findet
entſtanden. Endlich werden auch die einzeln
trocken ausgeſtoßenen Maſſen vom
Waſſer verarbeitet u. bilden als
dañ Anſchwem̃ungsſchichten. Der letzte
Zuſtand der Vulkane iſt der, wo
ſie als Solfatarren Luft ausſtrömen
in verſchiedenen Gasarten oder wenn
ſie im Jñern tiefe Kraterſeen bilden
.

Letzter
Zuſtand der
Vulkane.

Auf den Jnſel Java enthalten
die Gewäſſer der letztern ſelbſt Salzſäure
u. freie Schwefelſäure.
Jn Siebenbürgen kom̃en aus großen
Spalten Schwefeldämpfe, geſchwefeltes
Waſſerſtoffgas, was ſich dabei ſublimirt
. Man glaubte daß nur in den Tertiär-Gebirgen
Gyps u. Schwefel zu
finden ſei, ich habe jedoch zu Quito im
Glim̃erſchiefer große Maſſen Schwefel
gefunden, die hier in die offen ſtehenden
Spalten getreten. Brechen Schwefel d
durch Flötz-Kalkſtein, ſo verwandeln
ſie dieſen ſogleich in Gyps.
216 Seiten.
MS. Germ. Fol. 842.

9302
Vorträge

des Freiherrn Alexander v. Humbold

Zweites Heft.
gehalten v. 8 Maerz 1828 bis 26. April. 1828.
zuſam̃engeſtellt
vom Rechnungs-Rath Gotthilf Friedrich Patzig

Berlin. 1828.
36. Vorlesung, 8. März 1828

Lagerung der
Gebirgsarten.

Wir werden uns in dieſer Stunde von
der Lagerung der Gebirgsarten unterhalten.
Die größte Tiefe, in welche der Menſch gedrungen
iſt, befindet ſich oberhalb Lüttich
im Val St. Lambert, 1600 Fuß tief u.
1400 Fuß unter der Meeresfläche. An
andern Orten iſt man von Jñen zum
Meeresboden hinaufgedrungen ſelbſt
bis zu acht Fuß. Jn Freiberg giebt
es eine Grube von 1670 Fuß relativer
Tiefe, die aber unter dem Meere höchſtens
500 Fuß iſt.

Tiefe
in welche der
Menſch gedrungen.

Vier mal tiefer ſind die
Menſchen in die Erde gedrungen, als ſie
mit ihren Bauten ſich in allen Jahrhunderten
erhoben haben. Es ſcheint eine Höhe zu
ſein, bis zu welcher die Menſchen mit
ihren Bauten ſich erheben, dies iſt zwiſchen
440–450 Fuß. So hoch iſt der
Strasburger Münſter, die Petruskirche
die höchſte Aegyptiſche Pyramide etc.

Höhe
zu den Bauten

emporgeſtiegen

Jn die Höhe haben ſich übrigens Menſchen
ſchon emporgehoben auf 18000 bis 18500 Fuß.
Jn der äußern Rinde des Erdkörpers
die man unterſucht finden wir folgende

körnigte Schichten unter einander liegend. 1. Laven

2. Baſalt. 3. Trachit 4. Porphyr, mit
u. ohne Quarz 5., Syenit, Gneis, Granit etc.
welchen letztern man ganz fälſchlich, uranfängliches
Geſtein neñt.
Man findet zuerſt ebenauf liegen

1. lockere Schichten mit Süßwaſſer-Producten.

2. Flötzgebirge beſtehend aus Kalkſtein mit
Meerprodukten. u. Korallen.

3. Terziär oder Uebergangsgebirge
mit dikotiledonen u. Monokotiledonen

4. Serpentinartige Maſſen auf Syenit
u. überhaupt körnigte Maſſen ohne
Reſte organiſcher Körper.

Zwiſchen Flötz u. Tertiärgebirge liegt
die Steinkohlenformation zwiſchen Steinkohlen
u. dem Flötzgebirge die Braunkohle
.

Steinkohlenlager

Die Steinkohlenformation beſteht
aus Baumſtäm̃en die in unſern Gegenden
nicht vorkom̃en, ſondern nur in den
Tropen. Es ſind Monocotiledonen oh.
ſolche Pflanzen, welche aufſchießen ohne
Jahresringe abzuſetzen, wie Palmen
u. Farrenkräuter. Dies Palmenholz
findet man ſelbſt in Gypslagern eingeſchloſſen
. An der untere Grenze der
Flötzformation ſind Steinkohlen, Braunkohle
an der obern Grenze derſelben
abgelagert. Uebergangs u. Flötzgebirge
durchdringen ſich mañigfaltig.
Die Oriktognoſie führt uns zu einer Epoche
die über das Daſein des Menſchengeſchlechts
weit hinaus führt. Die Uebergangsformation
enthält nächſt den Monocotiledonen
zugleich Reſte ſehr ausgebildeter
Thiere, mit großen gezitterten Augen.
Es ſind krebsartige Thiere, deñ Legieartige
Thiere u. Bethoceratiden. Das
Flötzgeb. ſelbſt enthält polÿthalame
Muſcheln, Am̃onshörner, Belemniten |: ſogenañte
Blitzkeule :| bei denen die Muſchel
ſelbſt in das Thier eindringt. Man
hat kürzlich ein ſolches Thier noch lebendig
gefunden u. es wird in Paris aufbewahrt.
Auch Theile von Tintenfiſchen findet man.

Verſteinerungen

Jn den höhern Schichten ſind verſteinert
krokodillartige Thiere, von 40 Fuß
Länge |: die jetzt lebenden ſind höchſtens
20 Fuß lang :|; dañ ein ſonderbares
Krokodill mit einem Schwanenhalſe, auch
Krokodille mit Fiſchaugen; fliegende
Eidechſen, deren Flügel nur mit einem
Finger zuſam̃enhangen. Ganz oben liegen
Wallfiſche etc. Ueberhaupt je höher man
kom̃t, deſto zuſam̃engeſetzter werden die
Organiſmen. Zuletzt kom̃en die warmblütigen
Säugethiere der Flüſſe, endlich
über der Kreide die Säugthiere des Landes,
Tapire Zb. in Montmartre, Rhinoceroſſe,
Elephanten etc. Auerochſen findet man nicht
verſteinert. Unſer Rindvieh ſtam̃t auch
nicht von dieſem ab, ſondern von einer
andern untergegangenen Thierart. So
fand man 1771 einen großen Elephanten im Eiſe,
an dem noch Stücke Fleiſch waren, welches die
Wölfe verzehrten. Das Gehirn war genug
erhalten, u 15 Zoll lange Haare bedeckten
den Körper. Man köñte denken, daß
dieſe Haare das Thier gegen die Kälte
ſchützten; aber dies erklärt noch nicht
das Vorkom̃en der Tropenprodukte
im hohen Norden, weil man außer dieſen
Thierfragmenten auch Palmenholz dort
findet. Die Palme ſtirbt aber, weñ ſie
ihre obern Blätter verliert, die bei
der Kälte ſogleich verwelken. Uebrigens
iſt ſie auch durch keine Rinde geſchützt
u. koñte daher unmöglich in dem
jetzig Klima dort fortkom̃en.

Jn einem großen Theile des Continents
der alten u. neuen Welt ſind
jedoch keine Spuren von

Verſteinerungen

organiſcher Geſchöpfe zu
finden.
37. Vorlesung, 12. März 1828

Jn der letzten Vorleſung habe ich mich beſchäftigt
, die untergegangenen Thier-Arten u. Pflanzen
aufzuzählen die verſteinert in ihren Gräbern
ruhen, vom Steinkohlengebirge bis über die
Kreide hinaus. Jm Tertiärgebirge findet man,
wie wir geſehen Pflanzen, unſern Waldbäumen
ähnlich. Jn den frühern Gebirgsarten hingegen

Thiergattungen die von den jetzt lebenden verſchieden

ſind von den Landthiere, beſonders den
Pachidermen, hat Cuvier 130 Scelette bereits
aufgezählt, nämlich 60 Arten von Rhinoceros u.
Elephanten, 20 wiederkäuende Thierarten,
32 Arten der reißenden Thiere, Hiänen etc.
die Uebrigen Gattungen ſind Vögel, von denen
man wenige verſteinert findet, weil ſie ſich
bei den großen Revolutionen am leichteſten
retten koñten.

verſteinerte
Landthiere

Je tiefer man eindringt in die
Steinſchichten, je unähnl. ſind die verſteinten

Thierformen denen, die jetzt wir ſehen. Die

letzte u. oberſte Schicht iſt die der Süßwaſſerformationen
, die noch in der Bildung begriffen
ſind u. in welcher ſich viele Jnſekten,
namentlich Libellen u. zu weilen 100 Fuß
hohe Schichten von den Früchten der Chara
finden. Es giebt ganze Theile den Erde
wo keine untergegangene Thier u. Pflanzenwelt
zu finden. Dies iſt Zb. die ſcandinaviſche
Halbinſel, das Weſtliche Nord-Amerika,

ferner vom Ausfluß des Orinoko bis zum Amazonenſtrom

, wo Conglomerate u. alle Kalkgebilde
mit eng. Spuren fehlen. Vielleicht
daß hier in dieſen Gegenden eine ſpätere
Erkältung eintrat. Es iſt viel geſtritten
worden, ob es auch verſteinerte Menſchen Scelette
gäbe. Bis jetzt iſt von dieſen nichts
gefunden.

keine verſteinerten
Menſchen
Scelette

Vor mehren Jahren wollte Scheuchzer
im Stinkſchiefer ein ſolch Scelett entdecken, es ermittelte
ſich jedoch, daß es einem Wels angehört
hat. Cuvier hält es für ein ſalamanderartiges
Thier, wie ich auch dergl. ſelbſt mitgebracht
habe. Ebenſo hat man auf Goaadelupe verſteinerte
Menſchenknochen gefunden, doch ſind dieſe
von einer Süßwaſſer-formation eingeſchloſſen
u. alle liegen in einer Richtung gegen
Abend; daher es anzunehmen, daß dieſer
Ort eine Begräbnißſtätte der Caraiben
geweſen. Vor 3–4 Jahren wurde in der
Nähe von Paris ein Mañ zu Pferde mit Lanze
u. Waffen verſteinert gefunden, wobei es
merkwürdig war, daß grade die fleiſchigen
Theile beſonders verſteinert ſein ſollten. Es
war dies nur ein Gebilde von phoſphorſaurem
Kalk u. die Geſtalt mußte mit Hilfe der
Phantaſie erkañt werden u. hatte nichts was
einem Menſchen ähnlich ſein koñte. Jn Erden
bei Koeſtriz fand man Menſchenknochen mit

Hühner- u. Hundeknochen gemeinſam in der

Tiefe. Dieſe ſind zufällig in die früher
geöffneten Spalten gefallen. Eine merkw.
Entdeckung war die des Prof. Bukland
in Oxford, warum ſo verſchiedenartig.

Thierknochen
in Höhlen

Thierknochen in unterirdiſchen Höhlen
gefunden werden. Es finden ſich nämlich
in dieſen Höhlen Hyänenknochen, u. andere
verſteinerte Knochen hinwieder, die ähnlich
benagt ſind, wie noch dieſe Thiere die
Knochen benagen. Selbſt Excremente der
Hyänen in Kugeln geballt findet man,
die denen Wärter ſogleich für ihren
Abgang erkañten. Da um die Oeffnungen
dieſer Höhlen viel zu klein ſind, als
das große Thiere hinein gehen koñten u. die
Natur der Hyänen von der Art iſt, daß
ſie Theilweiſe todte Thiere zuſam̃enſchleppen
, wie noch jetzt in Darfur etc. die
Neger Steine auf die Gräber legen
müſſen, ſo ſchloß Bukland mit Recht,
daß ſämtliche Knochen in den Höhlen vor
Hyänen zuſam̃en getragen ſeien. Uebrigens
ſind dieſe antidiluvianiſchen
Knochen ſehr wohl von denen aus hiſtoriſcher
Zeit zu unterſcheiden. Erſtere ſind
ſo porös u. haben alle glutinoſen Theile
ſo gänzlich verlohren, daß ſie auf der
Zunge nicht kleben, während die letztern, ſelbſt
aus dem 14ten Jahrh. noch an der Zunge
hängen bleiben.

Die zwei großen Abtheilungen der
Kalkgebirge deuten auf den verſchiedenen
Urſprung hin die Betrachtung
der vulkaniſchen Eruptionen leitete auf
den verſchiedenen Urſprung des Flötzgebirges
u. des körnigten Geſteins. Jm
geognoſtiſchen Theile ſind die Gründe
entwickelt, warum ſich letzteres ſpäter
gehoben u. nach der Exiſtenz der
Flötzſchichten in die gegenwärtige Geſtalt
gegeben hat. An Sienit, beſonders
an dem edlen Metall reichen
Sienit-Porphyr ſchließen ſich die

herablendige Granite an. Man begreift

wie Gneus, Glim̃erſchiefer etc.
ähnlichen Urſprung wie Granit haben köñen.
Weñ Granit in Gneus, Gneus in Glim̃erſchiefer
übergeht, ſo iſt dies an einigen Arten alternirend
, oder periodiſch wiederkehrend, an andern
Punkten mehr praeludirend in fremdartigen
Lagern. Zu den neuern vulkaniſchen
Bildungen findet man jedoch vollkom̃ene Contraſte
die wie Fortſetzung der uranfängl. chemiſchen
Proceſſe ſind.

Chemie
muß Geognoſie
erklären

Die Chemie wird erſt die Geognoſie
vollkom̃en erklären. Der gewaltige
Druck u. die Dauer der allmähligen Erkältung
belehren uns wie ſich die triſilicate u. biſilicate
gebildet. Die Emporhebung ſämtlicher
Gebirge aus Erdſpalten haben in neuerer
Zeit Bergmäñer uns vollkom̃en bewieſen.
Dies iſt gefunden 1810 bei Eröffnung des Stollens
auf der Pflaſterkañte bei Eiſenach ferner
am Druidenſtein bei Siegen 1822 in einem
Grauwackenſchiefer, in den Rollen von zwei
Seiten getrieben u. wo man ſehen kañ, wie das
fremdartige Geſtein aus dem Jñern hervorgequollen
iſt. So findet man die Blaue
Kuppe bei Eſchwege mitten im buntem
Sandſtein. Dieſe Erſcheinung verbreitet ein
großes Licht auf die Entſtehung des körnigten
Geſteins, die Umbildungen des Dolomits etc. die
an den Contaktflächen hervorbrechen.
Das Flötz u. Tertiärgebirge beſteht
aus feſtem Kalkſtein u. fragmentariſchen
Formationen u. Sandſteingebilden. Bei
beiden großen Abtheilungen ſind Sandſteineformationen
gehörig. Der neu erkañte
Typus der Flötzformation von unten nach
oben iſt folgender Art.

Typus
der Flötzformation

Zuerſt Steinkohlengebirge
, aufliegend mehr dem Tertiärgebirge
dañ, bunter thonartigen Sandſtein, Muſchelkalk
; dañ Mergelſchichten mit quarzigem
Sandſtein alternirend; endlich Juraformation
, characteriſirt durch Verſteinerungen
, ſelbſt crocodillartiger Thiere; endlich

Quaderſandſtein, Eiſenſand, u. zuletzt

Kreide, Zechſtein u. Muſchelkalk. Jn
einem höhern Geſichtspunkte betrachtet findet
man nur ein Gebilde, großes Kalkgebirge.
Veränderte Stoffe, durchdrangen die große
Klüfte u. Spalten deſſelben, u. füllten dieſe
mit verſch. Steinarten etc. wie Dämpfe von
Schwefelſäure Gyps bereiteten. Der äußere
Theil der Erdoberfläche finden wir mit

Felſarten Blöcken u. Geſchieben bedeckt.

Aeußerer
Theil der Erdoberfläche
.

Jn den aufgeſchwem̃ten Gebirgen finden ſich die
herrlichſten Produkte, Demant, Gold, Platina etc.
Jn Braſilien iſt es merkwürdig, daß auf

denſelben Waſchbänken obige Produkte zugleich

gewoñen werden. Von dieſen Geſteinen iſt
hier nicht die Rede, ſondern von den Blöcken,
die dem Boden ganz fremdartig ſind. Zb. auf
dem Oeſtl. Abhange des Jura, wo man in einen
Höhe von 2000 Fuß, oft fremdartige Felsblöcke
von 20 Durchmeſſen findet. Dieſe Höhe ſelbſt
giebt die Entdeckung ihres wahrſcheinliches Urſprungs
. Eben ſo finden wie in Polen, Rußland
u. ä. ſämtlichen baltiſchen Küſtenländern
große Blöcke von Granitmaſſen. Es iſt hier
zu unterſcheiden wo ſie ſich ſelbſt zerſplittert
haben im Ungebirge, wie man ſolche
Granitmaſſen in Spanien bei Escurial u. im
weſtl. Theil von Grosbrittanien findet, oft

Maſſen von 30 Höhe. Dieſer zetrüm̃erte

Granit, liegt auf Granit auf, jene Felsmaſſen
liegen aber bei uns auf loſem
Sande. Was die Alpengeſchiebe anbetrifft
ſo hat hierüber Herr v. Buch ſeit 1811 großes
Licht verbreitet. Die Jurablöcke ſind offenbar
aus den gegenüber ſtehenden Alpen gekom̃en
, wo ſie den höchſten Punkten derſelben
zugehören. Die Conglomerate ſind indeß von
den niedern Hügeln von Lausañe aufgehalten
u. dieſe ſind nur bis zu dem Fuße des
Jura gelanget. Die Lage der Blöcke zeigt
daß ſie keineswegs durch Eisſchollen etwa
hingeſchwem̃t ſind u. eben ſo wenig dorthin
herabrollen koñten. Herr v. Buch behauptet
daß ein Waſſerſtoß, der auf dieſe Höhe
ſtauete, die Felsblöcke hinbrachte.

Gewäßer
ſchleudern Felsblöcke
fort.

Jn neuerer
Zeit wo ein großer See im Valle de Naqne
ausbrach, führte das Gewäßer einen Block
von 18 Fuß zwölf Stunden weit, bis auf
den Markt von Martigni. Die Urſache
dieſes Ausbruchs koñte die plötzliche Erhebung
des Alpengebirges ſein, wodurch Seen
vertrieben u. verdrängt wurden. Eine
ähnliche Beobachtung macht man hiebei in den
baltiſchen Ländern, deren Geſteine alle norwegiſchen
u. ſchwediſchen Urſprungs ſind
die Richtung des Geſchiebes iſt eine von Norden
nach Süden u. es erſtreckt ſich bis nach
Jwer in Rußland hinein. Ferner ſind ſie
wie in der Ebene, im̃er auf Höhen anzutreffen
. So liegt auch hier in der Nähe
ein Stein von 10 Fuß Höhe auf den Hügeln
von Fürſtenwalde, die 456 Fuß hoch ſind.
Jn Mecklenburg findet man Geſchiebe bis
auf 700 Fuß Höhe von Außen getrieben.
Am Nordpol wird etwas ähnliches gefunden
u. eben ſolche Granitmaſſe lagern auf
Hügeln. Alles zeigt an daß die Steinarten
bei uns ſcandinaviſche ſind, nämlich Sienit
Porphyr, Kalk, vermiſcht mit Vorſteinerungen
, ganz wie in Beland u. Gothland.
Jn Deutſchland wird dergl. ſonſt nirgend
gefunden. Auf dieſen Urſprung iſt man
bereits von 30–40 J aufmerkſam geworden
. Ein merkw. Umſtand dabei iſt, daß
die Geſchiebe an Ort u. Stelle zertrüm̃ert
oft gefunden werden, daß die Bruchwinkel
genau zuſam̃engehören, wie man dies auf
den Raudenſchen Bergen hier finden kañ.

Gliederung
der Continente

Es bleibt uns nun übrig zu der
Gliederung der Continente überzugehen.
Die Hebung derſelben iſt viel früher eingetreten
u. ſpäter haben ſich erſt die Berge
erhoben, nach Bildung des Tertiärgebirges
. Die Geſtalt der Continente u. der
Bergketten in Beziehung u. Verhältniß
zur Vertheilung der Temperatur zu betrachten
, iſt außerordentlich wichtig
das mehr Continente im Norden liegen, daß
uns nach Süden, der Continent von Africa
liegt, durch den der Aequator geht, iſt der
Grund des mildern Klimas im Verhältniß
zu Aſien, wo der Aequator nach Süden
zuim Jndiſches Ozean liegt. Dieſe Gliederung
der Continente beſtim̃en daher die
Klimate.

38. Vorlesung, 15. März 1828

Wir kom̃en jetzt zum Oberflächen-Anſehen
welches in der Geognoſie offenbar der anmuthigſte
Theil iſt. Er hängt mit der Temperatur
, der Vegetation, der Agrikultor, der
Entwilderung der Nationen u. den Fortſchritten
der Cultur im genaueſten Zuſam̃enhange. Herr
Prof. Ritter hat in dieſen Theile der Wiſſenſchaft
viel Licht verbreitet. Unſere Erdoberfläche
iſt entweder ſtarr u. trocken,
oder ſie iſt mit Flüßigkeiten bedeckt. Der
Contakt des flüßigen u. Starren beſtim̃t
die Grenzen der Gliederung u. Richtung der Continente
. Jm Starren ſelbſt befinden ſich Seen
u. Flüße die nicht im Niveau der Meere liegen.
Mehrere ſind auf hohen Bergen zu finden, wie
Zb. der Manararovo See im Himalaya-
Gebirge. Mehrere Seen in Peru liegen in einer
Höhe von 8–9000 Fuß. Ganz eigene Familien
der Fiſche leben in dieſen Hochgewäſſern
die dreimal höher ſind als die Wolkenſchichten
in dieſer Jahreszeit, dieſe iñern Süßwaſſerbehälter
zeichnen ſich durch ihre chemiſche
Natur aus. Wo viel ſüßes Waſſer
zugeführt wird, ſam̃eln ſich verſchieden artige
Salze, u. weñ dieſe Behälter ohne
Abfluß bleiben, ſo verſchwindet gänzlich
das ſüße Waſſer. So iſt der See von
Valenzia in Süd-Amerika bei Venezuela
ein Waſſerbecken ohne Abfluß, u. man findet
in dem Waſſer ſalzſauern Kalk aufgelöſet
. Außer den Seen giebt es die ſehr
in die Länge gezogene Waſſerbecken der
Flüße. Dieſe beleben u. beſtim̃en die Organiſation
der Continente, u. durch ihre weitverbreiteten
Verzweigungen bilden ſie ganz
beſondere Phänomene. Durch die Anaſtomoſen
bieten ſie in großen Ebenen, große Jnſeln dar
dieſe werden als ein Delta gebildet oder in
der Ebene durch Bifocation, oft entſtehen
ſie auch durch Kanäle. Dergleichen iſt das
ſpaniſche Guyana in Südamerika u. das
größte Meſopotamien liegt zwiſchen dem
Amazonenſtrom u. dem Rio negro. Die
Breite dieſer Longitudinal-Becken ſind
oft ſo beträchtlich, daß ſie oft den Wanderungen
der Völker Hinderniſſe in den Weg legten.
Die Flüſſe ſind in einer Entfernung von 100
Mb. von ihrem Ausfluß zuweilen noch 12–18000
Fuß breit u. der Golf einiger beträgt ſelbſt
40 Meilen Breite. Es ſind dies gleichſam Süßwaſſerbecken
, von denen Franklin ganz richtig
ſagt, daß ſich durch dieſe die Flüße mehr
in die Atmoſphäre als in die Meere ergießen
. Durch das ſtete Zurückdrängen der
Meeresfluth verdünſtet die größte Maſſe
des Waſſers. Waſſer trägt in ſich die Bedingung
alles organiſche Lebens; es enthält
4 mal mehr Sauerſtoff als die Luft. Auf
dem Monde läßt ſich eine organiſirte Natur
wie die unſrige nicht denken, weil der

Unebenheiten auf demſelben wegen, eine

Flüſſigkeit wie unſer Gewäſſer nicht da
ſein kañ. Die Exiſtenz deſſelben auf der Erde
iſt für die Organiſation der Weſen nächſt
der Luft nothwendiger als die Berührung
des Soñenlichts, da theils in den finſtern Tiefen
der Gewäſſer, theils in finſtern Höhlen Geſchöpfe
u. Gewächſe leben u. wachſen köñen. Unſer
Planet hat zwei Umhüllungen, eine
allgemeine, die Luft, u. eine parzielle,
das Waſſer oder Meer. Der Boden des großen
Luftmeeres iſt entweder trocken oder
feucht. Die Berge dieſes Bodes, dies ſind die
Untiefen in denſelben. Die Ebenen leben
voller Weſen u. Geſchöpfe; die größten Höhen
hingegen werden nur von Geyern, dem Condor
u. Jnſecten beſucht. Letztere fliegen nicht
ſo hoch, ſondern Luftſtröme führen ſie in
dieſe hohen Regionen, wo ſie eine Zeitlang
leben. Selbſt Halme von Gräſern werden
weit hergetrieben. Als man den rothen
Schnee auf den Berggipfeln erblickte, ſo
hielt man ihn für ein Luftvegetabil. Am
Nordpol iſt es jedoch vegetabiliſch u. wahrſcheinl.
hat ſich dieſe organ. Subſtanz erſt
dort entwickelt. Von dem Zuſtande der Erde
in Hinſicht ihrer dürre oder Feuchtigkeit hängt
ihre Bewohnbarkeit ab. Wir müſſen demnach
Erde, Waſſer u. Luft als ein Naturganzes
betrachten. Die Klimatologie müſſen wir
daher nicht in der Atmoſphäre, ſondern in der
Geologie begründen. Das Reſultat des Zuſam̃enwirkens
des Trocknen u. feuchten; die Erde,
wie ſie erhöht, gefärbt oder nakt iſt, hat
Einfluß auf die Klimate, u. das zuſam̃enwirken
derſelben mit dem Waſſer in Seen
u. Flüſſen. Jſt viel Waſſergas in der
Luft, ſo wird dadurch beſonders die Wärme
Erde beſtim̃t. Es iſt wie große Modification
der Wärme, ob die Soñe durch
einen wolkenfreien Him̃el ſcheint, oder nicht.
Die Redensart; es iſt heiter oder ſternhell
es wird kühl werden, iſt ganz richtig.
Die Wolken am Him̃el bewirken oft
eine drückende Hitze, weil ſie die Wärme
nicht fortſtrömen laſſen. Der Zuſtand in dem

das Waſſerſtofgas ſich befindet, kañ die Urſache

des Klimas abgeben. Die Natur der
Steinſchicken macht es wahrſcheinlich, daß Continente
u. Berge durch Hebung über den Meereſſpiegel
gelangt ſind u. dies lehrt uns
daß unterirdiſche Kräfte auf unſer Klima
gewirkt haben. Nach Erhärtung der äußern
Erdrinde bedurfte es nur einer geringen
Stöhrung des Gleichgewichts welche die Kräfte
der elaſtiſchen Flüßigkeit beſtim̃ten, mehr
nach Norden als nach Süden dabei zu wirken.
Es wurde Amerika, beinahe von einem
Pol zum andern der Länge nach heraufgetrieben
, während die alten Continente
ſich mehr von Oſten nach Weſten ausdehnten.
Eine ganz andere Temperatur hätte die
Erde, andern Vegetabilien würden wachſen,
anders wäre ſelbſt die menſchl. Cultur u.
Geſellſchaft, weñ das Mittelmeer nicht
exiſtirte, weñ der Boden deſſelben gehoben
wäre wie Afrika. Schon erwähnt iſt
es, wie Europa viel kälter wäre, weñ
Afrika nicht läge wo es jetzt liegt. Es
iſt die ſtark wirkende Urſache, daß dieſes
Continent zwiſchen Liſſabon u. dem Ural
gelegen in Maſſe die Soñenſtrahlen abſorbirt
, die es dañ wieder ausſtrahlt
als Wärme, die nach dem Nordpol ſtrömend
über Europa fließt. Weñ die Andeskette
, von Weſten nach Oſten ginge,
weñ die Continente ſich in den Tropenzonen
ausdehnten, auch dieſes würde die
Klimate ganz verändern Die kleinſte
Stöhrung des Gleichgewichts koñte wie geſagt
die Hebung der Continente veranlaſſen
dieſe köñen als Gipfel der Berge angeſehen
werden, deren Fuß im Grunde des Sternes
ruht. Es fragt ſich ob man wohl die
mittlere Tiefe des Meeres u. die mittlere
Höhe des Continents angeben köñte. Laplace
verſuchte dies nach Wahrſcheinlichkeits-
Berechnung, ohne die größte Tiefe angeben
zu köñen, aus der Theorie der Ebbe u. Fluth
zu beſtim̃en. Hienach ergab ſich die mittlere
Tiefe als außerordentlich groß, beinahe
2–3 geogr. Meilen. Nach genauer Erwägung
der Beobachtungen iſt es nicht nothwendig
ſo zu ſchließen, u. richtiger iſt es
die mittlere Tiefe der Gewäſſer gleich
der mittlere Höhe der Continente anzunehmen
. Weñ ich die Gruppen der Berge
nur über die Ebene geſtreut denke
ſo würde die bewirkte Erhöhung nur ſehr
gering ſein. Die Pendelverſuche haben bewieſen
, daß die Attraktion ſehr verſchieden
iſt, beſonders am Rande der
Meeresbecken. Man hat die mittlere
Höhe der Continente 900–1000 Fuß angenom̃en
u. eben ſo die Tiefe des Meeres
dieſe Theorie iſt etwas falſch u. als
Reſultat der neueſten Beobachtungen, die
ich ſelbſt angeſtellt habe, ergiebt ſich,
daß die mittlere Höhe nur auf 500–
600 Fuß angenom̃en werden kañ.
Die mittlere Höhe Frankreichs beträgt ungefähr
480 Fuß, die von Pom̃ern, Poſen etc.
180 Fuß. Die mittlere Höhe Rußlands iſt
840 Fuß. Die Ebenen der Schweiz ſind
1300 Fuß hoch. Baiern 1560, Spanien
2100 Fuß. Miſore in Aſien iſt 2760 Fuß
hoch. Die mittlere Höhe der Wüſte Kobi
iſt auf 3000 Fuß anzunehmen. Jenſeit
des Himalaÿa-Gebirges giebt es ſehr
hohe Hochlande. So trift man im weſtlichen
Theile von Tibet noch Kornfelder in einer
Höhe von 14000 Fuß. Jn Amerika giebt
es zahlreich bewohnte Städte in einer
Höhe von 12–13000 Fuß. Das Plateau
von Neuſpanien iſt dreimal ſo hoch als das
von Alt-Spanien. Wie ſchon geſagt, wird
ſelbſt in einer Höhe von 14000 Fuß noch
Waitzen gebaut. Jn Europa gibt es in
den Alpen u. Pyrenäen Dörfer die 4000
Fuß hoch ſind; ja das Dorf Betta in Wallis
liegt 7100 Fuß über dem Meereſſpiegel.
Das Meer in ſeiner Tiefe perpendiculär
zu meſſen hält ſehr ſchwer, theils wegen
der untern Strömungen, theils wegen der
Bewegung des Schiffes. Jn einer Länge von
9–10000 Fuß wird die Schnur des Senkbleies
fortgetrieben, unter einem Winkel
von 40–45°. Sebbin hat am Cap
St. Antonio termometriſch das Meer
ſondirt um deſſen Temperatur zu beſtimmen
u. fand daſelbſt deſſen perpendiculare
Tiefe 1200 Fuß. Betrachten
wir die Bergketten, ſo köñen ſie nur
einen geringen Einfluß auf die mittlere
Höhe der Continente haben. Jhre größte
Breite iſt etwa 20 Meilen u. ſie köñen
als Prismata von der Höhe einen Meile
berechnet werden. Nim̃t man ſelbſt die
Andeskette, die 100 Ml. lang iſt u. zerſtreut
dieſe auf die große Fläche, ſo kañ
dieſe nur um wenige Zolle dadurch erhöhet
werden u. hieraus kañ man folgen
daß die mittlere Höhe u. Tiefe nur
5–600 Fuß betragen kañ. Bis jetzt hat
man mehr aus Neugierde mehr Berge als
Ebenen gemeſſen. Es wäre ſehr wichtig,
weñ man allenthalben ſich mehr damit
beſchäftigte durch Barometerbeobachtung
die Höhe cultivirter Ebenen zu beſtim̃en
die Menge der tropfbaren Flüßigkeiten
oder die Höhe des Meeres, beſtim̃t die Continente
. Eine große Veränderung würde
mit letztern vorgehen, weñ erſteres nur
etwas höher ſtände. So geringfügig die
Urſache ſein koñte, die das Hervorbrechen
der Continente veranlaßte; ſo geringfügig
iſt auch die Wirkung geweſen
; in dem dieſe nur 4–500 Fuß beträgt
. Die kleinſten Umſtände dürften
hier gänzlich die Umriſſe verändern.
Stiege das Meere nur 130 Fuß, ſo
würden die baltiſches Länder, Polen
größtentheils verſchwinden. So hat
ſelbſt die öſtl. Ebene bei den Anden
nur eine geringe Höhe u. 700 deutſche
Meilen vom Meere beträgt ſie ſelbſt
nur 1200 Fuß. Dies Terrain iſt noch
nicht ſo hoch wie München. Würde
ſich der Meereſſpiegel nur um 3–400 Fuß
dort erheben: ſo würden deſſen Wellen
bis an den Abhang der Andesberge ſchlagen.
Dieſe Erhöhung oder Veränderung des
Nivos des Meereſſpiegels iſt allenthalten
gleichmäßig. Auf der Küſte von Spanien
findet man die Ruinen des Serapis-
Tempels, wo man in ſenkrechtſtehenden
Säulen, in einer Höhe von acht Fuß, Muſcheln
u. andere Schalthiere findet, die ſich
in den Stein gebohrt haben. Man kañ nicht
añehmen, daß das Geſtein in ſolchem Zuſtande
zum Bau gebraucht u. man kam auf den
Gedanken, daß das Gewäſſer ſo hoch geſtanden
. Deñ wäre aber Valencia,
Egypten etc. großentheils untergegangen.
Eher iſt anzunehmen, daß ſich hinter dem
Tempel im Lache, oder Salzſee gebildet
u. hinter Dünen lange Jahre geſtanden,
wo deñ dieſe Erſcheinung veranlaßt iſt.
Jſt das Niveau der Meere auch gleich,
ſo findet doch unter den einzelnen Theilen
deſſelben eine große Verſchiedenheit
ſtatt. So iſt das rothe Meer, nach genauen

Unterſuchungen bei Bonapartes Expedition

25–30 Fuß höher als das
Mittelmeer. Ueber die Vertiefung des
kaſpiſchen Meeres ſind ſchöne Meſſungen
von Engelhard vorhanden. Von Koban
bis zum Terek ergeben die genaueſten

Meſſungen, daß dieſſelbe 280–324 Fuß

niedriger als das ſchwarze Meer
liegt. Man kañ auch añehmen, daß
die Oſtſee tiefer als das Kaſpiſche
Meer liege. Die Alten hatten hier
ein ordentliches Schleuſenſyſtem. Sie
glaubten ein Durchbruch des Biñenmeeres
hätte die Dardanellen geöffnet
u. dieſe Fluth wäre bei den Säulen
des Herkules durchgebrochen. Jm Antilliſchen
Meere haben die Strömungen
ebenmäßig durchgebrochen, wie noch jetzt
der Strom ſüßen Waſſers hier geht
Jn Panama war ich nicht wohl aber in
Darien u. fand daß der Unterſchied
der Höhe des antilliſchen u. ſtillen Meeres
ſehr gering iſt u. erſters nur
10–12 Fuß höher ſteht als letzteres.

39. Vorlesung, 19. März 1828

Wie wir in der frühern Stunde geſch.
haben Pendelverſuche es ergeben, daß
die mittlere Höhe des Continents gleich der
mittlern Tiefe des Meeres auf 400–550
Fuß nur angenom̃en werden kañ. Wir
verbanden damit die Betrachtung über
das Niveau der Meere. Jch kañ hiebei
noch hinzuſetzen, daß einzelne Seen
im nördlichen Afrika, die Bitterwaſſer
enthalten, etwa 24 Fuß tiefer als
das Mittelmeere liegen. Man dürfte
ſich hiebei über die Ungleichheit des
Niveaus der verſchiedenen Meereſtheile
wundern; doch iſt dies eine Folge der
Strömungen. Jn Provence ereignet
ſich das Phänomen, daß der Hafen von
Marſeille einige Stunden leer wurde
welches einen Fall des Meeres von 24
Fuß voraus ſetzt. Der Druck der Atmoſphäre
kañ ebenmäßig das Anſchwellen
einzelner Waſſerbecken veranlaſſen.

Wir kom̃en jetzt zur allgemeinen Conſtruction
des Erdkörpers, zur Geſtaltung u. Gliederung
die uns die Continente darbieten. Wir erblicken
zwei Maſſen der Continente, die alte
u. neue Welt. Das alte Continent erſtreckt
ſich von Oſten nach Weſten. Dieſe Lage hat
großen Einfluß auf die Temperatur u.
durch die größere Wärme in den verſchiedenen
Jahreszeiten, die dieſer opake Körper
entwickelt, Einfluß auf die Kultur.
Die neue Welt geht der Länge nach von
Süden nach Norden. Seine Lage hinderte
das Pflanzen u. Thiere der alten Welt
hier übergingen. Bei dem alten Continente
erblicken wir im Süden einen
gewaltigen Meerbuſen, der von Neuholland
u. Afrika gebildet wird. Hier
wehen die Winde nach den entgegengeſetzteſten
Richtungen. Ferner ſehen wir, daß die
nördl. Hemiſphäre continentaler iſt als
die ſüdliche, u. dies beinahe um Ein drittel
Eine dritte Verſchiedenheit der Hemiſphären
iſt die, daß der Continent zwiſchen 72–73°
N. B. ähnlich im Parallelkreiſen um den Nordpol
abgeſchnitten iſt. Die Barowſtraſſe
ſcheint zwiſchen dem ſtillen u. atlantiſches
Meere die Com̃unication zu bilden, wo
nördlicher eine Jnſelwelt noch vorliegt.
Hiernach wird der Continent von Amerika
faſt in gleicher Breite mit Aſien abgeſchnitten
, nur liegen viele Jnſeln Zb. Grönland
noch nördlicher. Der Nordpol iſt
aber wahrſcheinlich frei von Land.
Hierüber iſt kürzlich eine merkwürdige
Schrift von Berington in England erſchienen
. Jm alten Continente ſind die Meere
ganz frei u. außer Spitzbergen
liegen nur wenige Jnſeln vor; daher
auch Zb. in Scandinavien, weit vom Meere
25° Kälte herrſchen köñen, ohne daß
die nördl. Meere gefrieren. Ob der
Nordpol wirklich frei von Land iſt, iſt
freilich noch nicht beſtätiget. Bereits
30 Jahr nach der Entdeckung Amerikas 1527
wurde nördl. ein kürzerer Weg nach
Jndien geſucht, u. Heinrich VIII. ließ vergeblich
dergl. Verſuche anſtellen. Jn dem
jetzigen Zuſtande des Nordpolar Meeres
iſt es ſchwierig bis 80° N. B. vorzudringen
Spitzbergen geht ungefähr bis 80° 7.
Weñ Wallfiſchfänger bis 83° u. 86° vorgedrungen
ſein wollen, ſo iſt dies falſch.
Scoresby, der Sohn eines Wallfiſchfängers
iſt 1806 bis 81° 30 vorgedrungen.
Bekañt iſt es, daß auch Perrys Unternehmen
, über Eis den Nordpol zu
erreichen, nicht geglückt iſt, deñ er
bemerkte, daß die ganze Eismaſſe
auf der er ſich mit den Begleitern
befand nach Süden getrieben wurde
u. er war genöthigt, wie einſt Columbus

ſeinen Leuten die tägl. Beobachtungen

zu verſchweigen. Das Parlament
in England hat eine Prämie von 5000 Pf.
ausgeſetzt für die, welche bis 86° N. B.
vordringen u. eine Prämie von 20000 Pf.
für die Entdeckung der Nordweſtl. Durchfahrt
. Wir werden jetzt die Vertheilung
der Continente betrachten, die man
in ihrer Allgemeinheit anzuſehen bisher
ziemlich vernachläßiget hat. Die Continente
erſtrecken ſich in 250 Längen-Graden
von Oſten nach Weſten u. nur 110 Grade
bleiben für die Waſſermaſſe. Von
der Nordſeite ſehen wir daher nur lauter
Continente, von der Südſeite dagegen
lauter Waſſer oder oceaniſche Maſſen.
Die Südſee hat man daher angefangen mit
Recht den großen Ocean zu neñen, deñ
er umfaßt 110 Längengrade vom Oſten
Aſiens bis zur Weſtküſte Amerikas. Der
große Continent iſt durch das Atlantiſche
Meer durchſchnitten. Daſſelbe bildet
große Buſen. Der Golf von Guyana
hat Aehnlichkeit mit dem von Labrador
u. Braſilien hat ähnliche Richtung mit
den Freiſtaaten u. gleiche Gebirgsarten.
Gegen Oſten hat der Atlantiſche Ozean
große Zertrüm̃erungen veranlaßt
gegen Scandinavien u. die Brittiſchen
Jnſeln. Aehnlich ſind die Buſen des

antilliſchen Meeres u. des Mittelländiſchen

Meeres. Unter dem Aequator
ſelbſt liegen nur 1/6 Continente; 5/6 deſſelben
gehen durch das Meer. Alle Continente
gehen gegen Süden in Pyramidalformen
aus, Neu-Holland, Afrika, Amerika

etc. Jm Kleinen wiederholen ſich dieſe

Erſcheinungen in Aſien etc. Nicht Forſter
ſondern Baco machte bereits auf dieſe
Erſcheinung aufmerkſam. Dieſe Pyramidalformen
haben das merkwürdige, daß
ſie ſich ungleich gegen den Süden erſtrecken,
Cap d. Guten Hoffnung liegt 33° 35 S. B.,
Van Diemens-Land 43°, Kap Horn 45°.
Je weiter ein Continent gegen Norden
geht, deſto weiter erſtreckt ſich die correſpondirende
Spitze gegen Süden. Zb.
Amerika, Scandinavien u. Afrika,

Spitzbergen u. Van Diemens-land. Außer

der Aehnlichkeit der Pyramidal- u. -
angularform zeigen die Continente
Afrika u. Amerika auch die Aehnlichkeit
in den Meerbuſen Zb. von Guinea
3° nördl. Br. u. der Buſen vom Golf
Arika 3° ſüdl. Br. Etwas ähnliches
ſcheint bei der Zertrüm̃erung des Continents
zwiſchen den Molukken u. Neu-
Holland ſtatt zu finden. Die nördl.
Continente reichen nicht bis zum Pole
weniger läßt ſich dies in der oceaniſchen
erwarten. Als Neu-Schottland
entdeckt wurde mit Süd-Georgien
glaubte man, daß dies Vorboten eines
ſüdl. Continents ſein koñten. Die vor
fünf Jahren angeſtellte Expedition
hat aber gezeigt, daß dies nur ein
kleiner Archipel, rundum vom Meer
umgeben ſei. Kapitain Cook iſt gegen Süden bis 71° vorgedrungen
, die vorerwähnte engl. Expedition
bis 74°. S. B. u. auf da wurde das Meer
frei von Eis gefunden.

Südpol eher als
der Nordpol zu
erreichen.

Vielleicht köñte man
nach dem Südpol eher als nach dem Nordpol
vordringen. Merkwürdig iſt es, daß das Volk
welches am nördlichſten wohnt, die Ruſſen,
am weiteſten die Entdeckungen nach dem
Südpol hin ausgedehnt haben, bis zur Peter u.
Paul-Jnſel. Wir haben von der Zertrümmerung
des alten Continents, des indiſchen
Archipels u. N. Holland geredet. Auf dieſen
Jnſeln finden ſich noch große Thiere aus
dem Katzengeſchlecht, etc., die bei dem untergegangenen
Continent hier übrig blieben. Eine
ähnliche Anſicht bietet der mittlere Theil von
Amerika, oder Guatimala dar. Weñ
dort das Meer nur bis zur Höhe des
Nicaragua-Sees ſtiege, etwa 140 Fuß
höhen als beide Oceane, ſo würden dort
die Gebirge wie Jnſeln hervorragen.

Südl. Hemiſphäre
mehr Jnſeln.

Ueberhängt erblicken wir in der ſüdl. Hemiſphäre
viel mehr Jnſeln. Sie liegen
entweder frei im Meere oder gehen parallel
den Küſten. Dies letztern gilt beſonders
vom ſüdlichen Theil des indiſchen
Archipels. Dieſe Lage der Jnſeln hat unſtreitig
einen großen Beitrag zur Civiliſation
der Völker gegeben, da ſie
hierdurch veranlaßt wurden, auf dieſe
Jnſeln überzugehen. Dieſer Uebergang
wurde erleichtert durch die große Nähe,
u. von dieſen Jnſeln koñten ſelbſt fernere
Continente bevölkert werden.

Wahrſcheinliche
Urſache den Bevölkerung
entfernter
Continente.

Wie hätte
ſich bei Tartariſchen Völkern Cultur verbreiten
köñen, weñ ſie erſt hätten in den
hohen Norden ziehen ſollen, nach der Bering
ſtraße, von 45° S. B. nach 70° S. B., u.
alsdañ erſt in den Süden Amerikas hinab.

Bevölkerung
Amerikas von Korea
aus.

Von Korea aus, ließ ſich dies leichter
bewerkſtelligen. Das Südweſtl. Aſien
u. das weſtliche Europa bieten einen großen
Contraſt mit dem Continente
von Afrika dar. Letzterer iſt ungetheilt
u. nur der Golf von Guinea hat eine Einbigung
in den Continent. Die großen Continente
köñen als Jnſeln angeſehen werden
auf denen ſich die Berge als höhere
Gipfel erhoben haben.

Erhebung
der Continente

Dieſe Erhebung kañ
in ellÿptiſchen Maſſe ſtatt gefunden
haben, w. Zb. das Gebirge von St. Marta
deſſen Gipfel noch 3000 Fuß höher als der
Montblanc iſt; oder in Ketten, viele
Klüfte u. Knoten dabei bildend. Eine
ſolche Kette iſt die 700 Meilen lange Andeskette
. Die Höhe der Knoten ſteht
in keinem Verhältniß mit den Ketten ſelbſt
die Gates-Gebirge haben Zb. zwei
Ketten, zwiſchen welchen die Hochebene
von Miſore liegt. Dies Plateau iſt
6–7000′ hoch, u. es blühen hier nördliche
Producte Zb. Roſen unter 11° N. B.
u. Kuppen befinden ſich hier von 8000
Fuß Höhe. Wo Ketten zuſam̃enkom̃en
bilden ſie einen großen Gebirgſſtock.

Erſtes Vorurtheil
dabei

Durch ein altes Vorurtheil hat man durch
ſubmarine Ketten alle Gebirge, in Verbindung
zu bringen geſucht. Man hat fer
ner eine beſondere Wichtigkeit auf die
Höhe der Knoten gelegt, ſie zu einem
Centralpunkt der Strahlen gemacht.

Zweites
vorurtheil

Die
Gebirgsmaſſe kañ hier niedriger ſein
als in der Kette ſelbſt, u. der Centralpunkt
von fünf Gebirgsketten
iſt oft nicht ſo hoch, als die Kuppen in
den einzelnen Gebirgszügen. Ein drittes
Vorurtheil iſt das, daß Flüſſe nicht

Berg-Ketten durchbrechen.

drittes Vorurtheil

Der Amazonenſtrom
Zb. durchbricht ſelbſt die Kette der Anden,
u. der Jndus durchbricht ſelbſt die größten
Klüfte des ſüdlichen Theils des Himalaya
Gebirges.

Wir wollen unſere Aufmerkſamkeit
richten auf die Höhe der Ebene die man in Gebirgsketten
findet.

Höhe der Ebenen
am Fuß der Gebirge

Dieſe iſt bei vielen am Fuß
des Berges ſo hoch als in bedeutender Entfernung
. Bei andern Bergen iſt die Anſchwellung
ſo allmählig,
daß man 2–3000 Fuß
ſteigt ehe man an den Fuß der Berge gelangt
.

die Ebene hat ſich ſelbſt mit
den Bergen gehoben.

Bei den Ketten, wo vulkaniſche
Ausbrüche geſchehen, erheben ſich die
Gipfel weit über das Verhältniß zu
den Ketten.

Gipfel der
Berge ſehr hoch.

Jn Europa u. Aſien liegen die
Gebirge entweder ſporadiſch zerſtreut
,
in Amerika hängt Alles mit den Anden
zuſam̃en.

caſtellartig gehoben; oder in
einer Richtung, als Ketten;

ihre Lange

Höhen von 6–10000 Fuß liegen
weit entfernt von den Pyrenäen, Alpen etc.
Die Localität der Gebirgſſtücke iſt
ſo verſchieden, daß Amerika nur einen
derſelben beſitzt u. Zb. Braſilien
keinen Berg von 7–8000 Fuß aufzuweiſen
40. Vorlesung, 22. März 1828

Wir ſind in der letzten Stunde zu den Bergſyſtemen
übergegangen. Noch einiges bleibt
wir hierbei zu eriñern.

Wie
Continente zu
betrachten.

Die Continente
köñen betrachtet werden als Erhebungen
des Meeresbodens ſelbſt, ſie mögen nun
höher, oder tiefer liegen, wie das Niveau
des Meeres ſelbſt. Letzteres zum B. iſt
der Fall bei den Ebenen des Kaſpiſchen
Meeres. Trocknete das Meer aus, ſo
würde dies ſichtbar werden. Weñ im
Monde Leibnitz der höchſte Berg iſt, der
die Berge der Erde an Höhe übertrifft,
ſo würde dies nicht ſein, weñ die Meere
auf der Erde vorſiegten.

Berge
unter Umſtänden
höher.

Dañ würden
die Höhen der Erde bedeutend hervortreten
.

Folgen
des Sinkens des
Meereſſpiegels

Die jetzigen Ebenen wären, deñ
Plateaus, auf denen ſich das Klima ſofort
verändern, u. nicht die Producte tragen
würde, die ſie jetzt tragen.
Der Unterſchied zwiſchen den Gebirgen der
alten u. neuen Welt iſt auch deshalb merkwürdig
, daß in erſteren ſämtliche Höhen
in einer Entfernung von 25 Meilen von
der Südſeeküſte liegen, u. Zb. ganz Süd-
Amerika, faſt 300000 Ml. ohne einen
Berg iſt, der über die Schneelinie regte.

Geſetz
bei den Berggipfeln

Ein ſonderbares Geſetz u. conſtantes
Verhältniß findet man zwiſchen den hohen
Bergrücken oder Ketten, u. deren Gipfeln
keñt man die höchſten Gipfel der Alpen
u. des Himalaja-Gebirges, ſo giebt
die Hälfte dieſer Zahl die Höhe des
Rückens der Bergkette. Die mittlere Höhe
des Rückens findet man leicht, weñ man
die Höhe von 10–12 Päſſen nim̃t. Nicht
alle Päſſe gehen bis in die Schneelinie. Der
höchſte Rücken der Pyrenäen iſt gleich dem

mittl. Rücken der Alpen; der höchſte Rücken

der Alpen gleich dem mittlere Rücken der
Anden u. der höchſte Rücken der Anden
gleich dem mittlern Rücken des Himalajagebirges
. Jn dieſer großen Bergkette
iſt das Verhältniß der Bergrücken zu den
Kuppen = 1 : 2. Jm Himalaya-Gebirge
ſind etwa 14 Päſſe gemeſſen u. man
hat deren mittlere Höhe 2430 Toiſen
gefunden, etwa gleich den Höhe des Montblancs
. Jn der Regel beſteht die Kuppe
aus demſelben Geſtein wie der Bergrücken
ſelbſt, in den Anden hingegen
ſind die culminirenden Punkte großentheils
vulkaniſch, u. oft von eigenthüml.
Färbung. Der Rücken ſelbſt iſt aber
Urgeſtein. Jn drei oben genañten
großen Bergketten befindet ſich das in
Rede ſtehende Verhältniß wie 1 : 2.
Jm Nördl. Theil von Süd. Amerika habe ich
ſelbſt in Venezuela die höchſten Gipfel 1350
Toiſen gemeſſen u. den Bergrücken 750 Toiſen
gefunden. Das Verhältniß = 1 : 1,8 oder 1 : 2
Jm Kaukaſus iſt dies anders, wo der

Rücken der Berge 1326 Toiſen beträgt,

die Gipfel jedoch lange nicht doppelt ſo
hoch ſind. Jn den Pyrenäen ſind die Bergrücken
1790 Toiſen, die Gipfel jedoch niedriger
, da der Montblanc nur 2460 Toiſen
hoch iſt, man müßte deñ die Pyrenäen
im Zuſam̃enhange mit den Alpen vermittelſt
der Seveñen ſich denken.
Jn den Apeñinen bei Spoleto fand ich den

mittlern Bergrücken 400 Toiſen hoch, hiernach
ſollte der höchſte Gipfel 800 Toiſen ſein,
der höchſte Berg iſt aber 1490 Toiſen . Eben
ein ſolchen Unterſchied, eingekehrt wie bei
den Pyrenäen findet ſich in Scandinavien
. Dreizehn Päſſe geben die mittlere
Höhe von 420 Toiſen, die höchſten Gipfel
ſind aber 1200 Toiſen. Würde der Meereſſpiegel

ſinken, ſo veränderten ſich

dieſe Verhältniſſe. Sehr wahrſcheinlich wird
es, daß die Neuheit der Gebirge im zuſammenhange
ſteht mit der Neuheit der Meere,
u. daß die Becken wo die elaſtiſche Spannung
ſich anhäufte der Oberfläche ſehr
nahe ſein koñten.

Betrachtung
der Bergaxe

Bei Betrachtung
der Axe der Berge finden wir fünf
Elemente. Dieſelbe kañ 1., durch den
Rücken der Bergkette gelegte werden.
2., oder ſie folgt der Waſſerſcheide, divortia
aquarum, die dañ freilich nicht mit
erſterer zuſam̃enfallen. 3., Die Linie
der Axe kañ durch die Maxima der Höhen
gelegt werden. 4, Die Axe folgt der
Natur der Geſteinarten u. geht entweder
parallel oder durchſchneidet den Rücken
5., Die Linie folgt dem Streichen der
Bergſchichten. Was letzteres anbetrifft,
ſo haben ferne Bergketten hierauf Einfluß
. Das Streichen der Gebirgſſtücke iſt
nicht zufällig, ſondern großentheils beſtimten

Geſetzen unterworfen. Zu bemerken

iſt dabei die loxodromiſche Richtung
der Linie. Herr v. Buch findet für Deutſchland
vier Syſteme. Niederländiſches, Nordöſtl
., Rhein- u. Alpenſyſtem. Jn unſerer
Gegend ſtreichen die Gebirgs u. Höhenzüge
von Nordweſten nach Südoſten.

Streichen
der Gebirgszüge

Dies
allgemeine Richtungsgeſetz erblicken wir
ſelbſt in den Alpen u. bei den Jnſeln
Griechenlands. Sehen wir auf den höhern
Waſſerſtand; ſo ſollte der Ausfluß
der Oder eigentlich in Hamburg, der
Ausfluß der Elbe in Bremen ſtattfinden
. Das jetzige Oderthal gehörte deñ
der Warte zu. Absolute Verſchiedenheit
zwiſchen Ebenen u. Bergen iſt hier
bei uns nicht anzugeben.

Ebenen
in Europa

Erſte ſind
eigentlich nur in den Steppen Amerikas u.
Aſiens zu finden. Zu Europa findet ſich
die größte Ebene in Ungarn, zwiſchen
der Theis u. der Donau. Solche großen
Ebenen bieten den gleichen Anblick mit dem
Meere dar. Sie ſind nicht im̃er Baumlos.

Jn Amerika

Jn Amerika ſind die drei großen Ebenen
am Amazonenſtrom, in Karakas u. in
Buenos Aÿres. Die nördliche u. ſüdliche
Ebene iſt blos mit Gras bewachſen u. völlig
baumlos, wo ſich unſere Pferde u. Rinder
vollkom̃en verwildert haben. Auf der
mittlern Ebene ſtehen die ungeheueren Waldungen
des Orinoko u. Amazonenſtroms.
Würden hier nicht große Flußthäler ſich
befinden, ſo köñten Affen 6–700 Meilen
von Zweig zu Zweig hüpfen. Die
Ebenen in Afrika, zeigen ſich nach den
neuſten Beobachtungen des Reiſenden Ehrenberg
nicht als flache Wüſten; ſondern dieſe
ſind uneben u. nur zum kleinſten Theile mit
Sande bedeckt. Aus den Bergen
entwickeln ſich hier die Flüſſe ſehr merkwürdig
. Brechen dieſe aus durch ein Auenthal
, ſo laufen ſie oft eine große Strecke
parallel der Axe der Berge. Jn
der Ebene entſteht deñ der Thalweg
weñ alle Linien in einer Riñe ſich vereinigen
, wo die größte Neigung zu finden.
Zuweilen ſtrömen in einem Thale zwei
Flüſſe. Geht ein Fluß nahe an der Grate
der Thales, u. ein Punkt wird hier
niedriger, ſo entſteht hier eine Bifocation
. Der Orinoco Zb. giebt einen Arm
dem Amazonenſtrom u. bildet eine natürl.
Verbindung zweier Waſſerſyſteme
. Etwas ähnliches findet ſich bei
dem Arno, der ſich mit der Tiber früher verbundete

hat. Dieſe Verbindungen köñen durch

Verſandungen leicht ſchließen. Eine Folge
derſelben Verhältniſſe iſt, weñ durch Bifocationen
Deltas gebildet werden.
Oft ſind in der Regenzeit die Gewäſſer
ſo hoch, daß ſie alsdañ zuſam̃enhängen
dieſes findet zwiſchen den Lorenzſtrom
u. dem Ohio ſtatt.

Verbindung
des ſtillen u. atlantiſchen
Meeres

An den Quelle zweier
Flüſſe die nach dem antilliſchen Meer
u. der Südſee gingen wohnt ein Mönch, der
die verſchiedenen Fiſche dieſer Ströme zuſammenbringen
wollte. Er ließ einen Kanal
graben, der die erſte Verbindung zwiſchen
den Ozeanen veranlaßte. Die aber doch
der Kleinheit wegen nie benutzt werden
wird. Das Gefälle der Ströme iſt oft
ſo gering, daß man am Orinoko noch das
Steigen der Fluth auf 300 Ml. weit vom
Ausfluß verſpürt. Man glaubte aus
der Höhe der Fluth an der Küſte u. dem
zurückſtauen der Flüſſe, der Fall derſelben
beſtim̃en zu köñen: doch iſt dies nicht
der Fall; in dem die Fluth in ihrer Bewegung
die Jnclination des Bodens ſelbſt
añim̃t, u. förmlich bergan ſteigt.

41. Vorlesung, 24. März 1828

Breite Flußbetten kañ man betrachten als
mehrere Ströme die vereinigt fließen, in furchenartigen
Kanälen zuſam̃engeſchichtet.

Breite Flußbetten

Jm Amazonenſtrom
findet man ganz ſeichte Stellen u.
dañ wieder Riñbetten von 120 Fuß Tiefe.
Letzteres erleichtert ſehr die Bifocation.
Die Größe der Flußgebiete iſt ſehr verſchieden
. Weñ man Zb. das Flußgebiet des
Rheins gleich 1 ſetzt, ſo iſt das der Donau
4, das des Amazonenſtroms 22. Große
Flußgebiete, deſſen Hauptthalweg nur
ſchmal iſt, veranlaſſe häufig gefährliche
Ueberſchwem̃ungen.

Vergleichung
mehrerer Flußgebiete

Die Waſſermenge richtet
ſich theils nach der Ausdehnung des
Flußgebiets, theils nach der Zone; deñ
weñ in der Gegend des Rheins die Höhe des
Gewäſſers 28 Zoll beträgt, das jährlich
durch den Regen herabfällt, ſo iſt die
Höhe dieſes Niederſchlages am Amazonenſtrom
80 Zoll. Das Quantum des Anſchwellens
der Ströme bleibt ſich in ſehr vielen
Jahren gleich. Der Nil ſteigt in den untern
Theil Egyptens bei Casiro gleich dem Orinoco
dh. 24 Fuß, u. dies iſt von laufenden
von Jahren der Fall geweſen u. das Maximum
des Anſchwellens bleibt ſich ſelbſt in dem
Zeitraum von 5–6 Tage jährlich gleich. Die
Waſſermaſſe des Stroms wird nicht durch
die Tiefe, ſondern durch den Jnhalt des Areals
der Fläche, u. durch die Geſchwindigkeit des
Laufs beſtim̃t. Die ſchönſten Meſſungen über
die Schnelligkeit des Nils; mit der die Schnelle
der Donau nicht verglichen werden kañ, verdanken
wir den Franzoſen. Die
Flüſſe münden ſich entweder in biñenländiſche
Seen, Steppenflüſſe, oder ſie gehen in
das Meer.

Mündungen
der Flüſſe.

Unter den Tropenzonen bemerkt
man oft, daß die Waſſermenge abnim̃t, je
weiter der Fluß ſtrömt. Dies iſt der Fall
bei dem Rio Apure, der 4 mal breiter
als die Donau, doch im̃er ſanfter wird,
je weiter er fließt. Dadurch daß der
Fluß durch Sandebenen ſtrömt, die bis
auf 52° R. erhitzt ſind, ſickert das Waſſer
ein, u. wird verdunſtet. Auf dieſe Weiſe
verliert auch wohl der Niger ſeine Gewäſer
. Bei den periodiſchen Schwingungen
der Gewäſſer der großen Meere, die
durch die Soñe u. den Mond veranlaßt
werden, u. die man Ebbe u. Fluth neñt,
werden auf die Gewäſſer der Flüſſe gehoben,
u. ſenken ſich alsdañ nieder.

Ebbe u. Fluth

Da das
ſüße Waſſer leichter iſt wie das Seewaſſer
, ſo hebt letzteres das erſtere
in die Höhe. Dieſe Oſcillationen beweiſen
augenſcheinlich die Attraction der
Soñe u. des Mondes. Bei den Alten koñten
höchſtens die Phönizier, die über die
Straße von Gibraltar hinaus gingen, dies
Phänomen in ſeiner ganzen Größe keñen
lernen. Die Griechen betrachteten als ein
großes Wunder, das Steigen u. Fallen des
Jndus, als ſei dies bei dem Zuge Alexanders
erblickten. Plato war bekañt mit
dieſer Erſcheinung u. Plinius ſagt aus u.
drücklich: deflutus causa luna et ſol. Newton
war der Erſte, der gründliche Unterſuchungen
hierüber anſtellte u. was Laplace
1772 hierüber für Aufklärung gab, gehört
zu dem Triumpf der Analyſe. Bei Breſt
iſt die Fluth 45 Fuß hoch, u. hier ſind 6000
Beobachtungen angeſtellt.

Höhe der
Fluth

Man hat gefunden
, daß die Soñe dreizehn Millionen mal
mehr die Erde anzieht als der Mond. Das
Heben u. Sinken des Meereſſpiegels geſchieht
zweimal des Tages u. die größten
Fluthen treten im Neu- u. Vollmonde ein
die Theorie iſt ſo weit gediehen, daß man
aus der Ungleichheit des Standes des Mondes,
u. aus den Beobachtungen der Ebbe u. Fluth,
aſtronomiſche Beſtim̃ungen hergeleitet, u.
mit großer Schärfe die Quantität des
Mondes angegeben hat. Die Soñe u. den
Mond ziehen die flüſſige Maſſe, die am
entfernteſten iſt vom Mittelpunkte der
Erde ſtärker an, als die Erde ſelbſt.

Erklärung
dieſes Phänomens

Steht der Mond im obern Kulminations-
Punkt, ſo wirkt dieſe Anziehung auch entgegen
geſetzt. Jndem der Mittelpunkt
der Erde mehr angezogen wird, verliert
dieſer die wirkende Anziehungskraft auf
der entgegen ſtehenden Seite der Erde u.
die Flüßigkeit weicht von der Oberfläche
um ſo viel als ſie oberhalb gehoben
wird. Jn großen Meeren iſt dies im̃er
der Fall, in kleinern walten jedoch andere
Verhältniſſe ab. Die Wirkungen müſſen
hier oft ſpäter eintreten, weil die Waſſer
berge allmächtig nur dahin gelangen. Man
muß dabei in kleinen Meeren ihre Richtung
unterſcheiden, ob ſie von Oſten nach Weſten
oder von Süden nach Norden liegen. Das Kaſpiſches
Meer iſt ganz ohne Ebbe u. Fluth, u.
beim Mittelländiſchen ſind ſie nur ſehr
geringe. Etwas öſtlich von Malta iſt
dies am ſtärkſten zu bemerken. Es kom̃t auch
viel darauf an, wo die Oeffnung des Biñenmeeres
iſt, durch die es mit dem Ozean
im Zuſam̃enhange ſteht. Würde das Mittelländ. Meer
über Syrien hinaus mit dem Jndiſchen
Ozean im Zuſam̃enhange ſtehen, ſo wäre
wegen Umſchwung der Erde von Weſten
nach Oſten die Fluth viel größer daſelbſt
. Nach Norden zu ſollte eigentlich
keine Fluth ſtatt finden, u. doch beträgt
ſie in der Hudſonsbai 15 Fuß, was auf
eine weſtliche Com̃unication mit dem ſtillen
Meer deutet. Die Oſtſee iſt frei davon
u. das Steigen u. Fallen des Waſſers iſt nur
periodiſchen Winden zuzuſchreiben. Jm antilliſchen
Meere beträgt die Fluth nur 18 .
Die größte Fluth iſt wohl in St. Malo, wo
ungeheure Waſſermaſſen bis 46 Fuß Höhe
eindringen.

Größte
Fluth.

An mehrern Mündungen der Ströme
Zb. Amazonenſtrom, Dordogne etc. ſieht man
Häuſergroße Waſſerberge anſtrömen;
wo ſich deñ die Fluthen mehrere Tage verbunden
haben. Man neñt dieſe Erſcheinung

Maskarez, die am Amazonenſtrom beſonders

gefährlich wird. Ueber die Höhe
der Wellen iſt lange geſtritten worden
die auf hoher See ſich bilden.

Höhe
der Wellen

Schlagen ſie
an die Küſte, ſo ſteigen ſie zu außerordentlicher
Höhe. An dem Herkulesturm in
Galizien ſahe ich die Wellen auf eine
Höhe von 240 Fuß ſpritzen, u. Capitain
Sebbin ſahe, wie ſie in Wardehous über
ein Land überrolten, welches 400 Fuß
ſenkrecht über dem Waſſerſpiegel lag.
Man hat die Meſſungen der Seewogen durch
die Depreſſion des Horizonts verſucht. Steht
man in hoher See auf dem Verdeck
u. ſieht die Soñe untergehen, ſo kañ man
ſie oben von Maſte noch erblicken, dies
heißt die Degreſſion des Horizontes.
Wird dies bei einem Sturm verſucht, wo
die See hohe Wellen ſchlägt, ſo kañ man
hieraus die Höhe der Wellen ungefähr
beſtim̃en, u. man hat ſie 42–45 Fuß gefunden
, welches allgemein angenom̃en wird.
Schon früher habe ich erwähnt wie zwei
Wogen ſich gegenſeitig aufheben u. eine
Ebene bilden, oder ſich doppelt verſtärken
köñen.

Wie tief
wühlt ſich das
Meer auf.

Die Tiefe, in welcher das
Meer aufgewühlt wird, hat man auf 60–80
Fuß angegeben. Jn Stürmen kañ es bis
auf zweihundert Fuß Tiefe aufgewühlt
werden. Dies iſt zu ſehen auf den Bänken
von Neufoundland. Jn gewöhnlichen Wellen
wird auf der Taucherglocke in zwanzig
Fuß Tiefe keine Bewegung des Meeres mehr
geſpürt. Die Gebrüder Weber in Leipzig
haben hierüber intereſſante Verſuche angeſtellt
u. gezeigt, daß es auf die Dichtigkeit
der Flüßigkeiten hiebei ankom̃e.
Ueber der Erdoberfläche ſind mit
Gewäſſer bedeckt. Ueber die Tiefe
haben wir ſchon geſprochen u. ich habe
vergeſſen anzuführen, daß die Alten ſie
ganz richtig beſtim̃ten, nämlich die tiefſte Tiefe
des Meeres, gleich der größten Höhe der
Berge.

Absolute Tiefe
des Meeres

Die Dichtigkeit des Gewäſſers
ſollte eigentlich unter dem Aequator, oder
vielmehr da ſein, wo die Kurve, welche
die Soñe bildet, um die Erde geht.

Dichtigkeit
des Gewäſſers

Dies
iſt jedoch nicht der Fall. Man hat die Unterſchiede
der Dichtigkeit des Meerwaſſer
unterſucht u. gefunden, daß die Längen
einen größern Einfluß auf dieſe u. die
Sole des Waſſers äußern, als die Breiten
. Jn der Höhe iſt das Meerwaſſer
nicht ſalziger als in der Tiefe. Die Chemiſchen
Beſtandtheile deſſelben ſind merkwürdig
, u. es enthält vier Stoffe: Natron
, Bittererde, Salzſauren Kalkkochſalz
.

Beſtandtheile
des Seewaſſers

Salpeterſaures Salz iſt nirgend
gefunden. Ein anderer Beſtandtheil
der ſehr gering iſt, iſt freie Kalkſaure
Kalkerde, die gewiß den Schalthieres Nahrung
giebt. Häufig findet man in Sanddünen
filtrirtes Seewaſſer, welches förmlich
ſüß geworden, u. ſich ſelbſt gereinigt
hat. Jm Meer finden ſich auf großen Strecken
ſüße Waſſerquellen, welche die
Manati oder Seekühe gewittert haben,
u. die ſich daſelbſt aufhalten. Man
kañ auch durch Deſtillation ſüßes Waſſer
gewiñen, welches Fressinet auf ſeinen Reiſe
beinahe ſtets gebraucht. Auch, weñ das
Seewaſſer durch eine Sandlage von 15 Fuß
Tiefe etwa ſickert wird es ſüß; jedoch hält
dies nicht lange vor. Die Alten ließen in
Schwäm̃en den Dunſt auffangen, der ſüß roch
oder nach Ariſtarch, durch Wachskugeln das
Seewaſſer ſickern. Jn allen Meeren
befinden ſich eine Schleimmiſchung, die gewiß
den Wallfiſchen etc. Nahrungsſtoff darbietet.

Leuchten
des Meeres

Hiemit hängt das Phänomen des Leuchtens
zuſam̃en, welches beſonders ſchön iſt, weñ
in den Waſſerfurchen, die die Tauer u.
Delphine ziehen, Flam̃en hervorzubrechen
ſcheinen. Nach genauern Unterſuchungen des
Reiſenden Herrn Ehrenberg hängt dies Leuchten
von organiſchen Theilen ab. Es ſind dies
keine ganzen Thiere, ſondern nur Faſern.
Leuchtende Jnfuſionsthierchen giebt es gar
nicht. Weñ man Meduſen erſchüttert, ſo
werden ſie gleichſam elektriſirt u. es entſteht
ein org. Lichtproceß. Dies Leuchten
hängt übrigens ſehr mit der Witterung
zuſam̃en, kañ aber für ein meteorologiſches
Phänomen nicht erklärt werden.

42. Vorlesung, 25. März 1828

Jn dieſer Stunde werden wir die Temperatur
des Meeres auf der Oberfläche
deſſelben betrachten, die den größten
Einfluß auf die Klimate, u. ſomit auf
die Agrikultur u. Entwilderung der
Völker hat u. gehabt hat.

Temperatur
der Oberfläche des
Meeres.

Jn der letzten
Stunde ſprachen wir von dem
Leuchten des Meeres. Es giebt zwar
leuchtende Thierchen im Meere Zb. die
Meduſen, die oft in einer Größe von
ein Fuß Durchmeſſer als leuchtende Vollmondſcheiben
auf dem Grunde des Meeres
liegen, u. dadurch die Behauptung wiederlegen
, als weñ ſie nur in Verbindung
mit dem Oxigen der Atmoſphäre leuchten;
doch der größte Theil des Leuchtens des
Meeres kom̃t von kleinen organiſchen Partikeln
u. Faſern, die im Meere ſchwim̃en, die
den bittern eckelhaften Geſchmack erregen
u. unter beſondern Bedingungen, wohin namentlich
die Erſchütterung gehört, leuchtend
werden. Dies veranlaßt, daß aus dem
Kiele des ſegelnden Schiffs Flam̃en zu ſchlagen
ſcheinen, u. das ſchöne Phänomen des Leuchtens
einer Brandung. Genau hat dies wie geſagt
der Reiſende Herr Ehrenberg mikroskopiſch
unterſucht.

Färbung
des Meeres

Noch der Färbung des Meeres
will ich hier erwähnen, die als ein optiſcher
Gegenſtand ſehr ſchwierig zu beſtim̃en iſt.
Daß Seen ſich oft blau, dañ wieder
grün ſpiegeln, giebt Anlaß zu den verwickelſten
Erſcheinungen. Unter den Tropen
ſpiegelt ſich das Meer Jndigoblau u. iſt
dieſe Färbung keineswegs der Reflex des
blauen Him̃els, ſondern dieſe bleibt ſelbſt
weñ der Him̃el mit weißen Wolken bedeckt
iſt. Obgleich Scoresby auch im hohen Norden
das Meer zuweilen blau fand; ſo iſt doch
deſſen Färbung mehr graſgrün, u. hier
halten ſich beſonders Wallfiſche häufig auf,
da es gleichſam ſchwim̃ende Bänke von
organiſchen Producten ſind. Wie tief
das Licht in das Gewäſſer dringe, iſt ebenfalls
ſchwer zu beſtim̃en.

Wie
tief das Licht
ins Waſſer dringe

Nach eigner Erfahrung
ſieht man in einer Taucherglocke
in einer Tiefe von 20 Fuß wenig vom Tageslichte
. Jn einer Tiefe von 40 Fuß muß
man ſich ſtets des Lichtes bedienen. Es
hängt ſehr davon ab, ob die Oberfläche
glatt oder gekräuſelt iſt; letzteres
hindert das Licht auf die Tiefe zu wirken.
Man hat daher verſucht Oehl auf die Oberfläche
zu gießen, um dies kräuſeln zu hindern
, wie Franklin lehrte, die Brandungen
dadurch unſchädlicher zu machen. Das factum
iſt nicht zu läugnen, u. in der Wellentheorie
von den Gebrüdern Weber iſt dies
erwieſen.

Aenderung
der Oberfläche.

Jede Aenderung der Oberfläche
auch durch die düñſte Haut verändert
die Bewegung des Meeres u. die Wellenoscillation
. Jn den Tropen, wo große Regentropfen
niederſchlagen, werden die Wogen
durch einen Regenguß, wo eine Haut ſüßen
Waſſers ſich gleichſam bildet ſofort verringert
. Um das Kräuſeln der Wellen
zu verhindern, haben Taucher ſeit Jahrtauſenden
ſchon, ohne Glocke, ſich des Oels bedient
. Weñ man das Meer von einer

benachbarten Anhöhe betrachtet, ſo ſieht man

oft den Grund des Meeres wie eine Karte
vor ſich liegen, welches nahe bei, nicht der
Fall iſt.

Grund
des Meeres
ſichtbar

Dies fand Herr Arago auf Yoiza
in einer Höhe von 300 Toiſen, wo er ſich
befand. Es rührt davon her, daß in
der Nähe des Gewäſſers, der Reflex
des Tageslichts von der Oberfläche ſo
ſtark iſt, daß das Auge gehindert
wird den ſchwachen Lichteindruck von
dem Boden des Meeres zu erhalten.
Erſt in einer gewiſſen Höhe vermag man
die Tiefe zu ſehen. Wie geſagt
hat die Temperatur des Waſſers einen
großen Einfluß auf Klimatologie.
Wir werden hiebei betrachten zuerſt
die Oberfläche oder obern Schichten, alsdañ
die tiefern Schichten u. endlich die
Sandbänke.

Wichtigſter
Moment bei der
Temperatur.

Der wichtigſte Moment der
Vertheilung der Temperatur, iſt die Vertheilung
der feſten u. flüßigen Hülle der
Oberfläche der Erde. Man muß hiebei das
Meer in ſeiner Ruhe u. in ſeiner Strömung
oder Bewegung betrachten. Das Waſſer
nim̃t ſtets nur einen Theil der Temperatur
der äußern Atmoſphäre an. Die
genauere Keñtniß der Klimatologie muß
eigentlich von der Tropengegend ausgehen
wo die Geſetze deutlich zu erkeñen ſind. u.
nicht von den Beobachtungen in den nördlichen
Zonen, die ſo oft perturbirt werden
. Die Geſetze der Temperatur unter
den Tropen ſind ſo beſtim̃t, daß der Unterſchied
zwiſchen der des Tages u. der Nacht
6–7° R. nur beträgt. Jm Meerwaſſer
ſelbſt iſt der Wechſel der Temperatur
ſo gering, daß iñerhalb 24 Stunden
eigentlich gar kein Unterſchied ſtatt findet.
Dieſen Jrrthum habe ich ſelbſt getheilt, bis
die franzöſiſchen Reiſenden Duperret u. Fressinet
u. Joe Davids den Unterſchied
von ½ u. ¾° R. fanden. Dies beſtätigte
der Obriſt Wilson, der auf der erſten
Reiſe mit einem Dampfſchiffe nach Kalkutta
hierüber Beobachtungen anſtellte. Merkwürdig
iſt die Tendenz des Meerwaſſer
zur Erwärmung ſelbſt.

Tendenz
des Meerwaſſer
zur Erwärmung

Weñ das Waſſer erkaltet
wird es dichter u. die Oberfläche
ſtrahlt beſtändig Warme aus. Die ſo
erkaltete kleine Haut, ſinkt daher nieder
u. kañ nicht heraufkom̃en, u. durch dieſe
Verſchiebbarkeit der Oberfläche entſteht die
Tendenz der Meere, ſich im̃er in wärmere Zuſtande
zu erhalten. Jm Ganzen haben auch die
neueren Reiſenden Fressinet u. Duperret gefunden
daß zwiſchen dem Aequator u. 48° 50 N. u.
S. B. im Som̃er u. Winter die Oberfl. des Waſſer
ſtets wärmer iſt als die Luft. Jch dringe um
ſo mehr auf dies gefundene Reſultat, als das
Gegentheil von mehrern Seiten behauptet worden
iſt. Außer den Tropen iſt die monatl. Veränderung
der Meere 7 mal, unter den Tropen
6 mal geringer als die Veränderungen der Luft.
Erſt vor wenigen Monaten habe ich es volkom̃en
eruirt, daß der weſtliche Theil des Atlantiſchen
Ozeans, von dem Europa die Wärme durch
die herſtrömenden Weſtwinde erhält, eine Bedeutend
erhöhete Temperatur hat. Es iſt dies klar
bewieſen durch eine Maſſe von Beobachtungen
die wir Herrn Renel verdanken, einem 80 jährigen
Greiſe, der ſeine Entdeckungen über die Strömungen
im Atlant. Ozean herauszugeben beabſichtigt.
Ströme warmen Waſſers verbreiten ſich nach den
kältern Regionen. Das Reſultat iſt, daß
unter 50–52° N. B. der Atlantiſche Ozean ſich
nie mehr erkaltet, als 6–7° über den Gefrierpunkt
, weñ bei uns das Termometer 7–8°
unter dem Gefrierpunkt zeigt.

Temperat.
des Atlantiſchen
Ozeans.

Die Temperatur
des Atlant. Ozeans iſt daher am kälteſten
wie es in Berlin im Monat Mai in der
mittlern Temperatur iſt. Zwiſchen 65–70°
N. Br. iſt die mittlere Temperatur des Atlant.
Meeres nach Renel u. Sebbin ° über
den Gefrierpunkt, weñ die mittlere Temperatur
des correſpondirenden Continents 2°
unter dem Gefrierpunkt iſt. Die Mittlere
Temperatur des Meeres unter den Tropen
iſt 21–22°+ R. gleich der Wärme des
Waſſers des Orinokoſtromes. Dieſe Temperatur
hat dorten jedes Trinkwaſſer. So oft Seefahrer
den Aequator durchſchneiden finden ſie die
Temperatur der Oberfl. des Waſſers zunehmen.
Das Maximum der größten Wärme iſt aber
nicht ſtets unter dem Aequator, ſondern im
Parallelen der Kurve, die die Declination
der Soñe beſchreibt. Hier finden die Schiffahrer
ſtets das Maximum der größten Wärme
des Waſſers 24 24½+ R.

Größte
Wärme des
Seewaſſers.

Jn der Südſee
am Jſtmus von Panama u. in Quito habe
ich das Maximum der Meerwärme 24¾°+ R.
gefunden. Treten Windſtillen ein, ſo vermehren
dieſe zufällig die Wärme, man
daher dieſe Unterſuchungen anſtellen weñ die
Oberfläche gekräuſelt iſt. Wir haben
die Gewäſſer in ihrer gewöhnl. Ruhe beobachtet
, wir kom̃en jetzt dazu weñ ſie in Bewegung
ſind, oder in Strömungen.

Strömungen der
Meere.

Man kañ
dieſe Meerſtröme mit Flüſſen ſüßen Waſſers
vergleichen, die ebenfalls durch Ufer eingeſchloſſen
werden, die hier das Waſſer ſelbſt
bilden. Gehen ſie aus Biñenmeeren Zb. dem
Antilliſchen Meere, ſo ſchießt ein Strom
ſalzigen Waſſers ſo breit wie die Meerenge
aus demſelben, der nach Norden zu breiter
u. breiter wird. Jn einem Fall wird
aus dem Süden warmes Waſſer nach Norden
im andern Fall kaltes Waſſer nach Süden geführt
. Europa hat in Hinſicht des Klimas den
Gewiñ, daß nicht nur das Atlant. Meer ihr
Wärme giebt, ſondern daß ſich ein Strom
erwärmten Waſſers ſeinen Küſten nähert.

Urſache.

Der Golfſtrom der von den Afrikaniſchen
Küſten herkom̃t iſt Folge der Rotation des
Meeres von Oſten nach Weſten. Wäre Panama
geöffnet, ſo käme dieſer Strom nicht
her, u. dieſer Zuſam̃enhang des neuen Continents
iſt von lange her die Bürgſchaft der politiſchen
Sicherheit von Japan u. China, die durch eine
leichtere Com̃unication von Europa aus gefährdet
werden köñte. Der Aequatorial-
Strom von der weſtl. Küſte Afrikas, wird
durch den Jſthmus aufgehalten, geht daher
zwiſchen Kuba u. Jukatan in den Golf von
Mexico, bildet hier bei Veracruz einen
gewaltigen Wirbel u. geht bei Florida
ins Atlantiſche Meer. Dieſer Strom warmen
Waſſers geht ohne die Temperatur
des Nordens anzunehmen auf die Bank
von Neufundland. Hier theilt er ſich u.
ein Arm geht nach den S. O. den Azoren
zu, der ſtärkere aber nach N. O. u.
ſtößt ſich an den Küſten von Jrland, Schottland
, den Hebriden u. Scandinavien. Ein
auffallendes Beiſpiel iſt es, daß als am
Kap Lopez in Afrika ein Schiff ſtrandete
welches mit Fäſſern Palmöhl beladen vortheile
des Schiffs u. Oehlfäſſe mit vollſtändigen
Signatur nach J. in Jrland u.
Schottland ankamen, die in dieſer Zeit
zweimal den Ozean durchſchnitten hatten.

Beiſpiele
von Strömungen

Sämereien von den Tropen Zb. mimosa
scandens kom̃en häufig nach den Hebriden
. Necker in ſeinen Reiſen erzählt, daß
in neuern Zeiten, zwei Jahre hintereinander
volle Weinfäſſer an den Garten eines
Einwohners auf den Hebriden angeſchwommen
ſind, die geſtrandeten Schiffen in Amerika

angehörten. Schon 1682 u. 1684 kamen Eskimos

in ihren Kähnen von Seehundsfell nach
den Hebriden u. Pamponius Mela u. Plinius
erzählen, daß Jnder in Gallien geſtrandet,
die der dortige König zu Solaren machte
u. den Metellus Celer zum Geſchenk ſandte. Auf
ähnliche Weiſe wie aus dem Atlantiſchen
Ozean erwärmtes Waſſer nach Norden ſtrömt
kom̃t kaltes Waſſer in wärmere Zonen.
Dies iſt an der Weſtküſte Amerikas des Fall
wo eine Strömung in der Südſee nach Nord
zieht.

Strömungen haben
Einfluß auf das
Klima.

Auf das ſonderbare Klima von
Lima, wo oft nur eine Wärme von 12–13°
herrſcht, glaubte man, daß die entfernten
Schneeberge Einfluß hätten. Ein Hauptgrund
iſt wohl die Bedeckung des Him̃els
mit Wolkenſchichten, die Monate lang die
Einwirkung der Soñenſtrahlen hindert, u.
das Meer ſelbſt. Als ich vom Amazonenſtrom
kam, wo unter 10° S. B. das Meer
22–23°+ R. erwärmt ſein ſollte, fand
ich daſſelbe nur +12°. Die Berge ſind daher
nicht die Urſache des Klimas, ſondern die
kalten Gewäſſer der ſüdlichen Zone, die durch
den Meerſtrom dem Aequator näher gebracht
werden. Als ich nach Akapulko ging
fand ich die Wärme des Waſſer ſchon 15° +
das Maximum derſelben unter den Tropen
iſt 24° + R u. das Minimum 12½°+ R
Die Strömungen ſelbſt bewegen ſich in großer
Tiefe.

Tiefe derſelben

Auf der Aquilias-Bank
wo die Decl. der Magnetnadel gleich 0
u. wo ein Strom um das Cap Horn u.
ein anderer um das Cap d. guten Hoffnung ſich begegnen u.
in das Atlantiſche Meer ſchließen, hat die
Strömung 500 Fuß Tiefe. Weñ man
von der Erdoberfläche herauf u. von
der Waſſeroberfl. herunter ſteigt, ſo
nim̃t die Temperatur höchſt ungleich
ab.

Verſchiedenheit
der Waſſer und
Lufttemperatur

Der Gefrier-Punkt in der Höhe iſt
ungefähr bei 8000 Fuß. Jm Waſſer
nim̃t die Temperatur acht mal ſchneller
ab als in der Luft. u. die Bewohner der
Meere köñen mit leichter Mühe in alle
Zonen ſich verſetzen. Die beſten Beobachtungen
hierüber hat der Aſtronom Sebin
unter den Tropen angeſtellt. Die Oberfläche
des Meeres fand er + 22½° R.
u. in ſenkrechten Tiefe von 6–7000 Fuß
war die Temperatur + 44/10° R. Dies
giebt die Differenz von 1° R für jede
70 Fuß Tiefe. Jn der Luft dagegen muß
man ſich 5–600 erheben, bis das Termometer
1° R. ſinkt. Jn geringern Tiefen müſſen
natürl. dieſe Verſuche ungleich ausfallen.

Herr Perron u. Andern haben hieraus geſchlosſen

, daß auf dem Boden des Meeres Eis
ſein müßte, dies iſt aber unrichtig; deñ
das Meerwaſſer kañ in der Tiefe nie eine
tiefere Temperatur als + ° R. añehmen
.

Temperatur
des Waſſers in
der Tiefe.

Das Waſſer wird grade in dieſer
Temperatur am dichteſten, u. dehnt ſich
wieder aus, weñ es noch mehr erkaltet.
Scoresby u. Andere haben es häufig gefunden
, daß bei Spitzbergen die Oberfläche
des Meeres gleich 1,5° R. war, u. im
einer Tiefe von 1200–2400 Fuß die Temperatur
+ 1,7 = + 2° Wärme gefunden
wurde. Ein offenbarer Beweis, daß die
wärmern Waſſer eine größere Schwere haben
als die, die dem Gefrierpunkt nahe ſind.
Von dieſer untern Erwärmung iſt der
Golfſtrom die Urſache, der ſich mit
Jnflection dem Strom von Novaja Sembla
begegnet. Weñ die Gewäſſer dem Maximum
von 4°+ R. nahe ſind, ſo ſinken ſie deñ
herab. Jn den Seen der Tropengegenden
giebt es nie Partikel die dieſe Temperatur
erhalten köñen. Die Kälte, die
man ſelbſt unter dem Aequator verſpürt
wird durch die Strömung kalten Waſſers veranlaßt
, die von Norden dorten hinkom̃t.

43. Vorlesung, 26. März 1828

Wie geſagt iſt das Maximum der Dichtigkeit
des Waſſers bei + 3,3 ° R. Es
dehnt ſich ſogleich mehr aus weñ es ſich
mehr erkältet oder mehr erwärmt.
Jn den nordiſchen Seen iſt daher die unterſte
Waſſerſchicht nie unter + 3,3° R
dies hat einen ſehr wohlthätigen Einfluß
auf die Geſchöpfe die in der Tiefe hier leben
deñ die Gewäſſer frieren ſomit nie ein
u. da Waſſer ein ſchlechter Wärmeleiter
iſt, ſo leben ſie hier ſtets in 3–4°+ R.
Wie ſchon angeführt, ſind mehrere der Meinung
daß im Meer in großer Tiefe das Waſſer
dem Gefrierpunkte nahe iſt
.

u. Graf Romfort behauptet, daß namentl
. Salzwaſſer nicht die größte Dichtigkeit
bei + 3–4° R. añehme.

Der berühmte
Chemiker Berzelius iſt ſelbſt dieſer Meinung
, obwohl ich añehmen muß, daß er dies nicht
ſelbſt unterſucht hat. Scoresby behauptet
indeß ſehr glaubwürdig, warmes Waſſer
unter der kalten gefunden zu haben. Bei
1200–2000 Fuß Tiefe war bei Spitzbergen
das Meerwaſſer + 2° R u. auf der Oberfläche
1,5° R. Wäre letzteres ſpecifiſch
dichter, ſo köñte dies nicht gefunden
werden
.

|: Fortſetzung im nächſten Hefte :|
Ein anderes höchſt merkwürdiges Phänomen

iſt das, durch Termometer die Nähe von
Sandbänken zu errathen.

Durch Termometer
Sandbänke
beſtim̃en

Benj. Franklin
ſahe daß Matroſen im einem Boot oft die
Hand in das Waſſer tauchten, um zu unterſuchen
, ob die Bank nahe ſei. Dies iſt durch
Termometer-Verſuche ganz gegründet
gefunden. Bedeutende Bänke über die eine
ſchnelle Strömung geht erwärmen ſich wenig;
dañ ruht auch eine Nebelſchicht in der Regel
auf denſelben, welche die äußern Temperatur
verändert. Dieſe Beobachtung iſt von
Wichtigkeit für die Schiffahrt, u. auf neuern
Reiſen hat man ſtets von 2 zu 2 R. die
Temperat. Des Meeres zu beſtim̃en geſucht.
Nim̃t die Temperatur plötzlich ab, ſo nähert
man ſich entweder einer Strömung, oder einer
Sandbank. Die Erkältung des Waſſers auf
Neu-Fundland habe ich, weñ ich nicht irre
im Monat Aug. im Golfſtrom ſelbſt + 17–
18° R., das Waſſer nach Norden außer dem
Golfſtrom + 15–16° R. auf der Bank
ſelbſt aber nur + 12° gefunden. Die Erkältung
beträgt daher hier + 4–5° R. Auf
die Menge der Vermiſchung der untern Waſſer
mit den obern köñen die Erkältung der
obern Schichten veranlaſſen. Durch Stürme
kañ die Temperatur des Meeres um
2–3° R. verändert werden, u. ſich
um ſoviel erkälten.

Wir kom̃en jetzt zur Betrachtung
des Meereswaſſers als ein Starres, Erſtes,
Eis genañt.

Eis

Auf die Cultur u. den Zuſtand
des Menſchengeſchlechts hat dies großen
Einfluß gehabt. Das Eis kan gleichſam
als eine Gebirgsart angeſehen werden
die nicht mit dem Erdboden im Zuſam̃enhang
ſteht. Die größte Dicke des Eiſes, die in den
Polargegenden in dem Meere ſich bildet, iſt
6–7 Fuß. Man ſieht hier zweierlei Eiſe
nämlich Eisberge u. Eisfelder. Die Eisberge
bilden ſich am Lande in den Thälern
der Gebirge, an ſteilen Ufern, ganz ſo
wie die Gletſcher. Man findet ſie ſowohl
am Nord- wie am Süd-Pol. Jn der Baffin
Bai erreichen ſie oft eine Höhe von 1800 Fuß.
Ueber dem Meere ragen ſie oft 300-
400 Fuß hoch empor. Kap. Roſs ſahe
700 dergl. Eisberge gleichzeitig ſchwim̃en
gleich Kreidefelſen. An hohen Küſten werden
ſie von Schnee u. Bächen gebildet, löſen
ſich bei einiger Wärme des Erdbodens ab
u. ſchwim̃en als dañ in wärmere Klimate
Oben auf denſelben ſieht man zuweilen
große Granitblöcke liegen u. Dr. Eſchholz
beobachtete auf Kotzebues Reiſe auf
einem eine förmliche Vegetation mit Erde
was viel Aufſehen erregt hat. Aber alle
neuern Reiſenden haben die gleiche Beobachtung
wiederholt, u. es iſt natürlich, daß zuweilen
von den ſchrägen Abhängen ganze
Erdſchichten mit Raſen herabſtürzen u.
auf dem Eisfelde zu vegetiren fortfahren.
Uebrigens ſahe Eſchholz auch Ueberreſte
von untergegangenen Thiergeſchlechtern. Die
ſich bewegenden Eisfelder ſtehen 4–5 über
u. oft 20 unter dem Waſſer. Bei der
verſchiedenen Geſtaltung kom̃en dieſe großen
Maſſen ins Gedränge u. man kañ leicht ermeſſen
, weñ dieſe Eismaſſen von der Größe
wie die Provinz Altmark u. größer, 20
Meilen lang u. 12 Meilen breit ſich in
eine rotirende Bewegung ſetzen, welches
Krachen u. welche Zertrüm̃erung
an der Peripherie ſtatt finden muß.

Süß-
u. Salzwaſſer-
Eis

Von den Walfiſchhängern wird das Eis
in Süß- u. Salzwaſſer-Eis eingetheilt,
doch iſt ſehr wenig Eis frei von Salztheilchen
, welches im̃er in der Poren zu finden.
Merkwürdig iſt, wie durch Strömungen, Eisberge
bis zu ſüdlichen Breiten vordringen.
Vor einigen Jahren fand man bei den
Azoren bis 40° N. B. noch Eisberge. Merkwürdig
genug iſt es, daß keine Eisberge
an die Hebriden u. Schottland getrieben
werden.

keine
Eisberge
an den Hebriden

Scoresbi hat hiebei die Meinung
aufgeſtellt, daß weñ ſie gleich in Strömungen
kom̃en die nach Europa gehen, doch
einer tiefer liegenden größern Strömung
ſie folgen, die ſie bei ihrer tiefen Lage
nach dem Aequator hin treiben. 8/9 der
Eisberge ſind unter dem Waſſer u. 1/9
nur auf und über der Oberfläche. Jn der
Ferne zeichnen ſie ſich durch ein gewißes
Leuchten am Horizont aus, der Eisblink
genañt. Jndem das Eis Licht zurückſtrahlt, reflectiren
nach optiſchen Geſetzen die dazwiſchen
liegenden Spiegel der Waſſerbecken
als ganz dunkle Flecken, die den Eisblink
gleich einer lichten Däm̃erung hervorheben.
Die Wirkung des Eiſes auf die Atmosphäre
iſt ſehr wichtig. Weñ Eisberge
langſam ſtrömend ziehen, ſo reinigen
ſie die Luft, große Eisfelder machen
ſie hingegen durch ihre Zerſetzung trübe.
Nicht zu erklären iſt, daß die Eisberge
den Wind nehmen u. ihn finden. Weniger
auffallend iſt es, weñ ſie in wärmern Gegenden
durch die Erkältung der Atmoſphäre
die Luftſtrömung aufheben; aber dies iſt
der Fall ſelbſt da, wo die äußere Temperatur
ſo erkältet iſt wie ſie ſelbſt. Dieſe
Erſcheinung iſt zwar von Vortheil für Schiffe
die zwiſchen ihnen ſegeln, bringt ſie aber
dagegen doch oft in Verlegenheit. Der
Capitain Perry fand unter 73° N B. die
Dicke des Eiſes des offenen Meeres im
Monat December 38½, im Febr. 55
u. als Maximum im Mai 86 engl.
gleich ſechs franzöſiſchen Fuß.

Dicke des
Eiſes

Am wichtigſten
für die Klimate iſt die Beſtim̃ung
der Grenze des Eiſes u. des Schnees im Sommer
u. Winter.

Schnee u.
Eisgrenze.

So wie man bei uns
eine Oſcillation der Schneegrenze auf
den Bergen, bei einer Höhe von 12–1300
Toiſen bemerkt; ſo giebt es in der Ebene
auch eine dergleichen Eisgrenze, oder
Ufer des ewigen Schnees. Für das Klima
Europas iſt dieſe Grenze ſehr glücklich
geſtaltet. Die Wintergrenze des Eiſens
zieht ſich durch den mittlern Theil von Jsland
bis zum ſüdlichen Theil von Spitzbergen
Das Nord-Cap bleibt hiebei frei. Jn
Januar iſt das Meer von Wardehous
bis Spitzbergen ganz frei, die Bäreninſel
añoch eingeſchloſſen; dañ geht die
Grenze nach ſüdlichern Gegenden. Hingegen
bei der Som̃ergrenze iſt Jsland ganz
frei, eben ſo das nördliche Spitzbergen
u. der Oſten iſt nur im Verbande mit der
Küſte Aſiens durch ewiges Eis. Die Urſache
dieſer großen nördl. Bucht des freien
Meeres ſind die Strömungen des atlantiſchen
Meeres. Ganz anderes wäre der Zuſtand
der Welt, weñ die Behringsſtraße nicht
ſo enge wäre, deñ köñte das Eis von
der Küſte Aſiens fort nach dem Südmeer
treiben. Durch die Berührung mit erwärmten
Waſſer ſchmilzt im Norden
Europas das Eis fort, welches weiter
nach Oſten ſie nicht der Fall iſt, daher
auch Novaja Semlia weder im Norden
noch Süden, weder Som̃ers noch Winters
zu umſchiffen iſt. Das Maximum der
Kälte herrſcht keineswegs unter dem Pol,
eben ſo wenig fällt es in die Gegend
des magnetiſchen Pols, ſondern in die Gegend
zwiſchen Novaja Semlia u. Spitzbergen
, unterm 82° N Br. köm̃t man über den
Pol hinaus, weiter nach S. O. ſo würde
daſelbſt das Maximum der Kälte unter
72° N. B. anzutreffen ſein.

Maximum
der Kälte.

Die Luft.
Zu bemerken iſt der Kontraſt der Atmoſphären
um die verſchiedenen Weltkörper.
Während die Atmoſphäre des Mondes kaum

½ Linie Druck auf unſern Barometer ausüben

würde, u. daher gleich den Vacuo zu ſetzen,
iſt die Dunſthülle des Bielaſchen Kometen
4⅔ Erdhalbmeſſer; obgleich der Durchmeſſer
ſeines feſten Kerns kaum 50 Ml.
u. die ruchbaren Theile deſſelben kaum
ſo viel Volumen als das eines Meteorſteins
betragen.

Wir kom̃en jetzt zu der elaſtiſchen Flüßigkeit
die den Erdball umhüllt, u. von der
auf dem Ozean u. auf dem Continente
ruhen. Die Luft hat eine ganz andere elektriſche
Spañung weñ ſie auf flüßigem Boden
als weñ ſie über Vegetabilien u. Bergen etc.
ſteht. Wahrſcheinlich exiſtirt noch Luft in einer
Höhe von 32–40 Meilen, die dem Vacuum
unter unſern Luftpumpen gleich geſetzt werden
kañ; deñ ſo hoch befinden ſich die Sternſchnuppen
, die, wie die Aerolithen ſich erſt
erleuchtet zeigen, weñ ſie mit dem Sauerſtoff
der Luft in Verbindung geſetzt werden.
Wir müſſen hierbei betrachten

1. Die lichtſchwächende Kraft derſelben
u. Farbe.
2. chemiſche Beſtandtheile der Luft.

3. Der Druck derſelben.

4. Die hygronomiſche Beſchaffenheit

5., Die Producte welche die Luft erzeugt,

als Regen, Schnee, Hagel etc.

6., Die Temperatur derſelben u.

7., Die Erſcheinungen, die ihre Electricität

veranlaßt.

1., Färbung

Die Färbung der Luft iſt in den verſchiedenen
Zonen verſchieden. Unter den Tropen
iſt die Bläue derſelben viel dunkler als
in nördlichern Him̃elsſtrichen. Je mehr Dunſtbläſchen
in der Luft ſchwim̃en, um ſo mehr
ſtrahlen dieſe das Licht zurück, u. der Him̃el
wird weniger blau, ſondern milchig. Drückten
die Luftſchichten nicht ſo ſehr auf einander
, daß, wie ſchon angeführt, in einer
Tiefe von 12 Meilen eine Platinakugel ſchwimmen
würde; bilden wir uns ein, daß es
ſchwim̃ende luftartige Körper gäbe, bei den
der Druck nach Mariottiſchem Geſetz nicht
ſtatt fände, ſo würden wir eine lichtſchwächende
Kraft nicht keñen. Ein beſonders
Phänomen findet auf dem Meere ſtatt, daß
in Zeiten, wo das Meer kälter iſt wie
die Luft, ſich doch in der Mittagſſtunde die
Luft erwärmt um 1° R. Man hat
verſucht die Farbe des Him̃els zu meſſen
u. Saussure hat ein Jnſtrument erfunden, den
Cÿanometer, durch welches man freilich ſehr
unvollkom̃en die Farbe des Him̃els mit
den hier gezeichneten Schattirungen von
Blau vergleichen kañ. Der Unterſchied
der Färbung iſt ſo groß, daß weñ die
nach dem Jnſtrument bei uns 14° iſt, unter
den Tropen die 22° beträgt. Dieſe Beobachtungen
ſind mit Hÿgrometriſchen

Unterſuchungen

in Verbindung geſetzt, u. habe
ich hierüber einige Tabellen herausgegeben
.

Luftperſpective

Die Luftperſpective wird
ſehr durch die Beſchaffenheit der Luft
modificirt. Jn ſüdlichern Ländern haben
alle Umriſſe einen viel mildern Duft,
wie man dies in Sorento ſchon erblickt.
Dieſer milde Duft der alle Gegenſtände

umgiebt wird nach Süden hin im̃er

ſchöner u. ſchöner.

2. chemiſche Beſtandtheile
der Luft.

Die chemiſche Beſchaffenheit
u. Beſtandtheile der Luft ſind
erſt in dieſem Jahrhundert bekañt geworden
. Bis zum Jahr 1804 war ſelbſt
Lavoiſier in dem Jrthum befangen, daß
Sauerſtoff der Luft = 0,27 betrage. Einem
Chemiker aus Spanien Demortie verdanken
wir die Entdeckung, daß der Sauerſtoff
der Atmoſphäre nur = 0,21 iſt. Es fragt
ſich, ob dies nicht nach den Jahreszeiten
verſchieden iſt. So weit unſere Jnſtrumente
es anzuzeigen im Stande ſind, iſt
die Quantität des Sauerſtoffes bei allen
Winden u. in allen Jahreszeiten gleich. Die
Jnſaluität der Luft wird durch die entzogene
Quantität des Sauerſtoffes nicht veranlaßt
, ſo weit wir dies beſtim̃en köñen.
Jn Opernhäuſern u. Hoſpitälern etc. habe
ich Luft genom̃en, u. ſie der chemiſche Zerſetzung
unterworfen, aber ſtets gefunden
, daß zwar die Quantität der Kohlenſäure
verſchieden iſt, jedoch dieſelbe
Quantität Sauerſtoff ſtets vorhanden
iſt. Jn Hoſpitälern, in denen ein anſteckender
Typhus herrſchte, wurden Schwäm̃e
mit diſtillirtem Waſſer aufgehängt u.
dergl. auch in reiner Luft. Man unterſuchte
beide nach einigen Stunden u. man ſahe
auf dem aufgepreßten Waſſer der erſtern
ſich eine organiſche Haut abſetzen. Die
Agiometrie der Luft beruft daher nicht
auf der Maſſe des Sauerſtoffes, ſondern
auf ganz andern Stoffen. So ſind es leere
theoretiſche Träume, weñ man glaubt daß
die Luft geſünder ſei wo Pflanzen wachſen
oder Bäume. Eher köñte dies umgekehrt
der Fall ſein. Es iſt kein Unterſchied der
Abnahme des Sauerſtoffes zu finden, ſelbſt
nicht auf dem Meere. Man hat berechnet
daß weñ alle Thiere u. org. Weſen den
Stickſtoff 7000 J. lang ausſtrömen, das
Oxigen noch nicht um 0,1 abnehmen würde

und die Geſundheit nie in Gefahr kom̃en wird.

Man kañ einen bedeutenden Grad von verdorbener
Luft vertragen, ohne ſich unwohl
dabei zu befinden, ſelbſt in den Mophetten
der Gebirgsgruben. Die Beſtandtheile
der gewöhnlich atmoſphäriſchen Luft ſind
0,21 Sauerſtoff. 0,79 Stickſtoff u. 0,001 Kohlenſäure
. Eine Frage iſt öfters erörtert
worden, ob es reines Waſſerſtoffgas
in der obern Atmoſphäre giebt? Es
ſind dies eben ſolche Träume, als weñ man
behauptet, hieraus bilde ſich der Regen.
Man ſagte, daß ſelbſt die Aerolithen entzündetes
u. zuſam̃engeballtes Waſſerſtoffgas
ſeien. Die Atmoſphäre iſt im

vollkommenſten

Gemiſch wie Alkohol u. Waſſer u.
liegt nicht Schlichtenweiſe. Jn jedem Augenblick
ſteigt Waſſerſtoffgas in die Höhe
u. weñ die Quantität deſſelben auch nur
0,03 wäre, ſo ließe ſich daßelbe
prüfen, u. eine geringere koñte nie
zur Entzündung kom̃en, da es zu ſehr
verſetzt iſt. Durch den elektriſchen
Schlag kañ daher auch kein Regen
entſtehen. Sollte Waſſerſtofgas oben ſich
befinden, warum hat man nie eine Spur
davon in der Höhe entdeckt, obgleich Jai
Luſſac ſich 18000 Fuß hoch erhoben. Durch
Strömungen würde doch etwas herunter
kom̃en u. unterſucht werden köñen.

3. Druck
der Luft.

An den Druck der atmoſphäriſchen Luft
kañ ſich der Menſch leicht gewöhnen. Jn
einer Taucherglocke hält der Menſch den
Druck der Luft bis 64 Barometer höhe
aus.

Beim Heraufſteigen mit der Täucherglocke aus
einer Tiefe von 40–50 Fuß, wo der Druck der
Luft gleich zwei Atmoſphären ſtark iſt, ſtellen
ſich gleiche Blutungen ein, wie auf den Höhen,
aus den entgegengeſetzten Urſachen. Vögel
köñen einen bedeutenden Luftdruck ertragen.
Der Condor ſchwebt oft 3000 über dem Chimborasſo
u. ſtürzt plötzlich 19–20000 Fuß herunter in die
Straßen von Quito u. an die Seeküſte, ohne Schaden
für ſeine Organiſation.

Auf Bergen habe ich ſelbſt 13 öfters
ertragen. Die gewöhnliche Atmoſph. Luft
druckt mit 28. Auf großen Höhen fühlt
man anfangs zwar einige Beklem̃ung, man
wird aber in zwei Tagen vollkom̃en daran
gewöhnt u. man kañ die Abnahme u. Zunahme
des Drucks bald ertragen. Auf
18,000 Fuß drängt ſich das Blut aus den
Lippen u. Nägeln u. andere äußere feine
Gefäßen. Die Elaſticität der eingeſchloſſenen
Luft zerſprengt bei dem Mangel des
Gegendrucks dieſe feinen Gefäße. wie iſt es jedoch mit den

feinern Theilen der Lunge? etc.

44. Vorlesung, 28. März 1828

Wir ſind bei dem Druck der Luft u. bei
den ſonderbaren Erſcheinungen u. Eindrucken
ſtehen geblieben, die in die hohern Luftregionen
ſtatt finden.

Die Numeriſchen Elemente der Temper.,
des Drucks, der Feuchtigkeit, koñen wir
mit Jnſtr. beſtim̃en; nicht ſo genau die
Elektricität durch Elektroscope. Laplace
hat den Vorſchlag gemacht in ganz
Europa große wiſſenſchaftliche Jnſtitute
zu errichten u. hier mit gleichen Jnſtrumenten
Temperatur u. Druck zu beſtim̃en.
Es wäre wichtig zu ſehen ob der Druck
der Luft nachgelaſſen hat oder nicht. Dies
ſetzt eine langjährige Reihe von Beobachtungen
voraus, u. es wäre nicht genug, wie
die Lineiſche Geſellſchaft in Frankreich es in
ihre Statuten geſtellt, nur jeden Geburtstag
des großen Naturforſchens mit ſolchen

Beobachtungen zu feiern.

Man glaubte lange Zeit
daß die Beängſtigung die man Zb. auf hohen Bergen
empfindet von dem Mangel an Sauerſtoff
herrühre. Dies iſt nicht der Fall, deñ
der iſt bar allenthalben in gleicher Quantität
vorhanden. Auf größern Höhen wird
das gaſtriſche u. abdominalſyſtem nicht
tangirt, ſondern nur die kleinere Gefäße
. Verwilderte Stiere ſtürzen auf dieſen
Hochebenen gleich nieder u. verlieren Blut
ſobald ſie zum Laufen veranlaßt werden
das Hauptübel iſt das ſogenañte mal de
montagne, oder die Luft zu Speien, welches
auf dem Meere eben ſo ſtatt findet.
Schwächliche Perſonen u. beſonders Frauen
weñ ſie von der Seeküſte über die Anden
zum Beſuche der Freunde reiſen, wo ein Paß
zu überſchreiten, der höher wie der Mont
blanc iſt, fühlen ganz beſonders eine Schläfrigkeit
, Mattigkeit u. Abſpañung aller
Kräfte. Die Urſache iſt darin wohl zu
ſuchen, daß die Lunge bei der Düñe der Luft
nicht ſoviel Sauerſtoff durch die geringere
Quantität Luft ein athmen kañ, als ſie
es in nieder gelegenen Gegenden der Fall
iſt. Schon Acoſta im 16ten Jahrh. der ein
herrliches Werk über die phyſiſche Geographie
geſchrieben, erwähnt derſelben Erſcheinung
. Jm noch höhern Himalaja-Gebirge
glaubt man daß auf einigen Bergen die
Luft giftig ſey, u. die Bewohner halten
ſchon Höhen von 15000 Fuß für ungeſund.

Feuer
breñt in der
Höhe ſchwer.

Eine andere Erſcheinung iſt die Schwierigkeit
Feuer auf der Höhe zu machen. Jch fand es
ſelbſt, daß weñ ich behufs der Signale auf
der Hoch-Anden Feuer anzündete, die
Flam̃e nicht in die Höhe ſtieg, ſondern
an der Erde fortlief. Marko Polo hat

bereits dieſe Entdeckung auf dem Plateau am

Kaſpiſchen Meere gemacht. Die Flam̃e wird
aus Mangel des Drucks der Luft nicht zuſam̃engehalten
.

Nach neuern Beobacht. iſt ein Unterſchied
zwiſchen dem mittlern Druck d. Atmoſphäre
am Aequator u. bei uns benutzt man
den Barometer zu Höhenmeſſungen, ſo
fällt er jede 70 Fuß etwa eine Linie.
Bei einer Temperatur von 0° R. iſt der
mittlere Barometer druck 337, 25
= 28 1,2. Unter den Tropen 336, 28
Auf der Pariſer Sternwarte iſt nach
21 jähr. beobacht. der Mitteldruck 3,5
niedriger weñ der Südwind, als weñ
der Nordwind weht. An der N Br. Küſte
Scandinaviens iſt wieder ein geringerer

Druck als bei uns, wegen der dort häufig wehenden
S. W. Winde.
Man bemerkt in der

Luft eine Oſcillation, Ebbe u. Fluth möchte
man es neñen, die ſehr regelmäßig
iſt.

Oſcillation
der Luft

Seit Ende des 17ten Jahrh. iſt dies bereits
beobachtet. Jn den Tropen kañ
der Barometer beinahe die Stunden ganz
regelmäßig anzeigen. Derſelbe hat den
höchſten Stand Morgens 9 Uhr, ſinkt
deñ weniger bis 12 Uhr Mittag, mehr noch
bis 4 Uhr N. M. wo der niedrigſte Stand iſt.

Jn den Canariſchen Jnſeln
bei + 18° R. iſt der mittl. Druck 28″,3
da 3–4° über den Aequator hinaus die
S. W. Paſſatwinde wehen, ſo iſt die Temper.
der nördl. zur ſüdl. Hemiſphäre = 9 : 10.
Weñ auf einer Seite in der nördlichen Zone
die größte Barometr. Veränderung einen
Zoll beträgt, ſo iſt dieſe in Spanien nur
wenige Linien. Das Schalle fallen der
Barometer von 6–8 iſt gleichzeitig in ſehr
großer Entfernung. Dieſe Schnelligkeit hat
Brandens in einem großen Theile Europas
beobachtet.

Er ſteigt deñ wieder bis 11 Uhr, iſt am
niedrigſten um 4 Uhr Morgens u. ſteigt
deñ wieder um 9 Uhr. Es iſt ſo regelmäßig
dies ſtete Steigen u. Fallen, daß man
ſich kaum um ¼ Stdn irren kañ. Weñ unter
den Tropen die größten Stürme von
Oſten u. N. O. herwehen, u. ſelbſt Erdbeben
haben keinen Einfluß auf dieſe täglichen
Aenderungen. Bei uns hat jede Veränderung
einen bedeutenden Einfluß. Die
erſten Beobachtungen ſind hierin von
Varel 1682 an der Küſte von Afrika
gemacht, u. unter allen Tropengegenden
hat ſich dies Phänomen bis zu einer Höhe
von 14000 Fuß beſtätigt gefunden. Jn Oſtindien
weñ die Monsſors wehen u. ungeheure
Regenſtröme herunterſtürzen, wird
zwar die Variation etwas unterbrochen,
aber ſechs Meilen von der Küſte entfernt

begiñet dieſelbe Veränderung. Jn Europa

u. deſſen Breiten-Graden kañ man nur bei dieſer
Erſcheinung Mittelzahlen zu finden ſuchen. Jn
Spanien ſind 10–14 Tage riihend die
Barometerhöhen in den verſchiedenen Stunden
zu nehmen, um die übereinſtim̃ende Mittelzahl
zu finden. Nach Norden zu ſind die Perturbationen
größer, u. um ſo längere
Zeit muß man zu dieſer Beobachtung gebrauchen
. Selbſt in Koenigsberg iſt dies
vollkom̃en eruirt.

Aequator 1,5 Montpellier 0,5 Paris 0,3
Koenigsberg 0,1

Dieſe Variation beträgt
am Aequator nahe 5/4 Linien,
50° v. Aequator ¾ L. in Königsberg 3/100 L.
Wo die Grenze der Tropenzone iſt u. die
Nordwinde heftig wehen, die den Golf von
Mexico alsdañ zu beſchiffen ſo höchſt unſicher
machen, wird die Variation unterbrochen
u. es laufen Schiffe nicht eher aus Vera Cruz
bis dieſe regelmäßig wieder anfängt.
Jch bediene mich für dieſen Erſch. nicht gern
des Namens der Ebbe u. Fluth. Dalembe
hat ſchon längſt bewieſen, daß die Hüllen
der Planeten angezogen werden. Weñ
man bemerkt, daß der Barometer am
niedrigſten ſteht wo das Maximum der
Wärme u. am höchſten wo das Maximum
der Kälte zu finden, ſo bewirkt dies
nicht die Attraktion ſondern die Wärme
erregende Kraft der Soñe. Herr Daniel
hat die Theorie der Luftſtröme aufgeſtellt
u. glaubt daß weñ hier der Barometer
fällt, er am Nordpol ſteigt etc.
dies hat Perry auf ſeiner Reiſe nicht beobachtet
. Daß der Mond Einfluß auf den
Druck der Luft äußere hat man nicht
gefunden u. deſſen Einfluß iſt kaum auf
1/100 Theil einer Linie anzunehmen. Daß
aber die Barometer in Vollmond u.
Neumonde etwas höher ſtehen gehört noch
zu den wenig erklärten Erſcheinungen
Außer der Regelmäßigkeit die der Druck
der Luft veranlaßt, bemerkt man auch
eine regelmäßige Bewegung der Luftſtrömung
, die unter dem Namen Paſſatwind
bekañt iſt.

Paſſatwinde.

Man glaubte die Soñe veranlaßte
dieſe Erſcheinungen. Laplace hat
hierüber die vollſtändigſte Theorie gegeben
. Unter dem Aequator ſteigt die
erwärmte Luftſäule in die Höhe, u.
ſtrömt oben nach dem kalten Nord-
Südpol hin. Jede Wirkung ſetzt ſtets
eine Gegenwirkung voraus, u. aus dem
Gegenſatz ſtrömt die kalte Luftſchicht unten
nach dem Aequator. Da nun die Rotation
am Pol geringer iſt als am Aequator,
ſo müßen dieſe Lufttheilchen, ſo wie ſie
dorten hinkom̃en träger ſein, u. köñen
nicht gleich die dort erforderliche Geſchwindigkeit
añehmen; Sie bleiben daher zurück,
u. berühren als trägern Theilchen alle
Gegenſtände die raſcher ihnen entgegenkom̃en
oder ſie wehen nach Weſten hin von Oſten.
Hieraus entſteht, daß Luftſtröme von
N O u. S-W. nach dem Aequator geneigt
ſind. Es iſt wichtig zu wiſſen wo dieſe
Luftſtröme wehen, um zu beſtim̃en den
Cours den man nach den verſchiedenen Orten
einſchlagen will. Wären überall Continente
ſo wäre die Grenze der Winde v. N. u. S.
grade unter dem Aequator. Da aber im
Norden mehr Continente liegen, ſo kañ
man ſich denken, daß ein Wärme-Aequator
nördlicher liegt u. hier die größte Wärmeentwickelung
ſtatt findet. Die S. O.
Winde werden daher einen weitern Weg
zu machen haben, u. noch nördlich vom
Aequator wehen. Das Heranfurchen desſelben
iſt verſchieden in dem Meerſthale
zwiſchen Afrika u. Amerika u. in den Südſeen,
deñ in letzter gehen ſie nicht ſo hoch nach
Norden. Daß die N. O. Paſſatwinde u.
die S. O. Paſſatwinde großen Einfluß auf
die Wärme haben, dies hat ſchon 1666.

Die Erfahrung iſt längſt gemacht, daß Stürme
im̃er da entſtehen wohin ſie wehen. Dies fand
Franklin, daß der Nordſturm entſteht, weñ
ſüdlich eine Luftſchicht aufſteigt die nach Norden
oben hinſtrömt u. jene Luft verdrängt. Etwas
gleiches fand Herr v. Buch an der Küſte
von Afrika, wo ſich NO mit SW. abwechſeln
. Dieſe Veränder. Der Winde iſt Urſache
daß auf den Canar. Jnſeln des Maximum
der Wärme nicht im Aug. ſondern im October iſt.

Dampierre beobachtet, u. Halle hat hierüber
das größeſte Licht verbreitet. Aehnlich
wie im Allgemeinen unter dem Aequator
das Gleichgewicht der Luft geſtöhrt wird,
ſo findet man aus gleichen Urſachen oft regelmäßige
Land- u. Seewinde. Weñ bei Tage
ſich der Continent erwärmt, ſo ſtrebt die
Luft über dem Meere die Kälter iſt nach,
in der Nacht iſt grade den entgegengeſetzte
Fall.

köñte die Kultur Einfluß haben auf die
Winde, ſo würde ſich die Temper. ſelbſt bald
verändern. Die Oſtwinde ſind bekañt erkältend
für alle Weſtküſten, während die
Weſtwinde erwärmend ſind. Jn Paris verhalten
ſich nach 21 jähr. Durchſchnittsbeobacht. Die
Oſtwinde zu den Weſtwinden wie 23 : 70 = 1 : 3
daher die Temper. bei uns höher iſt. Würde
dies Verhältniß wie 1 : 7 ſein, ſo hätten wir gleich
eine erhöhete Temper. von + 2–3° R. Dieſe uns
zufällig erſcheinenden Luftſtröme haben den größten
Einfluß auf den Ackerbau; allein letzterer
kañ nie in den Grade ſelbſt auf d. Klimate ſo
wirkſam ſein. Die großen Veränder. in N. Amerika
haben hievon nichts gezeigt.
Auffallend ſind die periodiſchen ſtarken Luftbewegungen
um die Zeit der Aequinoctien. Wegen
des veränderten Aufſteigens der Soñe kañ dieſe

Erſcheinung nicht ſtatt finden, da dies ſo langſam u.

regelmäßig geſchieht, daß dies nicht die Urſache
abgeben kañ. Nach Oerſtaedtſchen Verſuchen ſollten
im Weltraume Linien vorhanden ſein, daß weñ
die Erde in ihrem Laufe dieſe berührte, ſolche
Erſch. veranlaßten. Sonderbar wäre es, daß
grade in der gleichen Zeit u. in gleichem Punkt dis.
Veränder. der Luft vor ſich gehen ſollte. Wahrſcheinlich
iſt es der Effect des Gleichgewichts der
Luftſtröme aus der N. u. S. Hemiſphäre.
Aber auffallend iſt es, daß dies ſo coincidirt.

Dieſe Erſcheinung kañ man ſelbſt hier
im kleinen in den Nähe von Sandebenen etc.
wahrnehmen. Die Luftſtröme von S. W.
nach N O. ſind nicht im̃er von gleicher Höhe,
oft ſind ſie der Erde näher. Unſere Berge
liegen oft in Regionen wo beinahe ein
ſteter Weſtwind herrſcht. Als Folge des
Gegenwindes iſt vulkaniſche Aſche auf öſtliche
Punkte weit getrieben. Die Beweglichkeit
der Luft iſt von einem nordiſchen Phyſiker

Herrn Kraft beobachtet u. beträgt

bei ſtärkſtem Sturm 132 Fuß in einer Sec.

Schnelligkeit
der
Luft.

Gewöhnliche Sturmwind ſchießt 60 Fuß in
eine Sec. Der berühmte Reñer Ecclypſe
lief, freilich nicht anhaltend, 58 in eine
Sec., u. ein Pferd kañ daher förmlich
ſo raſch laufen wie der Wind. Der
Schall pflanzt ſich nur 1038 Fuß in einer
Sec. fort u. die Kanonenkugel fliegt im
erſten Augenblick 1500 Fuß in einer Sec.

4. Feuchtigkeit
der Luft.

Der Hygronomiſche Zuſtand der Luft
iſt nach dem Boden ſehr verſchieden, wo ſie
auf Gewäſſer oder Continente ruht, wo
die Berge die Untiefen des Luftoceans
bilden. Man ſollte glauben daß auf dem
Meere das Maximum der Sättigung zu
finden ſein müßte; aber dies wird nicht
erreicht, indem die gewöhnliche Feuchtigkeit
kaum 95–96 Grad beträgt, weñ das
Hygronometer 100° zeigt. Es iſt dies
vielleicht eine Folge der Salzigkeit des
Waſſers; deñ Salzwaſſer in Berührung
mit der Atmoſphäre kañ der Feuchtigkeitsmeſſer
bis 80° herunterbringen. Die Feuchtigkeit
iſt nach den Jahreszeiten ſehr verſchieden
. Jm Winter iſt die Luft
in der temperirten Zone trockner als
im Som̃er. Es giebt Orte wo es in zwei
bis drei Jahren nicht regnet. Zb. in Cumana
, Margarita etc. u. deñoch findet
ſich an dieſen Gegenden die ſchönſte Vegetation
. Dies rührt von der großen Tenuität
der Dämpfe her, die unſichtbar in
der Luft ſchweben, u. den Pflanzen durch
ihre Einſaugungsgefäße Nahrung geben.
Der mittlere Feuchtigkeitszuſtand der Atmoſphäre
iſt bei uns 0,78 von der
größtmöglichſten Sättigung derſelben durch
Dämpfe; unter den Tropen = 0,88. Die
Trockenheit auf den Bergen iſt bedeutend
höher, u. Saussurer fand in Genf die
Luft nach ſeinem Hygrometer 76° u. auf
dem Montblanc nur 51°. Jn mehrere
Höhen habe ich nur 48° beobachtet.
Wir haben vortreflichen Jnſtrumente die Grade
der Wärme zu beſtim̃en, gut wäre
es weñ vollkomnere Jnſtrumente vorhanden
wären, die Feuchtigkeit der
Luft eben ſo zu beſtim̃en.

Vom Schall
Der Schall hängt mit der Fortpflanzung des
Lichts zuſam̃en. Bei einer bevorſtehenden Wetterveränderung
treten entfernt Gegenſtände
viel deutlicher hervor u. der Schall
hört ſich beſſer. Dieſe leichtern Oſcillation
der Schallwellen hängt mit meteoriſchen
Proceſſen zuſam̃en u. mit dem Aufhören
des aufſteigenden Luftſtroms, wo es
alsdañ regnet, weñ dieſer aufhört.

Was die Fortpflanzung des Schalls
anbetrifft, ſo iſt dieſe nach den Luftſchichten
ſehr verſchieden. Sie iſt in den verſchiedenen
Tageszeiten nicht im̃er dieſelbe.
Die Beobachtung macht man leicht, daß
bei Nacht beſſer Alles zu hören iſt, als
bei Tage. Bisher glaubte man, dieſe
Erſcheinung rühre daher, daß am Tage
mehr Geräuſch, Geſchrei der Thiere, Geſang
der Vögel ſtatt finde, die den
Schall aufhalten. Dies iſt nicht der Fall
deñ am Orinoko iſt bei Nacht ein größeres
Geräuſch wie am Tage. Das Geſchrei
zahlloſer Affen, das ſtarke Schwirren
großer geflügelten Jnſecten, tönen ſehr
laut in dieſen Wildniſſen, u. deñoch ſind
die Katarakten bei Nacht Meilen weit
zu hören. Die Urſache liegt daher in
der Beſchaffenheit der Luft ſelbſt. Mit
den Schallwellen iſt es derſelbe Fall wie
mit den Lichtwellen, ſie werden gebrochen
, weñ ſie durch elaſtiſche Flüßigkeiten
von verſchiedener Dichte kom̃en. Eine andere
Luftſäule ſteigt am Tage von einer
erhitzten Sandebene auf, u. eine andere
vom erwärmten Raſenteppich. Weñ
wir uns dieſe aufſteigenden Luftſtröme
als ſtehende prismatiſche Säulen vorſtellen
, ſo ſtoßen ſich an dieſen die
Schallwellen, es entſteht eine Art Echo; mehrere
Wellen verlieren ſich förmlich, u. nun
wenige pflanzen ſich fort. Schon an einem
Glaſe mit Champagner-Wein kañ man der
bemerken, daß ſo lange die Kohlenſäure
aufſteigt, das Glas einen ſolchen Ton wie
Holz añim̃t. Capit. Perry fand nahe
dem Nordpol wo eine gleichmäßige Temperatur
in der langen Nacht über den
Eisfeldern ruht die Fortpflanzung des
Schalls ſo außerordentlich, daß auf einer
Baſis von 6700 Pariſen Fuß zwei Perſonen
, ohne anſtrengend zu reden, ſich
wohl verſtehen koñten. Der Schall nim̃t
ab, je mehr der Barometerdruck
zunim̃t, u. dies mag Urſache ſein, daß
man Zb. den Doñer der Schlacht in einem Fall
hörte u. in anderm Fall wieder nicht hört.
Ueber die Geſchwindigkeit des Schalls

ſind bisher keine genauen Beobachtungen angeſtellt
worden u. man achtete nicht genug
auf die Tranſlation der Luft. Jch bin
ſelbſt bei Experimenten geweſen, die deshalb
bei Paris angeſtellt wurden in
einer Entfernung von 9500 Toiſen. Dieſe

Beobachtungen hängen ſehr vom Einfluß des

Windes ab. Jn einer Temper. von + 8° R

pflanzte ſich der Schall 1030 Fuß in einer
Secunde fort.

45. Vorlesung, 29. März 1828

5. Producte welche die Luft
erzeugt.

Steigt Waſſergas in die höhern Luftſchichten
ſo gerinnt es dort zu kleinen Bläſchen.

Regen.

Dieſe feuchte Luft iſt ſpecifiſch leichter als reine
Luft. Dieſe Bläſchen-Maſſen mit feinſter
Luft gefüllt, bilden ſich zu Wolken, u. ſuchen
ſich wie Aeroſtaten in das Gleichgewicht
mit der Luft zu bringen. Sie ſteigen
bei Tage in die Höhe u. ſinken alsdañ wieder
bei Nacht. Die atmoſphäriſche Luft zwiſchen
den Bläſchen bewirken daher, daß die Wolken
ſteigen oder ſinken. Dies iſt von Frenel
deutlich aus einandergeſetzt. Jn den Bergen
erreichen die Wolken eine Höhe von 4200
Fuß, wo ſie ſich alsdañ anhängen. Einen
Berg köñen wir als eine Untiefe im Luftozean
betrachten, in welchen er eingeſenkt
iſt mit dem Gipfel. Dieſe Untiefe
wird ganz anders die Wärme ausſtrahlen
als die benachbarten Luftſchichten ſelbſt,
u. ſich viel mehr erkalten als dieſe.
Daher bilden ſich hier mehr Wolken, u. Berge
ſind häufig mit ſolchem Gut verſehen. Es
iſt dies nicht Attraktion der Wolken durch
die Berge, ſondern Folge des aufſteigenden
warmen Luftmeers der Ebene, das
die Wolken vertreibt. Jm flachen Lande
regnet es daher ſeltener wie auf den Bergen.
Jn Afrika u. Egypten iſt dies Phänomen

um ſo deutlicher, wo die auf den erhitzten Ebenen
ſich bilden den Luftſäulen die Wolken vertreiben
. Für die Metereologie iſt dies ſehr
wichtig. Die Form der Wolken iſt oft nach
der Form der Landſtrich. Verſchiedene Namenbezeichnungen
hat man erſtern gegeben
die höchſten Wolken ſind die ſogenañten Schäfchen
in einer Höhe von 27000 Fuß, u. ſtehen wahrſcheinlich
im Zuſam̃enhange mit dem Polarlicht.

Die Höhe der dichteren Wolken durch die Höhe der Berge

zu meſſen, an denen ſie ſich lagern, iſt nicht
ſo genau, als vermittelſt eines Aeroſtaten.

Höhe der
Wolken

Jm Som̃er iſt die Höhe der Wolken 2500–3000
Fuß bei uns, unter den Tropen 4000 Fuß
Auf der Andeskette liegt unter ihnen die
Waldung des Chinarindesbaums. Steigt man
nach Quito u. Artisana ſo kom̃t man durch
mehrere Zonen u. mehrere Wolken ſchichten
die über einander ruhen. Wäre die ganze
Maſſe ſo hoch wie der höchſte Berg, ſo würden
die jetzigen Verhältniſſe der Wolken ſich aufs
Neue bilden. Allenthalben ſind Schichten von
Wolken nach dem Boden der Ebene berechnet
. Auf dem Meere lagern ſich allenthalben
Wolken da, wo Jnſeln ſind. Die
elektriſche Spañung die daſelbſt anders
als auf dem Meere iſt, kañ dies veranlaſſen
u. ſie ſtehen 4000 Fuß über der Jnſel
u. ſind daher ſehr weit zu ſehen. Auch über
Sandbänken, ſind ſie gleich 200 noch tiefer
köñen ſolche Wolken ſich lagern. Die Wolken
köñen inſofern die Atmoſphäre
erkälten, als ſie die Jntenſität des Lichts verändern
. Jn Peru köñen ſich froſtige Perſonen
über Kälte beklagen, da in Lima oft
nur + 12° R. ſind. Sind Wolken nahe der Erde
ſo ſind ſie Wärme erregend; indem ſie hindern

daß der Erdkörper Wärme ausſtrahlt. Termometer

ſteigt mehrere Grade weñ die Wolken

herübertreiben. Das Licht wird reflectirt
Erkältung

der Erdoberfl.

Jſt der Him̃el wolkenleer, ſo erkaltet ſich
die Erdoberfläche viel eher. Eine ſtille ruhige
Luft begünſtigt dies viel mehr, deñ um ſo
eher kañ durch Ausſtrahlung u. Verdunſtung
die Kälte erregt werden, andernfalls treibt
der Wind die kleinen Waſſerbläſchen gleich
fort. Nach Beſchaffenheit der Oberfläche
erkalten ſich beſonders ſehr leicht Körper von
größer Düñigkeit, wie Papier, Blätter
oft 6–7° R. unter der Temperatur der
Atmoſphäre. Metallflächen erkalten ſich
etwa nur um 2°, werden zwar leicht erwärmt
, erkalten aber auch wieder ſehr
leicht. Es kom̃t wie geſagt hiebei viel
auf die Oberfläche an; indem polirte Metallgefäße
im̃er ſchwer zu erwärmen
ſind. Gras erkaltet ſich ebenfalls ſehr
leicht u. hierauf beruht auch die Kälte
erregende Eigenſchaft der Wälder. Es iſt
nicht Schatten allein welcher hier Kälte verurſacht
, ſondern dieſe vielen Blätter, die
als ſehr düñen Körper ihre Wärme ausſtrahlen
; ſich leicht erkalten u. die freie
ſie umgebende Wärme entziehen. Hierauf
beruht der Grund daß man in warmen
Ländern Zb. in Jndien Eis machen kañ,
ſelbſt weñ das Termometer 3–6° + R.
zeigt. Die Düñen porösen Töpfe ſtrahlen
gegen den wolkenleeren Him̃el u. werden
mehr erkältet, als weñ ſie bedeckt
wären. Da ſie 6–7° unter der Temperatur
der Luft ſich erkälten, ſo entſteht
Eis, welches um ſo ſtärker iſt, je ruhiger
die Luft geweſen. Davon hängt auch
ab, ob viel oder wenig Tau gefallen.

Tau.

Derſelbe iſt ſtets an der obern Seite
der Blätter zu finden, nie an der
untern. Den ſogenañten rothen Mond
im Monat Mai fürchten daher die Gärtner
mit Recht; nicht des Mondes wegen, ſondern
des ſternenhellen Him̃els wegen, der der
Erde die Wärme entzieht.
46. Vorlesung, 31. März 1828

Von der Feuchtigkeit der Luft bin ich zu
den Proceſſen der Waſſermeteore übergegangen
. Jhr Character kañ hier nur ſo
aufgeſtellt werden, wie er ſich für eine
phyſiſche Weltbeſchreibung eignet. Jedes
Phänomen muß nach ſeiner Beſchaffenheit
in den verſchiedenen Zonen, mehr geographiſch
hier behandelt werden. Bisher hat
man die Wärme unter den verſchiedenen
Zonen erſt unterſucht u. der Druck der
Atmoſphäre, die Feuchtigkeit derſelben iſt
nur erſt kürzlich geographiſch eruirt. Auf
dem Meere thaut es weniger als auf dem
Continent u. in den Tropen mehr als in der
temperirten Zone. Hier ſind eine geraume
Zeit des Jahres keine Wolken am Him̃el
daher iſt hier die Ausſtrahlung häufiger
mehr Kälte erregend u. daher der Tau
ſtärker. Jn ähnlicher Art werden
wir den Regen, Schnee u. Hagel nach
den geographiſchen Zonen betrachten.

Regen

Was die Bildung des Regens anbetrifft,
ſo iſt hierbei der Umſtand, daß die auflöſende
oder vielmehr expanſive Kraft
der Dämpfe in Zahlen ausgedrückt, nicht
in derſelben Reihe ſteigt, wie die Zahlen
bei den verſchiedenen Temperaturen; ſondern
weñ letztere in arithmet. Reihe
ſteigt, erſtere in geometr. Reihe zunim̃t
kom̃t nun eine gleiche Quantität Luft
von verſchiedenen Temperaturen zuſam̃en
ſo entſteht eine mittlere Wärme von beiden
aber alsdañ entwickelt ſich die Präcipitation
des Waſſergases, da die
obern Luftſchicht es nicht mehr zu halten
in Stande iſt. Das reinſte Waſſer, entfernt
von allen Gegenſtänden auf
zeigt einige chemiſche Beſtandtheile Zb. Salpeterſäure
. Unter den Tropen iſt die
Zeit wo Regen u. Dürre wechſelt merkwürdig
. Es iſt dies der dortige Som̃er
u. Winter, u. fällt grade umgekehrt in
die Zeit wo bei uns Som̃er u. Winter iſt.
Mit dem Aufhören der Paſſatwinde
fängt die Regenzeit an. Weñ es 6–8
Monate nicht geregnet hat, u. in dieſer
Zeit die vermilderten Thiere von der vegetabiliſchen
Waſſerquellen nur leben
müſſen, von den Cactusarten, die ſie
mit den Füßen nicht ohne Verletzungen öffnen,
deñ verändert ſich endlich die dunkle Bläue
des Him̃els u. wird heller, der Hygrometer
zeigt mehr Feuchtigkeit, die Sterne
funkeln lebhafter, die Brieſe oder
Paſſatwind hört allmählig auf u. die Electricität
iſt oft 0 u. dañ wieder ſehr
ſtark ſowohl + als . Es iſt dies ein
Gewitterzuſtand ohne Gewölk, wo alle
Abend ſich Wetterleuchten einſtellt. Endlich
erheben ſich am Horizont Wolken. Die
im̃er näher kom̃en, endlich den Him̃el bedecken
u. regnen. Dies geſchieht im April
u. Mai. Eine ſehr deutliche Erklärung über
die Paſſatwinde iſt dieſe Erſcheinung,
warum dieſe aufhören, weñ die Regenzeit
anfängt, u. alsdañ Weſtwinde
wehen. Die große aufſteigende Maſſe
Waſſergas, wird durch die Polarluft
verjagt, die den Paſſatwind bildet.
Erwärmt im Monat Mai die Soñe die
nördlichen Zonen, ſo wird es dorten ſo
warm wie unter dem Aequator, u.
ſo hören die Luftſtröme dahin auf. Jetzt
häuft ſich dorten eine Maſſe Waſſergas
an u. es entſtehen Regengüſſe in der Epoche
weñ die Soñe den Aequator durchſchneidet
. Die Quantität des herabfallenden Regens
iſt nach den Zonen verſchieden. Jn
der gemäßigten Zone beträgt die Höhe des
herabfallenden Regens, weñ keine Verdunſtung
dabei ſtatt fände 18–24, unter den
Tropen 108–120 jährlich.

Höhe des
herabfallenden
Regens.

Hiebei giebt es Ausnahmen
Zb. die Weſtküſte Englands, wo 45
u. die Oſtküſte daſelbſt, wo nur 20–22 Regen
herabfallen. Ganz etwas ähnliches
findet man in Scandinavien. Zu Bergen
an der Küſte, beträgt die Maſſe des herabfallenden
Regens 70–92 u. im Jñern des
Landes 14–15 jährlich. Der Unterſchied
der Quantität des Regens der an einem Tag
herabſtürzt, iſt unter den Tropen 4–5
mal größer. Je höher die Wolken ziehen
je größer ſind die Tropfen, die im herabfallen
durch mehrere Luftſchichten die Feuchtigkeit
anziehen u. ſich ſomit vergrößern.
Die Temperatur der Regentropfen iſt ſtets
° R. kälter als die Luft, welches theils
von der Verdünſtungskälte beim Fallen
theils von der primitiven Kälte des Waſſers
in der Höhe herrührt. Seltene Ausnahmen
ſind es, daß auf Hochgebirgen die herabfallenden
Tropfen etwas wärmer als die
umgebende Luft ſind. Uebrigens kañ es
auch an einigen Orten der temperirten
Zone der Fall ſein, daß dorten ſo viel
Waſſer als in den Tropen fällt. Jm
mittlern Frankreich, wo gewöhnlich kaum
Regen fällt, fielen nach genauer Beobachtung
des de la Braſſe 2′5 in einer
Zeit von 22 Stunden. Etwas ähnliches
iſt in Cayenne bemerkt worden, wo man
in 24 Tagen 12′7 Waſſer fallen hoch.
Jn neueren Zeiten iſt die Phyſik beſchäftigt
geweſen durch genaue Maſſe zu beobachten,
ob mehr Regen in der Höhe, als in der
Ebene fällt. Jn Paris hat man gefunden,
daß während zehn Jahren, auf einer Höhe
von 90 Fuß, ein viertel weniger Regen
gefallen iſt als in der Ebene.

Schnee

Auch der Schnee kañ nach den verſchiedenen
Zonen unterſucht werden. Die Criſtalliſation
des Waſſers u. Eiſes iſt noch nicht
genau genug bekañt. Man glaubte das
Eis geſtalte ſich in hexaedriſchen Prismen,
genauere Betrachtungen zeigen aber, daß
es Rhomboiden von 60 u. 120° ſind.
Unter verſchiedener Kälte bilden ſich auch
verſchiedene Kriſtalformen. Eine andere
Erſcheinung iſt die verſchiedene Quantität
Luft die im Jñere des Eiſes u. des
Schnees enthalten iſt, nicht in den Zwiſchenräumen
des letztern, ſondern in ihm
ſelbſt. Sobald wie Waſſer friert
wird Luft herausgetrieben u. doch befindet
ſich noch zwei mal ſo viel Luft
im Eiſe des Waſſers, als im Eiſe der
Luft. Die Kriſtalle des Schnees am Nord-
Pol ſind von Scoresby unterſucht worden
. Unter den Tropen iſt deren Bildung
u. Geſtaltung ſehr merkwürdig, auf
den Höhen von 15–18000 Fuß; ſo daß
die Sprachen der Europäer u. der Wilden
bereichert worden iſt, alle dieſe Geſtalten
aus zu drücken, der Mitteldinge zwiſchen
Schnee u. Hagel. Unter den Tropen
ſchneit es häufiger bei einer Temperatur
über als unter dem Gefrierpunkte, gewöhnlich
bei + 2–4,5° R. Unter dem Aequator
ſchneit es in einer Höhe von 12000
u. darüber, unter dem Tropicus Cancri
bei 9300.

Schnee unter
dem Aequator

Hier liegt Mexico, u. es iſt der
Schnee dort etwas ſeltenes. Merkwürdig
iſt es, daß vor 40 Jahren an dem Tage wo
die Jeſuiten Vertrieben wurden u. dorten
weggingen es ſchneiete, u. dañ wieder, als
ſie vor einiger Zeit dort ankamen. Die
Quantität Waſſermaſſe die man aus
Schnee erhalten kañ, iſt beobachtet. Gepreßter
Schnee giebt ſeiner Quantität Waſſer
nicht zuſam̃engepreßter nur 1/12. Jn Schottland
will man leuchtenden Schnee geſehen haben, es
kañ dies ein elektriſches Phänomen ſein. Steht
dieſe Erſch. aber im Zuſam̃enhange mit dem
rothen Schnee, ſo gehört es zur Geographie
der Pflanzen u. nicht hieher. Die Bildung
des ſtarren Waſſers als Hagel iſt etwas
anderes.

Hagel

Jm̃er räthſelhafter wird
die Erſcheinung dieſes Phänomens, da in
den verſchiedenen Zonen keine Uebereinſtimmung
herrſcht. Am Pol hagelt es gar nicht
eben ſo wenig unter den Tropen, u. bloß
unter den Mittelzonen. Soll Electricität
den Hagel veranlaſſen, ſo findet dieſe zwar
nicht ſo häufig am Pol, aber ſehr häufig unter
den Tropen ſtatt. Der Hagel iſt aber hier
ſo ſelten, daß weñ es in 50 Jahren hagelt
die Menſchen verwundrungsvoll zuſam̃enkommen
, als weñ bei uns Aerolithen herausfallen
möchten. Auf Höhen von 3000 Fuß

u. darüber hagelt es hier noch am öfterſten. Jm

ſüdlichen Europa iſt dieſe Erſcheinung am häufigſten.
Wo es am öfterſten

hagelt.

Jn der Gegend hagelt es am meiſten wo die
Alpen in den Thälern u. Ebenen ſich allmählig
verlieren. Jn der angrenzenden Lombardie
, in Aoſta, Lugano etc. richtet der Hagel
große Verheerungen an; in den Alpen ſelbſt
hagelt es dagegen ſelten. Bei Tage hagelt
es öfter als bei Nacht, u. es iſt möglich daß
dies mit der Soñe im Zuſam̃enhange ſteht,
nicht als leuchtender, ſondern erwärmender
Körper. Die Größe des Hagels iſt in ſüdlichen
Gegenden beträchtlicher als in nördlichen; man
kañ dort nicht ſelten Körner von ½ Gewicht
ſam̃eln.

Größe
der Hagelkörner

Jn Myrore ſoll nach Verſicherung
eines ſonſt glaubwürdigen Reiſenden,
bei dem Tode Tippo Saibs, ein Hagelkorn
von der Größe eines Elephanten heruntergefallen
ſein, das beim Zerſchmolzen einen
Schwefelgeruch verbreitete. Es iſt eine höchſt
unſichere Beobachtung ob wirklich ein Meteorſtein
eingeſchloſſen geweſen, u. höchſt unwahrſcheinlich
iſt es, daß glühendes Schwefelkies
mit Eis im Zuſam̃hange ſich befunden
haben ſoll. Die Form des Hagels iſt ſehr
verſchieden. Während des Fallens rotiren
die Körner u. die Lagen ſetzen ſich um
dieſelben concentriſch an.

Rotirung

Jm Kleinen findet
man für Aehnlichkeit mit den Weltkörpern,
u. mehr als einmal fand ich ſelbſt, daß
förmliche Ringe, wie Saturnsringe, ſich um
die Hagelkörner gebildet hatten, die ich
ablöſen koñte.

Aehnlichkeit des
Hagelkorns mit den
Weltkörpern

Einiger Hagel iſt wie
Keulen geſtaltet, die Spitzen haben.

rother Hagel

Man hat auch rothen Hagel geſehen, in den
kleine vegetabiliſche Körner eingeſchloſſen
waren. Der rothe Schnee bietet die Erſcheinung
dieſer rothen Körner dar, die ſich
ſelbſt in Paris 2–3 Jahre lang fortpflanzten,
dadurch, daß ein Korn platzte u. 6–7 Körner
ſich bildeten u. fortvegetirten. Wären auf
dieſe Art die erſten organ. Stoffe in der Atmoſphäre
ſelbſt; ſo wäre dies allerdings merkwürdig
. Jch ſelbſt habe dergl. Beobachtungen nicht
gemacht.

Volta’s
Anſicht über den
Hagel

Der größte Phyſiker Volta glaubte
, daß gehem̃te, geringere Ausdünſtung den
Hagel veranlaßte; u. dañ, welches wahrſcheinlicher
iſt, daß die Hagelkörner von
zwei Wolkenſchichten mit entgegengeſetzte
Electricität angezogen, u. abgeſtoßen
würden, welches das Raſſeln in den Wolken
veranlaßte. Uebrigens ſcheint ſich der
Hagel in den höhern Regionen zu bilden, u.
iſt ein Phänomen der temperirten Zonen

Luftwärme

Wir kom̃en zur Luftwärme ſelbſt u.
zur Vertheilung der Klimate, wovon der
größte Theil der Erſcheinungen abhängig iſt.
Es kom̃t hier auf die geographiſche Lage,
Beſchaffenheit des Bodens, Nähe des Meeres,
nachtheilige Ausſtrahlung der Wärme etc.
an. Die Hauptbedingung iſt aber der verſchiedene
Standpunkt der Soñe zum Horizont.

Standpunkt
der Soñe

Von der ſenkrechten Jncidenz der Soñenſtrahlen
bis zur Neigung von 20° iſt die
Wärme ſtets gleich, oder die mittlere Temperatur
. Eben ſo iſt auch die photometriſche
Wirkung des Lichts von 12 Uhr 3 Uhr im Monat
Aug. ganz gleich.

Quantität
der Wärme

Die Quantität der Wärme
hängt daher von der Quant. des zurückgeworfenen
Lichts ab, u. dieſe iſt verſchieden
nach dem Einfallswinkel des Lichtſtrahls. Die
Soñe kañ hiebei ihre Höhe, oder die Fläche
ihre Stellung verändern. Hieraus entſtehen
die größten Unterſchiede in der Witterung
Zb. kom̃t der Oelbaum in der Ebene der Lombardei
nicht fort, wohl aber an den Abhängen
der Berge, die Polygonalflächen bilden u.
die Wärme verſtärken.
47. Vorlesung, 1. April 1828

Erhebt man ſich zu höhern Anſichten der Naturwiſſenſchaft
, ſo iſt die Betrachtung der Vertheilung
der Wärme am wichtigſten.

Vertheilung
der Wärme.

Hiernach
hat ſich die Kultur der Menſchheit hauptſächlich
modificirt, u. größern Einfluß auf ſie gehabt
als der Druck, die Feuchtigkeit der Luft u. dgl.
Nach den Breiten iſt die Wärme ſo ſehr verſchieden
, während die andern Erſcheinungen gleichmäßiger
wirken; u. ihre Vertheilung hängt
genau mit der Geſchichte der Menſchheit zuſam̃en
.

Jhre
Wichtigkeit

Weñ klares Erkeñen der eignen Natur
Ziel der Wiſſenſchaft iſt, ſo wird dieſe bedingt
durch die Kultur des Bodens, die wieder
von der Lufttemperatur, u. der Mittelzahl
der Wärme in den verſchiedenen Jahreszeiten
abhängig iſt. Dies gehört zum beſondern Geſichtspunkte
der Weltbeſchreibung. Es iſt klar,
daß von den Verhältnißen der Wärme das
ganze häuſliche u. bürgerliche Leben durchdrungen
wird. Dieſe climatiſchen Verhältniße haben
Einfluß auf die Sprache, der Character, die
Abſtam̃ung, ſelbſt auf die natürl. Anlagen
der Menſchheit
.

Welche Abſtufungen finden hier ſtatt,
von dem Klima des Piſangs, bis zu
dem Oelbau, Weinbau, den Cerealien
u. endlich Kartoffeln.

Es iſt hiſtoriſch erwieſen,
daß das Klima der temperirten Zone, namentlich
des Abendlandes, am günſtigen der
Entwickelung des menſchl. Geiſtes geweſen.

Klima
der temperirten
Zone

Sehr unbeſtim̃t iſt freilich der Ausdruck, temperirte
Zone; in dem vom 30–45° N. B.
die Kultur ſich beſonders entwickelt hat.
Welche Verſchiedenheit
des Klimas herrſcht hier in kl. Aſien
in Jtalien, in Heſperien
. Nach unſern nördlichen
Jdeen gehören dieſe Länder ſchon zur
temperirten Zone, ſie iſt aber eigentlich zwiſchen
11–14° N. Br. oder die Zone der Oelbäume
. Die mittlere Temperatur beträgt
hier 21–22° R. Wärme, während ſie
nur 13,5° iſt.

im ſüdl. Europa

Schon aus der Zeiten des
pythagoräiſchen Bundes ſprach es ein Hiſtoriker
aus: die Griechen bewohnen die gemäßigte
Zone, daher ſind ihre Sitten milde; die Scythen
hingegen die mit Sturm u. Schnee zu kämpfen
haben ſind eben ſo ungeſchlacht u. barbariſch
als das Wetter dorten mild iſt.

Anſicht
der Alten über
die Wärme.

Zwiſchen
30–45° N. Br. iſt die mittlere Temper. 18.
19°, u. in den Som̃ermonaten 24°. Jn der
Zone des Zuckerrohrs iſt die Bildung noch
älter wie unter den Tropen Zb. in Perſien,
Paſſagardis, weil die Luft außerhalb der
ſelben ſchon mehr temperirt iſt. Unter
den Wendekreiſen ſelbſt iſt der Centralpunkt
der Natur.

Central-
Punkt der Natur.

Meroe bekañt
durch ſeine alten Handelsverbindungen war
der Sitz uralter Kultur. Ferner Jndien
nicht das was Alexander eroberte, ſondern
Karnatik, Dekan, wo die Kultur ſich
in älteſter Zeit nicht zuerſt auf den Bergebenen
bildete. Nur allmählig gingen die Menſchen
vom Aequator aus, im̃er höher, um die
Wärme zu vermeiden. Jn den Ebenen
nahe den Bergen, wo die Soñe 26–27° im Som̃er wirkt das Klima ſo
ungemäßigt, daß Zb. in Benores von
+ 34–35° R. im Schatten, das Termometer
in einigen Monaten bis + 6° R. herabſinkt.
Nach unſern Vorurtheilen muß eine ſolche
Temper. der Entwickelung der Menſchheit
ungünſtig ſein. Thatſache bleibt es aber
daß Menſchen zu mildern Sitten u. zu
beſſerer höherer Cultur zuerſt unterm
11–22° erwacht ſind, wo das Zuckerrohr
wächſt, u. hier die Entwilderung vor ſich gegangen

iſt.

Erſtes
Erwachen der
Kultur

Sollte es erwieſen ſein, daß die
Tropencultur von Norden wahrſcheinlich
eingewandert iſt; ſo iſt noch nicht genugſam
beprüft u. beachtet, daß in Theben, Memphis
, Babÿlon etc. das Klima dort ſelbſt
der Bildung günſtig geweſen. Ganz
Ganz anders wirkt auf die Menſchen eine
übermäßige Kälte, wo die mittlere Temperatur
2° R. beträgt.

Nachtheilige
Wirkung übermäßiger
Kälte

Wo die mittlere
Temper. noch nicht + 7° erreicht, u. die Birken
ſelbſt nicht wachſen köñen, indem ſie
etwa 20 Tage lang eine Temper. von
+ 7° bedürfen um zu grünen; da ſind
die Som̃er nicht ſo warm, daß mehlreiche
Gräſer, wie Große, Kartoffeln etc. gedeihen
u. alle Cerealien hören auf zwiſchen
dem Temperatur von 2° u. + 6°. Jn
Aſien iſt dies bereits der Fall bei 60°
N. B. in Amerika bei 50° N. B. Europas
Lage iſt ſo günſtig, daß in Scandinavien
nach v. Buch Gerſte bis 69°5 N Br.
gebaut wird. Der Theil des nördlichen
Aſiens zwiſchen der Lena, dem
Obi u. Jeniſei, wo Völker fiñiſcher
huñiſcher u. mandſchuiſcher Abkunft
wohnen, iſt ſo ſchädlich der Kultur, daß
ſie in dem Verhältniß zu den Bewohnern
der Zone des hohen Central-Aſiens zwiſchen 45 u. 60° N Br.,
barbaren genañt werden köñen.
Weñ dorten auch nicht die Cultur wie
in Weſtaſien u. Syrien herrſcht; ſo
iſt durch im̃er einen gewiße Cultur dort
geweſen. Jch eriñere nur an die Herrſchaft
der Mongolen unter Ulugbeyhk, der
in Samarkard aſtron. Wiſſenſchaften treiben
ließ. Thatſachen beweiſen, daß
bei übermäßiger Kälte, bei einen Temperatur
von + 3° R. die Kultur gehindert
wird; obwohl ſie gedeihen kañ,
weñ ſie von ſüdlichen Ländern eingeführt
wird, Zb. in Jsland, wo Jahrhunderte
lang Wiſſenſchaften blüheten.
bei der Wärme iſt dies nicht der Fall
Nicht nur der Einfluß auf das Gefühl wirkt
hier wohlthätig; ſondern der wichtigſte Punkt
iſt auch der, daß der Nahrungſſtof über
bei übermäßiger Kälte fehlt.

Einfluß
der Wärme

Unter
allen Jnſtrumenten die phÿſiſchen Erſcheinungen
zu meſſen u. zu beſtim̃en hat das
Termometer die meiſten Jdeen geweckt
über Handel, Ackerbau, Kultur etc.

Wichtigkeit
des Termometers

Keines
iſt wichtiger geweſen den Horizont des
Wiſſens zu erweitern. Die Entdeckung
deſſelben iſt bereits 1600 zu Alkmos in
Holland gemacht, ohne Gebrauch davon zu
machen. Selbſt Halle ſtellte ſeine theoretiſchen
Verſuche über Wärme ohne Termometer
an. Erſt Reaumur fing beſtim̃t
an, ſie vergleichbar zu machen, u. gab
reiſenden Jeſuiten nach Afrika u. Amerika
Jnſtr. zu Beobachtungen mit. Lang
dauerte es, bis man aufhörte die Termometer
anzuklagen, daß ſie unter den Tropen
ſo wenige Wärmegrade zeigten. Eine über
triebene Vorſtellung hatte man von der
dortigen Hitze, deñ man fand dort ſelten
28–29° R. im Schatten, was bei uns ſehr
häufig iſt.

Falſche

Vorſtellungen

von der Wärme.

Erſt dies beſtimtere Maß als
das bloße Gefühl, zeigte, daß es bei uns
einzelne Tage giebt, wo es heißer als dorten
iſt. Die Hitze hängt ſtets vom Einfallswinkel
der Lichtſtrahlen u. von der
Quantität derſelben ab die reflectiren
u. die hinwieder eindringen u. Wärme erregen
. Man muß dabei nicht vergeſſen
daß die Dauer einer Wirkung vollkom̃en
die größere Stärke in kürzerer Zeit compenſirt
. Sollte unter den Tropen die Hitze
den langen Tag wie bei uns im Som̃er währen
ſo köñte der Menſch dorten kaum dauern.
Hiezu kom̃t nach, daß bei der längere
nächtlichen Ausſtrahlung viel Wärme verloren

geht. Mit ähnlichen Betrachtungen

hängt es zuſam̃en, daß wir von der Temper
. des Wendekreiſes mehr wiſſen, als
vom Aequator ſelbſt, weil alle bedeutenden
Handelſſtädte unter 22–23° N. u. S. Br.
liegen.

Temperatur
der Wendekreiſe
uns ſehr bekañt.

Rio Janeiro ſüdl. u. Canton, Macao,
Calouetta, Vera Cruz etc. nördlich. Die Temperatur
der Som̃erwärme iſt hier höher
wie unter dem Aequator ſelbſt; indem hier
die Erkältung der Oberfläche dadurch
daß die Soñe zweimal durch den Aequator
geht, ſtärker iſt.

Um nicht in Einzelnheiten uns zu verlieren
, ſondern das ganze zuſam̃enzuhalten,
werden wir uns mit der Vertheilung der
Jſotermen Linien beſchäftigen.

Jſotermen Linien

Wir
betrachten die Vertheilung des Luftmeeres,
inſofern der Boden deſſelben ſtarr,
|: entweder eine Ebene oder Berge :| iſt,
oder in ſo fern es auf dem Ocean ruht.
Sehen wir auf die Ebene, in der Nähe
der Berge; ſo wirken dieſe wärmend,
wie dies bereits erwähnt iſt, ſo daß
der Oelbau cultivirt werden kañ; oder
ſchützend, dadurch, daß ſie Kälte abhalten
. Vom Harz bis zum Ural iſt alles
Land offen, daher ſchädlicher Einfluß der
Nordwinde. Das Gegentheil iſt in den
Thälern Griechenlands zu finden, u. größere
kosmiſche Erſch. bieten uns die Gebirge
Aſiens u. Amerikas dar. Auch dadurch
wirken ſie erwärmend, daß ſie als
Zapfen gleichſam ins Luftmeer treten, ſich
im Som̃er ſehr erwärmen u. die Wärme ausſtrahlen
. Geringe hohe Spitze wirken aber
wie erwähnt entgegengeſetzt. Die untern
erwärmten Luftſchichten ſteigen in Luftſtrömen
bei Tage aufwärts, u. die kältere
Luft ſtrömt wieder bei Nacht herab, ſo
daß unmittelbar am Fuß des Berges kalte
erregt wird, doch muß man dieſem Einfluß
nicht zu viel zuſchreiben.

Luftſtröme
an den Bergen.

Dieſe Kälte wird
auch durch den Schatten erregt, weñ die
Soñe ſchon früh hinter die Gipfel der Berge
ſinkt. Die Nähe einer Gebirgsk. wirkt auf
die Temp. der Ebene auch durch die Art
des Geſteins ſelbſt, in ſo fern es ſich leicht
oder ſchwer erwärmt, welches wieder
verſchieden iſt nach der Luft, ob ſie trocken
oder kalt iſt.

Erdreich
erwärmt ſich
verſchieden

Weñ ſchwarzes Erdreich
eine Stunde der Soñe ausgeſetzt iſt, erwärmt
es ſich von 15° R. bis 20°; hingegen
weißliches Land ſteigt nur von 15
R. bis auf 16°. Eben ſo iſt es mit der nächtlichen
Erkältung; deñ was leicht Wärme añim̃t,
verliert es auch wieder ſehr leicht.
Jn der Zeit, daß fruchtbarer Boden ſich
7° erkältet, verliert der magere Boden
nur 2°. Die Moräſte ſind hiebei eben
ſo wichtig. Frieren ſie nicht zu, ſo halten
ſie den Som̃er u. Winter temperirt; iſt
dies aber der Fall, ſo bilden ſie kleine
Gletſcher die bis Juni kaum aufthauen
Jn neuern Zeiten hat man die Wirkung
der Wälder eingeſehen, daß ſie erkältend
wirken durch ihre Blätter, als d
ſtrahlende Körper.

Wälder
kalt.

Dies führt uns zur
Reinheit u. lichtſchwächenden Kraft der
Atmoſphäre ſelbſt. Bei trockner Luft
ſind die Theilchen mehr gedrückt, weniger
Waſſerbläſchen ſind vorhanden u. der
Strahl des Lichts wirkt ſtärker auf
die Erde. Sind Dämpfe in der Luft ſo
wird die Helligkeit des Lichts gleich gehindert
. Jn Peru, wo Soñe u. Mond Monate
lang durch einen Nebel uns zu ſehen ſind,
wirken die Soñenſtrahlen wenig, u. das
Termometer ſinkt auf + 13–14° herab.
Dieſe Wirkung des Strahlens der Wärme
iſt gefährlich für den Ackerbau ſelbſt.
Jn einer Höhe zu Caracas von 9–10000 Fuß
wo mittlere Temp. 14° iſt, wie etwa
in Marseille, friert die Gerſte im heißeſten
Som̃er faſt alle Monate ab, weñ
gleich bei Tage + 17–18° R. Bei Nacht
ſinkt das Term. + 4–5° u. hiebei iſt
die Ausſtrahlung der Gräſer ſo ſtark,
daß ſie ſelbſt erfrieren.

48. Vorlesung, 2. April 1828

Unſere Atmoſphäre muß unter zweierlei
Beziehungen betrachtet werden, inſofern
ſie Land-Luft oder See-Luft iſt.

Verſchiedenheit
der
Land- u. Seeluft.

Wir
haben ſchon geſehen, daß wegen des warmen
Gewäßers des atlantiſchen Meeres die Luft
auf demſelben eine unter 6° Wärme iſt, während
die Luft auf den Continenten unter
gleicher Breite ſich bis auf 10° erkältet.
Jn dem Theile der Atmoſphäre der auf den Continenten
ruht, muß man wieder unterſcheiden
was von ihr auf der Ebene oder auf
Bergen ruht. Was auf dem Flüßigen ſich
befindet hinwieder da, wo das Meer offen,
u. da, wo es über 70° N. B. hinaus, ſtarr
u. feſt iſt. Jn jedem dieſer Abſchnitt giebt
es einzelne Momente, welche bedeutende Naturveränderungen
hervorbringen. Wir haben
Unterſuchungen angeſtellt über die einzelnen
Momente der Erſcheinungen, weñ die Oberfläche
der Berge rauf oder von verſchiedenen
dunkler oder heller Farbe iſt, oder weñ
die Ebene mit Sumpf oder Wald bedeckt iſt
ferner, wie die Luftreinheit die Wärme
bei Tage vermehrt; aber durch die Ausſtrahlung
bei Nacht ſie wieder vermindert. Es
ſei mir erlaubt noch einige Worte über die
Winde zu ſagen, in ſo fern wir ihre Bewegung
betrachten, ohne auf ihre Richtung zu
ſehen.

Winde
u.
deren Bewegung

Die Bewegung der Luft wirkt erkaltend
; indem jede Luftſchicht, u. ſei ſie noch
ſo düñe, fortwährend fortgeweht wird, u.
die Ausdünſtung ſich dadurch wehet. Zb.
koñte Cap. Parry bei 37° unter dem Gefrierpunkte
bei ſtillem Wetter, ohne Luftbewegung
wohl im Freien ausdauern; aber
bei Wind war es nicht möglich 25–30° Kälte
in Freien zu ertragen; indem dieſer jede
Augenblick neue kalte Luftſchichten herbei
bringt, u. die Ausdünſtung der Wärme nie
ausgleichend u. mildernd die Kälte machen
kañ. Bei ruhiger Atmoſphäre iſt es der
umgekehrte Fall, und die Ausdünſtung
u. Erkältung der Körper, erregt Kälte
zu bemerken iſt hier noch der Unterſchied
zwiſchen den Land- u. Seewinden.

Unterſchied
zwiſchen Land-
u. Seewinden.

Weñ
man bisher die Fahrt von Acapulko
nach Manilla machte; ſo ſuchte man hohe
Breiten, um in die Paſſatwinde zu gelangen
. Seit zehn Jahren hat man den näheren
Weg durch die Jnſeln gefunden wo man
mit Benutzung der Land- u. See-Winde
dieſelbe Fahrt anſtellen kañ. Auf
ähnliche Weiſe werden die Land u. Seewinde
benutzt, um von Chili nach Peru
zu kom̃en. Man führt mit dem Paſſatwinde
in drei Tagen herauf, es bedurfte aber

früher Monate um zurückzukom̃en. Jetzt hat man

gelernt die regelmäßig bei Tag u. Nacht
wehenden Land- u. Seewinde zu dieſer Reiſe
zu benutzen. Geſagt iſt ſchon, daß jeder
Wind von einem heteronimen Pole weht.
Die Reinheit der Atmoſphäre wird ſofort durch
Wind geſtört; bei uns bewirkt dies beſonders
der Süd- u. Weſtwind, in der ſüdlichen
Zone iſt dies bei dem Nordwinde der Fall.

Schnelligkeit
des Windes

Bei der Schnelligkeit des Windes

habe ich noch zu erwähnen, daß nach den
ältern Beobachtungen von Kraft u. Woltmann
in Cuxhaven, der mittelmäßige Wind
25 Fuß in einer Secunde fortſchießt. Demnach
braucht er von Novaja Semblia bis
zu uns zu gelangen eine Zeit von 4 Tagen;
von den Küſten Afrikas bis hieher, etwa
2 Tage. Dies iſt die Urſache, daß letztere
Winde ſchneller die Luft erwärmen,
als jene ſie erkälten. Jm großen Meerbuſen
des alten Continents, oder im indiſchen
Meer, findet ein Wechſel von Nord-
Oſt. u. Süd-Weſt-Winden, unter dem Namen
Mouſſon ſtatt. Die Urſache iſt, daß
in nördlichen Breiten die Süd-Weſt-Winde
vom heteronimen Pole die Luft trüben
, u. dorten die dünſte in ungeheuere
Waſſerſtrömen herunterſtürzen. Außer
der horizontalen Luftbewegung giebt
es wahrſcheinlich auch eine ſolche von
Oben nach Unten herab, durch die Contraſte
der obern Winde.

Luftbewegung
auch von oben
nach unten

Afrika wurde
allgemein für ein ſehr heißes Land gehalten,
u. jetzt erzählt Klapperton, daß daſelbſt
in der Tropenzone auf einer Höhe von
800 Fuß etwa, in der Nacht Eis gefroren
ja ein Menſch ſelbſt erfroren iſt
.

Herr Dr. Oudinet ſtarb an einer

Erſtarrung aus Kälte.

HErr
Ehrenberg beſtätigt dies u. ſagt, daß
bei 19° N. B. das Termometer bis + 2,5°
herabſinke im Monat December. Weñ
in Amerika die Nordwinde herabwehen, ſo
erkältet ſich dorten die Luft unter gleichen
Breiten nie unter + 15° R. Dies iſt auch
in ganz Weſtindien der Fall. Dies
kañ nicht Folge der unten herwehen den
Nordwinde ſein, deñ dieſe würden ſich
auf den großen Erdflächen die ſie über
ſtrömen, erwärmen; ſondern rührt von den
obern kalten Luft ſchichten her die herabkom̃en.
Auf die außerordentliche Trockenheit
in dortiger Gegend kañ die hinſtrömende
etwas näſſere Luft mehr expandiren
wodurch ſofort eine größere Kälte
erregt wird
.

der Hermattan, ein heißen Wüſtenwind,
ſenkt an der Oſtküſte Afrikas
das Termometer bis 15° herab

Ein großer Contraſt
iſt übrigens zwiſchen Küſten-Clima u.
Continental oder Land-Klima.

Unterſchied
des Küſten- und
Land-Klimas.

Ein Beiſpiel
hievon giebt die ſcandinaviſche
Halbinſel. Vom Alten-Fluß bis Kap
Nord, ſinkt die Schneegrenze auf 1200
Fuß herab, während ſie wenige Meilen
vom Meer ſchon 2200 Fuß Höhe beträgt
Jm weſtlichen Theile Brittaniens wachſen
in freier Luft Pflanzen die nur in Jtalien
gedeihen, wie der Erdbeer-Lorbeerbaum

etc. Deſſenungeachtet kañ dorten nicht

Wein gebauet werden; indem der Wind
temperirt u. der Som̃er wenig warm
iſt. Einige Pflanzen bedürfen zum Vegetiren
der mitlern Wärme, welche in England
fehlt. Das Meer, als ſalziger Flüßigkeit,
gefriert nicht, u. erhält daher keine Decke
von Eis u. Schnee wie die Continente.
Weñ daher über letztern, im Frühjahr
beſonders, Winde wehen, ſo erkälten
ſie die Luft, u. empfindlich iſt dieſe Kälte
im Monat Mai. Jm Som̃er hingegen wirken
die Gewaſſer durch Verdünſtung Kälte
erregend u. daher im Allgemeinen temperirend
. Das Continental-Klima von
Ungarn, Rußland etc. zeichnet ſich daher
durch einen ſehr heißen Som̃er u. ſehr
kalten Winter aus, u. Liñe hat es
daher mit Recht das exceſſive Clima
genañt, weil hier die Maxima der
Wärme u. Kälte zu finden. Dies wirkt
eben ſo übel in Nord-Amerika. Während
ein Som̃er dort eine Wärme wie in Palermo
herrſcht, iſt es im Winter ſo kalt
wie in Upsala, daß Ströme wie die
Donau ſämtlich feſt gefrieren. Dieſer
Zuſtand iſt der Geſundheit ſehr widerwärtig
. Es iſt ſehr intereſſant dieſe Verſchiedenheit
der Temperaturen durch Zahlen
auszudrücken. Hieraus ergiebt ſich,
daß weñ an einer Küſte kein Wein gebaut
werden kañ, unter gleichen Breiten, 50–
60 Meilen weiter nach Oſten hin, ſehr
guter Wein wächſt. Champagne, Normandie

etc. ſind in der Temper. mit England

kaum 1°–2,5° R. verſchieden, u. deñoch
herrſcht die größte Verſchiedenheit in
Hinſicht des Weinbaues. Man ſollte
glauben, daß die Stärke des Lichts durch
den Luftdunſt gemindert, u. dadurch auch die
Wärme geſchwächt wird. Zum Erſatz haben
jene Länder den herrlichſten Teppich von
Gras, der mit dem Mangel an Licht erkauft
wird. Die Quantität der
Wärme die das Termometer zeigt iſt
ganz anders als die, welche in den
Pflanzen ſich befindet.

Unterſchied
der Luft und
Pflanzenwärme

Bei einem
lichten Him̃el ſind die Wärme-Grade gleich,
aber bei bedecktem Him̃el verändert
ſich ſofort dies Verhältniß. Ein Soñenſtrahl
kañ unendlich viel Wärme unter
Umſtänden hervorbringen. Weñ man
Zb. Chlor u. Hydrogen in eines Lichtſtrahl
ſtellt, ſo entſteht ſofort eine große
Exploſion. So iſt im Monat Auguſt, weñ
der Him̃el nur mit ſchwachen Wolken bedeckt
iſt, die Erleuchtung ſtärker, als
im Jan. bei wolkenleerem Him̃el, u.
deñoch explodirt die gedachte Maſſe
im Schatten, ſelbſt im Monat Aug. nicht
wohl aber beim ſchwächſten Lichtſtrahl im
Monat Jan. oder Dcbr. Ein ähnlicher
Proceß geht bei einem hellen Him̃el in
den Pflanzen ſelbſt vor.

Paſſatwind
Urſache verſchiedener
Wärme.

Der große Unterſchied zwiſchen den
Oſt u. Weſtküſten wird auch durch die
Paſſatwinde bewirkt
.

Cap. Perry fand ebenfalls die Weſtküſte
frei vom Eiſe, hingegen die Oſtküſten
unzugänglich, welches er von der Rotation
der Erde ableitet. Zeigt oben
nicht für die phyſiſche Keñtniß der Capit.

Amerikas Oſtküſte
iſt viel kälter wie Europa. Unter
gleichen Breiten nim̃t aber die Weſtküſte
Amerikas die Temperatur Europas
an u. übertrifft dieſe ſelbſt. Der Rio
Columbia 46–48° N B. iſt nur wenige
Tage im Winter gefroren. Jn California
wächſt der Oelbaum bis 37° N. B.
u. ſelbſt näher noch am Cap Mendozino;
während in Baltimore an den Oelbau nicht
zu denken iſt, u. der Baum in Virginien
kaum gedeihet. Derſelbe Fall findet in
Aſien ſtatt. Um die mittlere Wärme
von Paris zu finden muß ich in Amerika herabſteigen
zu der Breite Neapels.

Vergleichung
der Wärme unter

gleichen Breiten.

Jn Oſten liegt
Peking 40° N. B. ſüdlicher wie Neapel,
u. dorten iſt erſt die Temperatur von
Paris. Jn hohen Norden iſt dieſer Unterſchied
noch größer. Labrador, Kamſchatka
liegt in gleicher Breite mit Berlin,
u. hier iſt die Temper. + 7° R. u. dorten
2° R. Jn den Wintermonaten iſt hier
die Temper. ½° dorten 12°. Dies
beruht auf den cosmiſchen Geſetzen der
Luftſtröme, u. dadurch ergab ſich die
Jdee die Jſotermen Linien zu bilden dh.
die Punkte mit Linien zu verbinden wo
eine gleiche Temperatur herrſcht.
Dies
war früher bei den magnetiſchen Beobachtungen
der Fall.

Aus der Verſchiedenheit der Temper.
bei Oſt u. Weſtküſten bilden die Jſotermen
Linien Curven, deren Convexität
nach Norden u. deren Concavität nach
Süden liegt.

Es waren nur einzelne
Punkte angegeben mit der Declination
u. Jnclination, u. alles verwirrt, bis
Halle zuerſt dieſe Punkte verband. Des
einfache Gedanke, Linien auf dieſe Art
zu ziehen, war Urſache den Cauſalzuſam̃enhang
der Erſcheinungen zu finden, u.
um ſich hierüber auszudrücken, mußten
gleichmäßig einfache Zahlen angegeben
werden. Jm allgemeinen iſt bei der Temperatur
zu eriñern, daß weñ dieſe
gleich 2° etc. größer iſt, als bei uns, man
deñoch mehr frieren kañ als in der
Heimath, weil man mehr afficirt werden
kañ von der unregelmäßigen Vertheilung
der Wärme u. Kälte. Um die Temperatur
des Jahres zu finden, hat man geglaubt
das Maximum u. Minimum zweier
Tage nehmen zu köñen.

Temperatur
des Jahres
zu finden.

Dies wäre jedoch
bloße Zufälligkeit, u. würde von der Luftſtrömung
zu ſehr abhangen. Maraldi ſchlug
vor die mittlere Temper. von zwei Monaten
zu nehmen, u. zwar die letzte u. erſte
Hälfte des Dcbr. u. Jan., u. den Monat
Aug. Auch dies läßt große Jrthümer
zu. Erſt Reaumur gab 1735 richtige
Begriffe von der mittlern Temperatur
indem er das Steigen u. Sinken des Termometers
jeden Tag beobachtete, u. dadurch
die mittlere Wärme des Tages beſtimte.
Nur drei Zeiten des Tages anzunehmen iſt
unrichtig; ſondern es müſſen in kürzern
Zeiten die Beobachtungen gemacht werden.
Eben ſo iſt die Añahme unrichtig, daß die
Kurven der Temper. bei Nacht, gleich
denen der bei Tage ſind. Das Minimum
eines Tages mit dem Maximum des anderen
zu verbinden, iſt ſchon beſſer. Der Unterſchied
würde hier etwa 1/10° ſein. Die
beſte Methode wäre aber wohl das
Maximum u. Minimum des Tages in
die Hälfte zu nehmen. Andere haben
verſucht die Curve der täglichen Wärme
durch 4 Parabeln zu beſtim̃en u. Wallbeck
in Obo hat etwas ähnliches hierüber
verſucht; jedoch iſt das, was für eine
Breite wahr iſt, nicht für die andere
wahr, u. in verſch. Breiten findet das
Maximum der Wärme anders ſtatt. Andere
haben in Vorſchlag gebracht, den Gang
einer Uhr anſtatt des Termometers zu beobachten
; indem die Ausdehnung des Pendels
einen falſchen Gang der Uhr veranlaßt, die
mit dem Mittlern Gange derſelben verglichen
werden muß. Dies iſt aus vielen
Gründen höchſt unſicher zu beobachten.
Jn Venedig hat man ſich bemüht, die Stunden
aufzuzeichnen, die die Temperatur des
ganzen Tages ausdrücken; dañ die Tage
welche die Temperat. des Monats etc. ausmachen
.

Jeder Tag hat im kleinen ſeine vier

Zeiten, die der Temper. der Jahreszeiten

ähnlich ſind.

Jn Edinburg hat man die mittlere
Temperatur jedes Tages gefunden
um 9 Uhr 13 Minuten Morgens u. 9 Uhr 18 M.
Abends. Jm Allgemeinen kañ man ziemlich
genau die mittlere Temperatur des Tages
finden, weñ man die Temper. um 8 Uhr Morg.
u. 8 Uhr A., 11 Uhr M. u. 11 Uhr A. ſummirt
u. durch 2 dividirt. Die mittlere
Temper. des Jahres iſt Zb. in Ofen zwiſchen
d. 15–20 April u. 15–20 Octbr.; in Mailand
zwiſchen d. 10–15 Ap. u. 18–19 Octbr.
in Paris d. 22 Ap. u. 22 Octbr.
Ziemlich ſicher geben die erſten zehn
Tage des Aprils u. des Octobers die
Temper. des ganzen Jahres. Ueberhaupt
giebt der Monat Octobr. allein beobachtet,
die mittlere Temper. des Jahres beſſer
als den April.

49. Vorlesung, 9. April 1828

Anſtatt mittelbar viele Beobachtungen
anzuſtellen um die Temperatur eines Orts
zu beſtim̃en, wozu beſonders der Reiſende
nicht Zeit hat, kañ man ziemlich genaue
unmittelbare Beobachtungen machen.

unmittelbare
Beobachtungen
der Temperatur.

Sehr
dienlich ſind hiezu die Quellen, deren Temperatur
der äußern Temperatur faſt
im̃er gleich iſt. Beßer geben dieſelbe
Bohrlöcher, die bis zur Tiefe von 32 getrieben
werden, wo die mittl. Temperatur
des Jahres herrſcht. Auch die Oberfläche des
Meeres dürfte daſſelbe angeben, nur mit
mehr Hiñeigung zu größerer Wärme.

Altes
Mittel die Breiten
zu beſtim̃en.

Ein
altes Mittel, die Breiten unmittelbar zu
beſtim̃en u. das Klima, giebt ſchon Strabo

an, nämlich die Kultur u. der Erbau der

Gewächſe ſelbſt zu beobachten. Noch will
ich eine Ueberſicht der verſchiedenen

Temperaturverhältniſſe

angeben, die von einigem
Jntereſſe ſein dürften. Wie geſagt
iſt die Temper.

Temperatur
Verhältniſſe einiger
Orte.

Berlins + 7° R wie im
Monat April u. beſſer im Octbr. Die
heißeſte Witterung im Monat Aug. iſt hier

im Mittel + 14–15° R. Die Kultur der Dattelpalme

in der Tropenzone erfordert
die mittlere jährl. Wärme von + 18°.
Jn Europa iſt weſtlich von Genua bei
einem mittlern Klima von + 14° ein herrlicher
Anblick wie in der Tropenzone, den

Tausende von Palmen bilden, die hier noch

gedeihen, obwohl keine Früchte tragen.
Jn unſern Pflanzenhäuſern, eine Art
von Pflanzenhoſpitälern, köñen ſie noch
eine Temper. von + 6° ertragen. Der
Zitronenbaum erfordert die mittl. Temper.
von + 13,5°, der Oelbau in Europa
+ 11½–15°, dabei muß der kälteſte Monat
nicht unter ° R. ſein. Alkoholreiche
gute trinkbare Weine gedeihen
noch bei + 7–8° R. Die drei Wintermonate
müßen dabei noch + 1° R.
Wärme haben u. die Som̃ermonate im
Mittel + 15–16° R. heiß ſein.
Dies iſt in Europa bis 50° u. in Amerika

bis 40° N B. der Fall. Am Rhein iſt die Sommerwärme
15° hier in Berlin nur 14°.
Die Cerealien köñen als Gräſer eine
viel größere Kälte ertragen, ſelbſt
bis zur mittlern Temper. von 1,5° R.;
jedoch muß dabei die Som̃erwärme + 7–8°
ſein, in welcher Temperatur die Birken-
Bäume ausſchlagen. Das Erwachen der
Natur im Frühlinge iſt merkwürdig durch
die ſchnelle Vegetation.

Erwachen
der Natur
im Frühlinge

Jn kürzen Epochen
kom̃t die Wärme in ſteigenden Proportionen
. Bei + 5–6½° mittl. Temper.
in einem Monat fängt die Natur ſchon
an zu treiben; die Pfirſichen blühen,
bei 8–9° fangen die Birken an zu
grünen. Dies iſt in Rom Anfangs Maerz
der Fall; hier Anfangs April; Upsala
Anfangs Mai. Jm ſüdlichen Frankreich
ſind 270 Tage des Jahres 9° R. Jn Petersburg
nur 120°, u. weñ 90 Tage nur
eine Temper. von + 7° R. haben, ſo kañ
mit Vortheil Gerſte noch geſäet werden
u. bei noch kälterer Temper. Kartoffeln;
da dieſe in der Erde geſchützt bleiben.
Hier in Berlin beträgt der Unterſchied der mittl. Temperatur
in den Monaten Maerz u. April
°. Der Unterſchied zwiſchen April
u. Mai iſt + 3,2° R. Jn weiter nach
Norden deſto ſpäter erwacht die Natur.
Jn Petersburg iſt der Unterſchied der
Monate April u. Mai ° R. Dieſer
bedeutende Unterſchied wirkt bemerkbar
auf das Gefühl; deñ weñ der April 3°
Wärme hat, ſteigt ſie im Mai auf 10°.
Eine ſo große Verſchiedenheit wirkt unangenehm

auf das Gefühl, wie Zb. in Mexico
wo man ſich zu erkälten befürchtet, weñ man
aus der Soñe in den Schatten tritt. Eben
ſo iſt der Unterſchied zwiſchen 18 u. 24° Wärme
u. Kälte viel empfindlicher, als der zwiſchen
niedrigere Graden.

Reſultat
der allgemeinen
Wärmevertheilung

Wir kom̃en jetzt zu Reſultaten der
allgemeinern Wärme-Vertheilung auf der
Erdoberfläche. Jn gleichen Abſtänden vom
Aequator iſt unter den Tropen die Wärme
beſonders zu betrachten; u. dañ in
der temperirten Zone; wo mehrere Zwiſchenzonen
angenom̃en werden müſſen, um
nicht wie bisher fälſchlich alle Climate von
den canariſchen Jnſeln bis Petersburg zu
derſelben zu zählen. Erwieſen iſt es, daß
die mittlere Temper. des Aequators + 22,2°
R. iſt; deñ in Ceilon ſind beobachtet
+ 21,7°, in Batavia + 22,2°. Etwa
wärmer als die mittl. Som̃erwärme in
Rom, u. 7° wärmer wie dieſelbe bei
uns iſt. Vom 18–23° N B. nim̃t die
Wärme ab; obgl. die Vegetations-
Verhältniße noch dieſelben bleiben.

Die mittl. Temper. von Havañah, Rio

Janeiro, Macao, Cantor iſt + 19–20° R. Die ſämtl. am Ausgange der Tropenzone

liegen.

Der Zwiſchenpunkt von da liegt in den
Canariſchen Jnſeln, wo die mittl. Temp.
+ 18,2°, etwa 4° wärmer als der hieſige
Som̃er, u. gleich der Wärme des Nilthals
iſt. Gehen wir zu nördl. Breiten, zwiſchen
45–52°, wo die Lombardei liegt, ſo
ſinkt daſelbſt die mittlere Temper. auf
+ 7–10° R. herab. Unter 60° N. Br.
wird es im̃er kalter; je weiter es nach
Oſten geht. Jn Stockholm iſt die mittlere
Temp. + °, in Abo + 4° in Petersburg
+ 2°,7.

etc.

Jn Europa iſt die Temper. unter
67° N B. = 0, Labrador unter
54° N B = 0

Jn Berlin iſt die mittl. Wärme
des Aprils ungefähr gleich der des Jahres;
in Paris, wie im Monat Mai, in Petersburg
überhaupt wie in Berlin im Monat
Maerz. Unter 67° N B. in Lappland iſt
die mittl. Temper. °. Der nördlichſte
Ort, oder vielmehr der Ort wo die größte
Kälte Jahrelang beobachtet iſt, iſt Entreprise
in N. Amerika, unter 64° N B.,
wo die Kupfer-Jndianer wohnen. Hier
iſt die Temperatur °. Während
der 6 Monate, wo Perry bei Melvils-
Eiland zu brachte, hatte man jede Stunde
eine mittlere Temper. von 25° R. zu
genießen. Die des ganzen Jahres iſt
daſelbſt 14°–15° R. Die Temperatur des
Poles iſt wenigſtens 20° R. anzunehmen,
u. doch iſt es nicht der kälteſte Ort, der
öſtl. vom Lenafluß bei Neuſibirien
u. den Knocheninſeln liegt. Sicher kañ
man añehmen, daß die mittlere Temperatur
des Poles ſo kalt iſt, wie
die des Aequators Wärme enthält.

So viel Grad
Kälte am Pol als
Wärme unter dem
Aequator.

50. Vorlesung, 10. April 1828

Geht man vom Aequator nach Norden, ſo
iſt die Temperatur nach dem Syſtem der iſotermen
Linien ſehr verſchieden, u. beſonders kañ
man ein cisatlantiſches u. tranſatlantiſches
Syſtem añehmen. Schreite ich von der
Hudſonsbai nach dem Aequator, ſo kom̃e
ich viel ſchneller in ein wärmeres Klima
als in Europa. Betrachtet man überhaupt
die Temper. von Süden nach Norden
von 10 zu 10°, ſo findet man die ſchnellſte
Abnahme der Wärme zwiſchen 40–45°.

Schnellſte
Abnahme der
Wärme

Dies iſt nicht allein in mathem. u. phyſikal.
Hinſicht merkwürdig, ſondern auch in Hinſicht
auf die Kultur der Menſchheit ſehr wichtig.
Hier, wo der Oelbaum wächſt, u. durch
die verſch. Wärmegrade die mañigfaltigſten
Produckte erzeugt werden, mußte
zuerſt der Handelsverkehr belebt werden
der Ackerbau blühen, u. dies auf die Civiliſation
wirken. Wichtig iſt es zu beachten
, daß in der temperirten Zone die
Temperatur der Jahre ſehr verſchieden
iſt.

Verſchiedene
Temper. der Jahre.

Dieſe Verſchiedenheit beträgt ein Jahr
um das andere 2–3°, faſt ¼ der mittlern
Temper. Hievon iſt das Reifen der Cerealien
, des Weins, des Obſtes abhängig: Dies
ſind die glücklichen Jahre wo mehr Wärme
vorherrſchend iſt; deñoch köñen auch bei
minder wärmern Jahren Cerealien wohl
gedeihen, da ſie auf kurze friſt einer gewiß

ſtarken Wärme nur bedürfen. Da nun die

mittl. Temper. in einem Jahre ſo verſchieden
iſt, ſo wird es nothwendig, eine größere
Maſſe von Jahren zu beobachten u. die Mittelzahl
von 8000 Beob. zu nehmen, weñ
man etwa jährl. 800 Beobacht. macht.
Unter dem Aequator iſt dies anders,
u. die Quant. der mittlere Wärme wäre
nur höchſtens um 1/20, wie ich dies ſelbſt
beobachtet. Jn der temper. Zone iſt die
Verſchiedenheit in der Temperatur der Monate
noch größer. Jn Paris variiren die
Wintermonate um 5–6° u. die mittl.
Som̃erwärme im Aug. 14–17°.
Maximum

der Wärme.

Noch einiges will ich über das Maximum
der Wärme hinzuſetzen, wo ſo vieles bis
jetzt falſch angegeben iſt, u. die reverberation
des Lichts durch Gebäude etc. nicht in Anſchlag
gebracht wurde. Herr Arago u. ich haben
die genaueſten Verſuche angeſtellt, u.

Beobachtungen

geprüft, wonach ſich ergiebt, daß
in reiner Atmoſphäre ohne Sand, in der
Höhe von 9 Fuß über der Erde, die Wärme
nie höher als + 37° R. im Schatten beobachtet iſt.
Die genaueſten Jnſtrumente von Kewendiſh
zeigten in Jndien Nachts + 29–30°. Cap.
Tuki fand in Afrika bei Tage + 36° Nachts
+ 28° R. der Reiſenden Ritſchi, der
in Maurzuk ſtarb, fand daſelbſt Nachmittags
38–40° Wärme; da man jedoch die
ganze Atmoſphäre mit Staub erfüllt. Das
Licht geht durch die Luftſchichten, ohne dieſelben
zu erwärmen, aber die erhitzten feinen
Sandkörnchen ſchlagen an das Termometer
u. veranlaſſe die hohe Wärme, die den
Menſchen eben ſo empfindlich iſt. Mehrere Monate
leben die Einwohner von Murzak
in einer Wärme von + 43°, jedoch wie geſagt nicht in
reiner, ſondern ſandiger Atmoſphäre.
Nicht im̃er ſo iſt dies unter den Tropen
der Fall, u. ſelten ſteigt das Termometer
daſelbſt ſo hoch als es in Berlin alle 8–10
Jahre ſteigt, nämlich + 26–28° R. Wegen
der Körper unſerer Nächte entſteht zuweilen
die Anhäufung dieſer großen Wärme.
Jn Paris iſt die Wärme + 29½ u. + 30,7°
geſtiegen. Jn den letzten 20 Jahren
acht mal auf + 28°. Jn Dampfbädern
wird noch größere Hitze wie die in Murzak
erzeugt, die Menſchen ſehr gut ertragen.
Dies widerſpricht der Meinung, daß der Menſch
höchſtens die eigene Blutwärme ertrag
köñe, die nicht + 32° ſondern nur + 30° iſt
Vögel haben das heißeſte Blut von + 32–35°
u. die Taube hat ſchon höhere Blutwärme
wie der Menſch.

Hitze
die ein Menſch
ertragen kañ

Beiſpiele hat man
daß Menſchen 8 Minuten lang in eine
Hitze von + 102° R. ausdauerten, ſtärker
als ſiedendes Waſſer. Uhrketten

wurden ſo heiß, daß ohne Verletzung

ſie nicht berührt werden koñten. Um
den Menſchen ſelbſt bildet ſich von der
Verdünſtung eine Hülle, die in ſtetem
Widerſtreit mit der umgebenden Luft,
ihn auf gewiſſe Zeit ſchützt. Den Sand
in den Tropenzonen findet man oft 50–
54° erhitzt. Jn den Katarakten des
Orinoco bilden ſich ſchwarze Steine
die ſich ſo erhitzen, daß ſie in der Nacht
ſelbſt durch die lederne Unterdecke waten
u. 42° Wärme enthielten. Merkwürdig
iſt es, daß ſie als leicht aus
ſtrahlende Körper dieſe Wärme noch
behalten. Die größte Kälte die mit
Weingeiſt-Termometer, verglichen von
laston, beobachtet u. die der Menſch ertragen
kañ iſt 40°. Die Eingebornen, Eskimos
gehören dabei zu den fröhlichſten Menſchen
die unter Halbwilden gefunden werden.
Jhre Hütten haben ewig ſich erneuernde Eisſcheiben
. Ohne Wind koñte Perry mehrere
Stunden bei 40° Kälte ſpatzieren gehen. Als
das Termometer von 40° auf 5° ſtieg
ſo fühlten Alle eine Beklom̃enheit, ein gedrücktes
Gefühl der unbehaglichen Wärme, das
Fenſtern geöffnet werden mußten. Dies,

umgekehrt der Fall in Amerika, Zb. in Guayaquil, wo,

die Spanier nach dem Mantel greifen, noch
im̃er + 18° R. iſt.
So wäre auch 37–38° die größte beobachtete

Kälte am Pole wie 37–38° größte beobachtete
Wärme am Aequator wohl anzunehmen
. Trotz der mittlere Temper. kañ das
Termometer an einzelnen Orten zu großer
Kälte herabſinken. So iſt die größte beob.
Kälte unter 60° N B. in Petersburg 39,2°
gleich der unter 70–71° N Br. Jn Berlin
iſt die größte Kälte bis 21,5° geſtiegen
Nach allen kritiſchen Beobachtungen iſt in
27 Jahren das Termometer zweimal
auf 21,5° u. zwar d. 24 Jan. 1823 u.
1809 geſunken, u. 4 mal auf 17°.
Jn Paris war die größte Kälte 1795
19°. Jn Marseille bei einen mittlere Temper
. von + 11½° war 1789 die Kälte 13,5°,
welches eine augenblickliche Erkältung ohne
zuſam̃enhang mit der mittlere Temper. zeigt.
Die mittl. Kälte in Paris iſt °, Berlin
12½° Petersburg 24½°, in einem Zeitraum
von 5 Jahren beobachtet. Daß eine zufällige
Erkältung ſtatt finden kañ, lehrt
die Geſchichte der Araber, wonach es gewiß
iſt, daß 829 der Nil gefroren geweſen.
Es ſcheint noch in Liſſabon, Cairo, Algier
30–36° N Br. Ein Klima wo gar keine
Kälte mehr ſtatt findet, exiſtirt in Europa
nicht u. fängt erſt bei dem 29° N B. an.
Nicht die Quantität der Wärme iſt nicht das
wichtigſte, ſondern wichtiger iſt die Vertheilung
derſelben in verſchiedenenJahreszeiten, deñ
hiervon hängt der Einfluß auf das Reifen
der Früchte ab. Jm wohlthätigen weſtlichen
Klima in Europa iſt ein geringern Unterſchied
zwiſchen Som̃er u. Winter; der hingegen auf
der iſotermen Linie Amerikas höchſt bedeutend
iſt. Jenes öſtl. Klima kañ man daher mit
Recht das exceſſive Klima neuen. Es iſt
eine zu ſtarke Verſch. zwiſchen Som̃er u.
Winter Zb. in Neu-York unter 30–40° N Br
iſt der Som̃er wie in Rom, der Winter wie
in Copenhagen. Die iſotermen Linie gehen
auch parallel in der Nähe des Aequators
, aber höchſt divergirend nach dem
Pole hin. Quebek hat Som̃erwärme wie Paris
u. Winterkälte wie Petersburg. Es iſt möglich
daß dieſe unglückl. Tendenz der Witterung
bewirkt, daß die Bewohner ſehr empfängl.
für das gelbe Fieber ſind. Man hat bemerkt
, daß Perſonen, die in einer Zone leben
wo Wärme u. Kälte wie zwiſchen Palermo
u. Upsala wechſelt, leicht von dieſer Krankheit
afficirt werden, die Menſchen welche
unter dem Aequator leben, nicht empfinden.

Ehe wir zu der Temperatur der Luft auf
den Bergen übergehen, will ich noch des Unterſchiedes
des Klimas zwiſchen der nördl. u. ſüdl.
Hemiſphäre erwähnen. Das Vorurtheil, das
die ſüdl. Erdhälfte kälter als die nördl. ſo
hat ſelbſt der große Coock beſtätigt. D
iſt in neuerer völlig ungegründet gefunden. Neu-
Schottland am Südpol liegt frei von Eis u. leichter
wäre es von da nach dem Südpol zu gelangen
als den Nordpol zu beſuchen. Die Temperatur
in Chili 36° S. Br. u. die in Cadix, Calabrien

etc. 36° N B. iſt genau unterſucht u. genau

übereinſtim̃end gefunden worden. Die Continente
im Süden die in Pyramidalformen ſich erſtrecken
u. die unter gleicher S. Breite von
33–34° liegen haben ebenfalls dieſelbe Temperatur.
Vorgeb. der guten Hoffnung hat eine
mittl. Temper. von + 15,5° Port Jackson
+ 15,4° Buenos Ayres + 15,8°. Erſt zwiſchen
51–52° S. Br. fängt in der ſüdl. Hemiſphäre
eine größere Kälte, als in der ihn correſpondirenden
nördlichen an. Als Grund dieſer Erſcheinung
glaubt man, daß da die Erde in unſerm
Winter der Soñe umher ſteht als in dem Winter
der ſüdl. Erdhälfte u. dies etwa acht Tage dauert
, daß bei uns der Winter Körper iſt als
dorten, dies einen Verluſt der Wärme veranlaßt
. Doch da nach Lamberts Theorie die Erleuchtung
beider Hemiſphären gleich u. auch die
Quantität der Wärme gleich iſt, ſo würden dieſe
acht Tage Differenz wohl einen äußerſt geringen
Unterſchied der Temperatur veranlaſſen. Gewiſſer
iſt die Urſache der Mangel an Continenten
in der kalten Zone des Südens. Das Meer
als tranſparenter Körper wärmt lange nicht
ſo ſehr als ein opaker Gegenſtand u. ſtrahlt
nicht ſo viel Wärme aus. Der Unterſchied
des Klimas zwiſchen Norden u. Süden mußte hiernach
noch viel bedeutender ſein, weñ nicht unter dem
Aequator eine Compenſation ſtatt fände. Selbſt
weñ die Pyramidalformen ſich nur nördlicher
endeten würde der Unterſchied größte ſich ergeben
.

Jch gehe jetzt zu den Verhältniſſen des
Luftkreiſes auf den Bergen über. Die Keñtniß
der obern Luftſchichten auf den Bergen war
bis zur Erfindung der Aeroſtaten 1782 höchſt
mangelhaft. Die Wärmeabnahme auf den Bergen
iſt eine Folge der Wärmeſtrahlung der
Ebene ſelbſt. Auch Dan. Bernoulli zweifelte
noch an der Abnahme der Temperatur in der
Höhe u. behauptet die obern Luftſchichten über
den Bergen wären heiß. Die Jndianer u.
Creolen in Amerika beharren noch im̃er auf
ihre von den Arabern entlehnten Principien,
daß der Schnee aus Salzen beſtehe. Die

Aeronauten

haben dies Alles widerlegt, wie Jai
Luſſac der ſich zu der Höhe des Chimborazzo
erhob und ſofort in die kälteſte Luftſchichten
kam. Mit Unrecht behauptet man, daß die Alten
dieſelben Jdee hierüber wie D. Bernoulli hatten
. Ariſtoteles ſagt es in ſeinen naturhiſtor.
Werken ſehr ſchön, daß in der Ebene unten
die Wärme ſtralender wie oben ſei. Jn
der größten Höhe nahm er freilich eine warme
Aetherſchicht an, wie überhaupt die Alten glaubten
daß nach einem Extrem dieſelbe erſte
Erſcheinung wiederkehre. Das Riphaeiſche
Gebirge war nach ihnen der kälteſte Punkt
u. dañ finge wieder die Wärme an. Ebenmäßig
ſollte der Aequator ſehr kalt ſein.
Gewiße Berge ſollten in die warmen Luftſchichten
reichen, wo der behagliche Sitz der
Götter wäre. Die allgemeine Keñtniß
der obern Luftſchichten iſt nicht allein wichtig
viele Phänomene zu erklären, ſie iſt auch
wichtig für die Kultur der Menſchheit. Jn
der temperirten Zone ſind die Ebenen wo
Menſchen leben ſehr niedrig. Baÿern iſt nur
1500′ hoch. Weñ gleich einzelne Dörfer zb.
Betta 7100′ hoch liegt, ſo leben doch im Ganzen
ſelbſt Gebirgsvölker tief in den Thäler
u. es giebt keine Hochebenen. Jn den Tropen
freilich ſind hohe Bergjöcher wo Millionen
Menſchen leben. Jn nördl. Breiten von
40–45° leben in der Höhe von 7000 die
Völker nicht. Jn Süd Amerika, Habeſch etc.
da ſind Plateaus von 6–7000 Fuß Höhe.
Jn Tibet wo verſchiedene Gebirgsketten
das Himalaja Gebirge, der Bogdo, Altai
zuſam̃enſtoßen, giebt es Gebirgshöhen von
einem Flächeninhalt wie Neuholland u.
wird dorten der Akerbau bis zu einer
Höhe von 14000 Fuß getrieben. An andern
Orten iſt ſelbſt unter dem Aequator eine
ſolche Höhe mit Eis bedeckt u. die Urſache
iſt die Strahlung der Ebene in dieſer
Höhe. Millionen Menſchen leben hier in hoher Region.
Die Urſache der Kälte auf den Bergen iſt
ein Gegenſtand des wichtigſten Streites der Phÿſiker
geworden. Das Licht durchſtreicht die Luft
ohne ſie zu erwärmen, erſt durch die Abſorbtion
des Lichts wird die Wärme hervorgebracht
. Bei geringem Winkel dringen nur
wenige Strahlen in die Oberfläche, die andern
reflectiren, umgekehrt iſt es weñ bei größern
Winkel Strahlen auf die Ebene Fallen.
Dieſe Lichtſchwächende Kraft der Materie
bewirkt die Wärme, u. ſelbſt auf dem Meere
wird um 2 Uhr N. M. die Luft etwas wärmer.
Die Oberfläche des Erdkörpers muß daher
als die Quelle der Wärme angeſehen werden,
als wie eine Eiſenbarre, in welche Termometer
von 100 Fuß, 50 Fuß, 40 Fuß etc. Entfernung
eingeſenkt ſind, deren ein Ende im
Feuer liegt. Je weiter von der Quelle
des Feuers entfernt, deſto mehr nim̃t die
Wärme ab. Dies kañ man auf die Erdhöhen
anwenden. Die untern dunſtreichen
Luftſchichten machen, daß unten mehr Wärme
zurückgehalten wird u. dieſe Waſſergasdünſte
veranlaßen, daß Strahlen wärme
nicht in obern Regionen ſteigt. Wäre gar
keine Atmoſphäre ſo würde es in einen Höhe
von 24000 Fuß nicht kälter als unten ſein; aber
jetzt ſind Gründe vorhanden, warum die ſtrahlende
Wärme zurückgehalten wird. HErr
Leslie u. auch Laplace glaubten, daß die
Urſache die Ausdehnung den Luft ſei, wobei
ſie ſich erkältet. Steigen die gedrückten untern
Luftſchichten in die Höhe, ſo dehnen ſie ſich
dorten aus Mangel an Druck aus u.
rauben durch dieſe Capacität ſich ſelbſt u.
den Benachbarten Lufttheilchen die Wärme.
Man muß jedoch bedenken, daß jede aufſteiaufſteigende
Luftſäule auch eine niederſteigende
bedingt u. eine compenſation doch nicht
ſtatt findet, da zwar Wärme nach oben
geht, aber nicht herabſteigt. Allerdings entſteht
durch den Druck der Luft im iñern der
Bergwerke bedeutende Wärme, aber hiebei
iſt nicht zu vergeßen, daß ein ſtetes Aufſteigen
von untern Luftſchichten ſtatt findet. Die
Oberfläche der Erde muß daher als alleinige
Quelle der Wärme angeſehen werden
u. es wird kälter je weiter man von
der Quelle entfernt ſteht.

51. Vorlesung, 11. April 1828

Wir haben in der geſtrigen 49ſten Stunde
von der obern Luftwärme zu ſprechen angefangen
. Die Fabel von Jkarus iſt Veranlaßung
geweſen. Die Alten hierin als unwiſſend
zu halten. Dies iſt nicht der Fall. Seneca
ſagt ausdrücklich; die Berge ſind zu unbeträchtlich
der Soñe näher, als daß ſie heißer
ſein ſollten. Strabo mußte es ſehr gut
daß die verſchiedene Höhe des Bodens Einfluß
auf die Kultur der Pflanzen habe.
Wir haben angenom̃en, daß der Grund von
den obern kalten Luftſchichten darin beſtehe,
daß die Oberfläche der Erde durch Abſorbtion
des Lichts Wärme erregt, daß dieſe Wärme
ſtrahlung durch die Dunſthülle gehindert
wird nach oben zu ſteigen u. dadurch die
obere Luft kalt bleibt. So geht Zb. das
Licht ſehr gut durch Glas, aber eine bedeutende
Wärme gehört dazu, weñ die ſtrahlende
Wärme daſſelbe durchdringen ſoll.
Die Unterſuchung der Temperatur auf den
Höhen iſt nicht allein für die Erklärung phyſikaliſcher

Erſcheinungen wichtig, ſondern auch

für aſtronomiſche Keñtniße, Barometer Meſſungen

etc. Man kañ gewiße Formeln beſtim̃en

nach denen Barometerbeobachtungen angeſtellt
werden köñen. Eine arithmetiſche Progresſion
findet aber dabei ſelten ſtatt. Die
Hauptſache iſt die mittlere Temperatur gewißer
Höhen zu finden.

1.,

Durch einzelne Reiſen
nach hohen Bergen kañ die Beſchaffenheit
der höhern Luftſchichten beſtim̃t werden u.
ich habe unter den Tropen die Wärmeabnahme
von 500 zu 500 Toiſen ſelbſt unterſucht
.

2.,

Beßer hiefür ſind die unmittelbaren
Unterſuchungen von Biot u.
Jai Luſſac, mittelſt der Luft-Ballons,
die aus einer Luftſchicht von + 23° in
eine von 6° ſtiegen. Hieraus kañ
man finden, wieviel Fuß zu einer gewiſſen
Abnahme der Wärme gehört.

3.,

Auch Drachen an denen Termometer befeſtigt
ſind benutzt worden die Rationen zu
beſtim̃en, wo eine gewiſſe Wärme
herrſcht.

4.

Ziemlich genau ſollen auch die
Quellen auf den Bergen die mittlere
Temperatur der Höhen angeben, ſo
wie die Temperatur der Höhen auf
Bergen ſelbſt.

5.,

Doch möchte letzteres beſonders
ganz falſch ſein, da bei Höhlen mit ſenkrechten

Öffnungen die kalte Luft im Winter eindringt

, die ſich im Som̃er darin erhält
u. dañ die iſotermen Linien der iñern
Erdwärme ganz unabhängig von der
Höhe des Bodens ſind, u. dieſelbe Wärme
ſich ergiebt weñ man auf der
Ebene oder auf den Bergen in die
Tiefe geht. Es iſt daher ſicherer die
Lufttemper. an den Abhängen der Berge
zu beobachten, obgleich die verſchiedene
Farbe des Geſteins, Wälder etc. einige Perturbation
des Termometers veranlaſſen
Bedeutend iſt jedoch dieſelbe nicht, da alle

Abhänge vom unermeßlichen Luftmeere gleichſam
gebadet ſind. Die Abnahme der
Wärme habe ich unter den Tropen auf
700 Fuß, 1° R. gefunden u. dies 26 mal
beobachtet, wobei die mittlere Temper.
der Ebene um 1 bis ° R. differirte.
Wo ſich beträchtliche Ebenen in dem Luftmeere
erheben, wird ſich die Luft mehr erwärmen
als an den gleichhohen Abhängen
u. noch mehr iſt dies auf den ausgedehnten
Central-Ebenen der Fall. Ein merkwürdiges
Reſultat liefert die Abnahme der
Wärme an den Andes. Jn Caracas iſt
die Abnahme der Wärme zwiſchen 3–
7,500 Fuß ſehr gering, weil hier in
den Tropen die erſte Wolkenſchicht ſteht
welche die Wärme bindet. Als Reſultat
kañ ich daher kurz angeben, daß unter den
Tropen bei 700 Fuß hohe, die Wärme
um 1° abnim̃t, zwiſchen 45–47° N Br.
bei 520, 1° R im Som̃er u. bei 700
Höhe, 1° R im Winter. Die Wärme abnahme
iſt daher langſamen in den Tropen
als in der temperirten Zone. Bei den über
die Strahlenbrechung angeſtellten Beobachtungen
iſt gefunden, daß weñ die Refraction
unter 10° iſt, die Wärmeabnahme
hier ſoviel wie unter den Tropen beträgt.
Hieraus läßt ſich jetzt die Temperatur
abnahme berechnen. Hier gehören im Winter
700 in Schweden 900 Höhe zur Abnahme
eines Termometergrades. Die Temperatur
der einzeln auf einander liegenden Schichten
iſt daher in arithmetiſcher Proportion anzunehmen
u. die Barometermeſſung
nach der Strahlenbrechung zu reguliren.
Jch habe unter den Tropen die Temperaturen
des ganzen Jahres verglichen u. gefunden
daß ſie am Amazonenſtrom 3–4° höher
iſt wie in Rom oder Berlin im Auguſt.
Jn der Höhe von Loxa, Papaian 6000′
hoch gleich der mittlere Temper. Berlins
im Aug. Jn Quito iſt die Temper. des
Jahres wie der Anfang des Mai in Berlin
bei 10–11000 Fuß Höhe wie die mittl. Temperatur
Berlins ſelbſt, oder wie die des
April. Alles hängt aber von der Normaltemperatur
der Ebene ab. Jnteresſant
iſt es jetzt, die Jſotermen Linien der
Erde mit den Jſoteren Linien der Höhe
zu verbinden. Man glaubte ſonſt die
Schneegrenze ſei allgemein die mittlere Temperatur
des Gefrierpunktes. Dies iſt unrichtig
. Die untere Schneegrenze iſt nicht = 0°
ſondern unter dem Aequator + ° R
u. unter 68–69° N B. 5–6° R. Verſchiedene
Breitengrade haben daher eine verſchiedene
Temperatur der Schneegrenze u.
man muß zu deren Beſtim̃ung die Höhen
u. Breitengrade vorbinden. Dies iſt
von beſonderm Einfluß auf das Gedeihen
der Pflanzen. Kardinal Bombo war wohl
der Erſte, der hiemit beſtim̃te Jdeen verband
. Turnefort glaubte auf dem Ararat

dieſelben Pflanzen von Süd-Frankreich u. Lappland

zu finden, obgl. es nur Species der
Gattungen waren. Dies Alles iſt
in neuern Zeiten viel genauer eruirt.
Vergleicht man die Temperatur der
Alpen mit der der Ebene, ſo iſt die
Temp. der Höhe von 300 Fuß gleich der
15 Ml. oder 1 Breiten Grad nördlicher
gelegenen Ebene. Der Gipfel der Schneekoppe
hat daher eine Temperatur als weñ man
17 Breiten Grade oder 255 Ml. nach Norden
ginge, gleich 1° R. u. nicht + 7° R.
wie die Ebene Schleſiens, ſondern wie
Lappland deshalb wachſen aber nicht
auf der Schneekoppe die Pflanzen die in
Lappland wachſen. Jm Som̃er allein iſt dies
anders; da kom̃en auf 300 Höhe nur
10 Meilen nördliche Entfernung in Rechnung.
Ueberhängt geht die Kultur der Pflanzen
höher auf die Berge als ſie in
gleicher Temperatur nach Norden ſich
bewegen. Sie leben hier in einer düñen
Luftſchicht u. die Jntenſität der Lichtſtärke
entwickelt eine größere Quantität
Wärme, welche die Früchte eher
nur Reife bringt. Es kañ auf 2400
Höhe Weinbau getrieben werden, aber
ſchon 4° nördlicher gedeiht kein Wein mehr.
Nim̃t man beſondere Rückſicht auf die
Kultur der Pflanzen, ſo dürften bei
300 Fuß Höhe nicht 15, nicht 10 ſondern
nur etwa 7 Meilen nördliche Entfernung
anzunehmen ſein. Das Phänomen
der Schneegrenze, wobei Berge ſtets in
Schnee gehüllt bleiben, beſchäftigte die
Menſchen ſchon früh. Jn den Alpen u.
Pyränaen wo Eichen u. Pinien unter
der Schneegrenze wachſen iſt dies ein großer
Contraſt; noch größer unter den Tropen
, wo Palmen u. Piſang ſich gegen
die Schneeberge abheben. Dieſe Erſcheinung
verſchönert nicht allein die Natur
ſondern dadurch kañ man unterſcheiden, welche
die höchſten Berge ſind, da die Schneelinie
über dem Meere ſich gleich bleibt. So
wußten die Jndianer vor Ankunft der
Europäer, daß der Chimborazzo der höchſte
Berg ſei. Unter den Tropen iſt der
Unterſchied der Schneegrenze in allen Jahreszeiten
ſo gering, daß er kaum 60
auf allen Bergen differirt, u. in

Zeichnungen

beſonders dies auffallend abſticht.
Jn temper. Zonen ſteigt der Schnee oft
in tiefen Schluchten herab, daß ſelbſt die
Wärme der Ebene perturbirt wird.
Die Alten, welche den Taurus u. Kaukaſus
u. dañ wieder die Alpen u. Pyrenäen
kañten ſahen in dieſen Bergen in Betreff
des Schnees nur Kontraſte. Unter dem
Aequator fängt die Schneegrenze mit
15000 Fuß unter 35° N B bei 9000 Höhe
an. Damit muß man das Phänomen
der Gletſcher u. Eisgrotten nicht verwechſeln
, von denen erſtere bis in die Ebene
ſelbſt kom̃en köñen. Bekañt iſt es, daß dieſelben
durch die Erdwärme unterhalb Bogen
bilden, die einſinken u. dadurch ſich ſelbſt
weiter ſchieben. Sie ſehen aus wie ein plötzlich
gefrorenes Meer welches in Bewegung
geweſen. Auf der Oberfläche findet man
kleine Grüben wie eingebohrt, welches Phänomen
damit zuſam̃enhängt, daß das
Waſſer bei + 4° R. ſeine größte Dichtigkeit
erlangt u. zu Boden ſinkt. Weñ auf der
Oberfläche geſchmolzenes Waſſer dieſen Wärmegrad
erreicht ſo ſinkt es u. bohrt in
die Eismaſſe hier erkältet es ſich mehr u.
ſteigt deñ wieder in die Höhe, wodurch
dieſe kleine Grüben allmählig gebildet
werden. Eisgrotten ſind etwas ähnliches,
wo Luft ausſtrömt die oft nur 2–3°
Wärme hat, die im Winter eingedrungen
u. jetzt verhindert wird auszuſtrömen.
Jn Peru u. Chili giebt es keine Gletſcher
wohl aber in Aſien. Jm weſtlichen Theile
des Chimborazzo habe ich 80 Toiſen unter
der Schneegrenze unter Beinſteinſchichten
große Maſſen Hagelkörner gefunden.
Es iſt dies ein ganz eigenthümliches Phänomen.
Erſt jetzt iſt die Urſache aufgefunden
daß die Schneelinie nicht iſoterm iſt u.
daß ſie weniger von der Temper. des
Jahres, nicht von den iſotermen Linien
ſondern von den iſoteren Linien abhängig
iſt, u. von der Zahl der Lage die eine
mittlere Temperatur von 4–5 Grad
haben. Die Jſoteren Linien entfernen
ſich daher weit mehr von den Paralelkreiſen
als die Jſotermen Linien.

52. Vorlesung, 14. April 1828

Wir köñen die Temperatur der verſchiedenen
Gegenden unter dreierlei Geſchichtspunkten
betrachten:

1., wir verbinden die Punkte die eine
gleiche jährliche Temperatur haben,
dies ſind die iſotermen Linien.

2., oder die Punkte deren Temperatur
ungleich u. deren Som̃ertemperatur gleich
iſt, dies ſind die iſoteren Linien.

3., endlich die Punkte, wo die jährl. u. Sommertemperatur
verſchieden, aber die Wintertemperatur

gleich iſt, dies

ſind die iſocheimoniſchen Linien.

Es kan der Fall ſein, daß ein Ort 5°
nördlicher liegt u. deñoch gleiche Temperatur
hat. Moskau liegt 11° nördl. an
der Ausfluß der Loire u. hat deñoch
dieſelbe iſotere Linie. Gruppirungen
von Hochgebirgen veranlaßen daß die
Schneegrenze bedeutend ſinkt, oder die
Wärmeſtrahlung der Hochebenen, daß ſie
bedeutend ſteigt, ſo daß in Tibet in
14000 Fuß Höhe noch Waitzen gebaut
werden kañ. Jn dem von Meeren ſo wenig
durchſchnittenen Aſien geht die Schneelinie höher
als man gewöhnlich glaubt, deñ für die
jährl. Wärme iſt Aſien wirklich kälter
als andere Continente, aber wegen der bedeutenden
Wärmeſtrahlung im Som̃er, geht
doch die Schneelinie höher. So ſind auch die
Som̃er am Kaukaſus, trotz der Nähe des
kaſpiſchen u. ſchwarzen Meeres heißer als unter
gleichen Breitengraden. Auch an den
Karpathen unter 48° N B. iſt die Schneelinie
höher wie in den Alpen. Je weiter
nach Oſten hin, je mehr veranlaßt das
Continental-Klima heißern Som̃er. Nur
wenige Zahlen will ich hier noch hinzufügen.
Die ermittelte Höhe der Schneelinie unter
dem Aequator beträgt genau 14660 Fuß
oder 14700 in runder Zahl u. der Montblanc
wurde dort beinahe in die
Schneelinie reichen. Vom 19–20° N Br. bis
40° N B. zu den Pyrenäen ſind lange
keine Meſſungen veranſtaltet worden.
Jn Neu-Mexico fand ich zu meinem Erſtaunen
, daß die Schneegrenze nur circa
1000 Fuß niedriger geht bis 13800 Fuß.
Die Oſcillation bis wohin ſie in Winter
herabſinkt iſt 2100 Fuß. Vom 19–30° iſt
kein Schneeberg der bis jetzt gemeſſen
iſt u. in Amerika giebt es auch keinen ſo
hohen Berg zwiſchen 19–40° N Br., deñ die
Azoren erreichen mit ihren Gipfeln nicht die
Schneelinie. Jm 30° N B. iſt das Himalaja-
Gebirge genau vermeſſen u. geht die
Schneelinie am ſüdlichen Abhange bis 12000
u. am nördl. Abhange bis 15400 Höhe,
wo Millionen von Menſchen noch leben.
Die Schneegrenze in den Pyrenäen u. Alpen
iſt nach Localverhältn. ſehr verſchieden. Nach
genauen Beobachtungen von Saussure, v. Buch etc.
iſt dieſelbe 8400′ hoch anzunehmen. Jn
unſerer Breite von 52° N. würde ſich
die Schneegrenze, weñ dergleichen Berge
hier wären bei 7000 Fuß Höhe anheben.
Jn Scandinavien 70° N B. iſt die Schneegrenze
3300′ hoch u. dorten würde der
Brocken in derſelben liegen. Am Littorale
iſt ſie unter gleicher Breite nur
2200, Weñ man die Schneelinie auch nicht
ſehen kañ, ſo kañ man ſie doch durch die
Baumarten leicht finden, die ſtets in
einer gewiſſen Grenze von derſelben ſich
entfernt halten Zb. Tañen, Birken etc.
Dieſe bilden daher gleichſam iſoterme Linie
bei alle dieſen Beſtim̃ungen iſt nothwendig
ſich im̃er an Localverhältniſſe zu
eriñern u. einzelne Orte zu betrachten.
Die iſotermen Linien ſind daher nicht von
Breitengraden abhängig ſondern von
bedeutender Jnflection. Tabellen über
Temper. Verhältniſſe wie Zb. die von
Lesſli ſind daher ohne Nutzen u. ein
ſie anzufertigen mußte man beſtim̃te
Coefficienten herein bringen u. den
Abſtand von der Linie, welche eine
geringe Temperatur hat ermitteln
dieſe Linie von 0° Wärme fällt in
Scandinavien zwiſchen 67–68° N Br. Jn
Labrador unter 54°. Die Jnflection
der iſotermen Linie iſt daher ſehr ſtark.
Man muß daher ſagen: in den Längengraden
zwiſchen Petersburg u. London
iſt die Schneegrenze in der u. der Höhe
hingegen in Amerika liegt ſie ſo hoch.
Es iſt überhängt ſehr übel Erfahrungsſätze
durch Formeln ausdrücken zu wollen.
Jch kañ zwar durch Absciſſen u. Ordinaten
den Lauf des Fluſſes, ohne Karte beſtim̃en;
aber wer kañ die Veränderungen des
Laufs deſſelben dadurch angeben. Dies
iſt derſelbe Fall die Temper. Durch Formeln
beſtim̃en zu wollen. Am kälteſten
möchte es in Neuſibirien ſein u. die
Curve der Schneelinie fällt mit der
Oberfläche zuſam̃en bei 82–83° N Br.
Noch einiges habe ich über die Seeluft
zu ſprechen u. deren Beſchaffenheit, die
auf der Flüßigkeit ruht die über
des Erdkörpers bedeckt. Sie hat ſehr
wichtigen Einfluß auf die Temperatur,
da die Wärme von der Abſorbtion der
Lichtſtrahlen abhängig iſt. Ferner
hängt die Wärme der Seeluft von den

Strömungen u. Winden ab. Jm flüßigen

zuſtande des Waſſers kañ ſich die obere Luft dadurch erkälten
, daß das Waſſer verdunſtet,
deñ daß das Licht mehr in die Tiefe dringt
u. nicht Wärme ſtrahlt. Ferner wirken
die Strömungen warmen oder kalten Wasſers
auf die Meeresluft. Auf kalten
Strömen iſt die Temperatur der Luft
unter den Tropen + 14° R. u. eben
ſolche Wärme findet ſich über die heißen Strom
nach Norden hin mit dem in hohe Breitengrade
fliegende Fiſche hinziehen. Anders
iſt es, weñ der Boden des Meeres ſtarr
iſt. Hierüber hat Scoresby die beſten
Beobachtungen angeſtellt. Hier ſieht
man oft hohe Eisberge in der Eisebene.
Dieſe ziehen die Dünſte aus der feuchten
wärmere Luft an, wodurch die Durchſichtigkeit
der Luft genom̃en wird. Jſt
dies lange genug geſchehen, ſo ſtehen
ſie wieder hell u. klar am Him̃el.
Man hat Unterſuchungen angeſtellt in
welchen Climaten das Waſſer wärmer
als Luft ſei. Jn allen Breiten vom
Aequator bis 48° NB. iſt das Meer
wärmer als die Luft, daher auch
hier die Degreſſion des Horizonts beſonders
ſtatt findet, die 4–5 Minuten beträgt
die Brechung der Lichtſtrahlen u. die
Erſcheinung von Luftbildern hängt damit
zuſam̃en. Man glaubt Seen in der
Ferne zu erblicken, welche Erſcheinung
die Afrikaner den Durſt der Gazelle
neñen, weil dieſe Thiere durſtend nach
der Erſcheinung hinreñen. Die Armeen
von Alexander wurden hierdurch getäuſcht
auch die Franzoſe unter Napoleon ſahen
dieſe Luftgebilde. Die höchſte Temper.
der Seeluft unter den Tropen iſt nie
höher als 23–24°, auch 21° in der Regel,
im̃er 12–13° weniger als der Theil des
Luftmeeres der unter gleichen Längen
auf dem Continente ruht. Hiemit muß
man die Temperatur einzelner engen Bſte
nicht verwechſeln Zb. das rothe Meer
welches das heißeſte von Allen iſt.

Cap. Tuki hat die Temper. deſſelben bei
Tage nie unter + 36° u. des Nachts unter 28–29°
R. gefunden. Seeluft mildert wie öfter
geſagt die ganze Temper. u. nim̃t
man die Mittelzahl, ſo findet man, daß
zwiſchen 20–40° die Seeluft im Allgemeinen
etwas höher als die Luft auf
dem Continente iſt. Nach eine einzige
Betrachtung ſei wir erlaubt hier beizufügen
, daß aus der Temperatur Verſchiedenheit

es herzuleiten iſt

, daß Europa ſo ausgezeichnet in
der Kultur, Civiliſation u. Bevölkerung
iſt. Hiefür ſind drei Gründe vorhanden
:

1. Europa iſt die Weſtküſte des großen
Kontinents von Aſien

2., Die Längengrade von Petersburg
u. Madrid verlängert nach dem Aequator

ſchließen das Continent Afrika

ein, das wie ein heißer Stein heiße

Luftſchichten nach Norden u. Süden wälzt

3., Es iſt ſehr von Meeren durchſchnitten
wodurch ihm die Beſchaffenheit eines
Küſtenklimas zu Theil wird. Ferner
erſtreckt ſich nach Norden hin am wenigſten
Land u. ein freies Meer liegt da, wodurch
die Eismaſſe. Durch das ausgedehnte
Thal des atlant. Meers bequem abtreiben
köñen. Europa koñte auf 3erlei Weiſe kälter
werden 1., Weñ Africa wie einſt die Fabelhafte
Atlantis unterſänke oder 2., Atlantis wieder
in die Höhe ſtiege oder 3. die Baffingsbai
ſich ſchlöße u. der Jſtmus von Panama
ſich öffnete u. den Aequatorialſtrom durchließe.
Solche Naturrevolution verändern die Temperatur
u. zugleich dadurch den Wohlſtand der Völker.
53. Vorlesung, 15. April 1828

Von den Telluriſchen Verhältniſſen gingen wir zu den
Geographiſchen über, wobei wir die Abtheil. des

unorganiſchen u. organiſchen machten. Erſteres wurde

nach ſeinen feſten u. flüßigen Zuſtande betrachtet
u. dies wieder inſofern es tropfbar oder
elaſtiſch iſt. Bei der Luft ſahen wir auf ihre
Farbe, Dichtigkeit, chemiſche Beſchaffenheit, Feuchtigkeit
, Temperatur-Verhältniß u. jetzt kom̃en
wir zu der Electricität derſelben. Die Bildung
des gasförmigen Dampfes in der Luft iſt Grund
der Electricität. Die Soñe erregt Wärme, Wärme
entwickelt Dämpfe, beide geben Electricit.
Die wiederum Wärme u. Licht giebt. Wie früher
erwähnt iſt Magnetismus u. Electricität
identiſch, u. erſters im Starren wirkſam wie
letzteres in der Atmoſphäre. Erſteres zeigt
ſich durch das ausſtrömende Polarlicht, letzteres
durch das Licht der Blitze. Von dem
Verbreñungsproceß bei der Electr. gehen wir
zu dem über, der bei den Aerolithen im Weltraume
, von ſie in unſere Atmoſphäre kom̃en
ſtatt findet, u. weshalb ich ſie in dieſem
Abſchnitte abhandeln werde. Electricität kañ
durch verſchiedene Mittel erregt werden. Die
auf mehrere Phänomene zurückführen: 1. Durch
Reibung 2., Durch den veränderten Zuſtand der
Ausdehnung der Luft u. Dampfbildung 3., Durch chemiſche
Veränderung |: Beckerell hat gezeigt, daß auch
die geringſte Quant. von Säure in einen Miſchung
durch die Magnetnadel beſtim̃t werden kañ :|
4. durch den Contact verſch. Stoffe |: Galv. Säule
5., durch das im organiſche Leben auf eine geheimnißvolle
Weiſe vertheilte Fluidum, wonach elektr.
Fiſche wie geladene Wolken betrachtet
werden köñen. Man mußte es für etwas ſehr
ſonderbares halten, daß elektriſche Proceſſe
in organiſchen Körpern, im Waſſer lebend, ſich
bildeten, welches letztre ein leitender Körper
iſt u. nicht vielmehr in dergleichen Körpern in
der Luft die nicht leitend iſt. Wahrſcheinlich
iſt es, daß die Spañung der Muſkeln die bei
den Gymnoten in Erſtaunen ſetzt, wonach
fünf Fuß lange Fiſche mit einem elektr. Schlage
ein Pferd tödten, auch bei den Vögeln u.
andere Thieren ſelbſt bei uns ſtatt findet, nur
daß ſie dorten in einem ſauerſtoffreichern

nervenreichern Blut mehr angedeutet iſt. Es kañ hier

keine Erklärung der Electricität, ſondern
nur die Geographie der elektriſchen

Erſcheinungen

gegeben werden. Dieſe ſind unter
den Tropen größer als in irgend einem andern
Orte. Die großen Waſſerproceſſe
erregen auch große Meteore; jedoch hängt
letzteres nicht allein von der Quantität der
Dämpfe, ſondern auch von ihrer räumlichen
Lage ab, weñ Wolken voll Dünſte in freier
trockner Luft ſchweben. Die Bildung der Quantität
der Electr. entſteht weñ kleine Dunſtbläschen
vorhanden ſind, die auf ihrer Oberfläche
in freier Luft ſtets electr. Spañung mit
poſitiver Electricit. haben. Kom̃en große
Maſſen Bläſchen zuſam̃en u. bilden Wolken
die oft ½ Kubik-Meile enthalten, ſo geht die
Quant. der Electricität im Jñern auf die
Oberfläche u. veranlaßt die große elektriſche
Spañung. Daher koñen ſo viele Gewitterſchläge
aus einer Wolke kom̃en, in dem sich einzelne
Theile, die keinen iñern Zuſam̃enhang haben
einzeln entladen. Merkwürdig iſt es, daß wir
in verſchiedenen Zonen Mangel an Gewitter
ſehen. So hat Scoresby zwiſchen 68–75° N Br.
nie Gewitter nie Blitz bemerkt. Dieſer Mangel
an elektr. Spañung fängt in Scandinavien
an u. geht im̃er weiter nach Norden.
Jn der Hudſonsbai iſt zwar Gewitter doch
liegt dieſe von 52–64° N Br. aber in Barow-
Straße iſt kein Gewitter. Die Urſache mag ſein
daß die Luft mit Dämpfen mehr geſätigt iſt
als ſie auflöſen kañ u. da die trockne kalte
Luft wenig Waſſer halten kañ, ſo ſchlagen
die Dämpfe nieder, u. das Waſſergas ſetzt
ſich mit der Oberfläche der Erde gleich in Verbindung
, wodurch die Electricität nicht ein wirken kañ.
Unter den Tropen ſieht man vom Dcbr. bis Mai

kein Wölkchen u. daher auch kein Gewitter. Jn dieſe
Zeit iſt in der Luft ſtets poſitive Electricit.
Vom Mai bis Octbr. iſt dorten die Regenzeit
kurz vor dem Erſcheinen derſelben wehen die
Paſſatwinde unregelmäßig, es fängt Welterleuchten
an. Von 8 Uhr M. bis 1 Uhr N. M. iſt unten
in der Atmoſph. keine Electricität. Hat
aber die Soñe das Maximum der Wärme hervorgebracht
, ſo iſt auf freiem Felde gleich eine
große elektr. Spañung die vom + zum
übergeht. Stets zwei Stunden nach dem Maximum
der Wärme entladen ſich die Gewitter
u. dañ iſt der Abend heiter, ohne Electricität.
Dieſe Beſchaffenheit der Atmoſph. findet ſelbſt
bis zu einer Höhe von 14000 Fuß ſtatt u.
habe ich hier + Electr. gefunden. Die

Erſcheinungen

des Gewitters ſind dieſelben wie bei uns
nur mit dem Unterſchiede, daß ſie hier zu allen
zeiten des Jahres, dorten nur an gewißen

Jahreszeiten

ſtatt finden. Wie geſagt erſcheint nach
dem Gewitter dorten zuerſt Wetterleuchten. Dies
iſt allenthalben ein phoſphoriſches Licht, welche
tief am Horizonte ſtets ſich befindet, nie
höher als 10–12° hoch. Die Lateiner unterſchieden
ſchon fulguratio u. fulmen. Wollte
man añehmen, daß es von einem fernen Gewitter
herröhre, ſo dürfte man in Verlegenheit
kom̃en. Nim̃t man die größte Höhe der Gewitterwolken
6000 an, ſo wäre das Gewitter
in Entfernung von 23 Ml. ſchon im Zenit
u. bei gewöhnl. Höhe von 3000 müßte es in
10 Ml. Weite ſchon heftig doñern; welches ſich

nun beſtätigt. Daß es in den Tropen ſeltener

einſchlägt wie bei uns mag davon herrühren
, daß die Tropen-Wolken 1000 Toiſen
hoch ziehen, während hier dieſelben nur 500
Toiſen Höhe erreichen. Beſonders ſind die
durch den Blitz gebildeten Blitzröhren noch
zu bemerken. Man hat ſie in der Señenheide, in
Weſtphalen, u. an andern Orten gefunden. Es iſt
eine Verglaſung des Sandes durch den Blitz,
durch zugeſpitzten Körper, mit einer iñern
glatten Röhre gebildet wird. Man findet ſie
von 14–30 Fuß Länge, auch unter den Tropen in
Bahia, in der Wüſte Afrikas, wo Klepperton
einen mitbrachte, wo jetzt keine Gewitter

erſcheinen. Auf einer Jnſel auf der Schleſwigſchen

Küſte ſahen Matroſen einen Blitz herabfahren,
ſie gruben nach u. fanden die ſchönſte Blitzröhre
die man hat. Es iſt dieſe Erſcheinung daher keine
bloße Theorie. Auf den Höhen findet man ſehr
oft herrliche Verglaſungen; ich ſelbſt ſahe eine
Spitze von 14000 Fuß hoch, Trachitporphyr, ganz
verglaſet.

Mit den Fulguriten muß man nicht die
Meteorſteine verwechſeln; dieſe entzünden
ſich in unſerer Atmoſphäre, u. werden wegen
des Verbreñungsproceſſes hier abgehandelt. Man
hat lange daran gezweifelt, obgl. chineſiſche
römiſche u. griechiſche Analen beſtändig deren
gedenken. Die Kalifen u. mongoliſche Fürſten
ließen ſich aus Meteorſteinen Dolche u. Degenklingen
anfertigen etc. Daß über dieſe Erſcheinung
Licht verbreitet iſt, haben wir ſeit 1794
Clodny zu verdanken. Obgleich von dem Conſiſtorio
in Agram in Croatien Zeugen abgehört
u. Urkunden ausgeſtellt wurden, über die 1751

daſelbſt herabgefallenen Steinmaſſen von 16–70

Gewicht; obgleich dieſe nach Wien geſendet wurden
: ſo war der Unglaube doch ſo merkwürdig
, daß ein gleichzeitiger Schriftſteller ſagt
kein denkender Gelehrten wird dieſe Fabel
glauben. Es ging hier wir dem Pater Scheibner
in Salzburg, der die Soñenflecken bemerkte
u. dem der Jeſuiten-Rector ſagte, er habe
gewiß Flecken in den Augen u. er ſolle dem
Jeſuitenorden durch ſolche widerſiñige Behauptung
nicht Schande mache. Ariſtoteles erwähne
hievon nichts u. daher köñe es nicht wahr ſein.
Jch habe es ſelbſt geſehen, daß die Akademie
in Paris über die von Pitet angeſtellt Verſuch.
über die Aerolithen, in Gelächter ausbrach.
Bald darauf ereignete ſich der große
Steinfall zu Aigle D. 26. Apl. 1803, wo
auf einer Fläche von 2 Ml. 2,000 Steine herabfielen
. Man hörte in einer Wolke Kanonendoñer u.
kl. Gewehrfeuer bei der Exploſion. Seit dem dieſe
Erſch. auf Cladnys Werk folgte, hat Niemand

an ſeiner Erklärung mehr gezweifelt. Die Alten

hatten ganz ähnliche Jdeen. Diogenes Apollonius

aus der joniſche Schule ſagt: Mit den leuchtenden
Sternen bewegen ſich auch andere nicht leuchtende
Sterne, die zuweilen auf die Erde fallen. Diogenes
Laërties lehrt, daß ſie von der Sonne
kam̃en u. Anaxagoras, daß die fallenden Stein
von der Erde weggeſchleudert würden u. wieder
zurück kämen. Mondvulkane ſind häufig
für die Urſache dieſer Erſcheinung gehalten worden
u. gemein iſt der Glaube im Syriſchen Volke,
daß Steine aus dem Monde fallen, daher ſie nicht
ungern im Vollmonde Reiſen antreten. Wahrſcheinlich
iſt der große Stein in der Kaba zu Mecca
ein Aerolith. Der berühmteſte Meteorolit, deſſen
Fall weitläuftig beſchrieben, u. der bei heiterm
Him̃el herabkam, iſt der von 1492, der
270 ſchwer bei Enzisheim herabfiel, u. der
Kaiſer Maximilian in einigen Stücken gezeigt wurde
. Viele Stücke wurden auch in die Kirche daſelbſt
eingemauert u. befinden ſich jetzt in Paris. Eine
Eiſenmaſſe beſchrieb Pallas 1774, welche die
Koſacken ſeit 1749 ſchon kañten, u. die nach
mongoliſcher Tradition vom Him̃el gefallen ſein
ſoll. Ruben Celis fand in einer Ebene im ſüdl.
Theile in Czako eine Maſſe die 7½′ lang 1½′ hoch war
u. 300 Ct. wog. Jn Braſilien unterſuchte Wollaston
einen Meteorſtein der 7′ lang 2′ breit
u. 3′ hoch war. Jn China ſoll neulich eine Maſſe
von 100 Durchmeſſer herabgekom̃en ſoll

Herr Remusat ſagt, daß an den Quellen des

gelben Fluſſes ein Fels von 40 Fuß Höhe
ein Meteorſtein aus leuchtender Wolke herabgefallen
ſei. Dies dürfte den wohl die größte
Maſſe ſein. Weñ wir Steine von 6–7 Fuß
Durchmeſſer mit den Weltkörpern vergleichen
die hinwieder mit noch größere in gleichem
Verhältniß ſtehen: ſo dürften dieſe Verhältniße
bei gröſten Meteorſteinen noch deutlicher
hervortret.
Jn den chemiſchen beſtandtheilen dieſer Maſſen herrſcht

große Verſchiedenheit. Man kañ ſie in zwei Claſſen
theilen, nämlich gediegen, wie Eiſen, Nickel etc. oder
erdig u. ſteinartig, graulich ſchwarz wie Baſalt
. Jn neuere Zeiten ſind auch grobkörnigte
Gebirgsarten herabgefallen, Augit, Syroxen
u. Labrador. Das ſpecifiſche Gewicht iſt verſchieden
, oft 2–3¼ dichter als Waſſer. Da die Planeten
jenſeits der Aſteroiden noch weniger dicht als Waſſer
ſind, ſo ſcheinen ſie uns näher anzugehören. Die
zuweilen Staubartig gefundenen Maſſen köñen
wohl von Winden heraufgebracht ſein u. dañ ſich
niedergeſchlagen haben. Jm äußern ſind alle
Meteorſteine gleich, mit einer glaſigen ſchwarzen
Rinde umgeben, auf der ſich kleine Zweige
verbreiten. Die Araber hielten dies für hieroglyphiſche
Zeichen u. Adreſſe an die Perſonen
die von ihnen getödtet werden ſollten. Jm
iñern ſind hauptſächlich die Metalle: Eiſen,
Nickel, Kobalt u. Chrom; letzteres mehr characteriſcher
Beſtandtheil. Ferner enthalten
ſie Nickel, Schwefel, Kohle, Natron u. Kali,
auch etwas Salzſäure. Von Erdarten: Kieſel
, Allaun, Talkerde auch Waſſer. Der
Chemiker Rose hat dies beſtim̃t u. bringt die
Maſſe in 2 Abtheil., die viel Nickel u. wenig
Kalk u. dañ wenig Nickel u. viel Schwefel u. Kalk
hat. Die Erſcheinung kündigt ſich bei hellem Tage
u. heitern Him̃el als ein leuchtender Punkt an, um
den ein ſchwarzes kleines Gewölk ſich bildet.
Die Lichtflam̃e hat eine Jntenſität die gleich dem
Soñenlichte iſt. Zb. führ eine Feuerkugel bei
Tage über Popajan u. erleuchtete ſelbſt hier unter
den Tropen den hellen Mittag noch heller. Eigenthümlich
iſt es, daß ſie ſchwarzen Dampf u.
Rauch hervorbringen. So weit ihre Höhe beim
Fallen hat gemeſſen werden köñen, hat man
ſie 10–15 geogr. Meilen hoch gefunden. Jhr
Herniderkom̃en iſt kein Fallen, ſondern horizontales
dahin ſtreichen mit einer Geſchwindigkeit
die gleich der der Weltkörper iſt, 5–6 Ml. in einer
Secunde. 1794 wurde eine Feuerkugel gleichzeitig in Paris
u. Dublin geſehen. Bisweilen haben ſie eine ſeltene Ablenkung
u. die Maſſe ſcheint in der Atmoſphäre aufgehalt
zu werden. Ein Getöſe iſt ſtets damit verbunden, das
oft 15–18 Ml. weit zu hören iſt, u. obgleich ſie ſehr erhitzt
herunterkom̃en, verſengen ſie nicht das Gras
entzünden Holz u. dgl. Es ſcheint überhaupt daß nur die
Fläche verglaſet u. das Jñere nicht erhitzt wird, deñ der
Chemiker Berzelius fand den Schwefelkies ganz unverändert
. Es ereignete ſich der höchſt merkwürdige Umſtand
im Jahr 1810, daß ein Meteorſtein auf ein Schiff an der
Küſte Amerikas fiel, durch das Verdeck ſchlug, das Holz
aber nicht ſchwärzte, welches bei einer durch u. durch erhitzten
Kugel der Fall ſein würde. Bedenkt man daß im Ganzen
Meteorſteine ſelten vom Him̃el fallen u. erwägt man die
Größe des atlant. Ozeans u. den Punkt auf demſelben den
ein Schiff bildet, ſo iſt dies gewiß die auffallendſte Erſ
das Phänomen iſt von den Jahreszeiten ganz unabhängig
, hat nichts mit den Soñenflecke zu thun u. dgl. Herr
Schreiber hat berechnet daß bereits 100000 Steinfälle ſtatt
gefunden, was freilich zu beſtim̃en höchſt ſonderbar iſt.
Für die Urſache dieſer Erſch. hat man drei Hypotheſen

angenom̃en 1. Sie ſollen ſich in der obern Atmoſphäre

ſelbſt bilden, indem das Hydrogen im Stande iſt ſelbſt Metalle
aufzulöſen, die ſich dorten zuſam̃enballen. Bedenkt
man aber, daß die Luft oben ſo düñ iſt, daß ſie einen Barometerdruck
von wenigen Linien nur übt, ſo würden alle -
baren Theile der obern Luftſchicht zuſam̃en, doch nicht ſo ſchwer ſein als Steine von
7 Fuß Durchmeſſer. Dazu kom̃t die Schnelligkeit die horizontal
geht u. nicht Folge des Falls ſein kañ. 2., Sollen Mondvulkane
ſie herſchleudern. Dies hat Laplace u. Olbers nicht behauptet
, obwohl ſie unterſucht, ob ſie wohl daher kom̃en köñten.
Hiernach würde Steine, weñ ſie mit einer Wurfkraft von 7500
in einer Sec. geſchleudert würden |: 4 mal ſtärker als Pulver
in Tage auf die Erde kom̃en. Die Tranſlation des Mondes
würde veranlaſſen, daß ſich dieſe Steine in Erdſatelliten verwandelten
. Die früheſte Meinung in dieſer Art iſt 1660 aufgeſtellt, wo ein Mönch durch
einen Meteorſtein in Jtalien getödtet wurde u. von dem man behauptete, er ſei aus dem Mond
gekom̃. 3., Die beſte u. neueſte Hypotheſe iſt, daß Meteorſteine aus den Welträumen
ſelbſt kom̃en, daß dieſe kleinen Maſſen, die im Verhältniß zwiſchen andern Weltkörpern, als
eigne Weltkörper zu betrachten ſind, durch Perturbation auf einen oder den andern
Planeten fallen, u. die durch das Zerplatzen eines größern Körpers entſtanden ſein köñen.
Lagrange hat hierüber u. über d. Wurfkraft ein tiefſiñiges Memoire herausgegeben.
54. Vorlesung, 16. April 1828

Wir gehen in dieſer Stunde zur Geographie
der Organismus über: Viele Phyſiker haben
die Electricität der Materie, die Chemie ſelbſt
als Lebensthätigkeit betrachtet u. dieſe
Erſcheinung Leben genañt; dieſem bin ich
fremd u. rede hier vom organiſchen im Gegenſatz
des unorganiſchen. Von erſterm
koñen wir nur das telluriſche, indem ich
der organiſche Dinge, die man auf dem Monde
geſehen haben will, nicht erwähne. Sollte es
ſelbſt Gewächſe wie auf der Erde von 200
Fuß Höhe dort geben, ſo wäre mit unſern Jnſtrumenten
bei ihrer Düñigkeit doch der Schatten derſelben
nicht zu beobachten. Hier auf der Erde
iſt gleichſam eine organiſche Rinde, auf u. in
welcher das Leben ausgegoſſen iſt auf die ſtarre
Maſſe. Jm Starren u. flüßigen bemerkt
man die größte Unregelmäßigkeit, die Maſſe
beſiegt die Form, im Organiſchen Leben iſt dies
umgekehrt der Fall; dort iſt Ordnung als
Ausnahme, hier Regel. Dies Auffinden der
Ordnung iſt das verſöhnende Princip mit
den Erſcheinungen in denen unſer Leben treibt.
Beſonders giebt ein ruhiges Bild der Eindruck
der Pflanzenwelt. Die Blumen die den ewigen
Geſetzen getreu ſich ſeit Jahrtauſenden
enthalten, werden jeden Frühling nach Jahrtauſenden
noch eben ſo ſchmücken. Der Phyſiker
, der im Sturm bewegten Meer die Höhen
der Wellen mißt, oder die Klüfte des iñern
unterſucht, wird von dem entgegen geſetzten
widerſtreitenden ergriffen. Jn die Pflanzen
u. Thierwelt läßt ſich der telluriſche
Zuſam̃enhang leichter bringen, u. eine geographiſche
Beſchreibung des Aufenthalts derſelben
entwerfen. Die Unterſcheidung des organiſchen
vom unorganiſchen giebt ein
ſicheres Kriterium wozu der Gegenſtand
gehört. Sobald eine organiſche Maſſe aufhört
ein Ganzes zu ſein, behält es nicht mehr die
urſprüngl. chemiſche Miſchung, welches im
unorgan. nie der Fall iſt. Jn zuſam̃engeſetzten
Thieren u. Pflanzen, zu welchen letztere
Bäume, mit ihren Zweigen u. Knoſpen zu rechnen
, kañ ich nicht in beliebiger Richtung

Trennungen

vornehmen, ohne das Daſein zu
zerſtöhren. Dieſe Bedingung iſt der organ.
Character des Jndividuums. Ariſtoteles
definirt natürliche Körper, die ihren Beſtimmungsgrund
der Exiſtenz in ſich ſelbſt tragen.
Chemiſche Ziehkräfte köñen wohl allenthalben
wirken, aber bedingt; deñ der elektrochemiſche
Proceß im Zuſtande des organiſchen
Körpers der ihn zwingt zu beharren
iſt nicht verſchieden von dem des unorganiſchen
; jedoch im erſtern abhängig von
complicirten Bedingungen, die uns noch
nicht bekañt ſind. Jnſofern köñte man
wohl todte Kräfte belebt neñen, doch
würde dies nur Verwirrung herbei führen.
Eigentliches Leben muß Reſultat der Ex
in ſich ſelbſt haben.

Jm Organiſchen entſteht die ſucceſſive
Entwickelung der Theile entweder aus Abſtam̃ung
von andern oder Entwickelung.
Es findet bei org. Körper eine Periodicität ſtatt
wo entweder das Ganze oder einzelne
Theile abſterben. Gewiße Elemente ſtoßen
dieſelben aus u. von der Maſſe von
50–52 Stoffen welche die Chemiker añehmen
gehen nur wenige ins Org. Leben über.
Nie iſt Nickel, Kobald etc. im Organiſchen gefunden.
Die muhtige Lehre der chemiſchen Proportionen
geben dieſe Verſchiedenheit an. Bei
unorg. Elementen haben die erſten
Stoffe eine binäre Verbindung, bei org.
eine tri- u. quatrimäre. Zuletzt
iſt auch zu bemerken, daß aller Organismus
der Thiere u. Pflanzen gewiſſen Hauptreitzen
folgt, von denſelben Reitzen ſtimulirt
werden kañ. Chlor Zb. reitzt
den Sammen der Pflanzen ſo, daß Kreſſe
in 5–6 Stunden keimt; eben ſo iſt dies für
thieriſche Subſtanzen der Fall. Arſenik
u. andere metalliſche Stoffe in Pflanzen
geimpft, wirken gleich nachtheilig auf die
Gefäße der Pflanzen, wie auf die Fibern
der Thiere. Bis jetzt hat man noch keine
wichtige Definition über Unterſchied der Pflanzen
u. Thiere gegeben. Nach den Mythen von Prometheus iſt das
Him̃elslicht allein Urſache alles organ. Lebens.
Es iſt wahr, daß Licht auf der Erdrinde Leben
entwickelt, doch finden wir auch in der Tiefe
unterirdiſche Pflanzen. Es ſind dies nicht
keine, die mit dem Holz in Gruben gebracht,
ich fand in der Gailenreuther-Höhle in
neu geſprengten Gängen epheuartige Gewächſe
, die im verwelkten Zuſtande grünliche Blätter
trugen. Der Samme köñte durch Waſſercirculation
in die Tiefe geführt ſein.
Aber auch in einer Tiefe des Meeres von 5–600
Fuß wo kein Lichtſtrahl hindringt, iſt es mir

gelungen, vollkom̃en grüne Pflanzen herauf

zu ziehen. Jn den Ramens u. Citrus
Arten findet man mitten in der Frucht
ſchon grüne Keime. Dies hängt ſicher mit
der Gasart zuſam̃en, die wie in Gruben
wenig Sauerſtoff enthalten u. grün färben
ferner finden ſich Würmer in den Eingeweiden
der Thiere u. auffallend dieſelben
in unſere Reharten u. den Gazellen u.
Kangeruhs andrer Erdtheile. Licht iſt
daher zum erſten Organismus nicht
nöthig. Das erſte Aufkeimen vegetab.
u. animaliſcher Subſtanzen iſt wenig verſchieden
. Erſt in den letzten Jahren iſt der
Unterſchied zwiſchen Thier u. Pflanze erſt
gefunden worden. Es walteten lange
Zweifel ob, was die Pryſtleiſche Materie
eigentlich ſei. Man hat mehrfache
Stoffe in denſelben entdeckt. 1., converven
, pflanzenartige Gewächſe; dañ
2., oſcillatorien oder Faſern mit willkührlicher
Bewegung u. 3., Maſſen von

Jnfuſionsthierchen oder Gymnogenen

Es iſt Streit darüber entſtanden, ob
hiebei verſch. Entwickelungen ſtatt finden
u. die Jnfuſionsthierchen als nach Ruhe
ſich ſehnend, entrückt ihrem Zuſtande in
pflanzenartige Faſern ſich einhüllten.
Man hat Converven ähnl. Stoffe unterſucht
u. gefunden, daß Pflanzen-Entſtehung
nichts ſei als zuſam̃engeſetzte Thierſtoffe
u. daß die Oſcillatorien mit
Undulationen ſich zuſam̃en fügen u.
verbinden. Turpin glaubt daß noch
nicht Gründe genug vorhanden ſind
zu dieſem Reſultate zu gelangen.
Täuſchung iſt hierin allerdings ſehr möglich
die Haupturſache derſelben liegt wohl
darin, daß die erſtern Keime des

organiſchen

Lebens entweder als abgeſendet oder
als Theile eines zuſam̃engeſetzten Körpers betrachtet
werden. Hiemit hängt eine andre
Beobachtung zuſam̃en, daß in einer Waſſer-
Pflanze, der chara flexilis, Röhren wie Barometerröhren
enthalten ſind, in denen eine
beſtändige Bewegung iſt ſo lange ſie recht
im vollen Wachsthum iſt, indem kleine Körner
beſtändig herauf u. herunter ſteigen.
Unterbindet man die Pflanzen, ſo ſchneidet
ſich die Lebensſtrömung ab u. oberhalb bilden
ſich neue Lebensſtröme. Dies giebt tiefe
Blicke in das Jñern des Organiſchen.
Schon 1774 wurde dies entdeckt u. jetzt haben
ſich mit dieſer Erſcheinung aufs Neue Treviranus
, Meier in Bonn u. Dr. Meyer beſchäftigt
. Meier bemerkte eine eigne Bewegung
dieſer Kügelchen, ſelbſt weñ ſie ſich von
der Chara treñen. Dies Umtreiben der
Lebensſphären geſchieht auch bei mehreren
Thieren durch die Blutkügelchen. Kom̃en dieſe
Bioſphaeren zur Ruhe, ſo tragen ſie als
Faſern zur Maſſe bei. Beobachtet man die
Thierſäfte, ſo ſind dieſe Blutkügelchen bei
unterſchiedenen Thieren nach Form u. Größe
einerlei. Die Anatomen nehmen bekañtlich
zwei Stoffe an, nämlich gewoñene Maſſe
u. Blutkugelchen. Zu erſterer gehört das
Gehirn, Nerven etc. ſelbſt der Eiter der als
gewiñbare Maſſe ſich unter unſern Augen
bildet. Nach philoſophiſcher Anſicht bilden
ſich hieraus zwei Stoffe, entweder Blättchen
oder Faſern. Das Zollgewebe beſteht
aus beiden. Dieſe Betrachtungen führen
uns zu künſtlichen Beneñungen, u. ſchneidend
hat man abſondern wollen Pflanzen u.
Thiere. Jn untern Stufen wandeln aber beide
auf einem Wege, in den obern Stufen
ſind ſie verſchieden, wie Säugethier u.
Vogel, Palme u. Fiſch. Alle bisherigen

Definitionen zwiſchen Thier u. Pflanzen, köñen

durch häufige Ausnahmen widerlegt
werden. Die älteſte Definition des Thieres
, enthielt die willkührliche Bewegung
deſſelben. Es giebt aber Thiere auch ohne
Bewegung, ſo wie Pfl. mit Bewegung
wie Zb. das Hedycorum gerans, wo die
ſtipulae willkührlich ſich auch im finſtern
bewegen, nachdem die Drehung der Blätter
längſt aufgehört hat. Eine andere Definition
iſt die, daß die Genitalien bei den
Thieren permanent bleiben, bei den Pflanzen
aber abfallen. Dies iſt eine eben ſo unglückl.
Definition. Jch kañ bei den Pflanzen die Geſchlechtstheile
als getreñt anſehen, u. es giebt
Hem̃en mit Staubfäden, auch nicht. So lange
das Ganze lebt, lebt auch dies Jndividuum
u. nicht länger. Eben ſo iſt es mit der
Definiton aus der Chemie hergeleitet,
daß die Thiere Stickſtoff erzeugen u.
Pflanzen nicht. Die Nahrung iſt zwar
bei beiden verſchieden, aber die Perſpiration
ganz gleich u. ähnlich. Hier findet
aber ein merkwürdiger Unterſchied bei
höhern Thier- u. Pflanzenordnungen ſtatt
u. ein Gegenſatz des Verkehrs mit der
Atmoſphäre. Pflanzen zerſetzen u. vermindern
die Kohlenſäure, die Thiere
grade hervorbringen.

Betrachten wir die Geſam̃tmaſſe des
org. Stoffes, ſo ſehen wie eine größere
Maſſe Vegetabilien als thieriſche Körper.
Man erſtaunt, weñ man Zb. auf Ceylon
auf einer Jagd 100 Elephanten getödtet
ſieht, oder weñ 50–60 Krokodille von
den Andesgewäſſern zuſam̃en getrieben
werden; über die Maſſe des org. thieriſche
Stoffes. Was iſt dies aber Alles, ſelbſt
die Maſſe Molusken dazu gerechnet im
Vergleich zu den Urwäldern Amerikas
u. Jndiens, wo 200 Fuß hohe Bäume wachſen
von 6–10 Fuß Durchmeſſer, daß man
einen Menſchen auf der andern Seite des
gefällten Baumes nicht erblicken kañ.
Man betrachte die Steinkohlenlager, Palmenhölzer

etc. die noch jetzt 14000′ hoch zu

finden, wo nur kleine Kräuter noch wachſen
. Die Bemerkung kañ man daher machen
daß die vegetabiliſchen Waſſer größer ſind
als die höhern Organiſchen animaliſchen.

Vergleichen wir die Continente mit den

Meeren, ſo iſt dies umgekehrt. Weñ
in den Continenten 50000 Species von
Pflanzen gezählt werden, ſo giebt es unter
den Waſſerpflanzen kaum 300 Species.

55. Vorlesung, 17. April 1828

Wir kom̃en heute zur Geographie der
Pflanzen, die mit der Climatologie in
natürl. Verbindung ſteht. Die dermalige
Vortheil der Pflanzen auf der Erdeoberfläche

müſſen wir treñen von der

Geſchichte der Pflanzen, wie ſie früher
vertheilt waren. Oft ſind Geogr. u. Geſchichte

derſelben verwechſelt worden. Erſtere

bezieht ſich nur auf die Pflanzenzüge
u. deren Veränderungen, die theils durch
Erdrevolut. theils durch die Cultur auf
der Erdrinde hervorgebracht ſind.
Von früherer Geſchichte wiſſen wir ſehr
wenig. Nach Analogie der Veränderung
bei cultivirten Pflanzen, köñen wir auch
auf die der wild wachſenden Pfl. ſchließen. Die
Geographie derſelben iſt neuer als die Geognoſie
u. erſt kürzlich iſt die Habitation derſelben unterſucht
. Alle Völker keñen, Alpen- Waſſer- Thal-
Pflanzen etc. dies drückt aber deren Station u.
nicht Habitation aus. Man ſprach früher von
einem Palmenclima etc. da dieſe doch über die Tropen
bis zu 40° N Br. herauf gehen. Die Perſer
unterſchieden ſchon beſſer Pflanzen des warmen
u. des kalten Klimas. Kardinal Bembo hat
zuerſt in ſeinem Werk: Aetnae dialogus die
Pflanzenwelt poetiſch beſchrieben. Turnefort
in Geſellſchaft des Botanikers Gundelsheimes,
der den hieſigen botaniſchen Garten anlegte
ging nach dem Ararat, u. ſahe hier verſch.
Vegetationsſchichten über einander liegen. Dieſer
Jdee folgte Liñée in ſeinem Werke:
de telluris incremento habitabilis. Er nahm
an, daß alle Pflanzen von einem Orte ausgegangen
u. hier terraſſenförmig über
einander geſtanden haben. Cooks u. andere
Reiſen trugen, ohne daß ſie es ſelbſt wußten
viel dazu bei, die Geographie der Pflanzen
zu beſtim̃en. Man fand es auffallend, daß
man in der tiefſten ſüdlichen Zone Pflanzen
vorfand, die in Grönland einheimiſch waren.
Es waren hier nämlich ähnliche Formen gleicher
Gattungen. Man entdeckte daß gewiße Pflanzen
Zb. Doldengewächſe, den Tropen ganz
fehlten. Gewiß hatte das ſonſt trefliche Linneiſche
Syſtem hier etwas hem̃endes; man
erkañte nicht den Zuſam̃enhang der

geographiſchen

Vertheilung, ſo lange man ſich bloß mit
den Staubfäden beſchäftigte. Geographie der
Pflanzen iſt zuerſt im 17 Jahrh. von Herrn
Menzel in Fürſtenwalde ausgeſprochen werden,
dañ ſchrieb Berrhardin de St. Père
Geographie phyſique des vegetaux de la
France. Zu einer geograph. Beſtim̃ung der

Pflanzen gehörten dreierlei Dinge: Die

Höhe des Randpunkts, die Temperatur u.
die Keñtniß der Pflanzen ſelbſt. Mit meinem
unglückl. Freunde Bonpland habe ich in dieſer
Art 6000 Pfl. beſtim̃t; u. bis jetzt ſind im
Ganzen erſt 12000 ſo beſtim̃t worden. Die

Herren v Buch, den ich ſo oft u. gern neñe, Wohlenberg

, Sarrot am Kaukaſus, Decandolle
in der Schweitz, haben hierüber die nöthigen
Barometermeſſungen gemacht. Soll dieſe
Wiſſenſchaft, wie die Geographie der Länder
behandelt werden, ſo fängt man nicht an
die Urſache der Geſtalten derſelben zu unterſuchen
, ſondern beſchriebt ſie, wo ſie wachſen
. Es wäre mir lieb geweſen, die Pflanzen-
u. Thiergeographie mit einander verbinden
zu köñen, u. es würde leicht ſein, wie letztere
wenigſtens ſo bekañt wie erſtere wäre.
Buffon entdeckte das Geſetz, daß kein Säugthier
höherer Klaſſe, welches in den Tropen
der alten Welt vorhanden, ſich in der neuen
Welt findet; eben ſo bei den Pflanzen.
Wie die niedern Stufen der organiſchen Welt
ſich gleichmäßig u. in gleicher Art verbreitet
, ſo wie bei den Pflanzen, ſo auch
bei den Thieren |: Jnfuſ. Thierchen :| Vermiſcht
kañ dies werden, wie Zb. in Cuba die
Perlhühner Afrikas förmlich wild geworden
, ſo auch bei Pflanzen. Bei den
Thieren, namentlich bei der großen Klaſſe
von Jnſecten, fehlen alle Barometer-Beobachtungen
. Sämtliche Thatſache über
die Geographie der Pflanzen köñen wir
auf eine leichtfaſſliche Weiſe in ſechs Abtheilungen
bringen:

1., Wo iſt die allgemeine Grenze der Pflanzen
ohne ſpecifiſch generiſche Beſtim̃ung des Unterſchieds?

2., Wie viel Pflanzenarten giebt es auf
dem ganzen Erdboden?

3., Welches iſt die geographiſche Verſchiedenheit
der Größe, der Baumſtäm̃igkeit, der Mannigfaltigkeit
des Naturanblicks?

4., Die Verbreitung nach Jdentität der Pflanzenarten
gewiſſer Species in allen Zonen.

5., Die Verbreitung nach Zahl der Arten

praeponderens der Familien in allen Zonen

6., Stöhrungen welche gegenwärtig die Verbreitung
der Pflanzen noch erleiden, durch Cultur
Revolution der Erdoberfl. etc. etc.

Wir haben geſehen, daß das Licht nicht unbedingt
nöthig iſt zur Entſtehung des organiſchen
Lebens, doch ſind dies mehr Kryptogamen
u. nicht Pflanzen höherer Bildung. Jm Jñern
der Baumſtäm̃e findet man oft einen Reichthum
kryptogamiſcher Pflanzen. Unter den
Tuberarten, unterirdiſche Pflanzen, zeichnet
ſich als das größte kryptogamiſche Gewächs
die Trüffel aus. Sie wird gar nicht von der
Luft, ſondern von der Erde ſelbſt berührt.
Jn Amerika werden ſie von 6–8 Zoll Durchmeſſer

gefunden, Jahrelang bewahrt u. als

Brod genoſſen. Sie wachſen 5–6 Fuß in der
Erde. Die Wurzeln aller Bäume, u. Pflanzen
wachſen in der Erde u. gedeihen ohne Licht,
da man den Baum ſelbſt als ein zuſam̃engeſetztes
Thier betrachten kañ. Pflanzenſamen ſchlummert
Jahrelang in der Erde u. behält ſeine
Keimkraft. So wurde in Seeland ein Theil
der See getrocknet, u. es entſtanden dort
ganz neue Arten der Carix. Bewegt man
Felsmaſſen von ihrer Stelle Zb. ſogenañte
Druidenſteine, ſo finden ſich oft Pflanzen auf
dem frühern Steinlager die ſonſt nirgend zu
finden u. der im Jñern hier lange Jahre verborgen
geweſen. Jn der Tiefe von 3–400
Fuß wachſen ohne Licht Pflanzen im Meere
Zb. Tucus gigantis, 2–300 Fuß hoch. Sehen
wir auf die Verbreitung der Pflanzendecke
nach Zonen, ſo ſind noch zwiſchen 74–75° NBr.
eine anſehnliche Zahl Pflanzen. Die Melvils-
Jnſel zählt 60–70 Species von Ranunkel, Mohn etc.
die Perry mitbrachte. Jch neñe hier nur
im̃er die höher organiſirten Pflanzen. Unter
75° N B. findet man ſogar im tranſatlantiſchen
Syſtem einen Baum ſalix arctica
der freilich nur 3–4″ hoch iſt. Jn Spitzbergen
hat man 40–50 Species gefunden.
Forster behauptet daß keine Pflanzen im
Sandwichlande unter 60° S. Br. wüchſen; jedoch
hat man in den Schottlandsinſeln Pflanzen
gefunden. Billinghauſen entdeckte daß
es noch unter 69° S. Br. kryptogamiſche Pflanzen
wären. Betrachtet man das Heraufſteigen
der Pflanzen auf die Gebirge, ſo findet man
an den Abhängen des Montblanc noch kryptog.
Gewächſe in einer Höhe von 10000 Fuß u.
an den Abhängen der Anden habe ich ſie bis
1700 Fuß hoch gefunden. Die Gentianen
finden ſich noch in 15000 Fuß Höhe u. ſind
von den Phanerogamen die höchſten Pflanzen.
Wahrſcheinlich iſt es nicht die Kälte welche die
Pflanzen hindert höher hinauf zu ſteigen;
ſondern die Schneedecken ſelbſt, die den Sammen
zu keimen verhindert. Dazu kom̃t noch
daß auch die Pflanzen von äußern Bedingungen
überhaupt mehr abhängig ſind als die Thiere.
Die Pflanze lebt mehr in der Oberfläche u. für ſie
iſt die Temperatur ſo wichtig, Thiere köñen ihren
Aufenthalt leichter verändern. Die Trockenheit
in der Höhe bildet die niedere Structur der
Pflanzen. Sie erzeugen dabei große Blüthen
gleichsam wie kränkelnde Pflanzen, die vor
ihrem Absterben schöner blühen. Sie zeichnen sich
dabei durch eine Dürre, Harzigkeit u. mit
Haaren bezogen aus. Durch den Mangel an
Barometerdruck kañ man dieſe Erſcheinungen
erklären, daß Alpenpflanzen auch nie in
der Ebene fortkom̃en. Die großmöglichſte
Reſpiration findet da ſtatt wo wenig Luftdruck
iſt; ferner iſt die Jntenſität des
Lichts ſchwach, weil es durch die Luftſchichten
geht; ferner iſt wegen Trockenheit der Luft
Waſſermangel da. Eine gewöhnl. Erſcheinung
iſt, daß weñ im organiſchen Stoffe eine Extation
angehäuft iſt, Haare hervortreten,
gleichſam Exſpirations-Werkzeuge. Dieſe
bilden ſich daher auch häufiger bei den Alpenpflanzen
; ferner ſtehen die Gewitterwolken
nie über 15000 Fuß hoch u. daher
iſt die Electricität in beſtändiger Verbindung
mit dem Erdkörper in dieſen Höhen; unten
hingegen iſt u. jedem Tage u. jeder Stunde Electricität

vorhanden, die ſich mit jedem Electrometer

wahrnehmen läßt. Den Alpenpflanzen
fehlt dieſe Beſchaff. d. Atmoſphäre. Man
verſuchte in Wien Alpenpflanze zu ziehen, ſie

geriethen aber nicht; deñ es fehlt die Jntenſität

des obern Lichts, der Druck der obern Luft
u. die elektriſche Reitzung welche ſie gewöhnt
ſind. Mit Fleiß habe ich nicht des Bodens
erwähnt, weil die Fruchtbarkeit deſſelben
hauptſächlich von der Leichtigkeit herrührt, Waſſer
anzunehmen u. organiſche Stoffe. Auf die
chemiſche Beſchaffenheit deſſelben kom̃t es dabei
nicht an. Der ſpecifiſche Unterſchied, daß
gewiſſe Pflanzen nur auf Kalk, andere auf
Granit wachſen, iſt falſch, eben ſo, daß
Kaſtanien einen Kalkſtein-Boden haſſen.
Was die Pflanzen-Arten betrifft, ſo iſt
nicht hinlänglich, daß wir unterſuchen in wieviel
Arten die Pflanzendecke zertheilt
werden kañ. Wo Varietäten anhangen
da iſt die Species ſehr ſchwer zu beſtim̃en.
Pflanzen die durch Stecklinge vermehrt werden
bleiben ſich nie gleich ſondern bringen andere
Pflanzenarten hervor. So wie ein
Unterſchied der Species unter den Vögeln
ſo auch bei den Pflanzen u. die Anzahl hat
im̃er etwas unbeſtim̃tes. Der Botaniker
Robert Braun in Engl. hat eine ſtrenge Unterſuchung
angeſtellt zwiſchen der Añahme zu
vieler u. zu wenig angenom̃ener Species u.
hierdurch ſind dieſelben um 1/10–1/12 vermindert
worden. Die Quantität iſt zu beſtim̃en
nicht nach den in Herbarien enthaltenen Species
ſondern nach den wirklich beſchriebenen u.
ganz bekañten. Mit Herrn Braun habe ich im
J. 1817. eine eigne Unterſuchung angeſtellt
u. wir haben 38000 Phanerogamen u. 6000
kryptogame = 44,000 Species gefunden,
von denen allein 13000 Species Amerikas zugehören
. Von Aequatorial-Aſien waren
1817 nur 4500 Pfl. bekañt. Persots Enchyridion
beſtim̃t 21000 Species, Decandolle
giebt 56000 Species an. Jn neueren
Zeit iſt der Zuwachs außerordentlich. Aus
Neuholland ſind 3700 Species dazu gekom̃en.
Aus Braſilien, aus welchen 1800 nur 500 Pfl.
bekañt waren, brachte Dr. Martius in München
14000 Pfl. im Jahr 1827. Weñ Reiſende
ſehr fleißige Sam̃ter waren, ſo brachten
ſie in der Mittelzahl faſt im̃er 6000 Pflanzen
mit. Die größte Pflanzenmaſſe iſt aber
wohl von Dr. Pohl der 8000 Species mitbrachte
, geſam̃elt, woraus man die Frage
beantwortet findet, ob es unter den Tropen
mehr Pflanzen als hier giebt.

56. Vorlesung, 19. April 1828

Jn der letzten Stunde haben wir zuletzt
der Anzahl der Pflanzen erwähnt. Hier
will ich noch einiges hinzufügen. Jn einem
beſondern Werke, die Arithmetica botanica
benañt, habe ich über dieſen Gegenſtand ausführl.
geſprochen. Man erhält jeden Falls durch dieſe
Zahlen eine deutliche Einſicht, was die verſchiedenen
Zonen characteriſirt. Man findet daß die
Zahl der Species in den Zonen durch erſetzende
Formen ausgeglichen werden, ſo wie die
Zahl der Fiſche mit ziemlicher Sicherheit angegeben
werden kañ, weñ man die Zahl der
Vögel des Landes keñt. Nim̃t man alle
Phanerogamen die beſchrieben u. in Herbarien
enthalten ſind zuſam̃en, ſo hat man
etwa 60–65000 Species die bis jetzt nach Europa gekom̃en
. Da alle Continente Mill. Ml.
enthalten, ſo kom̃en nur auf 42 Ml. eine
beſondere Species, welches im̃er noch ſehr
wenig iſt, weñ man auch die Bedingniße
der Näſſe, der Höhe, der Wüſteneien u. dgl.
in Abrechnung bringt. Jn allen Gärten Englands
, die wohl die reichſten Europas ſind
werden blos 16000 Pflanzen cultivirt, ungefähr
¼ der vorhanden bekañten Pflanzen.
Weñ man früher ein Herbarium von 8000
Pflanzen zeigte, ſo war es ſchon ſehr beträchtlich
; jetzt hat Herr Lambert allein
ein ſolches angelegt, welches 42000 Species
zeigt, worunter 30,000 Phanerogame.
Die Zahl der beſchriebenen Thiere iſt beinahe
66000, worunter 44000 Jnſecten. Von
den Pflanzen der niedern Art hat man ungefähr
1/7 beſchrieben u. von den Thieren niederer
Art 5/6, welches zeigt, daß viel mehr

Pflanzen höheren Art unterſucht ſind.

Europa ſelbſt zählt etwa 7000 Species der

Pflanzen, u. es kom̃en auf ſeine Größe von

155000 Ml. ſtets 22 Ml. auf 1 Species.
Rechnet man indeß die Pflanzen ab, die
Europa u. N. Amerika gemein ſind, ſo hat
Europa kaum 1800–2000 Species eigenthümliche
Pflanzen. Die ziemlich ſichere Berechnung ergiebt
daß wir noch wenige Pflanzen keñen u. Decandolle
glaubt die Zahl auf 120,000 beſtim̃en
zu dürfen, wonach deñ nur erſt beſchrieben
wäre. Merkwürdig iſt es, daß in
dem Zend a Veſta von Zoroaſter, wo die Anzahl
der Thiere u. Pflanzen angegeben iſt, angeführt
iſt, daß aus dem Blut des Stiers im Jran
12000 Pfl. entſtanden wären, die ſich über
die Oberfläche der Erde verbreitet. Es iſt
die Frage entſtanden, ob die Zahl der Species
zu oder abnim̃t? Wir wollen nicht die Zeit
betrachten, wo die Erde ein Tropenklima hatte,
ſondern nur unſere hiſtoriſche Zeit. So wie
Thiere untergehen Zb. die Dronte, von
der Größe eines Straußes, von deren Gattung
noch Theile im Muſeum zu Oxford aufbewahrt
werden, auf Jls de France etc.; ſo entſtehen
u. vergehen wahrſcheinlich die Pflanzen
niederer Ordnung. Bei höherer Ordnung
dürfte dies ſchwerlich der Fall ſein. Es
iſt ſchwierig die Entſtehung der Naturkörper
zu entdecken, ſo wie wir es aus erklären
köñen, daß auf Jnſeln im Ocean, wie auf
Otaheiti, ſich mit Trachitfelſen neue Seen erheben
, die Species von Süßwaſſer-Fiſchen
enthalten, u. Seen in der Andenkette
ſich bilden, die neue genera von Fiſchen
zeigen u. verſch. Species von Gattungen
in einer Höhe von 14–17000 Fuß, die 70–80
Meilen entfernt nur anzutreffen. So
finden ſich im Rhonethal allein nur

Waſſerpflanzen

, die ſonſt nirgend weiter als im
Flußbette des Pos anzutreffen. Unter unſern
Augen bilden ſich Hebriden. Die fragaria
Monophilla entſtand vor 40 Jahre
in Paris u. trägt jetzt als ſelbſtſtändige
Species Sammen.

Sehen wir auf die Zahl der Species nach
den verſchiedenen Zonen, ſo iſt die Decke
nach dem Aequator hin dichter u. dichter gewebt.
Jm Anfange dieſes Jahrhunderts iſt die Meinung
aufgekom̃en, der größte Pflanzenreichthum wäre
nicht unter den Tropen, ſondern nahe an derſelben
auf der ſüdl. Hemiſphäre, weil Neuholland
ſich ſo außerordentlich reich zeigte.
Jch fand Gründe dagegen u. jetzt hat Herr
Braun dieſe Jdee aufgegeben. Dr. Pohl
hat allein in Braſilien 8000 Species auf
einer Fläche von 18000 Ml. die er bereitet

hat, gefunden, u. man kañ ſagen, daß

dies gewiß nicht die Hälfte der Pflanzen auf
dieſer Fläche iſt, da man doch nur im̃er
einen einfachen Fußpfad verfolgt. Frankreich
, welches beinahe ganz unterſucht iſt,
zählt auf 11,000 Ml. 3800 Species, u.
unter den Tropen ſind 7500 Species auf ſolcher
Fläche bereits bekañt. Obgleich
Deutſchland mit Schweitz u. Tyrol viel
mehr Mañigfaltigk. der Bodenbildung zeigt
u. dadurch die Bedingniße des Pflanzenwuchſes

mehr vermehrt ſind, als auf der Flötz Ebene

Frankreichs, ſo ſind dorten doch nur
3400 Species gezählt. Ohne die Schweitz
hat Deutſchland 3200 Phanerogamen. Dies
macht daß Frankreich eine Temper. von 9–12°
R. hat, während Deutſchl. nur 7–9° Wärme
beſitzt. Jn Brandenburg zählt man 950
Phanerog. u. 2200 Formen incl. der kryptog.
Würtenberg, ein abwechſelnd mit Höhen belegenes
Land zählt 1230 Species u. Berlin
etwa 1000, obgleich hier der Boden viel
magerer iſt. Jn Lappland bei einer mittleren
Temper = 0 ſind doch noch 520 Species u.
1100 mit den Kryptogamen. Jsland mit
einem mildern Klima, hat wie alle Jnſelländer
wenige Species u. nur 374 Phanerogamen.
Es liegt zwiſchen 63–67° N. Br. Noch ärmer
ſind die Jnſeln im atlantiſchen Meere. Helena
hat 50–60 Species, Tristan Aconha um
55 Species. Selbſt Südl. Continente haben bei
ungünſtiger Lage wenige Pflanzen. Zb. Egypten
nicht mehr als Berlin u. Nubien, Dongola etc.
zählen nur 200 Species.

Wir kom̃en jetzt zur geographiſchen Verſchiedenheit
der Pflanzen, ſofern ſie von phyſiſchen
Beſchaffenheit abhängen. Es frägt ſich, ſind
die Pflanzen größer in den Tropen oder
in der temperirten Zone? Man kañ dieß
hier nach der Aehnlichkeit der Pflanzen entſcheiden
; deñ wir finden in jeder Zone Erſatz
für die fehlenden Formen u. die Zapfenbäume
der temperirten Zone, ſind die Palmen der
Tropen. Nehmen wir die mikroscopiſchen Pflanzen
, die Bacilarien u. oſcillatorien; die
Meteoriſche Vegetation des rothen Schnees,
der als ein kleiner Pilz wuchert, in welchem

merkwürdigen Contraſte erſcheinen ſie mit

den majeſtätiſchen Formen der Palmen auf
der Andeskette. Man glaubte Palmen hören
bei 2000 Fuß Höhe auf zu wachſen, u. es
iſt mir geglückt die Berg-Palme zu entdecken
die erſt auf der Höhe von 5–8000 Fuß zufinden
. Jch ließ eine Palme fällen um ſie genau
zu meſſen u. fand deren Länge 180 Fuß
Jn Neuholland ſind Bäume von 170–180 Fuß
gewöhnlich. Jn neueſter Zeit ſind noch größere
Bäume gefällt worden Zb. Eine Pinie
auf der Norfolk-Jnſel 29° S Br., die 240
Fuß Höhe hat. Neuerdings hab Herr Douglas
u. Franklin am Ausfluß des Columbia Flußes
58° NBr. eine Pinie von 15 Fuß Durchmeſſer
u. 260 Fuß Länge fällen laſſen, deren Zapfen
Fuß lang waren. Solche Bäume ſchrumpfen
im Norden bis zu 2 Zoll Höhe zuſam̃en
Weñ dieſe Ausdehnung in die Höhe merkwürdig
iſt, ſo iſt die in die Breite noch merkwürdiger
. Die Andasonia u. die Baobab-
Arten, deren Früchte zu den Römer Zeiten
wahrſcheinl. der Nil herabkamen, wachſen
bei einer Höhe von 60, 34 im Durchmeſſer
ganz in einem Stam̃e u. ihr Alten beträgt
viele hundert Jahre. Die gewöhnliche Dicke
der Bäume unter den Tropen iſt ſtets 5–6
Fuß. Der Drachenbaum hat in ſeinem
einfachen Stam̃ 6–7 Fuß vom Boden
häufig 15 Fuß Durchmeſſer. Sehen
wir auf die Contraſte der Blüthen theilt
ſo giebt es unten den Doldengewächſen
u. der Rafleſia in Sumatra eine Blume
die 15 wiegt u. 3 Fuß Durchmeſſer
hat, ſo daß ein Kind vollkom̃en darin
ruhen kañ. Aehnliches iſt es mit Cynomoum
u. dem Aroſinen-Geſchlecht. Ein Ebmenblatt
der Ariſtolachia von 16–17
Durchmeſſer, welches die Kinder als Kappen
trugen, fand ich öfter. Der Character
der Tropen beſteht überhaupt in der Größe
der Formen, des Aufſtrebens, des Anſetzens
mächtige Holzfaſern. Jn ganz Frankreich
giebt es nur 70 Baumartige Holzarten, in
Lappland nur 11, unter den Tropen erheben
ſich aber außer denſelben noch die

monocotelidonen

zu einer Höhe von 50–60 Fuß.
Zu denen als Anklänge bei uns der Schilf
u. die Farrenkräuter zu rechnen ſind.
Unter den Tropen erſcheinen daher viel
mehr baumartige Maſſen. Dies muß
näher beſtim̃t werden, da Baum etwas
unbeſtim̃tes iſt. Bei uns ſind kaum 14 baumarten
die 15–18 Fuß hoch wachſen u. dorten
heißt das nur Baum was 120–130 Fuß
aufſchießt. Den größte Kontraſt in den
Pflanzenwelt findet man erſt, weñ man
aus den Tropen nach Europa etc. zurückkehrt
, wo dorten die kleinſten Bäume ſo
hoch wie hier die niedrigſten ſind. Weñ
die Bäume im Wachsthum begünſtigt werden
, ſo hängt es nicht allein von der Atmosphäre
, ſondern auch von andern climatiſchen
Verhältniſſen ab. Jn Nord-Amerika ſind
allein 42–48 Eichenarten, zu denen ich
noch 25 neue Eichenarten gefunden, wo
bei uns nur zwei Arten anzutreffen.
Hier wachſen einige Pflanzen, als Malven
ſehr niedrig, dorten erheben ſie ſich zu
den größten Gewächſen mit Baumartigen
Blattformen, wo ein Blatt vollkom̃en
eine Perſon deckt. Eben ſo findet das
zuſam̃enziehen des Parenchimas ſtatt
Genus coletia Casuarinen etc. haben Blätter
gleich Fichten nadeln. Die temperirte
Zone hat dagegen der Vorzug, des friſcheren
Grüns durch die niedern Kräuter.
Wenig iſt dorten der Schmuck des friſchen
Raſen bekañt, durch wenige Anzahl der
añuellen u. biañuellen Pflanzen, die

gegen den Aequator u. Pol zu abnehmen.
Jn Lappland machen d. einjähr Pfl. 1/60

allen andern, hier 1/30 derſelben aus.
Die Quantität aller wächſt aber mit
den Breiten. Je weiter nach dem Aequator
, je mehr blüht Alles ſchöner, ſelbſt Bäume
mit friſche Farben. Eiche, Birke etc. ſehen
in der Blüthe unſcheinbar hier aus, dort
iſt es anders. Der Reitz der Näſſe u. M
bringt Lebensfülle in die Natur. Bei
uns wächſt das Moos grün auf den Bäumen
, dort blüht es ſo mañigfaltig, daß
ein Baum mehr Blumen auf dem Stam̃ hat
als ein Morgen Land in unſerer Gegend
Der geſellig lebenden Pflanzen giebt es
unter den Tropen wenig, daher hier
die Mañigfaltigkeit der Blumenflor. Unterſchied
zwiſchen Plentis ſolitariis aut
ſparrim creſcentibus et ſocialibus
iſt wichtig Nadelwälder, Erika Arten
wachſen im Norden bei einander, in
Süden ſchon einſamer. Hier kañ ich fragen
, aus welchen Bäumen beſteht der
Wald, dorten hat ſolche Frage keinen
Siñ, auf jeder Meile ſind andere Pflanzen
. Einige Ausnahmen machen die Cactus
Arten, die ſchlangenartig von 25–30 Fuß
Höhe ſich wie Euphorbien erheben. Sollte
man ungewiß ſein, ob man in Afrika oder
Amerika gelandet u. fände die Cactus-Arten
: ſo köñte man ſicher añehmen, man
in Amerika, ſo eigenthümlich wachſen ſie
hier mit ihren höchſt gefährl. Stacheln.
Die alten Spanier brauchten Cactus u. Krokodille
in den Gräben zur Vertheidigung
ihrer alten Veſtungen. Die dortigen
Gräſer die gemeinſam wachſen, haben
Halme u. Stäm̃e von 2–3 Fuß Stärke.
Nichts iſt wichtiger für die Phyſiognomik u
auch Schickſale der Menſchen als die
Beſchaffenheit der Heideländer, der Waldungen
u. Steppen. Waldungen legten dem
Ackerbaue zuerſt Hinderniße in der Weg
u. die Flur der Monocotelidonen von Chinas
Mauer bis zum Kaſpiſchen Meere, erlaubte die
zahlreiche Vermehrung der Hirtenvölker, die
erſt den Patriarchaliſchen Zuſtand, deñ den aſiatiſchen
Deſpotiſmus erzeugten. Die allenthalben
zu findende Grasflur machte es möglich
daß große Heere ihre Rinder mitführen
koñte, ihren Proviant mitnehmen u andere
Völker angreifen koñten.

57. Vorlesung, 21. April 1828

So wie unter den Pflanzen es der Fall iſt
daß einige einſam andere in Geſellſchaft
wachſen, ſo leben auch mehrere Thiere geſellig
u. andern nicht Zb. ſind von erſterer
Ort die Heulaffen, die Pſyttakusarten.
Bei geringer Zahl der Gattungen köñen
die einzelnen ſpecies doch ſehr reichhaltig
ſein. Unter der Tropen iſt die Mañigfaltigkeit
ſehr groß, der vielen Species
wegen. Unter den Pflanzen Grönlands hat
oft die Gattung nur eine Species, in
Frankreich gehören durchſchnittlich 5 Species
zu einer Gattung; viel mehr unter dem
Aequator. Daß auf hohe Berge ein ſo
großen Reichthum von Pflanzen iſt, iſt
daher nur ſcheinbar, weil der Temperat.
Abwechſelung wegen viele Gattungen
aber weniger ſpecies zu finden u. die
Blüthen bei weitem das Apendiculärſyſtem
überwiegen. Deutſchland mit
der Schweitz zählt fünf Species zu einem
Genus, Berlin nur 2–3 Species. Nach
Nach der vortreflichen Flora von Schlechtendahl
kom̃en bei Berlin ungefähr 420 genera
auf 1000 Species u. in Frankreich 683 genera
auf 3600 Species. Es iſt eine falſche Añahme
weñ man glaubt in Nordamerika wachſen
ſo viele europäiſche Pflanzen, umgekehrt köñte
man daſſelbe behaupten. Die Aehnlichkeit iſt
ſehr groß u. es ſind beſondere Species bei genauerer
Unterſuchung. Auf der Andeskette in
Penſylvanien u. Europa giebt es Species von
Erdbeeren die große Aehnlichkeit haben u. deshalb
doch nicht gleich ſind. Manche Genera beſtehen
aus zwei Species wie Zb. Platanus, wo eine
Species von der andern oft 1000 Meilen weit
entfernt iſt u. Valiſneria. Einige erſetzend
Species ſind von ſolcher Aehnlichkeit v. Zb.
die Neſſel, welche man leicht verwechſeln kañ.
Wir kom̃en jetzt zum 4ten Kapitel zur Verbreitung
derſelben nach der Jdentität der Pflanzenarten
. Es iſt nicht genug Phyſiker u. Meteorologe
ſein um Pflanzen u. Thiere gewiß zu
keñen, nicht genug iſt es Reiſebeſchreibungen
zu leſen um zu richtigen Reſultaten zu gelangen
; ſondern muß zugleich beſchreibender Botaniker
u. Zoologe ſein um Gewißheit von
jeden Species zu erhalten. Allgemein wurde
angenom̃en, daß Solanum nigrum etc. eine koſmopolitiſche
Pflanzen ſei, welches vollkom̃en
falſch iſt, da ſie nicht einmal in Nordamerika
wächſt, welches mit Europa ſo viele Pflanze
gemein hat. Die verſchiedenen Species ſind
nicht Produckte der Klimate; ſo wird unter
den Tropen die Schneegrenze mit der
purpurrothen Blüthen des Rhododendrons
beträgt, dies iſt in einer Strecke von
250 Meilen in der Andeskette der Fall,
gleicher Temperatur ſollte man glauben
allenthalben wäre dieſelbe Species, welche
aber nicht der Fall iſt, ſondern nur erſetzende
Formen. Von europäiſchen Pflanzenformen
wie Zb. von den gentiana ſollte man gar
nicht reden, da man allenthalben dieſelben
Formen wieder findet. Decandolle neñt
gewiße genera ganz richtig endemiſche Genera.
Zb. die Cactus Arten in auffallende Form
ſind allein Amerika eigen, ſo auch Fuchsia.
Die Rudenia wieder Neu-Holland. Jch bin
ſehr aufmerkſam auf die Orte geweſen wo
gewiße Formen ganz ausgeſchloſſen ſind.
So findet man in der ſüdl. Hemiſphäre durchaus
keine Roſe u. Pinusart. Die Calceolaria
von der es 50 Species in Peru giebt, geht
kaum bis an den Aequator u. nicht nördlicher.
Jn ganz Amerika iſt keine erica oder Heidekraut
zu finden. Die Grade der
Verbreitung der Pflanzen ſind ſehr verſchieden
. Allgemein ſind verbreitet Pilze, Schim̃el etc.
obgleich man glaubte, wenig Kryptogamen
hätte die Tropen-Zone, ſo habe ich doch
eine beträchtliche Sam̃lung mitgebracht. Mit
Beſtim̃theit kañ ſagen, daß nur die
niedern Stufen der Pflanzenwelt mehr Koſmopolitiſch
ſind. Bei Berlin findet man von der
Gattung Hypnus den 4te Theil aller Moſe
nämlich 40 Species, von denen kein einziges
in den vereinigten Staaten anzutreffen.
An der weſtl. Küſte Britañiens hat man
zwei kryptogamen gefunden, die in Jamaica
wachſen. Von den Farrenkräuter, wo 1000
Species ſind, ſind nur zwei in der alten
u. neuen Welt zu finden. Von den Pflanzen
höhern Art ſind faſt nur monocotelidonen
allgemein. Von Cyperus ſind 22 Species
unter den Tropen des alten u. neuen
Continents zu finden. Bei den Dikotelidonen
zeigt ſich das Geſetz was Buffon bei
den Thieren entdeckte, daß alle Wirbelthiere
in den Tropen der neuen Welt, verſchieden
von denen der alten Welt ſind. Einige
Pflanzen folgen nur den Küſten, wie die Malaiiſche
Menſchen-Raçe, die an den Küſten wohnen
u. wo im Jñern andere Menſchen hauſen. Der
Botaniker Braun behauptet, es gäbe keine
Decotelidonen die gleichzeitig in der alten
u. neuen Welt zu finden. Jn Surinam u.
Braſilien will man jedoch einige Baumarten
geſehen haben, die eine gleiche Species von
den Bäumen der alten Welt ſind.

Was die Jdentität der Anzahl der
nördlichen u. ſüdlichen Hälfte betrifft, ſo ſind
150 Pfl. etwa den nördl. Erdhälfte eigenthümlich
, u. 8–10 Species Farrenkräuter
gedeihen im Norden der vereinigten Staaten
allein. Zonen von gleicher mittlere Temperatur
köñen in Hinſicht der ſchönen Pflanzenwelt
höchſt verſchieden ſein. Amerika
iſt unten gleicher Temperatur
viel ſchöner als Europa. Es ſind dorten
allein 135 Bäume Art vorhanden, die über
30 Fuß hoch ſind. Jn Europa hat es deren
nur 45. Die einheimiſchen Bäume blühen nicht
auffallend; dorten ſind die Blätter 2 Fuß
lang u. die Blüte 7. Die größte Schönheit
bilden die Bäume mit den mimoſenartigen
Blättern, die Laurus-Arten etc. Gewiß
trägt auch dazu bei die ungehinderte
Verbindung des Nordens mit dem Tropen
Continente, wo im Süden Europas ein
Meer u. hinter demſelben die Wüſte

Saahrah liegt. Will man die Frage

beantworten; giebt es in der

magellaniſchen

Meerenge dieſelben Pflanzen wie in
Schweden? ſo muß dies nur auf eine kleine
Quantität eingeſchränkt werden. So wächſt
oſpidium aculeatum auf dem Vorgeb. der
gute Hoffnung u. eben ſo nördlich, nur
in Amerika gar nicht. Jn Neuholland hat
man 45 Species Zb. polentia anresina
Die gewiß nicht hingebracht ſein
köñen, da man ſie auch jenſeits der blauen
Berge gefunden. Durch Einwanderungen verbreiten
ſich ſehr leicht Pflanzen, wie das
erigeron canadense. Peruvianiſche Pflanzen
ſind bis an die Thore Berlins verbreitet.
Jn Montpellier ſind auf den Plätzen, wo Baumwollen-Ballen
getrocknet wurden, oriental.
Pflanzen, als hypericam crispum, gefunden
worden. Dies köñen Strömungen des Meers,
Handel u. Mandel der Menſchen veranlaſſen.
Der Ackerbau, der ſich in der temper. Zone
auf die Monokotelidonen nur einſchränkt
macht die Cultur der Pflanzen nur höchſt einſtetig
u. einförmig u. ſie ſind allenthalben
dem Menſchen gefolgt, wo Civiliſation
entſtand. Herr Beckmann u. Link in den
Unterſuchungen der Urwelt haben gründlich
erforſcht wo das Vaterland der Pflanzen
zu ſuchen. Jch ſchließe dieſen Abſchnitt mit
der Bemerkung wie man die Zahl der Arten
nach Gruppen ziemlich genau beſtim̃en kañ;
indem ſich die Formen unter einander ergänzen
. Wer die Vögel eines Orts keñt, kañ
mit ziemlicher Sicherheit auf die Zahl der
Säugethiere daſelbſt ſchließen. Wer das Quantum
der Grasarten keñt, kañ nach Analogie
finden, wieviel Malraceen es giebt. Herr
Braun unterſcheidet 3 große Abſchnitte unter
den Vegetabilien die A-Mo u. Di-kotelidonen
, ich wandte die Verſuche auf
alle drei Abtheil. an, u. war über die
Sicherheit verwundert, mit der jede Rechnung
ein richtiges Reſultat gab. Weñ
Zb. in Amerika 1000 Farrenkräuter, unter
den Tropen 300 u. in N. Amerika 20 Species
wachſen, ſo kañ ich aus dieſen Verhältniſſen
auch die Zahl der übrigen Pflanzen finden. Von der Betrachtung
der Zahl der Species ſind die Jndividuen verſchieden
. So bedecken drei Species Pinusarten
hier viele 100 Ml. u. es iſt alsdañ von
der Quantität der Jndividuen die Rede.
Jn Hinſicht der akotelidonen ſind die Tropen
wenig unterſucht. Frankreich hat mehr
phanerog. als Kryptog. faſt 1600 Arten
Deutſchland umgekehrt wie 4300 : 3400.
Jn der Ebene der Tropen ſind wenig krÿptogamen
vorhanden, doch habe ich Flechten ſelbſt an Felſgeſehen
in 60–65° R. wie in der
heißeſten Quelle ſo warm. Da allenthalben
Bambuſaceen u. Palmen zu finden aus einer
untergegangenen Welt; ſo glaubte man, die
ganze Erde hätte einſtens eine Tropenvegetation
gehabt; doch deuten die Keime vom einfachen
zum zuſam̃engeſetzten, daß auch der
Anblick der Urwelt verſchieden geweſen ſein
muß. Jetzt findet man in den Tropen das
Verhältniß der Monocot. zu Decotelid. =
1 : 6, im Norden wie 1 : 3, da Gräser
mehr Kälte ertragen köñen. Die Maſſe
der Gräser machen bei uns der Vegetation
aller Phanerogamen. Schmetterlingsblumen 1/18
dies iſt der gleichen Fall in Amerika. Die
Pflanzen haben gewiße Typen, nach denen
ſie vom Aequator nach dem Pole hin zu u.
alsdañ wieder abnehmen. Der Contraſt
wird auffallenden, weñ man vom Aequator
ausgeht, wo kaum ein Doldengewächs
zu finden, nach Lapland hin, wo wieder
keine Malraceen wachſen u. dieſe Variationen
bemerkt. Viele Gruppen erreichen
ihr Maximum in der temper. Zone Zb.
die labiaten. Oft ſind zwei benachbarte
Länder, die eine gleiche Quant. Species haben,
aber in den einzelnen Species verſchieden ſind
iſt eine Species 1/7 ſo iſt ſie dort 1/6 u. iſt
ſie hier 1/18 ſo dort 1/17. Würde es mit der
Jndividualität der Pflanzen zuſam̃enhängen,

wie Zb. Raubvögel im Verhältn. zu andern Thieren

leben, ſo köñte man dies leichter erklären.
So leben Zb. in Europa 400 Vögel u.
80 Säugethiere = 5 : 1. Daſſelbe Verhältn.
iſt mit den Syngeneſyſten u. Zapfenbäumen.
Sämtl. Säugethiere ſind 900, ſämtl. Vögel
der Erde 5000, wiederum das Verhältniß
wie 1 : 5,5.

58. Vorlesung, 22. April 1828

Jn der heutigen Stunde treten wir deñ in die
Sphäre des thieriſchen Lebens, mehr erkeñbar an
den Aparaten des Lebens, die ſo viel Aehnlichkeit mit
uns haben u. dadurch Gegenſtand unſerer Aufmerkſamkeit
u. unſeres Mitgefühls mehr geworden
ſind. Schwarz iſt der Character des thieriſchen
Lebens u. Durchlaufen wir die Stufenleiter
ſo vorkündigt uns die Stärke der Leiden
die höhere Organiſation. Wir ſchätzen
den Schmerz nach dem uns ähnlich bekañten Leiden.
So haben die Nautilusarten u. Muſcheln nach
den Beobachtungen Cuviers u. Anderer, Gehirn,
Augen u. Ohren, u. deñoch glauben wir ſie wie
die Blüthen der Pflanzen ohne Gefühl u. behalten
nur Mitgefühl für den thieriſchen Schmerz
der höhern Ordnung. Es iſt dies das Criterium
welches die Menſchheit ehrt, dies Mitgefühl
verwandten Leiden. Wie die Pflanzen, folgen
die Theorie den Klimatiſchen Verhältniſſen u.
mit Recht ſagt Linnée, daß wie die Exiſtenz der
Pflanzen auf Erden u. Waſſer beruht, die
thieriſche Exiſtenz wiederum Pflanzen voraus
ſetzt. Jn dem geographiſche Lagerungen finden
wir, daß das erſte Aufkeimen in der Urwelt
die Pflanzenwelt war. Ehe wir Verſteinerungen
von Molusken, Korallen etc. finden, finden
wir Verſteinerungen von Bambuſaceen, Kactusformen
, Oguazien etc. Jm älteſten Uebergangsgebirge
, im Kalkſtein Spuren von Seegewächſen
. Obgleich die Pflanzen durch ihre
Sumerien mit Federkronen u. durch ihre
harte Beſchaffenheit hinwieder, von Wind u.
Seeſtrömen weit hingeführt werden köñen
u. die Cacus-Palme etc. allgemein als Littoral-
Gewächs, wie die maleiſche Raçe, gefunden
wird, ſo iſt das Thier doch noch beweglicher wie
die Pflanzen, u. am beweglichſten was am meiſten
verbreitet iſt, wie die Fiſche u. Vögel, die
in ihrer Organiſation ſo ſehr verſchieden ſind.

1. Allgemeinen Verbreitung des thier. Lebens
viele Vierfüßer u. kl. Nagethiere ſelbſt
gehen mitten in Eisfeldern bis 75° NB.

Beide Thiergattungen bewohnen die flüßigen Hüllen
unſeres Erdkörpers u. die Urſache ihrer weiten
Verbreitung kañ man darin finden, daß
ſie in den höhern oder niedern Schichten des Waſſers
oder den Luft das Klima ſuchen u. finden können
, welches ihrer Organiſation zuſagend
iſt. Fiſche die in den arktiſchen Zonen leben finden
in den tiefen Gewäſſern der Tropen die Temperatur
Grönlands Meere. Weniger findet
dies bei den Vögeln ſtatt, die nur ein zeitiges
Leben in den Luftſchichten führen köñen.
Dazu kom̃t noch, daß Waſſer ſich fünf mal
ſchneller nach der Tiefe abkühlt, als die Luft
in der Höhe, daher die Fiſche auch allgemeiner
verbreitet ſein köñen. Eine Anzahl Fiſche
umſchwärmen das ganze weſtliche Continent
von Spanien bis zum Vorgeb. d. guten Hoff
Zb. der heriola cosmopolita. Dieſelben
Species hat man im weſtl. Amerika, Oſtindien
u. den Sandwich-Jnſeln gefunden. Der ſqualus
galeus tritt im mittelländiſche Meer u. an
den Küſten Braſiliens umher. Grade im Ozean
haben ſich die Formen höheren Organiſation
weit verbreitet. Weniger iſt dies mit
den Süßwaſſerfiſchen der Fall. Pflanzen
u. Thiere laſſen ſich in vielen Fällen unter
einen Geſichtspunkt bringen. So haben Alpenſeen
von 8–10000 Fuß Höhe eigene Genera u. in gleicher
Höhe gleiche genera, obgleich ſie ſehe weit
entfernt ſind. Dies iſt beſonders auf der Pyrenäen
der Fall in Seen von 7000 Fuß hoch
wo die Temper. + 1 R. iſt u. 4 Monate lang
dieſelben befrohren ſind. Die Geographie
den Thiere iſt etwa zwei mal ſo alt
als die Geographie der Pflanzen dh. 40 J.
Zim̃ermaan gab zuerſt eine geographiae
animalium ſpecimen heraus Jn neuerer
Zeit ſind in einzelnen Journälen trefliche Beobachtungen
bekañt gemacht. So hat la Traille
eine monographie der Jnſecten herausgegeben
. Bei Thieren wie bei den Pflanzen kañ
ich fragen wie weit beider Leben verbreitet
geht u. ob erſteres ſo weit geht wie letzteres
? Man kañ ſagen, daß eben ſo in die
Tiefe u. in die Höhe geht nur nicht in der
Menge. Die desmertes u. apteren-Arten
findet man in Bergwerken u. Stalaktyten-
Höhlen. Herr Ehrenberg entdeckte Jnfuſionsthierchen
in ganz verdecktem, ſonſt trinkbaren
Bruñenwaſſer. Der Proteus lebt
in den unterirdiſchen Seen Crains. Wie
die Würzeln als Theile des zuſam̃engeſetzten
Pflanzenlebens ein unterirdiſches Leben führen
ſo ſind dieſe von Erde umgeben, wie die

analogen Thiergattungen von Luft. Die Jnſekten

graben ſich Gänze u. leben im Räume
mitten im Humus wo lauter gekohltes Waſſerſtoffgas
enthalten iſt, u. der Sauerſtoff
kaum 0,03 anſtatt 0,23 der Atmoſphäre
enthält. Sie köñen im Stickgaſe mit 0,01
Sauerſtoff lange ausdauern. So dringt
das Thierleben in die Oberfläche tief ein
u. Fiſche die zufällig in die Rollen der
Berge gerathen leben hier 100te von Jahren.
Noch neulich erhielt ich aus 1000 Fuß tiefen
Gruben Freibergs lebende Pitzker, u. die
Vulkane ſchleudern häufig todte Fiſche heraus.
Jn großer Tiefe des Meeres ohne Lichtſtrahl
leben Fiſche, mit großen Augen verſehen
u. man kañ es nicht erklären, wozu ſie
ihnen nutzen, obgleich nur wenige hier anzutreffen
. Herr Biot hat verſucht im Mittel
Meer in einen Tiefe von 5000 Fuß zu Fiſchen
u. er fand einige Arten, deren Schwim̃blaſe
merkwürdig genug mit reinem Sauerſtoff
beinahe 0,85 angefüllt war, anſtatt daß
Fiſche höherer Waſſerſchichten faſt nur Stickſtoff
in ihrer Blaſe haben. Auf Bergen ſteigt
das animaliſche nicht ſo hoch wie das vegetabiliſche
. Bei 10000 Fuß Höhe iſt in den

Anden u. 2000 Fuß unter der Schneegrenze

der Pyrenäen ſchwer etwas Lebendiges
mehr zu finden, ausgenom̃en geflügelte Jnſecten
die auch die aufſteigenden Luftſtröme erheben köñen
Die Vögel erheben ſich allerdings, wie Zb. der
Condor bis zu 82000 Fuß Höhe, aber im̃er nur
da wo Untiefen des Luftozeans unter ihnen
ſind u. Jai Lussac fand in einer Höhe von
2000 fuß über der Ebene Alles ſchon thierleer
.

2. Zahlenverhältniß nach Arten

Wir werfen jetzt einen Blick auf die
Quantität der Species, welche in der Maſſe
des thieriſchen Lebens erkañt werden kañ
Wie zu Liñees Zeiten kaum 2000 Pfl. gekañt
wurden u. jetzt ſchon 60000 Pflanzſpecies gezählt
werden: ſo iſt es auch mit den Thieren
gegangen. Fabricius kañte nur 11000 Jnſecten
u. gegenwärtig ſind bereits über 4400
beſchrieben; das königl. Muſeum hat allein
30000 Species. von Säugethieren waren
vor 50 Jahren 420 Species bekañt, jetzt
900. Wollte man ein Jnventarium der
Thierwelt aufſtellen; ſo köñte man mit
Sicherheit 900 Säugethiere añehmen, von denen
auf Europa 80 Species u. mit den verſchiedenen
Robbenarten 100 Species kom̃en. Von den Vögeln
keñt man 5000 Species, welche Zahl wohl
unter der Wirklichkeit noch iſt.

Vögel u. Fiſche ſind die einzigen Thierclaſſe
ohne Beiſpiel von völliger Blindheit. Unter
andern Thieren die Blindmaus, der
Goldmaulwurf etc. ſind völlig blind. Der
proteus anguineus eben ſo; eine Zwitter-
Art Ameiſen, der claviger, ein Käfer
den Ameiſen ernähren etc.

Cuvier ſagt

daß in Paris bereits 5800 Species wären. Von Amphibien

ſind etwa 700 beſchrieben u. es wäre
möglich, daß deren ſo viele wie Säugethiere
wären. Von Fiſchen ſind 5000 Species bekañt.
Dieſe Thiere bilden unter ſich zwei große Abtheilungen
, nämlich die, welche mit Knochengerüſte
u. Gehirn, oder der Medularſubſtanz verſehen
u. die, denen ſelbiges mangelt. Nach
der großen Entdeckung von Sömering, hängt
das erhöhte org. Leben nicht von der Größe
oder Kleinheit des Gehirns ab, ſondern von
dem Verhältniß deſſelben zu den Nerven.
Die Bedingniſſe der Muſkelkraft, der
galvaniſche Proceß, iſt in den niedern Thierclaſſen
mehr zerſtreut, mehr Medularſubſtanz
im Ganzen Thiere u. daher jeder
Theil mehr unabhängig, wie man es bei
Treñungen wahrnehmen kañ. Nach Angabe
obiger Zahlen ſind daher im Ganzen
11600 Art Rückenwirbelthiere bekañt
von denen 10/11 in den flüßigen Umhüllungen
der Erde leben. Ein merkw. Geſetz bei der
Geographie der Thiere, daß grade die, welche
das Maximum u. Minimum der Luft reſpiriren
am meiſten verbreitet u. in gleicher
Zahl verbreitet ſind. Bei den Vögeln iſt
die Quant. der Pulsſchläge u. die contraction
der Arterien ſehr ſtark. Die Blutwärme
bei denſelben iſt 33° R. u. man
zähl 56 Pulsſchläge, während das Pferd
bei einer Blutwärme von + 29,5° R.
36 Pulsſchläge hat. Die Fiſche gebrauchen
das Minimum der Luftreſpiration.

Durch die Kiemen zerſetzen ſie nicht das Waſſer,
ſondern ſie ſcheiden den in demſelben enthaltenen
Sauerſtoff aus, der 0,31 beträgt, weñ
die Atmoſphäre 0,21. Dies kañ man leicht
wahrnehmen, weñ man das einfache Experiment

macht, Fiſche im Waſſer zu erſäufen, durch

Extrahirung des Sauerſtoffes, wo ſie wie
vom elektriſchen Schlage getroffen, todt
auf die Seite fallen. Einige Fiſcharten köñen
ſelbſt atmoſphäriſche Luft athmen, doch auf
die Länge wird ihr Blut zu ſehr erhitzt
u. ſie ſterben, weil ſie zu dem Reſpirationsproceß
nur eine kleine Quantität Sauerſtoff
bedürfen.

Da ſo viele Species der Fiſche u. Vögel
noch vorhanden u. ſicher doch viele

untergegangen

, ſo kañ man auf deren große
Anzahl in der Urwelt ſchließen

Vögel u. Fiſche ſind deshalb ſo
zahlreich, weil ſie bei den großen Kataſtrophe
der Zerſtöhrung der Urwelt am leichteſten entriñen
koñten. Die Thiere der Veſte ſind in
großen Maſſen dabei verſchwunden, beſonders
die Pachidermen. Jnſekten bilden unter
den Thierformen die größten Maſſen, nämlich
44,000. Die Anzahl der Schmalthiere 5000
u. der Zoophiten 6000, ſo daß überhaupt
66,600 Species Thierformen bekañt ſind,
von denen Jnſecten ausmachen. Nach einen
leichten Analogie muß es noch mehr Jnſecten
geben, da die Form des Gegliederten ſehr
allgemein iſt, u. die Natur gleichſam genöthigt
wird, ſolche Formen noch mehr zu fördern
Wir keñen bereits 60000 Pfl. u. erſt 4400
Jnſecten, folglich iſt noch nicht ein Jnſekt auf eine
Pflanze zu rechnen u. unter den Tropen müſſen
noch viel mehr Jnſecten vorhanden ſein. Hier
bei Berlin zählt man 2000 Pflanzenſpecies
u. 5000 Jnſektenarten, hiernach koñen wohl
ſicher 120,000 Jnſekten exiſtiren. Dieſe Sta
der Jnſecten iſt mit Genauigkeit erſt ſeit
50–60 J. unterſucht. Die Verbreitung der
Formen nim̃t mit der Temperatur zu u. wo 18–20°
R. iſt, herrſcht mehr thieriſches Leben, als
da wo 2–3° R. iſt. Allerdings hängt aber
dies wieder von Localverhältniſſe, günſtiger
mañigfaltiger Lage der Flüße, Gebirge etc.
ab. Das Leben erſcheint am mañigfaltigſten
verzweigt u. geſchieden, da, wo der Character
der Landſchaft individualiſirt iſt.

Ein großes Vorurtheil iſt es, daß die Thiere
des neuen Continents nur auf niederer Stufe
ſtehen, u. man hat es darauf begründet,
daß Pachidermen nicht vorhanden wären.
Abgerechnet, daß es etwas zufälliges iſt,
daß bei der großen Kataſtrophe auf einem
Theile der Erde gewiße Thierformen verſchwunden
, ſo ſind doch noch 4–5 Pachidermenarten
vorhanden, u. Reſte von Verſteinerungen
zeigen daß ſolche vorhanden waren, wie
ich ſelbſt verſteinte Rhinozerosknochen mitgebracht
habe. Man findet ſie dorten nicht im
Klima der Ebene, wo die Thiere ſonſt gelebt haben
müſſen, ſondern nur auf Höhen von 6–7000
Fuß. Jetzt leben dort erſetzende Formen
der Thiere der alten Continente, die Katzen
geſchlechter, große Pantherthiere. Ferner
Biſons, Moſchusochſen die 2000 ℔. wiegen.
Jefferson beſchreibt einen ſolchen von 9–10
Fuß Höhe am Rücken, ſo hoch wie ein Elephant.
Die Maſſe iſt in der neuen Welt ſo groß
daß 8–10000 ſolcher wilden Biſons zwiſchen
dem Ohio u. Miſſouri ſonſt weideten.
Große Formen der Pachidermen ſind wiederkäuend
u. ſtets grasfreſſend. Jn
den Urwelt iſt es eben ſo der Fall geweſen.
Das größte Krokodill, welches man verſteinert
in Surreck gefunden, hatte eine
Länge von 70–80 Fuß, die Höhe des Rhinoceros
, u. man nach Geſtalt u. Form ſeiner
Zähne Grasfreſſend. Die Contraſte zwiſchen
den Pflanzen laſſen ſich leichter zwiſchen den
Thieren anſtellen; deñ bei erſtern muß man fürchten
zuſam̃engeſetzte Organe zu finden, hier
aber vom Jnfuſionsthierchen bis zum Kaſchelot
läßt ſich leicht der individuelle Character
beſtim̃en.

3. Relative Größe der Thiere

Es giebt nicht ſo kleine Pflanzen als
lebende Thiere. Die Größe oder Kleinheit hängt
hier mit Bedingniſſen des organiſchen Lebens
zuſam̃en; deñ warum giebt es keinen Jnfuſionsfiſch
, keine kleinern Säugethiere, als grade
die Nagethiere, warum nicht in kleinen Proportionen
Hirſche etc. Bei den verſchiedenen Klaſſen
müſſen wir daher Grenzen des Größte u.
Kleinſten erkeñen. Ein kleiner Fiſch iſt
der Steckling 1½″ lang, noch kleiner die
Korallenfiſche, die man lange für Brut
gehalten, u. der kleinſte der acarthopomus
meleogris, ſehr ſchön u. Bunt gefleckt u.
nur 7–8 Linien lang. Stellen wir dieſen
in Verhältniß zu dem Wanderhaifiſch von
30 Fuß länge; ſo iſt daſſelbe = 1 : 700.

Bei einer u. derſelben Claſſe iſt
das Verhältniß wie 1 : 700.

Solche Grenzen giebt es unter den Vögeln
nicht. Was die Größe der Fiſche noch anbelangt
, ſo hat Lacepede die Länge des Wallfiſches
über 200 Fuß angegeben. Der Grönländiſche
Wallfiſch iſt aber nie größer als
65–70 Fuß u. iſt auch nie größer geweſen
Pottfiſche findet man zuweilen 92–100
lang. Dies iſt von Scoresby erwieſen, der
220 Wallfiſche ſelbſt getödtet hat. Nagethiere
von 2 Zoll Länge mit ſolche Fiſchen
verglichen, giebt einen gewaltigen Kontraſt
noch größer, weñ ich ganz fremdartige

Ordnungen vergleiche, ein lebendes

Jnfuſionsthierchen

mit einem Wallfiſche, 1/16000 Linie mit
100 Fuß Längen-Maaß.
Nach kubiſchem Jnhalt würde das Verhältniß

ſich bilden, wie 1 : 23 Mill. Eine unbegreifliche
Verſchiedenheit, wie die kleine Veſta zum
großen Weltkörper. So finden wir bei
der Maſſe der thieriſche Subſtanz eine größere
Mañigfaltigkeit u. Verſchiedenheit der individuellen
Verhältniſſe.

59. Vorlesung, 23. April 1828

Beim Mangel aller Vorarbeiten für meinen
Zweck kañ ich für jetzt nur Umriſſe hier geben,
da alle empiriſchen Geſetze nur auf Thatſachen
beruhen, die erforſcht erſt werden
müſſen. Hier müſſen die Gewährsmäñer ſtets
benañt werden. Cuvier u. Lichtenſtein für
die Wirbelthiere, Cuvier für Jnſekten
u. Fiſche etc. Erſtaunlich iſt bei dem thieriſchen
Leben die große Zahl der Jndividuen
in den untern Klaſſen. Blumenbach berechnet
daß in der Milch der großen Karpfen 250000
Mill. Cercarien enthalten ſind. Doch was
will dieſe Menge gegen die thieriſche Maſſe
weñ ſich jetzt noch Dickhäuter zuſam̃en finden
in Heerden von 300 Stück Zb. Elephanten etc. oder
am Missouri 10000 Biſons weiden. Die
columba migratoria in Nordamerika zieht
in ſolcher Anzahl, daß ſie tagelang Wolkenartig
ziehen, die Zweige der Bäume brechen
wo ſie ruhen, u. die Landleute dorten
die Schweine hintreiben um ſie mit Taubenfleiſch
zu mästen. Jn der Tropengegend
am Orinoko ziehen ganze Wolken Strandvögel.
Ein merkw. Beiſpiel ſahe ich in der Südſee
wo 5–6 Stunden ein ununterbrochenes Gewölk
von Seevögeln über meinem Kopfe hinzog.
Die Landbauer hohlen von der Küſte
ein Düngungsmittel, reiner Harnſtoff
der von den Excrement der Vögel herrührt.
25–30 Fuß Dick liegen dieſe Schichten wie
Braunkohle u. welche Maſſe thieriſchen
Lebens ſetzt dies voraus, um ſolche anzuhäufen.
Nehmen wir alle thieriſchen Stoffe zuſam̃en
u. vergleichen ſie mit der Pflanzenmaſſe, ſo
iſt letztern doch überwiegend.

Bei den Thieren kañ man eben die Frage
wie bei den Pflanzen aufſtellen, ob ein Thier über
die ganze Erde verbreitet iſt? Wie dies bei
Pilzen u. Algen der Fall iſt, ſo auch bei den Jnfuſionsthierchen
, die allenthalbe ſpecifiſch dieſelben
ſind. Unter höher organiſirten Geſchöpfen
ſind die Jnſecten u. grade die Schmetterlingsarten
am weiteſten verbreitet Zb. Sphinx
atropus in Egypten, Mexico etc. Allenthalb
wächſt aber ſo wenig eine Pflanze, als ein Jnſect
lebt. Von den Sumpfvögeln hat man
einige Arten in allen Tropen u. temper. Zonen
gefunden. Nach Cuvier ſoll auch eben ſo die
Turm-Eule allgemein verbreitet ſein. Die
Entdeckung von Buffon daß kein Wirbelthier der
neuen Welt gleich iſt denen der Alten iſt nur
auf die Tropen anwendbar, nicht aber auf
die temperirte Zone. Man findet hier zwar
beſondern Species, die man früher für identiſch
hielt mit denen der alten Welt, Zb.
Hirſcharten, Biſons etc. aber das Elendthier
der Biber, Wolf etc. möchten wohl in der alten
u. neuen Welt gleich ſein, welches erſtere nach
Pallas ſelbſt über die Behringsſtraße gehen
ſoll. Deſgl. auch die Sumpfotter. Eine
andere Frage iſt die, ob in der nördlichen
u. ſüdlichen Hemiſphäre in gleichen Zonen dieſelben
Thiere leben? Beiſpiele ſind davon
vorhanden, der Kukuk lebt in Neuholland
die Taube eben ſo; jedoch unter Thieren
ſowohl wie Pflanzen gehen die tropiſchen
Formen mehr nach Süden als Norden
u. ſüdlicher als Europa nördlich liegt.
Aehnlich wie die temper. Zone Amerikas
von den Tropen aus verſchönert wird, ſo
iſt dies mit dem Süden der Fall. Der
kleine Kolibri, ſo ſchwacher iſt, zieht in
Maerz iſt er in Georgien u. im Juni ſchon in Canada.
Dies macht die Continuität des Welttheils. Eben
ſo finden ſich die Colibris an den Magellaniſchen
Straße. Jn Neuholland wachſen Baumartige
Farrenkräuter u. auf der 1810 entdeckten
Kemble-Jnſeln, unter 55° S. Br. fand man
eine eigne Art des Pſyttakus. Mit Unrecht
nim̃t man daher an, daß die ſüdl. Hemiſphäre
kälter als die nördliche ſein ſollte. Unter
den Thieren wie Pflanzen giebt es erſetzende
Formen u. eriñere ich hier nur an die Afrikaniſchen
u. Aſiatiſchen Elephanten, an die ein u.
zwei gehörnten Rhinoceros-Arten. Tapire
glaubte man alleinig in Amerika u. ähnliche
Species ſind in Malacca u. Sumatra gefunden.
Jn der alten Welt ſind eben ſo kleine Vögel
wie die Colibris der neuen Welt, u. hier
wieder Straußenartige, ferner Schlangen
von 18–20 Fuß Länge u. Krokodille mit
ihren ſchachbrettartigen Rücken. Gewiſſe
Thiergattungen leben in der Ebene, andern wieder
auf Höhen. Die Affen ſind gewöhnlich unter
3000 Fuß Höhe anzutreffen, zuweilen verirren
ſich aber Banden auch auf Höhen von 5000 Fuß
die einer derſelben zuerſt erklettert, bald
aber verlaſſen Alle dieſe Region u. kom̃en
oft in 30–40 Jahren nicht wieder. Der kleine
Floh pulex penetrans der ſich unter die Nägel
bohrt u. den Reiſenden, ſo wir der Eingebornen
ſo große beſchwerden veranlaßt, beſonders
den Negern, die zuweilen Elephanten-Füße davon
bekom̃en, ein wahres Weſpen iſt dieſes Thierchen
fängt erſt auf der betim̃ten Höhe von 900 Fuß
an u. ſteigt nicht höher als 3000 Fuß. Der
Papilio Apollo iſt in der Ebene, in Frankreich
nur auf Höhen von 4000 anzutreffen.

So wie die ſüdl. Hemiſphäre keine Roſe
aufzuweiſen hat, ſo bemerken wir wieder
daß Süd-Europa u. Nordafrika eine gleiche
Vegetation haben. Letzteres führt auf den

wahrſcheinlichen Einbruch des Mittelmeeres. Trotz

der Aehnlichkeit der Vegetation, ſind aber
doch nicht ähnliche Thiergattungen auf beiden Seiten
des Mittelmeers vorhanden Zb. kein Hirſch in
Morocco. Denken wir aus die Continente zuſam̃enhängend
, ſo muß die fehlende Thierform
dort nicht exiſtirt habe, aber eine erſetzende Form
war da Zb. die Gazellen.

Werfen wir einen kurzen Blick auf die
Zahlenverhältniſſe der Thiere, ſo ſehen wir
nach den Polen hin oft nur eine ſpecies vom
ganzen Genus, wir ſehen eine große Mañigfaltigkeit
in letzterm, aber weniger Arten. Allenthalben
ſind 5 mal mehr Vögel als Säugethiere
anzutreffen. Nach den Tropen hin nehmen die
Amphibien mehr u. ſchneller zu als die Säugethiere
, welches ſich beſonders zeigen wird, weñ
wir eine vollſtändige Fauna von den verſchiedenen
Erdtheilen beſitzen werden, aus denen
wir die großen Mittelzahlen erhalten. Nach
der gegenwärtigen Keñtniß der Thierwelt
verhalten ſich die wieder käuenden zu den
reißenden Thiere = 3 : 1. Von den Pachidermen
ſind in der Vorwelt 55 Species
mehr geweſen, jetzt leben noch 16–18 Arten
u. ſind untergegangen. Auch von Jnſecten
müßen viele untergegangen ſein, deñ im
Bernſtein finden ſich neue Species eingeſchloſſen
Endemiſche Formen finden ſich in allen Zonen;
in Amerika die Armadille u. Faulthiere,
in Neuholland das Schnabelthier etc. das Känguruh
dort u. im Jndiſchen Archipel, wo eben ſo
große Thiere als auf dem Continent gefunden
werden, welcher ſich daher als Theile
des abgeriſſenen Continents ankündigen. Auf
den Jnſeln der Südſee giebt es hingegen kein
anders Thier, als Nagethier von 5–6 Höhe.

Am weiteſten iſt der Menſch verbreitet
nicht durch ſeine phyſiſche Beſchaffenheit u. Kraft
ſondern durch ſeine Jntelligenz u. Biegſamkeit
des Willens. Wilde Menſchen haben daher weniger
Willenskraft als cultivirte Nationen. Ein
altes ſpaniſches Geſetz verbietet, die Einwohner
des Thales nicht auf die Andes zu bringen u. die
Hochlandsbewohner nicht durch ein Thal zu führen,
weil ſie dadurch den tödtlichſten Krankheiten
ausgeſetzt werden. Jm Allgemeinen
bemerken wir, daß bei der weißen Menſchenraçe
die größte Flexibilität zu finden. Die Schwarzen
köñen wohl auch viel ertragen, doch muß man
bedenken, daß von denen durch die Grauſamkeit
der Europäer fortgeſchleppten Neger hinſtirbt
u. nun die kräftigſten Naturen übrig bleiben.
Bei gebildeten Völkern beherrſcht die erhöhnte
Willenskraft das materielle Leben. Werfen
wir eine Blick auf den Körperbau des Menſchen
ſo ſehen wir daß er in den Elementen der phyſiſchen
Natur wenig von andern Wirbelthieren unterſchieden
iſt. Es ſoll dem Menſchen eigenthümlich ſie
daß er ſeine Wärme, als die Quelle des Lebens
in ſich ſelbſt führt; doch iſt dieſe geringer als
angegeben u. nur + 30° R. Verſchiedene Völkerſtäm̃e
die gar kein Fleiſch eſſen, wie die Buddhiſten
; andere die nur von Fleiſch leben, wie
die Veidas in Ceylon haben eine gleiche Blutwärme,
die man übrigens unter der Zungenwurzel leicht
unterſucht, wo eine Wärme wie die Blutwärme
iſt. Die Blutwärme des Elephanten, Affen etc.
hat noch nicht einen Unterſchied von ¼° R. mit
den des Menſchen. Von warmblüthigen Thieren
haben die Vögel die größte Wärme + 32–35° R.
Jn der nördlichen Zone ſelbſt haben die Hühnen-
u.u. Taubenarten mehr Wärme als die Papagayen.
Die ſogenañten kaltblüthigen Thiere haben
noch im̃er eine Temperatur von 3–4° R.
wärmer als das Medium in dem ſie leben.
Ebenmäßig haben die Jnſecten eine Wärme.
Der kleine Unterſchied in der Blutwärme
der verſchiedenen Menſchenraçen iſt nicht Folge
der Race ſondern der Klimatiſches Verhältniße
u. iſt höchſtens nur ½° R. Was die Umlauf
des Blutes betrifft, ſo iſt keine weſentliche Verſchiedenheit
zwiſchen den Bewohnern der Ebene u.
Höhe. Durch die Willenskraft allein erhält der
Menſch wie geſagt Flexibilität, u. welcher
Hitze kañ er ſich hier in warmen Bädern ausſetzen?
Tillet 1764 ließ ein zehn Jahr altes Mädchen eine

Temperatur von 25° über dem Südpunkt aushalten
wo Kartoffeln kochten. Cap. Fips, nachher Lord
Mulgraive ging von 3° Kälte in Schweisbäder
von + 102° R. wo Eyer in wenig Minuten ſiedeten
Beafsſtücks neben ihm Brieten etc. Er war freilich
in der Temperatur der eignen Ausdünſtung
u. doch vermehrte ſich die iñere Wärme nicht
um ° R. obgleich der Pulsſchlag unerhört
zugenom̃en. So groß iſt die Biegſamkeit der
menſchl. Natur, daß die Bewohnbarkeit des Erdbodens
durch den Menſchen unter den verſchiedenſten Bedingniſſen
ſtatt finden kañ. Er kañ ſich von dem
Druck unter der Taucherglocke bis zur Höhe
von 24000 Fuß erheben, Kälte und Wärme
von 40 bis + 105° ertragen, obwohl
letzteres nur wenige Minuten. Jedoch leben
muntere Völker in einer Gegend wo 4 Monate
lang die Temper. 30–40° unter Null iſt.

60. Vorlesung, 24. April 1828

Wir haben aus in der phyſiſchen Geographie
zur Vertheilung des Menſchengeſchlechtes auf der
Erdoberfläche erhoben. Nichts iſt mit größerer
Lebendigkeit, ſelbſt Gehäſſigkeit unterſucht
worden. Es ſind hiebei eine Menge Dinge eingemiſcht
worden, die der hiſtoriſchen Unterſuchung
angehören u. hier uns völlig fremd bleiben
müſſen. Nachdem über die Völker Aſiens, die
deſſen Central-Land bewohnen Entdeckungen gemacht
worden, hat ſich über die Abſtam̃ung
vieler Völker, der Jberier, Slaven, Germanen etc.
viel Licht verbreitet. Hier treñen wir die
Dinge die bloß zum Cauſal-Zuſam̃enhange
gehören, wie Geognoſie u. Geologie in der Erdkunde
. Wir werden hier bei der Erſcheinung
der verſchiedenen Menſchenraçen ſtehen bleiben.
Jch ſagte nur Jntelligenz iſt Urſache, daß der Menſch
gegen die Elemente ankämpfen u. über ſich ſelbſt
herrſchen kañ. Wie wilde Völkerſchaften noch
jetzt die größte Unbiegſamkeit zeigen habe ich
in Amerika geſehen, wo es ſchwer fält die Ureinwohner
der Wälder in den Miſſionsdörfern
zu civiliſiren. Von der angeblichen Verſchiedenheit
zwiſchen der Organiſation des Menſchen
u. der höhere Thierclaſſe will ich noch einiges
hier bemerken. Der Menſch ſollte allein Stim̃werkzeuge
zur articulirten Sprache haben, der
Affe Zb. ganz verſchiedene u. dgl. Die Amerikaner
glauben, Affen ſprechen nur nicht laut, ſondern im Stillen,
damit die Menſchen ſie nicht zur Arbeit zwingen. Ein
Naturforſcher glaubt, ſie würden ſprechen, weñ
ſie nur etwas zu ſagen hätten. Gewiß iſt es, daß
ſie dieſelben Sprachglieder haben als der Menſch,
der nur allein durch Jntelligenz characteriſirt
wird. Er hat im Verhältniß zur Größe
der Nerven das größte Gehirn u. bedeutend
iſt die Capacität des Schädels. Eine Haupteigenthümlichkeit
iſt ſein aufrechter Ganz, die Bildung
des Antlitzes u. das Uebergewicht des Schädels
über die Entwickelung des Beiſtens, Käuens
u. des Geruchs. So wie die ſtarke Entwickelung
des Kiefers anfängt, tritt das
Gehirn zurück, welche Erſcheinung zu der Unterſuchung
der Kamperſchen Geſichtslinien führt.
Die Hellenen, Circaſſier, ſogenañte Kaukaſiſche
Raçe, ſind hier ſehr verſchieden. Weñ in einigen
Kunſtwerken des Alterthums Facial-Linien von
90° anzutreffen, ſo iſt dies gewiß nur eine
ideelle Bildung des Künſtlers. 80–85° werden
für die ſchönſten Geſichtslinien gehalten. Die
Faciallinie bei den Negern iſt 70° u. bei
den Neuſeeländern etc. ſelbſt 65°. Affen
haben ſtets Facial-Linien von höchſtens 50–55°.
Man ſuchte nach ob dem Menſchen nicht irgend
ein Knochen mangeln, den Thiere haben u. glaubte
Dies wäre das Zwiſchenkieferbein, welches
die Schneidezähne enthalten ſollte. Auch bei
Affen iſt dieſer Knochen nicht vorhanden, u.
daher ein uñöthige Unterſuchung. Bei den Unterſuchungen
über die Verhältniße des Gehirns
zu den Nerven fand Maeckel, daß bei Negern
die Nerven des 5te Paares ſtets ſtärke wie
bei weißen Menſchen vorhanden wären u.
dieſe Erſcheinung iſt willkom̃en denen, die da
meinen die Neger wären thieriſcher wie die
Weißen, weil dies auch bei den Thieren ſtatt
findet, welches ich jedoch gänzlich beſtreiten muß.
Das Hervorragen des untern Theils des Unterkiefers
, die regelmäßige Anweſenheit des Gehirnſandes
|: auch beim Hirſch :| die ſchiefe Lage des
Herzens, die hervorragende Naſe, ſind

Eigenthümlichkeiten

des Menſchen, von denen einige Thiere
dies u. jenes doch gemein haben Zb. die Rüſſelaffen
haben eine vollkom̃ene Naſe u. einige glauben
daß organe durch den öftern Gebrauch ſich erſt ausbilden
, wie Sumpfvögel lange Füße erhalten
haben etc. Jm Aeußern hat der Menſch daher
nur wenige Verſchiedenheit mit dem Thiere, nur
der Geiſt macht hier eine große Stufenleiter. Es iſt
nicht blos lieblos gedacht, ſondern der Wiſſenſchaft
völlig fremd, weñ man in neuern Unterſuchungen
von einer Stufenleiter der Humanität geſprochen
wie Zb. Meiners, der aufſteigend von Affen
zu Negern u. endlich zu weißen Menſchen über
geht. Noch nie hat man menſchenfreſſende Neger
wohl aber ſolche unter der mehr weisliches Menſchen
getroffen. Aeußerlich ſind dem Menſchen
am ähnlichſten zwei Affenarten, der Orang-
Utang u. Jacko. Erſteres iſt das junge Jndividuum
von einer ſehr Böſen häßlichen Affenart
. Oran heißt verſtändig, welches von
den Malagen auch als Beiwort von Menſch u.
Elephant gebraucht wird. Utang heißt wald-
Menſch. Man hat mehrmals einige Jndividuen
in Europa gehabt, aber der Schwächlichkeit
derſelben wegen, ſind ſie ſchwer zu erhalten.
Sie werden 35–36 Zoll hoch. Je mehr man ſich
den Affenländern nähert, je mehr ſchwinden alle
Vorurtheile die wir über dieſe Thiere haben
daß ſie Knoten machen beim Mais ſtehlen etc. alles
Fabeln. Nicht zu läugnen iſt es, daß Thiere mit
4 Händen, die zum Klettern beſtim̃t ſind u. d
faſt im̃er auf Bäumen leben manchen Anſchein
von Handlungen haben, den wir der Jntelligenz
zu ſchreiben möchten; doch ſcheint dies nur ſo, u.
eben ſo gelehrig würde der Hund, das Pferd etc.
erſcheinen, weñ ihm nicht die Extremitäten fehlten

Lord Amferſt brachte einen Orang-Utang mit,

den ich geſehen u. bei dem ich es auffallend fand, daß
er den Daumen gebrauchte um eine rollende
Arzeneiflaſche aufzuhalten. Er hatte keine
ſchöne Geſtalt, aber eine äußerſt ſanften Blick
u. gewiß iſt es, daß er ſich im Alter in den
häßlichen Hundsartigen Affen Pongo mit ſchrecklichen
Zähnen wie ein großer Pavian wandelt.
Jn den Menagerien iſt es häufig beobachtet, daß
ſelbſt bei Ravianen mit Hundsköpfen die Jungen

auf völlig Kugelrunden Köpfen geboren werden.

Der Jacko ſimia trochlodytes iſt ſo weit
abgerichtet, daß er bei Tiſche aufwartet, Kaffee
trinkt etc. hat aber weniger etwas menſchenähnliches
. Jch übergehe den ſchwarzen Gibbon, ohne
Stirn mit menſchenähnl. Geſicht, der ganz behaart
übrigens iſt. Wir haben die Geſchöpfe genañt
die dem Menſchen am ähnlichſten ſind, aber keine
gleiche Stufe keine ſpecies giebt es hier. Eine
andere Frage iſt es, ob unter den Menſchen nur
eine ſpecies da iſt. Dieſe Unterſuchungen über
die Varietäten ſind ſeit 80 Jahren etwa getrieben
u. der Name Raçe iſt hergenom̃en von
den bekañten Pferde- u. Hunde-Arten. Leibnitz
wollte die Abſtam̃ung der Völker von ihrer
Sprache herleiten, aber wie trüglich iſt dies,
wo erwieſen iſt, daß mongoliſche Völker türkiſch
ſprechen, wie germaniſche Völker lateiniſch
. Weñ Leibnitz hier ſchon Verwechſelungen
ſtatt finden ließ, ſo iſt dies neuerdings noch mehr
der Fall geweſen, veranlaßt durch das Buch-
Mitridates von Adelung u. Vater herausgegeben
. Jn der neueſten Zeit ſind durch die Keñtniß
der Völker des Central-Aſiens, durch die Unterſuchung
über denen Sprachen von Abel Remusat
u. Julius Klaproth |: Aria polyglotta :|; durch
die Keñtniß der Sanſcritſprache u. Keilſchrift
durch Herrn St. Martin viele Entdeckungen erſt gemacht
werden. Die Alten unterſchieden die Völker in Eingeboren
u. Eingewanderte. Nehmen wir Nord-Afrika
ſo kamen zu den urſprüngl. Lybiern, Phönizier d.
Griechen. Vor Einwanderung der Saracenen war
daſelbſt ſchon die caucaſiſche Raçe. Die Hycksos
ein Arabiſcher Stam̃ in Egypten, die Perſer etc.
Dieſer Contraſt zwiſchen ſchwarzen u. weißen
Menſchen bildet einen ſichtbaren Abklang in der Mythologie
Egyptens. Ferner brachte den Zug der
Vandalle weiße Menſchen dahin, deren Nachkom̃en
auf dem Atlas unter dem Namen Kabilen noch exiſtiren
. Weñ Herodot u. die übrigen Alten nicht
Unterſuchungen über die Menſchenraçen anſtellte
u. dieſe erſt der neuere Zeit angehört; ſo ſagt
doch Seneca in ſeinem Agricola auf das deutlichſte
daß die Erſcheinung der verſch. Geſtalt der Menſchen
entweder Folge der Abſtam̃ung oder des Klima iſt.

Die Alten verachteten alle Barbaren, daher
fehlte ihren gänzlich die Keñtniß ihrer Sprachen.

Die Jdee, daß alle Menſchen von einem Paare abſtam̃en
iſt Folge des Chriſtenthums, welche zur Vermiſchung
der Raçen ſo viel beitrug, zu der
mildern Behandlung der Sclaven etc. Als man Amerika
entdeckte fand ſich kein Hirtenvolk da
ſelbſt weil die wiederkäuenden Thiere nicht dazu
benutzt wurden. Jn China ebenmäßig bei dem
hohen Betriebe des Ackerbaues, iſt ſo alles Hirtenleben
vertilgt, daß keine thieriſche Milch genoſſen
wird. Daß ein großes Verkehr zwiſchen
dem weſtl. Amerika u. öſtl. Aſien ſtatt gefunden
beweiſet auch dieſe Aehnlichkeit, daß die Ureinwohnen
noch jetzt bei Millionen Rindvieh einen
großen Abſcheu vor Milch äußern. Als dies
Land entdeckt wurde ſo entſtand die Frage
ob die Einwohnen auch Menſchen wären? u. eine
Päbſtl. Bulle drückte beſtim̃t die Einheit des
Menſchengeſchlechtes aus. Die deñoch entſtehende
Sclaverei der Caraiben u. Neger mußte man
dem Bedürfniß der Jnduſtrie zuſchreiben, u. dem
Landbeſitz den die Geiſtlichkeit ſelbſt hatte.

Wir köñen jetzt zwei Fragen aufſtellen
1., welche Verſchiedenheit haben die verſchiedenen
Raçen u. 2., wie haben ſie ſich vertheilt
und ausgebildet. Letzteres iſt eine rein hiſtoriſche
Frage. Sehen wir erſteres Phänomen im
Kauſalzuſam̃enhange, ſo köñen wir entweder
einen Urtypus mit Degeneration añehmen, wo
durch Einwirkung des Klimas ſich Varietäten
bildeten, oder mehrere Typen der Bildung
añehmen. Jm erſten Falle ſind Pallas u. andere
Naturforſcher der Meinung geweſen, daß die
ſchwarzen Menſchen urſprünglich geſchaffen u.
aus dieſen ſelbſt die Kaukaſiſche Raçe entſtanden
iſt. Man hat bemerkt, daß ſelbſt Thiere, weñ ſie

gezähmt werden, von dunkler zu heller Farbe

übergehen u. dies iſt die leitende Jdee geweſen.
Jch mag dies nicht vertheidigen u. gewiß werden
es auch die Europäer ungern glauben, daß ſie
von Negern abſtam̃en. Uebrigens iſt dem Weißen
die ſchwarze Farbe lange nicht ſo zu wieder, als
umgekehrt. Danham ſagt, daß in Señaar
die Frauen bei ſeinem Anblick nicht nur erſchrocken
ſind, ſondern ihnen förmlich übel geworden, weñ
ſie ſeine proeminente Naſe erblickten, welches ihn
am Ende ſelbſt höchſt verdroſſen. Jedes Volk
trägt den Typus der Schönheit in ſeiner
Jndividualität, doch gewiß iſt der Begriff
von Schönheit u. Anmuth völlig unabhängig vom
Stam̃. Dieſe Anſichten gehören der Jdeenwelt
an; aber deñoch kañ man ſagen, daß ſo
ſanft u. fein die ſchwarze Haut auch iſt, doch
das Erröthen der weißen Haut fehlt. Die
Frauen in Dongola indeß ſollen auch trotz
der ſchwarzen Farbe geröthete Wangen haben.
Uebrigens iſt bei den Negern die Jntenſität
der Farbe ein Zeichen ihrer Geſundheit.

Die Geſchichte im eigentlichen Siñe des Worts
reicht nicht zu, den Urſprung der Dinge aufzudecken
. Sie wird die Frage über den Urſprung
den Menſchen nicht ſchlichten, ſo wenig als
die Unterſuchung über die Sprache u. Schriften
u. mit Vertrauen köñen wir nur die
Forſchungen ehren. Hier beſchränke ich mich allein
auf Erkeñtniß. Bei allen ſemitiſcher Völker
iſt der Glaube über den Urſprung der Menſchen
vorherrſchend, was in unſerer Unterſuchung
uns billig fremd bleiben muß. So viel kañ
ich indeß ſagen, daß kein Grund vorhanden iſt
anzunehmen, daß die Erſcheinung der verſchiedenen
Racen, der Jdee der Einheit wiederſtrebet
, oder ſtringend dies zu läugnen.

61. Vorlesung, 25. April 1828

Die Unterſuchungen hierüber ſind verwirrt
worden, daß man hiſtoriſche Betrachtungen
mit den jetzigen Bewohnern der Erdflächen betrachtete
. Geſchichte führt nie zum erſten Urſprunge
u. kañ nicht Fragen der phyſ. Welt
Beſchreibung löſen. So leicht kañ der Menſch
hier irren. Eine Frage Zb. wie iſt Amerika
bevölkert? iſt weder eine hiſtoriſche noch philoſophiſche
Frage! Anders iſt es damit, wie haben ſich
Völker von Oſten Aſiens nach Weſten bewegt
Unmöglich iſt es eine allgemeine Eintheilung nach
Abſtam̃ung anzunehmen. Die Betrachtungen über
Raçen ſind noch zu wenig Klarheit gelangt
u. zu ſehr von die Problemen über die Pflanzen
u. Thiere getreñt worden. Wir haben die
Aehnlichkeit des Organismus, ihre gemeinſam
Wohnorte geſehen, die Gleichheit der Geſtation
weñ auch nicht Pubertät. Jch führte ſchon an
daß wie Degenerationen von Thiere jetzt noch
ſtatt finden, ſo auch dies bei den Menſchen möglich
ſein koñte u. Hebride Formen ſich fortpflanzen.
Jn Coñectecut entſtand ein Bock mit krum̃en Beinen
u. jetzt hat man tauſende einer beſondern .
Ganze Familien giebt es mit ſieben Fingern.
Jn Ungarn ſind Racen von Hausſchweinen mit
ungetheiltem Höfe. Siringa Varin iſt vor
25 Jahren in Rouen entſtanden. Daß ein
Type feſt bleibt ſieht man daraus, daß Neger
ihre Farbe allenthalben behalten u. nicht weiß
werden. Von einer ſteten Leberkrankheit die
bei den Schwarzen ſtatt finden ſoll, iſt nur
eine phyſiologiſche Fabel. Selbſt in einer
Zone ſteht der Typus feſt. Jm Feuerlande
leben die armſeligen Peſcheräs, 4 Fuß nur
hoch u. neben ihnen die hohen Patagonier
5′8″ hoch, ſo ſchlank u. ſchön wie ich
Tauſende der Karaiben am Orinoko ſahe.
So leben nach Lichtenſtein kleine Hottentotten
neben den Schlanken großen Kaffern. Jn Schottland
ſieht man auffallend den Unterſchied zwiſchen
der Pictiſchen Race u. dem ſchwarzharigen
Hochländer aus celtiſchem Stam̃e. Vielleicht
wäre wie die Jdee über verſchieden Menchenraçen
entſtanden, weñ die Neger nicht
wären, die Extreme veranlaßte die Frage.
Nach den Kontraſten des Pygments ſchied man
die Abtheilungen zuerſt nach Haut u. der
Bildung der Haare; ſpäter nach Geſichts-Linien
u. endlich durch Hoffnung das Geſchichtliche
zu finden, nach Sprachen. Die Beobachtung
der Einwirkung des Klimas aus Farbe mußte
bei den Alten früh entſtehen. Alexanders Zug
veranlaßte hierüber noch mehr Unterſuchungen
, da in Jndien ſo heiß wie in Aethiopien
war u. deñoch die Menſchen dorten nicht
ſchwarz waren. Sie erklärten dies durch
die trockene u. feuchte Wärme. Jn neueren
Zeit hat man in Jndien gefunden, daß die Raçenverſchiedenheit
ſelbſt in demſelben Stam̃e
oft zu finden u. einige Kaſten ſchwarzer ſind
als andern. Die Bekañtſchaft mit Aethiopern
brachten die Alten auf Jdeen, daß die Menſchen
von der Soñe geſchwärzt werden, was
Buffon ausdrückt: l’home porte livree du
Clima. Bei den Amerikanern, Mongolen
u. Maleyen ſind vollkom̃en ſchlichten Haare
gewöhnlich. Die Caucaſiſche Raçe hat lockiges
Haar, ſo wie die Neger wolliges Haar.
Außer den ſchon erwähnten Faciallinien
hat man nach Analogie der Sprache die
Abſtam̃ung hergenom̃en. Herodot erzählt
daß Pſam̃etich ſchon zarte Kinder Hirten übergeben
, um zu erfahren wie ſie wohl das Wort
βηκος ausſprechen würden. Die Kinder ſprachen
das Wort phrygiſch aus, u. man erſchrak

daß Phrygier älter ſein ſollten. Mein Bruder

hat ein Buch herausgegeben über den Bau u.
die Verwandſchaft der Sprachen, worauf ich
mich hier beziehe. Hiernach iſt die Sprache
vielen Völkern aufgedrungen. Obgleich Amerika
nur abgeſchloſſene Völker zählt,
ſo finden ſich Sprachformen unter ihnen die
im baſkiſchen dieſelben ſind. So verſchiede
auch die Wurzelwörter älter den Völker
Amerikas ſind bis zum 60° N. Br. ſo iſt doch
etwas gemeinſames im gram̃atiſchen Bau
Merkwürdig iſt die aglutinotion des Objects
die im Verbo ſchon angedeutet wird, ob es
mit Verehrung oder Verabſcheuung ausgedrückt
werden ſoll. Zu den anzuſtellenden Unterſuchungen
bleiben daher nur phyſiſche Zeichen
übrig. Wir bemerken Nationalunterſchiede
u. Völkerformen, ſo daß man nicht im̃er genau
beſtim̃en kañ, wo iſt der Volkſtam̃. Die Graduation
nach Aehnlichkeit der Form iſt ſchwer
auf alle Abweichungen zu beziehen. Nach Cuvier
zählt man 3 große Stäm̃e, nach Blumenbach
deren 5. Jch folge Cuvier u. nehme daher
nur die drei großen Abtheil. der weißen,
gelben u. ſchwarzen Menſchen an. Große
Abtheilungen hier machen führt weniger zum
Zweck. Die weiße Race characteriſirt
beſonders das Abendland. Jn ihr herrſcht
die größte Geiſteskraft, unter ihnen waren
die herrſchenden Reiche am längſten u. den
Religionen haben ſich in ihr entwickelt.
Der Name caucaſiſche Raçe wird ihr
Unrecht gegeben; deñ im Kaukaſus leben
zwar noch die Oſſeten, die mit den Alanen
u. Medern zuſam̃en hingen; aber die andern
Völker deſſelben ſind fiñiſch oder
Tyudiſcher Abkunft. Die Oſſeten u. Georgier
ſind dorten die ſchönſten Menſchen neben
dem Kaukaſus. Bei der großen Herrſtraße
der Völker ſind einzelne Völkerſtäm̃e
getreñt u. hier ſitzen geblieben. Dies
iſt auch in Mexico der Fall, wo in den nördl.
Andes allein 30–40 Sprachen geredet werden
verſchiedenen als germaniſch u. keltiſch. Hier
ſind die Aztecen von Norden nach Süden
gezogen u. die Geſchichte ſagt nicht, daß ſie
über den Jſthums von Panama gezogen.
Denkmäler ihrer Kraft findet man von Schilafluße
bis Caragna hin verbreitet, u. vielen
derſelben blieben ſitzen in dieſem amerikaniſchen
Kaukaſus. Jn der alten Welt
ginge alle Vanderungen von Oſten nach
Weſten. So wie unter 70–80 Roſenarten
alle mit dem Namen Roſe belegt werden, ſo
iſt dies auch ganz mit der kaukas. Raçe
der Fall. Der größte Theil der Völker
ging gar nicht über den Kaukaſus, ſondern
umging denſelben, wozu Hellenen, Germanen
Slaven, Magiaren, Celten, Jberer u. Lappiſche
oder Tyudiſche Stäm̃e des Urals gehören.
Nach Europa kam nur eine kleine Maſſe dieſer
Völker u. kaum 5–6 Stäm̃e ſind hier
vorhanden. So ſchwer es iſt zwiſchen Jndo-Germaniſchen
Sprachen u. den Slaviſchen einer

Aehnlichkeit aufzufinden, ſo iſt dies doch in

neuern Zeiten unzweifelhaft erwieſen.
Als die Menſchenſtäm̃e in großem Verkehr mit
einander ſtanden, ſo müßen wir beſonders
die Stäm̃e unterſcheiden, die zuerſt Aſien verließen
u. nach Weſten wanderten. Dies waren
die Basken, auf welche die Jberer, Kelten
u. germaniſche Stäm̃e folgten. Deñ kamen
die Fiñen Tyuden u. dañ Magiaren.
Jn Jtalien ſam̃elte ſich ein altes Gemiſch
von Pelasgern, Hellenen, Aeſtiere, Etrusken.
Fernen folgten die Slaven, auf dieſe
die Tyuden oder Fiñen, ein Uraliſchen Stam̃
zu dem die Huñen gehörten. Man glaubte
letztere wären die Hiongnuhs in Aſien,
doch ſind ſie nicht mit dieſer Völkerſchaft
zu verwechſeln. Von dieſen Tyudiſchen
Völkerſchaften kañ man ſich nach Jorrandes
keine glänzende Jdee machen, er ſchildert ſie
mit kleinen Augen begabt etc. Der Biſchof von
Clermont, Sidon von Apollien, am Ende des
5ten Jahrh. ſchreibt wie er ſehr erſchrocken
ſei die erſte Fiñiſche Völkerſchaft zu ſehen,
die er Fleiſchklumpen mit Sprache begabt neñt.
Man war um ſo mehr über dieſe Geſtalten er
ſtaunt, da man bisher nur ſchöne Formen geſehen.
Sie werden als Naſenlos beſchrieben, welches
offenbar vom Zerdrücken der Naſe herkam,
welches die Mutter bei jungen Kindern ſchon thaten
um die Unbequemlichkeit beim Herablaſſen des

Vesirs zu vermeiden. Dazwiſchen waren

ſchöne Völkerſchaften bis zu den Mongolen.
Den Magiarenſtam̃ gehört zu dieſer fiñiſchen
Völkerſchaft, die mit den Avaren verwandt
iſt. Mit Turken vermiſcht, iſt dies Geſchlecht
ſehr verſchönert u. verbeſſert werden.
Zu dem weißen Stam̃e gehören aber noch die
Abyſſinier Türken u. ein Theil der Jnder.

62. Vorlesung, 26. April 1828

Von der ſogenañten Kaukaſiſchen Raçe leben
etwa 440 Ml. Menſchen, von denen ¼ noch
in Jndien an den Abhängen des Himalaja Gebirges
leben; mañ kañ dieſe Völker auch

Arameiſche oder Semitiſche Völker neñen.

Wir haben gezeigt daß die Sprache nicht
das Criterium der Abſtam̃ung ſein kañ
Werfen wir einen Blick auf alle Sprachfamilien
Europas, ſo wurde der, der ſich
rühmt alle Sprachen Europas zu keñen, doch
nur acht bis neun Sprachen u. nur etwa
drei Grundſprachen keñen, oder 3. Sprachſtäm̃e
das baskiſche, germaniſche u. fiñiſche.
Alle Europ. Sprachen haben Aehnlichkeit in ihren
gram̃atiſchen Formen, weñ auch Verſchiedenheit
in ihren Wurzeln. Das erſtere iſt
dabei offenbar das wichtigſte. Obwohl
das Baskiſche jetzt nur noch in Europa von
etwa 700000 Köpfen geſprochen wird, ſo
iſt es doch ſehr wichtig, da dieſe Völker früher
das ganze Becken des Mittelmeers
ſcheinen umwohnt zu haben, wie dies die
Namen in vielen Ländern noch andeuten
Zb. Ahtora, Ort an den pontiniſchen Sümpfen.
Sehen wir auf die Europ. Sprachfamilien
ſo iſt zu zählen: 1., Das Baskiſche. Dieſe
Nation iſt früher von hoher Kultur geweſen
u. eine ganze Litteratur iſt hier untergegangen
. 2., Das Keltiſche. Wird jetzt
im Schottland u. Jrland von noch Mill.
Menſchen geſprochen 3., Germaniſche Sprochen
reden 60 Mill. Menſchen 4, Zu ſlaviſchen
Stäm̃en gehören 70–72 Mill. Sie haben
ſich künſtlich über Oſt-Europa, Nordaſien
u. über das Weſtl. Amerika verbreitet.
5., Der lettiſche Stam̃, der verſchieden
von den Slaven auch Liever iſt, welche
fiñiſch reden. Es ſind die Litthauer u.
Altpreußen, die mit ihrer Sprache aus
der Sanſcritt herſtam̃en 6., die ſechſte
Familie ſind die Tzuden. Zur 7te gehört
die Lateiniſche Sprache von 75 Mill. Menſchen
noch jetzt geredet, u. welche daher am
zahlreichſten iſt. Es iſt beinahe erwieſen
daß das jetzige Albaniſche der älteſte
griechiſche Dialekt iſt. 8., Die Reſte
der Helleniſche u. 9 der puniſchen oder ſemitiſchen
Sprache. Alle dieſe Sprachfamilien laſſen
ſich doch nur auf drei Sprachſtäm̃e reduciren.
Jn neuerer Zeit iſt in chineſiſchen Geſchichtsbüchern
entdeckt, daß die ſogenañte Völkerwanderung
: anſtatt am Ende des 4te Jahrh.
angefangen zu haben, bereits 2 Jahrh. von
Chriſti Geburt bei der chineſiſchen Mauer
ſtatt gefunden hat. Es wird hier ein indogermaniſcher
Stam̃ beſchrieben, von weißer
Farbe, hellblauer Augen u. blonden Haaren
welcher im weſtlichen Theil Chinas vertriebe
ſich auf die Hiongnuhs warf, u. daher die
Bewegung der großen Völkerwanderung veranlaßte
. Sie werden von den Chineſen Uſings
genañt. Die Hiongnuhs werfen ſich
auf die Alanen u. ſo dauerte es wol über
5 Jahrh. bis die Völker wegen ſich am atlantiſchen
Ocean brachen. Sehr auffallend für
die indiſch-germaniſchen Stäm̃e ſind die
Kirgieſen, die bis zu den Zeiten der Uſins
heraufreichen u. bei denen noch alte Jñſchriften
gefunden werden, Rhunen zeigten
die ganz ähnlich mit denen in Scandinavien ſind.
Jetzt reden die Kirgieſen türkiſch. Eine noch
auffallendere Erſcheinung iſt die Verbreitung einer
rein ſanſcridaniſchen Sprache in Kaſchgar
unter gleicher nördl. Breite mit Madrit,
wo jetzt noch rein Jndiſch geſprochen wird.
Von da aus haben ſich die vielen ſanſcredaniſchen
Wurzeln verbreitet.

Jch gehe jetzt zur gelben Race über.
Zu dieſer gehören die Mongolen, Chineſen, Japaneſen
u. alle nicht Negerartigen Völker
der Südſee. Man kañ ihre Anzahl wohl
auf 400 Millionen berechnen. Unter dieſer
Race ſind die großen Reiche des Attila,
des Tamerlan entſtanden u. noch jetzt beſteht
das große chineſiſche Reich, nach Rußland das
größte, von der Südſee bis zum kaſpiſchen
Meer. Lange hielt man die Mongolen
u. Tatare für identiſch. Erſtere beſiegten
im 13ten Jahrhundert Rußland, u. würden
endlich bei Liegnitz von Herzog Heinrich
dem From̃en geſchlagen. Seit dieſer Zeit
werden ſei Tartare, oder beſſer Tartare
genañt. Ludwig der Heilige von Frankreich
war Urſache des erſtern Namens, durch einen
Brief den er an ſeine Mutter ſchrieb u.
woriñ er ſagt; daß dieſe Heiden alle
verderben u. ad ſedes tartarias möchten
zurück kehren. Aehnlich iſt es mit dem
Worte Kanibale gegangen, welches von
Kariba herkom̃t, welches hinwieder durch
die Eleganz des 16ten Jahrhunderts aus
rabies canina gebildet wurde. Dſchingis
Chan hatte viele Türken in Dienſt u. die

Beherrſchten nahmen den Namen der Herrſcher

an. Die jetzt in der Mongolei
wohnen, ſind nicht Mongolen, ſondern
reine Türken, u. ſind empfindl. über den
Namen Mongolen. Eben ſo rührt von
Meiners u. Schloezer die Verwechſelung
zwiſchen Türken u. Tartare her.

Zur dritten Race gehören die
Schwarzen oder Neger, die nicht bloß
in Sudan allein u. im Jñern Afrikas
überhaupt leben, ſondern auch die ganze
Kette der Andamen-Jnſeln, öſtl. von Ceylon,
das Jñere der Halbinſel Malacca u. Neu-
Guineas bewohnen. Von dieſen ſind im
letztern Lande die Pappous verſchieden, die
ähnlich den Neuholländern ſind. Sehr ſchwarz
ſind auch die Bewohnen von Van Dimens-
Land. Die drei Hauptmerkmale des Negers,
ſchwarze Hautfarbe, wolligtes Haar
u. plattgedrückte Naſe, finden ſich nicht im̃er
beiſam̃en, nicht einmal in Afrika ſelbſt.
Die Jolofs daſelbſt, ſind noch ſchwärzer
wie die Neger in Sudan u. haben beinahe
ganz eine europäiſche Geſichtsbildung. Die
Tellahs ſind hinwieder blaß mit einem ſehr
ſanften ausdruckvollen Negergeſicht. Die
Kaffern haben ganz wolliges Haar u. eine
vollkom̃en gebildete europäiſche Naſe. Bringt
man die Bildung der verſchiedenen Völkerſtäm̃e
unter einen Geſichtspunkt, ſo werden
alle Bedingungen nicht ganz erfüllt. Polyneſien
wird in ſeinem weſtlichen Theil von
ſchwarzen in ſeinem öſtlichen Theil bis zu
den Sandwich-Jnſeln von Malegen bewohnt
die Nationen welche die Wüſte Sahara bewohnen
ſprechen einerlei Sprache, einige ſind
aber ſchwarz, andere wieder weiß. Man
möchte faſt in Verwunderung gerathen, daß
Zb. in Otaheite weiß Menſchen, u. unfern
davon ſchwarze Menſchen zu finden ſind.
Lepeirouse hatt das Unglück grade unter
die wildeſten ſchwarzen Menſchen zu gerathen,
zehn Meilen mehr öſtlich hätte er bei ſeinem
Schiffbruche an den Fidji Jnſeln die
freundſchaftlichſte Aufnahme gefunden. Jn
der Südſee überhaupt werden die ſchönſten
Menſchen in Neu-Carolina gefunden, die Aehnlichkeit
mit der mongoliſchen Race haben.
Zu den gelben Menſchen gehören die Amerikaner
ebenfalls, die abgeſchloſſen den großen
Continent von Norden nach Süden bewohnen
. Von ihnen muß man die nördlichen
Völker unterſcheiden, die Eskimos, die
zur Kaukaſiſchen Race gehören, u. mit
den aſiat. Tſukſchen, den Archipelagus
des Nordens bewohnen. Gewöhnlich wurden
die Samojeden, Lappen, Eskimos etc. für
Polarmenſchen gehalten, doch mit Unrecht.
Sie werden wie die Europäer ganz
weiß geboren u. die Samojeden namentlich
, wohnen nicht in den Polargegenden,
ſondern ihr Stam̃ wohnt bis zur chineſiſchen
Grenze hinab u. bis zu den Sajaniſchen
Schneegebirgen. Die Stäm̃e gegen Perm
ſind beſonders ſchlank u. weiß, u.
alle dieſe nördlichen Völker gehören
zur Kaukaſiſchen Race. Bei den Ureinwohnern
Amerikas iſt es merkwürdig, daß
grade in nördlichen Mexico ſtarke große
Leute von ſchwärzlicher Farbe gefunden
werden u. dagegen unter den Tropen
in der Ebene an der Quellen des Orinoko
weiße Menſchen leben Gewaltig
ſind dorten die Menſchenſtäm̃e einhergezogen.
Beſonders geformt ſind die Schädel der

Caraiben, die ein wirklich degremirtes Gehirn
haben; doch iſt dies Werk der Kunſt, u. die
Köpfe der Kinder werden zwiſchen zwei Bretter
gebunden, wie das Muskelfleiſch gezwungen
wird bandartige Ringe zu bilden; indem
ſtarke Bänder den Kinder in der Zugend
um Schenkel u. Arme gebunden werden. Daß
an der Weſtküſte Amerikas in Norfolkſund
eine blauäugige Menſchenrace gefunden wird
kañ vielleicht aus einem Zuſam̃enhange mit
den Usins herrühren. Auffallend ſind
die Formen der Menſchen die ich in Abbildungen
zu Guatimala gefunden habe, mit Habichtsnaſen
, gegen welche die Mithridatsnaſen
nichts ſind. So iſt unfern ehrwürdigen
Traditionen ähnlich der amerikaniſche Noah
abgebildet, u. hat ſolche Naſe. Eben ſo hatten
die Amerikaner eine Eva. Gehen wir
in die Geſchichten zurück, ſo iſt einer Race
allein nicht grade hohe Kultur eigen, Maſſencultur
iſt oft vorhanden geweſen. Techniſche
Künſte, Aſtronomie u. dgl. waren bei
den Mongolen, Chineſen, Jndern, Aegyptern
verbreitet. Aus den Ueberbleibſeln den
Mumien ſehen wir, daß auch die alten
Egypter zur caucaſiſchen Raçe gehörten.
Als leuchtende Punkte ſehen wir die Kultur
auflodern in Jran, Medien, Bactrien.
Der Turm zu Babel, der Jupiter Belus-
Turm, iſt das größte Monument der
alten Zeit. Was die Kultur der Egypter
Hellenen etc. anbetrifft, ſo geht es uns hier
wie mit den Him̃elskörpern, deren Jntenſität
des Lichts wir wohl erkeñen köñen,
aber nicht ihre Entfernung. Die große
Verſchiedenheit in der Kultur überhaupt
kañ nicht von der Abſtam̃ung ſelbſt, ſondern
von den politiſchen u. phyſiſchen
Lebensverhältniſſen ſelbſt hergeleitet
werden. Jn der Kaſten-Kultur, wie
in Jndien u. Egypten, oder wo der
Deſpotismus permanent geblieben als
Folge der Ausbreitung des Hirtenlebens
ſehen wir mehr Maſſen-Cultur als
die der Jndividuen. Vergleichen wir
Zb. Hellas u. China, wo letzteres weiter
gediehen in Anlagen von Straßen u.
Kanälen, ſo ſehen wir doch, wie die
Freiheit des Jndividuums weit zurück
geblieben, u. damit Vervollkomnung desſelben
. Da, wo die Entwickelung des
Einzelnen gefördert wird, u. Freiheit
ihm gegeben, wird auch die
Kultur des Ganzen nicht zurück bleiben
. Erlauben Sie mir hiemit meine
Vorleſungen zu beendigen u. nehmen
Sie meinen herzlichſten Dank an, für Jhre
gütige Aufmerkſamkeit, die Sie mir
ſchenkten.
Heft. II.

Von. S. 217—394.
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